Hamburg, 18. Februar 26.

Liebster, guter H.! 1

Ich schicke voraus, daß mein Gesundheitszustand zur Zeit der Konzerte ein miserables war u. daß ich jetzt mit Kunst mich halte. Ich habe auf ärztlichen Rat hin nach Gastein geschrieben. Hoffentlich bekomme ich dort für Juli etwas mietbares. Übrigens spreche über diese Dinge besonders nicht zu Fanny. Du solltest durch obigen Passus u. durch das Wissen um die Schwere der finanziellen Seite der Konzerte, nur meine Schweigsamkeit verstehen.

Der Erfolg beider Konzerte, soweit ich ihn als Grundlage für weitere Unternehmungen benützen will, war außerordentlich: Die Presse, weit darüber hinaus, wie ich es erwarten durfte. Schweres Leid bereitete mir nur die dreckige, verworrene Persönlichkeit Buxbaums. Den größten Fehler beging er, daß er, aus Not, weil er einen schlechten Geiger hatte, seinerzeit das Quartett nach dem Cellisten {2} benannte. Das hatte zur Folge den innerlich fatalen Standpunkt sich vom Cello aus die Führerrolle zu ursupieren [sic]: Weiters zur Folge, daß er dieses System bei Berg fortsetzt[corr] u jetzt in der Eitelkeit verletzt wird, wenn ein anderer ihm in Gegenwart von Berg Ausstellungen macht: Das Proben, so angenehm es mit ihm vor Jahren war, war qualvoll. Dann erzählte er mir, was man in Wien über mein Spiel spricht. Ich sagte ihm: „Von Wien bin ich eben fortgegangen. Du fächelst mir so viel Wiener Luft zu, daß ich beinahe ersticke.“ Er meinte ich spiele so wie es kein Anderer kann, aber!!!! so richtig es theoretisch(!!!) sein mag, ich verstünde nicht die Publikumswirkung. Ich meinte da, wenn er so genau die Wünsche des Publikums kennt, verstünde ich nicht, warum das Publikum seine Konzerte nicht stürmt? Ich sagte ihm daß ich nur die Wünsche Beethovens kenne u. daß er aus Trotz nicht leugnen soll, daß wir einen vollen Saal, einen stürmischen Erfolg u. eine Presse haben, wie er es nie haben konnte.

{3} Wir wurden in die erste Reihe gestellt. Daß man mir ein bißchen die Schuld gab, dafür kann ich nichts. Berg u. er waren unzulänglich. Er aus Trotz, Berg aus Verschüchterung. Aus Berg wäre alles herauszuholen.

Na, ich habe aber die nötige Ruhe für die Zukunft, denn ich schätze Buxbaum richtig ein. Wird er vor einem Tournee-Antrag stehen, ich hoffe bestimmt daß einer zu Stande kommt, so wird er die nötige Kleinheit bekommen u. ich werde auf Heiterkeit u. Ruhe bestehen, ansonst ich lieber verzichte.

Dein Bild hätte mir Buxbaum mitbringen sollen. Er fuhr erst nach Schweden u. fürchteten bei der Größe des Bildes, es nicht unversehrt bringen zu können. Offiziell wurde ich nicht von dem Geschenk benachrichtigt. Ich sehe schon, daß ich bis zum Sommer werde warten müssen.

Frl. Bekker ist lernbegierig? Jendenfalls intelligenter als begabt.

{4} Hoffentlich höre ich bald Schönes von Dir! Vor allem von Eurer Gesundheit u. bestem Wo[h]lbefinden!!!


Alles Schöne von Uns an Euch!
In Treue
Dein
alter
[signed:] Floriz

© Transcription William Drabkin, 2013


Hamburg, February 18, 1926

My dearest, good Heinrich, 1

I shall begin by saying that my health was in a terrible state at the time of the concerts, and that now I am keeping myself going with my art. On medical advice, I have written to Bad Gastein. I hope I shall find something there in July which I can rent. At any rate, do not talk about these things particularly with Fanny. You need understand merely my silence, from what is written above and from your knowledge of the difficulties of the financial side of the concerts.

