Lieber, verehrter Meister, 1

Vor allem möchte ich Ihnen mitteilen, daß ich in dem von Hammer empfohlenen Rahmengeschäft einen sehr schönen Rahmen für Ihr Bild gefunden habe und sehr gut von dem Manne bedient wurde! Ich habe zu Ihrer un Frau Lie-Lie’s Auswahl zwei Rahmen bei Seite legen lassen, vielleicht daß Sie sie einmal besichtigen. Sie sind sehr schön und ich denke, beide jeder von ihnen würden sehr gut — in die „blauer Stube“ passen.

Für alle Fälle gebe ich Ihnen die Adresse nochmals an: Stiassny und Plobner, I. Riemergasse 19.

Ferner möchte ich Sie etwas fragen. Ein Bekannter (ein Vorstand der Creditanstalt) verständigte mich heute, daß er das Manuscript der BrahmsCdur Klaviersonate, ferner 2 Chöre aus op 104, sodann Kadenzen zum Gdur KlavierKonzert von Beethoven von Brahms komponiert, zum Verkauf in Händen habe; (er tut es blos aus Gefälligkeit für den bisherigen Besitzer, der mit Brahms gut bekannt, von diesem selbst die Manuskripte erhalten hat und nun infolge von Not gezwungen ist – zu verkaufen.[)] Ich selbst war dort in der Creditanstalt und habe die Chorlieder, und die Kadenzen zum Beethovenschen Konzert gesehen. Besonders letztere finde ich äußerst interessant, (ich glaube diese Kadenzen sind doch im Drucke nie erschienen?) 2 Nun frage ich: Käme vielleicht Hoboken dafür in betracht? Oder Altmann?? (d.h. die Nationalbibliothek) denn die hiesigen Bibliotheken haben doch kein Geld!

{2} Die Kadenz ist auf 7 Seiten Quartformat geschrieben, der Betreffende weiß freilich nicht genau, was zu verlangen! – (Er glaubt 3000 – 3500 Mark für die Kadenzen allein.)

Hammer habe ich Ihren Brief übergeben und ihn noch gesprochen: Er hat wegen Photographen etc. alles veranlaßt und an meine Adresse wissen lassen. Ich komme dann mit Allem zu Ihnen.

Endlich zitiere ich noch eine Stelle aus einem Briefe von Warburg, den ich gestern aus Amerika erhielt: „Ich traf Mr. Wedge, der jetzt bei Damrosch die leitende „theoretische[“] Stelle immer hat. Ich habe ihm seinerzeit die „Tonwille“ Hefte geschickt und er erzählte mir strahlend, dass er die „Urlinie,“ wie er sie versteht – von allen Lehrern unterrichten lässt.“ 3


Nun wünsche ich Ihnen beiden eine gute Nacht und bin mit herzlichsten Grüssen Ihr dankbarer, alter
[signed:] Hans.
7. Oktober, 25 abds. —

[note in bottom margin] [in Schenker's hand, in pencil] 16000 x 3 = 48000 000

© Transcription William Drabkin, 2013



Dear, revered Master, 1

First of all, I shall like you to know that, in the picture-frame shop recommended by Hammer, I found a very beautiful frame for your portrait and was well served by the shopkeeper! I have put aside two frames for you and Lie-Lie to choose from; perhaps you will look at them some time. They are very beautiful and I believe that either of them would look very good in the "Blue Room."

In any event, I shall give you the address once more: Stiassny and Plobner, Vienna I, Riemergasse 19.

In addition, I should like to ask you something. An acquaintance (on the Board of the Creditanstalt) informed me today that he has in his possession the autograph manuscript of Brahms's Piano Sonata in C major, along with two choruses from Op. 104 and the cadenzas composed by Brahms for Beethoven's Piano Concerto in G major, which are to be sold. (He is doing this merely as a favor to the previous owner, who was well acquainted with Brahms, from whom he received the manuscripts himself, and which he is forced by necessity to sell.) I myself was at the Creditanstalt and have seen the choral songs and the cadenzas to the Beethoven concerto. The latter, in particular, I find extremely interesting: am I right in thinking that these cadenzas have never been published? 2 Now, I ask: would Hoboken be interested? Or Altmann?? (That is the [Prussian] National Library), since the local libraries have no money at all!

