Gmain / Reichenhall, den 17. VI. 1921

Lieber verehrter Meister!

Zu 1 Ihrem Geburtstage sende ich Ihnen, auch im Namen meiner Frau, die herzlichsten Glückwünsche. Hoffentlich können Sie ihn in Ihrer neuen Wohnung, 2 von der Sie seinerzeit schrieben, begehen und vor allem von Gesundheit und Schaffensfreude. Ich wünsche Ihnen besonders, dass Sie jetzt eine allmählige Gesundung unseres geistigen Lebens, der gesellschaftlichen und politischen Atmosphäre erleben möchten. Es sind viele Ansätze dazu da; wäre die Böswilligkeit der Menschen nicht, so könnte es bald anders sein.

Von Ihren zahlreichen bevorstehenden Veröffentlichungen hörte ich in Ihrem letzten Brief mit grösster Freude. Ich bin begierig auf den „Tonwille“, noch mehr aber auf das baldige Erscheinen des Cpt. II.

Cotta ist auf mein Anerbieten nicht eingegangen; nun es wird sich etwas anderes ergeben. Für Ihre Liebenswürdigkeit, mit der Sie an Cotta geschrieben haben, sage ich Ihnen nochmals meinen allerherzlichsten Dank.

{2} Wann und wohin werden Sie in diesem Jahr reisen? Ich komme in den nächsten Tagen in den Besitz eines Reisepasses, sodass ich in diesem Jahr einen kurzen Ausflug in Ihre Nähe unternehmen könnte, wenn es Ihnen recht wäre und Sie wieder nach Tirol oder ins Salzburger Land kommen. Ich bin mit meinem Buch „Die Offenbarung der Musik“ 3 in eine unvorhergesehene Schwierigkeit geraten. Der Verleger ist zahlungsunfähig geworden und musst verkaufen. Die Nachfolger sind noch reinere Kriegsgewinner, die an Literatur kein Interesse haben, sondern nur Geld verstecken wollen: Augenblicklich verhandle ich also nach verschiedenen Seiten. Das MS. wird ubernimmt umher und ich muss auf die Entscheidung warten.

Ein Nachricht von Ihnen, lieber Meister, würde mich herzlich freuen; hoffentlich befinden Sie sich wohl.


Mit den herzlichsten Grüssen
besonders für den 19. VI.
an Sie und Ihre verehrte Frau Gemahlin
auch von meiner Frau
Ihr stets und unveränderlich
dankbar-ergebener
[signed:] Walter Dahms

© Transcription John Koslovsky, 2011


Großgmain / Reichenhall, June 17, 1921

Dear revered Master,

My 1 wife and I send you our most cordial good wishes on your birthday. We hope you can celebrate it at your new apartment, 2 from which you wrote at that time, above all with good health and the joy to work. In particular I wish that you will be able to live through a gradual recovery of our spiritual lives, as well as the social and political atmosphere. There are now many signs of such a thing; if it were not for the maliciousness of people, it could soon be different.

I received word of your numerous forthcoming publications in your last letter with the greatest joy. I am eager to see the Der Tonwille , but even more so for the upcoming publication of Counterpoint vol. 2.

Cotta has not taken to my offer; now something else is bound to happen. For your kindness in writing to Cotta, I once again express my deepest thanks.

{2} When and where will you travel this summer? In the next few days I will be in the possession of a passport, such that I could take a short trip to where you are staying, if it were alright with you and if you come once again to Tyrol or to the province of Salzburg. I have run into an unforeseen difficulty with my book Die Offenbarung der Musik. 3 The publisher became unable to pay and had to sell. The successors are still pure war profiteers, who have no interest in literature, and who only want to stuff their pockets with money. At the present time I am negotiating with many sides. The manuscript will is handed over and I must wait for a decision.

Any news from you, dear master, would bring me heartfelt joy; I hope you are doing well.


With most cordial greetings,
especially for June 19,
to you and revered dear wife,
also from my wife,
Your constantly and unchangingly
gratefully devoted
[signed:] Walter Dahms

© Translation John Koslovsky, 2011


Gmain / Reichenhall, den 17. VI. 1921

Lieber verehrter Meister!

Zu 1 Ihrem Geburtstage sende ich Ihnen, auch im Namen meiner Frau, die herzlichsten Glückwünsche. Hoffentlich können Sie ihn in Ihrer neuen Wohnung, 2 von der Sie seinerzeit schrieben, begehen und vor allem von Gesundheit und Schaffensfreude. Ich wünsche Ihnen besonders, dass Sie jetzt eine allmählige Gesundung unseres geistigen Lebens, der gesellschaftlichen und politischen Atmosphäre erleben möchten. Es sind viele Ansätze dazu da; wäre die Böswilligkeit der Menschen nicht, so könnte es bald anders sein.