The success of both concerts, as far as I can use it as a basis for further undertakings, was extraordinary. The press went much further than I could have expected. The only thing that gave me cause for great sorrow was the distasteful and confused personality of Buxbaum. The greatest mistake he made was to name his quartet after the cellist – in desperation, because he had a bad [first] violinist. {2} This had as a consequence the intrinsically fatal situation of usurping, from the position of the cellist, the role of leader. And the further consequence that he continued this system when Berg joined the ensemble, so that now his vanity is wounded when someone else demonstrates things to him in the presence of Berg: rehearsing with him, which years ago had been such a pleasure, was a torture. Then he told me what is said in Vienna about my playing. I said to him "I have in fact left Vienna. You fan so much Viennese air in my face that I am nearly suffocating." He meant that my playing is like no one else's, but!!!! however correct it was in theory(!!!), I did not understand the effect on an audience. Whereupon, I thought, if he understands the audience's intentions so accurately, then I do not understand why audiences do not besiege his concerts? I said to him to him that I recognize only the wishes of Beethoven, and that he should not, out of spite, deny that we had a full house, a tumultuous success and a critical reception of the sort that he could never have.

{3} We were placed in the highest rank. That I was made somewhat responsible for this is something that I cannot do anything about. Berg and he were inadequate. He out of defiance, Berg out of intimidation. It would be possible to get everything out of Berg.

Well, then, I have the necessary calmness with which to face the future, for I am judging Buxbaum correctly. If he is offered a contract to go on tour, [and] I very much hope that one arises, then he will receive the necessary small fee; and I shall insist upon cheerfulness and calmness, otherwise I would rather decline.

Buxbaum should have brought your portrait with him to me. He travelled first to Sweden and feared that, it being so large, he would not be able to bring it undamaged. Officially I was not informed about the gift. I see now that I shall have to wait until the summer.

Is Miss Becker ist keen to learn? At any rate, she is more intelligent than gifted.

{4} I hope to hear some nice things from you soon? Above all, concerning your health and best circumstances!!!


Our very best greetings to the two of you!
In faithfulness,
your
old
[signed:] Floriz

© Translation William Drabkin, 2013


Hamburg, 18. Februar 26.

Liebster, guter H.! 1

Ich schicke voraus, daß mein Gesundheitszustand zur Zeit der Konzerte ein miserables war u. daß ich jetzt mit Kunst mich halte. Ich habe auf ärztlichen Rat hin nach Gastein geschrieben. Hoffentlich bekomme ich dort für Juli etwas mietbares. Übrigens spreche über diese Dinge besonders nicht zu Fanny. Du solltest durch obigen Passus u. durch das Wissen um die Schwere der finanziellen Seite der Konzerte, nur meine Schweigsamkeit verstehen.

Der Erfolg beider Konzerte, soweit ich ihn als Grundlage für weitere Unternehmungen benützen will, war außerordentlich: Die Presse, weit darüber hinaus, wie ich es erwarten durfte. Schweres Leid bereitete mir nur die dreckige, verworrene Persönlichkeit Buxbaums. Den größten Fehler beging er, daß er, aus Not, weil er einen schlechten Geiger hatte, seinerzeit das Quartett nach dem Cellisten {2} benannte. Das hatte zur Folge den innerlich fatalen Standpunkt sich vom Cello aus die Führerrolle zu ursupieren [sic]: Weiters zur Folge, daß er dieses System bei Berg fortsetzt[corr] u jetzt in der Eitelkeit verletzt wird, wenn ein anderer ihm in Gegenwart von Berg Ausstellungen macht: Das Proben, so angenehm es mit ihm vor Jahren war, war qualvoll. Dann erzählte er mir, was man in Wien über mein Spiel spricht. Ich sagte ihm: „Von Wien bin ich eben fortgegangen. Du fächelst mir so viel Wiener Luft zu, daß ich beinahe ersticke.“ Er meinte ich spiele so wie es kein Anderer kann, aber!!!! so richtig es theoretisch(!!!) sein mag, ich verstünde nicht die Publikumswirkung. Ich meinte da, wenn er so genau die Wünsche des Publikums kennt, verstünde ich nicht, warum das Publikum seine Konzerte nicht stürmt? Ich sagte ihm daß ich nur die Wünsche Beethovens kenne u. daß er aus Trotz nicht leugnen soll, daß wir einen vollen Saal, einen stürmischen Erfolg u. eine Presse haben, wie er es nie haben konnte.

{3} Wir wurden in die erste Reihe gestellt. Daß man mir ein bißchen die Schuld gab, dafür kann ich nichts. Berg u. er waren unzulänglich. Er aus Trotz, Berg aus Verschüchterung. Aus Berg wäre alles herauszuholen.

Na, ich habe aber die nötige Ruhe für die Zukunft, denn ich schätze Buxbaum richtig ein. Wird er vor einem Tournee-Antrag stehen, ich hoffe bestimmt daß einer zu Stande kommt, so wird er die nötige Kleinheit bekommen u. ich werde auf Heiterkeit u. Ruhe bestehen, ansonst ich lieber verzichte.

