[printed letterhead, placed sideways in left margin: ]

UNIVERSAL-EDITION, A.-G.
WIEN
I. Karlsplatz 6
Musikvereinsgebäude

Dr.R/A.
Wien, am 5. August 1929

Herrn Professor Dr. Heinrich Schenker,
GALTÜR,
Tirol.

Sehr geehrter Herr Professor! 1

Beiliegend erlauben wir uns Ihnen noch einen Nachtrag zu den Aeusserungen Edmund Schmids über Ihre Beethoven-Ausgabe zu Ihrer freundlichen Kenntnis zu übermitteln.

[enclosure = OC 52/854-855]
[remarks extracted from a letter from Edmund Schmidt to UE, typed out by UE staff on to two small slips of paper for Schenker:]

Ich bin sehr begierig, vor allem das Sonatenwerk Mozarts im Zusammenhange kennenzulernen in der Neugestaltung nach den Autographen; gar zu Vielem in den meist gebräuchlichen Ausgaben stehe ich so skeptisch als möglich gegenüber, und ich hoffe auf mindestens ebensoviele Bestätigung, wie sie die Schenker'sche Ausgabe der Beethoven-Sonaten brachte. Bei letzterer vermisse ich nur ein häufigeres kritisches Gegeneinanderstellen der Differenzen zwischen Autograph und Erstdruck. Ich fand Stellen, wo dies dringend zu wünschen wäre, und in denen Schenker (z.B. in Opus 111) nur einem der zwei Autographe folgt und an Stellen, wo ich persönlich lieber dem anderen, von Schenker nicht erwähnten Autograph, folge. An solchen Stellen, und deren sind so mancherlei, halte ich eine Gegeneinanderstellung mit knappst kritischer Sachwürdigung für nötig. Dies ist meine hauptsächliche Beschäftigung der letzten Jahre gewesen. Ob das Endergebnis eine Neue Ausgabe von mir einmal sein wird, oder ob ich mich damit begnüge, ein Buch zu schreiben, das in der Hauptsache eine Gegeneinanderstellung der Ausgaben von Krebs (sogen. "Urtext["]) und Schenker enhielte, weiss ich heute noch nicht zu sagen.

{2} . . . . . . Sie schrieben mir neulich, Sie hätten meine Meinungsäusserungen zu Ihren Neuausgaben der Klavierwerke von Schubert und Beethoven den betr. Bearbeitern mitgeteilt. Da möchte ich doch zum Ausdruck bringen, was ich zuletzt unterliess, zu sagen bezüglich Ihrer Beethoven-Ausgabe von Schenker: was ich plane, will nicht etwa an Schenkers nicht hoch genug zu bewertenden Verdiensten vorbeigehen, sondern ich befinde mich im Gegenteil bei Ueberlegungen, die einer etwa zu vermutenden Beeinträchtigung der Schenker'schen Arbeit zu begegnen suchen. Derart, dass die Schenker'sche Ausgabe, also jetzt einzig gebrauchsfähige 2 unter allen vorhandenen, die eigentliche Grundlage bleibt. Was ich vor langen Jahren schon für so eigentlich die Arbeit meiner Zukunft hielt, ist in der Schenker'schen Ausgabe zum grossen Teil erfüllt, wenn auch nicht ganz und gar. Was da fehlt, möchte mir nun in neuerer Zeit nicht mehr als in einer neuen Ausgabe zu lösen erscheinen, sondern in einer buchförmigen Darlegung. Sollte sich Schenker zur Mitteilung meiner früheren Aeusserung 3 aussprechen so wollen Sie ihm bitte diese Ergänzung ebenfalls mitteilen, sofern Ihre evtl. Correspondenz mit ihm dies als erwünscht zeigen sollte.

