Fl! 1

Tausend Dank! Du hast die Lage gerettet! Denn – die Feder sträubt sich – Weisse u. Brünauer haben sich wie immer, so auch diesmal, da ich an sie zum 1. u. letzten Male im Leben appelliert habe, bübisch benommen: sie haben mich verraten, dazu schriftlich u. mündlich mehrmals angelogen, so daß ich jämmerlich hineingefallen wäre, wenn nicht in letzter Stunde deine Belege gekommen wären. Die beiden Knaben haben das Abonn. einfach nur dazu benützt, sich selbst ja eine n billigere 4-Heft-Folge zu verschaffen u. redeten mir von 50, 60, 10 Abonn. usw. Als es dann ernster wurde begannen sie es billiger zu geben, zogen ihre Worte zurück, aber immer noch so, daß ich im Ernstfall größten Schaden gelitten hätten. Z. B. Hans gab mir für den Anwalt – noch vor wenigen Tagen! – schriftlich 2 , daß er Ende Dezember weitere 9 Abonn. bezahlt habe, bis endlich der höchste Ernst ihm die Wahrheit erpreßt hat, daß er diese erst im Jänner u. noch später {2} bezahlt hat. Wie die Knaben sahen, das es ernst wird, haben sie – viel zu spät – nachbestellt, statt worauf allein es ankam, im J. 1924 die Bestellung zu machen.

Als Weisse’s Vocalquartette 3 in Frage kamen, waren binnen einer Woche 100 Subscrib. a 80.000 K per Ex. aufgetrieben, jetzt wollten[corr] sich jene Judenknaben mit blos 80.000 für 4 Hefte, die wertvoller sind als die Quartette, drücken. Brünauer bestellte 3 Ex. Quartette, also für 24.000 K, in meinem Falle wollte er mit 80.000 K durchschlüpfen u. an meiner Abonnement-Idee zur Rettung des „TW“ noch ein Ersparniß von 10–20.000 K machen. Ich habe ihn gedroschen – „ja, sagte Brün [sic],“ ich schäme mich, es war nicht korrekt usw.“

Und Mozio . . . In der Konferenz sagte er zu H. „Abonnenten soviel Sie wollen“, ging hin u. bestellte – – ein Abon., u. seine Frau paradiert auf der Fahrt Baden–Wien u. zurück mit dem „TW“ in der Hand, als könnte sie deutsch oder gar Noten lesen!

Da kam plötzlich dein Brief, 4 wir liefen sofort zu Dr Baumg., er schlug die Hände zusammen: „Ja, das ist eine Unverschämtheit, {3} So etwas habe ich noch nicht erlebt“. Und nun schrieb er ihm einen (schon) 3ten Bf, der sich gewaschen hat: Die Rechnungen sind „falsch“ usw. Befristung u. Klagendrohung.

Denke dir: 25 Bestellungen aus Kiel 5 mit Namen, Adresse, hat die „U. E.gar nicht berücksichtigt! Jetzt wagt er Alles, Alles zu streichen u. 2 mal zu schreiben, die Abbon. sind wären im J. 1924 nicht eingelaufen, einige sind wären erst im J. 1925 aufgetaucht. Und dieser Tölpel, dieser Dieb spielt sich auf eine Kunst-, Fortschrittssäule hinaus, auf einen Anwalt der Juden, auf einen Demokraten, Pazifisten, Kosmopoliten! usw. Na, ich danke schön.

Nun aber: habe die Güte u. sende mir noch weitere Belege ein, wann du welche findest, in jeglicher Form, gleichviel ob Bestätigungen von Abonn., oder Einzelkäufen, [cued from lower margin:] ob bei Gutmann, oder Buch-, Musikalienhandels in Hamburg, Alles ist gleichgültig [end of cue] ob im J. 1924 oder 1925, – ich ordne hier diese Dinge u. schicke sie dir alle zurück. 6

{4} Dasgleiche noch einmal die Karten des Frl. Becker, 7 sie sind schon – ohne Namensnennung – im letzten Bf. Dr B’s angeführt worden. 8 Also, das war der Dank von Verlag u. Schülern für den „TW“: in 4 Jahren Ertrag 3 Mill. Kr. in Summe (!!!!), Vernichtung des „TW“, Laufereien zum Anwalt nach so viel Sabotage u. Verdruß mit H.!