Dein Bild hätte mir Buxbaum mitbringen sollen. Er fuhr erst nach Schweden u. fürchteten bei der Größe des Bildes, es nicht unversehrt bringen zu können. Offiziell wurde ich nicht von dem Geschenk benachrichtigt. Ich sehe schon, daß ich bis zum Sommer werde warten müssen.

Frl. Bekker ist lernbegierig? Jendenfalls intelligenter als begabt.

{4} Hoffentlich höre ich bald Schönes von Dir! Vor allem von Eurer Gesundheit u. bestem Wo[h]lbefinden!!!


Alles Schöne von Uns an Euch!
In Treue
Dein
alter
[signed:] Floriz

© Transcription William Drabkin, 2013


Hamburg, February 18, 1926

My dearest, good Heinrich, 1

I shall begin by saying that my health was in a terrible state at the time of the concerts, and that now I am keeping myself going with my art. On medical advice, I have written to Bad Gastein. I hope I shall find something there in July which I can rent. At any rate, do not talk about these things particularly with Fanny. You need understand merely my silence, from what is written above and from your knowledge of the difficulties of the financial side of the concerts.

The success of both concerts, as far as I can use it as a basis for further undertakings, was extraordinary. The press went much further than I could have expected. The only thing that gave me cause for great sorrow was the distasteful and confused personality of Buxbaum. The greatest mistake he made was to name his quartet after the cellist – in desperation, because he had a bad [first] violinist. {2} This had as a consequence the intrinsically fatal situation of usurping, from the position of the cellist, the role of leader. And the further consequence that he continued this system when Berg joined the ensemble, so that now his vanity is wounded when someone else demonstrates things to him in the presence of Berg: rehearsing with him, which years ago had been such a pleasure, was a torture. Then he told me what is said in Vienna about my playing. I said to him "I have in fact left Vienna. You fan so much Viennese air in my face that I am nearly suffocating." He meant that my playing is like no one else's, but!!!! however correct it was in theory(!!!), I did not understand the effect on an audience. Whereupon, I thought, if he understands the audience's intentions so accurately, then I do not understand why audiences do not besiege his concerts? I said to him to him that I recognize only the wishes of Beethoven, and that he should not, out of spite, deny that we had a full house, a tumultuous success and a critical reception of the sort that he could never have.

{3} We were placed in the highest rank. That I was made somewhat responsible for this is something that I cannot do anything about. Berg and he were inadequate. He out of defiance, Berg out of intimidation. It would be possible to get everything out of Berg.

Well, then, I have the necessary calmness with which to face the future, for I am judging Buxbaum correctly. If he is offered a contract to go on tour, [and] I very much hope that one arises, then he will receive the necessary small fee; and I shall insist upon cheerfulness and calmness, otherwise I would rather decline.

Buxbaum should have brought your portrait with him to me. He travelled first to Sweden and feared that, it being so large, he would not be able to bring it undamaged. Officially I was not informed about the gift. I see now that I shall have to wait until the summer.

Is Miss Becker ist keen to learn? At any rate, she is more intelligent than gifted.

{4} I hope to hear some nice things from you soon? Above all, concerning your health and best circumstances!!!


Our very best greetings to the two of you!
In faithfulness,
your
old
[signed:] Floriz

© Translation William Drabkin, 2013

Footnotes

1 Receipt of this letter is recorded in Schenker's diary at OJ 3/8, p. 2921 (February 20, 1926): "Von Fl. (Br.): müsse nach Gastein, erklärt aber nicht die Gründe; über Buxbaums Widerstand, der nur die Publikumswirkung im Auge habe." ("From Floriz (letter): he must go to Bad Gastein, does not, however, explain why; concerning the resistance from Buxbaum, who is interested only in the effect [of his performances] on the audience.")

Commentary

Format
4p letter, holograph message and signature
Provenance
Schenker, Heinrich (document date-1935)--Schenker, Jeanette (1935-c.1942)--Ratz, Erwin (c.1942-c.1945)--Jonas, Oswald (c.1945-1978)--University of California, Riverside (1978--)
Rights Holder
Heirs of Moriz Violin, reproduced here by kind permission
License
Permission to publish granted by the heirs of Moriz Violin, June 25, 2006. Any claim to intellectual rights on this document should be addressed to the Schenker Correspondence Project, Faculty of Music, University of Cambridge, at schenkercorrespondence [at] mus (dot) cam (dot) ac (dot) uk

Digital version created: 2013-07-11
Last updated: 2013-07-11