[end inclosure]

Hochachtungsvoll
[signed:] Universal-Edition Aktiengesellschaft
[signed:] Dr. Roth

1 Beilage

© Transcription Ian Bent, 2012

[printed letterhead, placed sideways in left margin:]

UNIVERSAL EDITION & CO.,
VIENNA I,
Karlsplatz 6,
Musikverein Building

Dr.R/A.
Vienna, August 5, 1929

Professor Heinrich Schenker,
GALTÜR,
Tyrol

Dear Professor! 1

Enclosed we take the liberty of a sending for your information an addendum to the remarks by Edmund Schmid regarding your Beethoven edition.

[enclosure = OC 52/854-855]
[remarks extracted from a letter from Edmund Schmidt to UE, typed out by UE staff on to two small slips of paper for Schenker:]

I am very keen to get to know above all Mozart's collected sonata output in the new revision according to the autograph manuscripts. Far too much of what appears in the most widely used editions arouses the utmost skepticism in me, and I hope for at least as much verification [of sources, in the new Mozart edition] as the Schenker edition of the Beethoven sonatas provided. In the latter the only thing I miss is a more frequent critical collation of the differences between autograph manuscript and first edition. I came across passages in which this was urgently needed, and in which (e.g. in Opus 111) Schenker follows only one of the two autograph manuscripts, and in passages where I personally follow the other autograph not mentioned by Schenker. In such passages ‒ and there are so many of them ‒ I consider a collation [of the sources] with concise critical assessment of their content to be necessary. This has been my principal preoccupation during recent years. Whether the end product of my work will be a new edition or whether I will content myself with writing a book the main substance of which would be a comparison of the editions by Krebs (so-called "Urtext") and Schenker, I still cannot yet say.

{2} . . . . . . You wrote me recently that you had shared my views on your new editions of the piano works of Schubert and Beethoven with the relevant editors. In view of that, I should like to put on record here something that I previously omitted to say regarding your Beethoven edition by Schenker: what I am planning will not in any way pass over Schenker's merits, which cannot be overstated; on the contrary, I am concerned with observations that seek to counter possible infringement of Schenker's work. So much so that the Schenker edition, now uniquely serviceable 2 among all those that are currently available, remains the true foundation. What I for many years considered so precisely my task for the future is for the large part fulfilled in the Schenker edition, even if not to the last degree. What is lacking there might now appear to me in more recent times to be solved no longer in a new edition but rather in an exposition in book form. Were Schenker to express his opinion of my earlier remarks 3 as communicated [to him], then please likewise pass on to him this amsplification, should this prove desirable in your future correspondence with him.

[end inclosure]

Kind regards,
[signed:] Universal Edition & Co.
[signed:] Dr. Roth

1 inclosure

© Translation Ian Bent, 2012

[printed letterhead, placed sideways in left margin: ]

UNIVERSAL-EDITION, A.-G.
WIEN
I. Karlsplatz 6
Musikvereinsgebäude

Dr.R/A.
Wien, am 5. August 1929

Herrn Professor Dr. Heinrich Schenker,
GALTÜR,
Tirol.

Sehr geehrter Herr Professor! 1

Beiliegend erlauben wir uns Ihnen noch einen Nachtrag zu den Aeusserungen Edmund Schmids über Ihre Beethoven-Ausgabe zu Ihrer freundlichen Kenntnis zu übermitteln.

[enclosure = OC 52/854-855]
[remarks extracted from a letter from Edmund Schmidt to UE, typed out by UE staff on to two small slips of paper for Schenker:]