{2} The cadenza is [recte cadenzas are] written on seven pages in quarto format; the person concerned admittedly does not know precisely what he should demand for them! (He is thinking of 3000–3500 marks for the cadenzas alone.)

I have given Hammer your letter and also spoken to him. He has arranged everything regarding a photographer, etc., and will send things to my address. I will then bring everything to your place.

Finally, I shall quote another passage from a letter from Warburg, which I received yesterday from America : "I met Mr. Wedge, who continues to hold the leading 'theory' post with Damrosch. Some time ago I sent him the Tonwille volumes, and he informed me beamingly that he has all the instructors teach the 'Urlinie,' as he understands it." 3


Now I wish the two of you a good night and, with most cordial greetings, remain your grateful, old
[signed:] Hans
October 7, 1925 in the evening

[note in bottom margin] [in Schenker's hand, in pencil] 16000 x 3 = 48000 000

© Translation William Drabkin, 2013



Lieber, verehrter Meister, 1

Vor allem möchte ich Ihnen mitteilen, daß ich in dem von Hammer empfohlenen Rahmengeschäft einen sehr schönen Rahmen für Ihr Bild gefunden habe und sehr gut von dem Manne bedient wurde! Ich habe zu Ihrer un Frau Lie-Lie’s Auswahl zwei Rahmen bei Seite legen lassen, vielleicht daß Sie sie einmal besichtigen. Sie sind sehr schön und ich denke, beide jeder von ihnen würden sehr gut — in die „blauer Stube“ passen.

Für alle Fälle gebe ich Ihnen die Adresse nochmals an: Stiassny und Plobner, I. Riemergasse 19.

Ferner möchte ich Sie etwas fragen. Ein Bekannter (ein Vorstand der Creditanstalt) verständigte mich heute, daß er das Manuscript der BrahmsCdur Klaviersonate, ferner 2 Chöre aus op 104, sodann Kadenzen zum Gdur KlavierKonzert von Beethoven von Brahms komponiert, zum Verkauf in Händen habe; (er tut es blos aus Gefälligkeit für den bisherigen Besitzer, der mit Brahms gut bekannt, von diesem selbst die Manuskripte erhalten hat und nun infolge von Not gezwungen ist – zu verkaufen.[)] Ich selbst war dort in der Creditanstalt und habe die Chorlieder, und die Kadenzen zum Beethovenschen Konzert gesehen. Besonders letztere finde ich äußerst interessant, (ich glaube diese Kadenzen sind doch im Drucke nie erschienen?) 2 Nun frage ich: Käme vielleicht Hoboken dafür in betracht? Oder Altmann?? (d.h. die Nationalbibliothek) denn die hiesigen Bibliotheken haben doch kein Geld!

{2} Die Kadenz ist auf 7 Seiten Quartformat geschrieben, der Betreffende weiß freilich nicht genau, was zu verlangen! – (Er glaubt 3000 – 3500 Mark für die Kadenzen allein.)

Hammer habe ich Ihren Brief übergeben und ihn noch gesprochen: Er hat wegen Photographen etc. alles veranlaßt und an meine Adresse wissen lassen. Ich komme dann mit Allem zu Ihnen.

Endlich zitiere ich noch eine Stelle aus einem Briefe von Warburg, den ich gestern aus Amerika erhielt: „Ich traf Mr. Wedge, der jetzt bei Damrosch die leitende „theoretische[“] Stelle immer hat. Ich habe ihm seinerzeit die „Tonwille“ Hefte geschickt und er erzählte mir strahlend, dass er die „Urlinie,“ wie er sie versteht – von allen Lehrern unterrichten lässt.“ 3


Nun wünsche ich Ihnen beiden eine gute Nacht und bin mit herzlichsten Grüssen Ihr dankbarer, alter
[signed:] Hans.
7. Oktober, 25 abds. —

[note in bottom margin] [in Schenker's hand, in pencil] 16000 x 3 = 48000 000

© Transcription William Drabkin, 2013



Dear, revered Master, 1

First of all, I shall like you to know that, in the picture-frame shop recommended by Hammer, I found a very beautiful frame for your portrait and was well served by the shopkeeper! I have put aside two frames for you and Lie-Lie to choose from; perhaps you will look at them some time. They are very beautiful and I believe that either of them would look very good in the "Blue Room."