Für das eine Jahrbuch habe ich soeben eine große Studie über Bachs Solo-Sonaten f. Violine vollendet u. zum Schluß Kurth’s „linearen Kp“ gründlich abgeferdigt. (Er wird sich nach einem d neuen Stoff umsehen müssen.)

So viel in größter Eile, um dich im Laufenden zu halten u. neue Belege zu erbitten – ein ruhigerer Bf kommt, bis H. erwidert hat. Die Frist läuft am 25. d. M. ab.


Viele, viele Grüße Euch Allen von uns beiden vielgeplagten Menschenkindern
dein
[signed:] H
22. II. 1925

© Transcription William Drabkin, 2013

A thousand thanks! You have saved the situation! For (and I can hardly bring myself to put this in writing) Weisse and Brünauer have behaved as mischievously as ever, even now when I have appealed to them for the first and last time in my life. They have betrayed me and, what is more, lied to me in writing and face-to-face, so that I would have been wretchedly destroyed had your evidence not arrived at the last minute. The two boys used the subscription merely for the purposes of obtaining one cheaper set of four issues, and spoke to me of [having ordered] 50, 60, 10 subscriptions, etc. As things began to get more serious, they began to downplay their efforts, so that in actual matter of fact I would have suffered the greatest losses. For example, Hans was assuring me – only a few days ago! – in writing 2 , for the solicitor, that he had paid for nine further subscriptions at the end of December, until the extreme seriousness of the situation forced the truth out of him, that he had done so only in January and {2} had paid even later. As the boys saw that the matter was serious they ordered retroactively – far too late – instead of making their orders in the year 1924, which was the whole point.

When Weisse’s vocal quartets came in question, 3 100 subscriptions at 80,000 Kronen per copy were raised; now those Jewish lads want to shirk their responsibilities by spending merely 80,000 Kronen on four issues, which are more valuable than the quartets. Brünauer ordered three copies of the quartets, and thus paid 240,000 Kronen. For my sake he was happy to escape with 80,000 Kronen and make a further saving of 10–20,000 Kronen from my idea of creating a subscription, as a way of saving Der Tonwille . I gave him a good thrashing; "Yes," Brünauer said, "I am ashamed, it was not proper," etc.

And Mozio: at the meeting he said to Hertzka, "I shall take out as many subscriptions as you like"; he left and ordered one subscription. And his wife parades on the trip from Baden to Vienna and back with a copy of Der Tonwille in her hand, as if she could read German, let alone music!

Then all of a sudden your letter 4 came, and we went immediately to Dr. Baumgarten. He rubbed his hands together: "Yes, this is a disgrace, {3} I have not experienced anything like this before." And now he is writing to him [Hertzka] for the third time, a letter that hits the mark: "Your calculations are 'false,'" etc. He has set a deadline and threatens legal action.

Imagine: 25 orders from Kiel 5 with names and addresses, and Universal Edition did not even consider them! Now he dares to cross out everything – everything – and to write twice that the subscriptions were not taken out in 1924, they did not appear until 1925. And this fool, this thief, fancies himself as a pillar of art and progress, as defender of the Jews, as a democrat, a pacifist, a cosmopolitan, etc. Thanks very much indeed!

But now: please be kind enough to send further evidence, if you can find them, in whatever form, it does not matter whether they are receipts for subscriptions or individual purchases [cued from lower margin:] whether through Gutmann or from a bookshop or music shop in Hamburg, it does not matter [end of cue], or whether they date from 1924 or 1925. I shall put these things in order here , and send them all back to you. 6

{4} Do the same once again with Miss Becker's cards; 7 these have already been mentioned in Dr. Baumgarten’s letter. 8 Thus, that was the thanks that I received from the publisher and from my pupils for Der Tonwille . In four years a payment of three million Kronen altogether(!), the destruction of Der Tonwille , running around to my solicitor after so much sabotage and trouble with Hertzka!