Ich bin sehr begierig, vor allem das Sonatenwerk Mozarts im Zusammenhange kennenzulernen in der Neugestaltung nach den Autographen; gar zu Vielem in den meist gebräuchlichen Ausgaben stehe ich so skeptisch als möglich gegenüber, und ich hoffe auf mindestens ebensoviele Bestätigung, wie sie die Schenker'sche Ausgabe der Beethoven-Sonaten brachte. Bei letzterer vermisse ich nur ein häufigeres kritisches Gegeneinanderstellen der Differenzen zwischen Autograph und Erstdruck. Ich fand Stellen, wo dies dringend zu wünschen wäre, und in denen Schenker (z.B. in Opus 111) nur einem der zwei Autographe folgt und an Stellen, wo ich persönlich lieber dem anderen, von Schenker nicht erwähnten Autograph, folge. An solchen Stellen, und deren sind so mancherlei, halte ich eine Gegeneinanderstellung mit knappst kritischer Sachwürdigung für nötig. Dies ist meine hauptsächliche Beschäftigung der letzten Jahre gewesen. Ob das Endergebnis eine Neue Ausgabe von mir einmal sein wird, oder ob ich mich damit begnüge, ein Buch zu schreiben, das in der Hauptsache eine Gegeneinanderstellung der Ausgaben von Krebs (sogen. "Urtext["]) und Schenker enhielte, weiss ich heute noch nicht zu sagen.

{2} . . . . . . Sie schrieben mir neulich, Sie hätten meine Meinungsäusserungen zu Ihren Neuausgaben der Klavierwerke von Schubert und Beethoven den betr. Bearbeitern mitgeteilt. Da möchte ich doch zum Ausdruck bringen, was ich zuletzt unterliess, zu sagen bezüglich Ihrer Beethoven-Ausgabe von Schenker: was ich plane, will nicht etwa an Schenkers nicht hoch genug zu bewertenden Verdiensten vorbeigehen, sondern ich befinde mich im Gegenteil bei Ueberlegungen, die einer etwa zu vermutenden Beeinträchtigung der Schenker'schen Arbeit zu begegnen suchen. Derart, dass die Schenker'sche Ausgabe, also jetzt einzig gebrauchsfähige 2 unter allen vorhandenen, die eigentliche Grundlage bleibt. Was ich vor langen Jahren schon für so eigentlich die Arbeit meiner Zukunft hielt, ist in der Schenker'schen Ausgabe zum grossen Teil erfüllt, wenn auch nicht ganz und gar. Was da fehlt, möchte mir nun in neuerer Zeit nicht mehr als in einer neuen Ausgabe zu lösen erscheinen, sondern in einer buchförmigen Darlegung. Sollte sich Schenker zur Mitteilung meiner früheren Aeusserung 3 aussprechen so wollen Sie ihm bitte diese Ergänzung ebenfalls mitteilen, sofern Ihre evtl. Correspondenz mit ihm dies als erwünscht zeigen sollte.

[end inclosure]

Hochachtungsvoll
[signed:] Universal-Edition Aktiengesellschaft
[signed:] Dr. Roth

1 Beilage

© Transcription Ian Bent, 2012

[printed letterhead, placed sideways in left margin:]

UNIVERSAL EDITION & CO.,
VIENNA I,
Karlsplatz 6,
Musikverein Building

Dr.R/A.
Vienna, August 5, 1929

Professor Heinrich Schenker,
GALTÜR,
Tyrol

Dear Professor! 1

Enclosed we take the liberty of a sending for your information an addendum to the remarks by Edmund Schmid regarding your Beethoven edition.

[enclosure = OC 52/854-855]
[remarks extracted from a letter from Edmund Schmidt to UE, typed out by UE staff on to two small slips of paper for Schenker:]

I am very keen to get to know above all Mozart's collected sonata output in the new revision according to the autograph manuscripts. Far too much of what appears in the most widely used editions arouses the utmost skepticism in me, and I hope for at least as much verification [of sources, in the new Mozart edition] as the Schenker edition of the Beethoven sonatas provided. In the latter the only thing I miss is a more frequent critical collation of the differences between autograph manuscript and first edition. I came across passages in which this was urgently needed, and in which (e.g. in Opus 111) Schenker follows only one of the two autograph manuscripts, and in passages where I personally follow the other autograph not mentioned by Schenker. In such passages ‒ and there are so many of them ‒ I consider a collation [of the sources] with concise critical assessment of their content to be necessary. This has been my principal preoccupation during recent years. Whether the end product of my work will be a new edition or whether I will content myself with writing a book the main substance of which would be a comparison of the editions by Krebs (so-called "Urtext") and Schenker, I still cannot yet say.