In any event, I shall give you the address once more: Stiassny and Plobner, Vienna I, Riemergasse 19.

In addition, I should like to ask you something. An acquaintance (on the Board of the Creditanstalt) informed me today that he has in his possession the autograph manuscript of Brahms's Piano Sonata in C major, along with two choruses from Op. 104 and the cadenzas composed by Brahms for Beethoven's Piano Concerto in G major, which are to be sold. (He is doing this merely as a favor to the previous owner, who was well acquainted with Brahms, from whom he received the manuscripts himself, and which he is forced by necessity to sell.) I myself was at the Creditanstalt and have seen the choral songs and the cadenzas to the Beethoven concerto. The latter, in particular, I find extremely interesting: am I right in thinking that these cadenzas have never been published? 2 Now, I ask: would Hoboken be interested? Or Altmann?? (That is the [Prussian] National Library), since the local libraries have no money at all!

{2} The cadenza is [recte cadenzas are] written on seven pages in quarto format; the person concerned admittedly does not know precisely what he should demand for them! (He is thinking of 3000–3500 marks for the cadenzas alone.)

I have given Hammer your letter and also spoken to him. He has arranged everything regarding a photographer, etc., and will send things to my address. I will then bring everything to your place.

Finally, I shall quote another passage from a letter from Warburg, which I received yesterday from America : "I met Mr. Wedge, who continues to hold the leading 'theory' post with Damrosch. Some time ago I sent him the Tonwille volumes, and he informed me beamingly that he has all the instructors teach the 'Urlinie,' as he understands it." 3


Now I wish the two of you a good night and, with most cordial greetings, remain your grateful, old
[signed:] Hans
October 7, 1925 in the evening

[note in bottom margin] [in Schenker's hand, in pencil] 16000 x 3 = 48000 000

© Translation William Drabkin, 2013

Footnotes

1 Receipt of this letter is recorded in Schenker's diary at OJ 3/8, pp. 2875–76 (October 8, 1925): "Von Weisse (Br.): wird die bestellten Bilder selbst bringen, außerdem die Fotografie für die Musik. Spricht von Brahms-Autographen, die zu haben sind: op. 1, op. 104 u. eine Kadenz zum Gdur-Klavierkonzert von Beethoven – bittet mich, sie Altmann anzutragen; führt eine Stelle aus einem Brief von Warburg an, wornach im Damrosch-Konservatorium ein Amerikaner, Wedge, die – Urlinie vorträgt."("From Weisse (letter): he will bring the copies of the picture himself, and in addition the photograph for Die Musik. He speaks of Brahms autograph manuscripts that are for sale: Op. 1, Op. 104, and a cadenza to Beethoven's Piano Concerto in G major – he asks me to suggest these to Altmann; he reads a passage from a letter from Warburg, according to which an American by the name of Wedge lectures on the Urlinie at the Damrosch Conservatory.")

2 The cadenzas were, in fact, first published in 1907, but they may have become more widely known when they were reprinted in vol. 15 in Breitkopf & Härtel’s Brahms collected edition (1927).

3 Schenker has side-lined the quotation from Warburg's letter.

Commentary

Format
2p letter, holograph message and signature
Provenance
Schenker, Heinrich (document date-1935)--Schenker, Jeanette (1935-c.1942)--Ratz, Erwin (c.1942-c.1945)--Jonas, Oswald (c.1945-1978)--University of California, Riverside (1978--)
Rights Holder
Heirs of Hans Weisse, reproduced with kind permission
License
Permission to publish granted on March 10, 2008 by the heirs of Hans Weisse. Any claim to intellectual rights on this document should be addressed to the Schenker Documents Online, Faculty of Music, University of Cambridge, at schenkercorrespondence[at]mus(dot)cam(dot)ac(dot)uk

Digital version created: 2013-10-02
Last updated: 2013-10-02