For the [first Meisterwerk] Yearbook, I have just completed a lengthy study of Bach's solo sonatas for violin, which concludes with a thorough demolition of Kurth's Grundlagen des linearen Kontrapunkts. (He shall have to look around for new material [to write about].)

All this in the greatest of haste, to keep you informed and to request more evidence. A more peaceful letter will come as soon as Hertzka has replied. The deadline is the 25th of this month.


Many, many greetings to you all from us two much-tormented creatures.
Yours,
[signed:] Heinrich
February 22, 1925

© Translation William Drabkin, 2013



Fl! 1

Tausend Dank! Du hast die Lage gerettet! Denn – die Feder sträubt sich – Weisse u. Brünauer haben sich wie immer, so auch diesmal, da ich an sie zum 1. u. letzten Male im Leben appelliert habe, bübisch benommen: sie haben mich verraten, dazu schriftlich u. mündlich mehrmals angelogen, so daß ich jämmerlich hineingefallen wäre, wenn nicht in letzter Stunde deine Belege gekommen wären. Die beiden Knaben haben das Abonn. einfach nur dazu benützt, sich selbst ja eine n billigere 4-Heft-Folge zu verschaffen u. redeten mir von 50, 60, 10 Abonn. usw. Als es dann ernster wurde begannen sie es billiger zu geben, zogen ihre Worte zurück, aber immer noch so, daß ich im Ernstfall größten Schaden gelitten hätten. Z. B. Hans gab mir für den Anwalt – noch vor wenigen Tagen! – schriftlich 2 , daß er Ende Dezember weitere 9 Abonn. bezahlt habe, bis endlich der höchste Ernst ihm die Wahrheit erpreßt hat, daß er diese erst im Jänner u. noch später {2} bezahlt hat. Wie die Knaben sahen, das es ernst wird, haben sie – viel zu spät – nachbestellt, statt worauf allein es ankam, im J. 1924 die Bestellung zu machen.

Als Weisse’s Vocalquartette 3 in Frage kamen, waren binnen einer Woche 100 Subscrib. a 80.000 K per Ex. aufgetrieben, jetzt wollten[corr] sich jene Judenknaben mit blos 80.000 für 4 Hefte, die wertvoller sind als die Quartette, drücken. Brünauer bestellte 3 Ex. Quartette, also für 24.000 K, in meinem Falle wollte er mit 80.000 K durchschlüpfen u. an meiner Abonnement-Idee zur Rettung des „TW“ noch ein Ersparniß von 10–20.000 K machen. Ich habe ihn gedroschen – „ja, sagte Brün [sic],“ ich schäme mich, es war nicht korrekt usw.“

Und Mozio . . . In der Konferenz sagte er zu H. „Abonnenten soviel Sie wollen“, ging hin u. bestellte – – ein Abon., u. seine Frau paradiert auf der Fahrt Baden–Wien u. zurück mit dem „TW“ in der Hand, als könnte sie deutsch oder gar Noten lesen!

Da kam plötzlich dein Brief, 4 wir liefen sofort zu Dr Baumg., er schlug die Hände zusammen: „Ja, das ist eine Unverschämtheit, {3} So etwas habe ich noch nicht erlebt“. Und nun schrieb er ihm einen (schon) 3ten Bf, der sich gewaschen hat: Die Rechnungen sind „falsch“ usw. Befristung u. Klagendrohung.

Denke dir: 25 Bestellungen aus Kiel 5 mit Namen, Adresse, hat die „U. E.gar nicht berücksichtigt! Jetzt wagt er Alles, Alles zu streichen u. 2 mal zu schreiben, die Abbon. sind wären im J. 1924 nicht eingelaufen, einige sind wären erst im J. 1925 aufgetaucht. Und dieser Tölpel, dieser Dieb spielt sich auf eine Kunst-, Fortschrittssäule hinaus, auf einen Anwalt der Juden, auf einen Demokraten, Pazifisten, Kosmopoliten! usw. Na, ich danke schön.