Von Ihren zahlreichen bevorstehenden Veröffentlichungen hörte ich in Ihrem letzten Brief mit grösster Freude. Ich bin begierig auf den „Tonwille“, noch mehr aber auf das baldige Erscheinen des Cpt. II.

Cotta ist auf mein Anerbieten nicht eingegangen; nun es wird sich etwas anderes ergeben. Für Ihre Liebenswürdigkeit, mit der Sie an Cotta geschrieben haben, sage ich Ihnen nochmals meinen allerherzlichsten Dank.

{2} Wann und wohin werden Sie in diesem Jahr reisen? Ich komme in den nächsten Tagen in den Besitz eines Reisepasses, sodass ich in diesem Jahr einen kurzen Ausflug in Ihre Nähe unternehmen könnte, wenn es Ihnen recht wäre und Sie wieder nach Tirol oder ins Salzburger Land kommen. Ich bin mit meinem Buch „Die Offenbarung der Musik“ 3 in eine unvorhergesehene Schwierigkeit geraten. Der Verleger ist zahlungsunfähig geworden und musst verkaufen. Die Nachfolger sind noch reinere Kriegsgewinner, die an Literatur kein Interesse haben, sondern nur Geld verstecken wollen: Augenblicklich verhandle ich also nach verschiedenen Seiten. Das MS. wird ubernimmt umher und ich muss auf die Entscheidung warten.

Ein Nachricht von Ihnen, lieber Meister, würde mich herzlich freuen; hoffentlich befinden Sie sich wohl.


Mit den herzlichsten Grüssen
besonders für den 19. VI.
an Sie und Ihre verehrte Frau Gemahlin
auch von meiner Frau
Ihr stets und unveränderlich
dankbar-ergebener
[signed:] Walter Dahms

© Transcription John Koslovsky, 2011


Großgmain / Reichenhall, June 17, 1921

Dear revered Master,

My 1 wife and I send you our most cordial good wishes on your birthday. We hope you can celebrate it at your new apartment, 2 from which you wrote at that time, above all with good health and the joy to work. In particular I wish that you will be able to live through a gradual recovery of our spiritual lives, as well as the social and political atmosphere. There are now many signs of such a thing; if it were not for the maliciousness of people, it could soon be different.

I received word of your numerous forthcoming publications in your last letter with the greatest joy. I am eager to see the Der Tonwille , but even more so for the upcoming publication of Counterpoint vol. 2.

Cotta has not taken to my offer; now something else is bound to happen. For your kindness in writing to Cotta, I once again express my deepest thanks.

{2} When and where will you travel this summer? In the next few days I will be in the possession of a passport, such that I could take a short trip to where you are staying, if it were alright with you and if you come once again to Tyrol or to the province of Salzburg. I have run into an unforeseen difficulty with my book Die Offenbarung der Musik. 3 The publisher became unable to pay and had to sell. The successors are still pure war profiteers, who have no interest in literature, and who only want to stuff their pockets with money. At the present time I am negotiating with many sides. The manuscript will is handed over and I must wait for a decision.

Any news from you, dear master, would bring me heartfelt joy; I hope you are doing well.


With most cordial greetings,
especially for June 19,
to you and revered dear wife,
also from my wife,
Your constantly and unchangingly
gratefully devoted
[signed:] Walter Dahms

© Translation John Koslovsky, 2011

Footnotes

1 Receipt of this letter is recorded in Schenker's diary at OJ 3/2, p. 2356, June 21, 1921: "Von Dahms (Br.): Gratulation u. Wunsch, mich in Tirol wiederzusehen." ("From Dahms (letter): congratulations; and wishes to see me again in the Tyrol."). Schenker's 53rd birthday fell on June 19, 1921.

2 Heinrich and Jeanette Schenker had moved to their new apartment, Vienna III, Keilgasse 8, Tür 12, in May 1921.

3 Dahms, Die Offenbarung der Musik: Eine Apotheose Friedrich Nietzsches (Munich: Musarion, 1922).

Commentary

Format
2p letter, holograph message and signature
Provenance
Schenker, Heinrich (document date-1935)-- Schenker, Jeanette (1935-c.1942)--Ratz, Erwin (c.1942-c.1955)--Jonas, Oswald (c.1955-1978)--University of California, Riverside (1978--)
Rights Holder
Heirs of Walter Dahms, published here with kind permission.
License
Permission to publish granted by principal heir, Dahms's grand daughter, Cristina Texeio Coelho, August 12, 2009. Any claim to intellectual rights on this document should be addressed to the Schenker Correspondence Project, Faculty of Music, University of Cambridge, at schenkercorrespondence [at] mus (dot) cam (dot) ac (dot) uk.

Digital version created: 2011-05-20
Last updated: 2011-05-20