{2} . . . . . . You wrote me recently that you had shared my views on your new editions of the piano works of Schubert and Beethoven with the relevant editors. In view of that, I should like to put on record here something that I previously omitted to say regarding your Beethoven edition by Schenker: what I am planning will not in any way pass over Schenker's merits, which cannot be overstated; on the contrary, I am concerned with observations that seek to counter possible infringement of Schenker's work. So much so that the Schenker edition, now uniquely serviceable 2 among all those that are currently available, remains the true foundation. What I for many years considered so precisely my task for the future is for the large part fulfilled in the Schenker edition, even if not to the last degree. What is lacking there might now appear to me in more recent times to be solved no longer in a new edition but rather in an exposition in book form. Were Schenker to express his opinion of my earlier remarks 3 as communicated [to him], then please likewise pass on to him this amsplification, should this prove desirable in your future correspondence with him.

[end inclosure]

Kind regards,
[signed:] Universal Edition & Co.
[signed:] Dr. Roth

1 inclosure

© Translation Ian Bent, 2012

Footnotes

1 Receipt of this letter and its inclosure is recorded in Schenker's diary at OJ 4/2, p. 3359, August 7, 1929: "Von der U.-E. (Br.): nachträglich die Aeußerung von Schmidt übermittelt ‒ lobt meine Beethoven-Ausgabe, eine solche Ausgabe war eigentlich der Plan seines Lebens, nun wäre höchstens noch ein Büchlein mit Anmerkungen zu meiner Ausgabe ‒ nötig!" ("From UE (letter): as a follow-up, Schmidt's remarks passed on ‒ [they] praise my Beethoven edition; such an edition was actually his life's plan, now at most a small book with annotations to my edition would be ‒ necessary!"). This letter exists in two sources: OC 52/853, the dispatched letter with printed letterhead and signatures, and WSLB 413, the carbon copy lacking letterhead and signatures but initialed "R". The enclosure, OC 52/854-855, is typed on two half-sheets.

2 "einzig gebrauchfähig" (uniquely serviceable): underlined in pencil by Schenker.

3 i.e. the extract from a previous letter from Schmidt to UE that the latter passed on to Schenker with OC 52/851.

Commentary

Provenance
OC 52/853 and OC 52/854-855: Schenker, Heinrich (1929-1935)--Schenker, Jeanette (1935-1938)--Oster, Ernst (1938-1977)—New York Public Library (c.1977-) WSLB 416: Universal Edition Archive (1929-1976)—on permanent loan to the Wienbibliothek im Rathhaus (1976-)
Rights Holder
Universal Edition, A.G., Wien, published here by kind permission
License
email from Aygün Lausch (Universal Edition) to Ian Bent, 2004-09-09, confirming UE’s ownership of IPR and granting permission to publish. Any claim to intellectual rights should be addressed to the Schenker Correspondence Project, Faculty of Music, University of Cambridge, at schenkercorrespondence [at] mus (dot) cam (dot) ac (dot) uk.
Format
OC 52/853: 1p letter, half-sheet, printed letterhead, typed message, stamped and handwritten signatures + enclosure (see below) WSLB 416: 1p letter, carbon copy, typed message, initialled "R," no letterhead, no signatures - no enclosure OC 854-855: 2p document on half-sheets, typed content
Provenance
Schenker, Heinrich (document date-1935)--Schenker, Jeanette (1935-1938)--Oster, Ernst (1938-c.1939)—New York Public Library (c.1939-)

Digital version created: 2012-09-17
Last updated: 2012-09-17