Nun aber: habe die Güte u. sende mir noch weitere Belege ein, wann du welche findest, in jeglicher Form, gleichviel ob Bestätigungen von Abonn., oder Einzelkäufen, [cued from lower margin:] ob bei Gutmann, oder Buch-, Musikalienhandels in Hamburg, Alles ist gleichgültig [end of cue] ob im J. 1924 oder 1925, – ich ordne hier diese Dinge u. schicke sie dir alle zurück. 6

{4} Dasgleiche noch einmal die Karten des Frl. Becker, 7 sie sind schon – ohne Namensnennung – im letzten Bf. Dr B’s angeführt worden. 8 Also, das war der Dank von Verlag u. Schülern für den „TW“: in 4 Jahren Ertrag 3 Mill. Kr. in Summe (!!!!), Vernichtung des „TW“, Laufereien zum Anwalt nach so viel Sabotage u. Verdruß mit H.!

Für das eine Jahrbuch habe ich soeben eine große Studie über Bachs Solo-Sonaten f. Violine vollendet u. zum Schluß Kurth’s „linearen Kp“ gründlich abgeferdigt. (Er wird sich nach einem d neuen Stoff umsehen müssen.)

So viel in größter Eile, um dich im Laufenden zu halten u. neue Belege zu erbitten – ein ruhigerer Bf kommt, bis H. erwidert hat. Die Frist läuft am 25. d. M. ab.


Viele, viele Grüße Euch Allen von uns beiden vielgeplagten Menschenkindern
dein
[signed:] H
22. II. 1925

© Transcription William Drabkin, 2013

A thousand thanks! You have saved the situation! For (and I can hardly bring myself to put this in writing) Weisse and Brünauer have behaved as mischievously as ever, even now when I have appealed to them for the first and last time in my life. They have betrayed me and, what is more, lied to me in writing and face-to-face, so that I would have been wretchedly destroyed had your evidence not arrived at the last minute. The two boys used the subscription merely for the purposes of obtaining one cheaper set of four issues, and spoke to me of [having ordered] 50, 60, 10 subscriptions, etc. As things began to get more serious, they began to downplay their efforts, so that in actual matter of fact I would have suffered the greatest losses. For example, Hans was assuring me – only a few days ago! – in writing 2 , for the solicitor, that he had paid for nine further subscriptions at the end of December, until the extreme seriousness of the situation forced the truth out of him, that he had done so only in January and {2} had paid even later. As the boys saw that the matter was serious they ordered retroactively – far too late – instead of making their orders in the year 1924, which was the whole point.

When Weisse’s vocal quartets came in question, 3 100 subscriptions at 80,000 Kronen per copy were raised; now those Jewish lads want to shirk their responsibilities by spending merely 80,000 Kronen on four issues, which are more valuable than the quartets. Brünauer ordered three copies of the quartets, and thus paid 240,000 Kronen. For my sake he was happy to escape with 80,000 Kronen and make a further saving of 10–20,000 Kronen from my idea of creating a subscription, as a way of saving Der Tonwille . I gave him a good thrashing; "Yes," Brünauer said, "I am ashamed, it was not proper," etc.

And Mozio: at the meeting he said to Hertzka, "I shall take out as many subscriptions as you like"; he left and ordered one subscription. And his wife parades on the trip from Baden to Vienna and back with a copy of Der Tonwille in her hand, as if she could read German, let alone music!

Then all of a sudden your letter 4 came, and we went immediately to Dr. Baumgarten. He rubbed his hands together: "Yes, this is a disgrace, {3} I have not experienced anything like this before." And now he is writing to him [Hertzka] for the third time, a letter that hits the mark: "Your calculations are 'false,'" etc. He has set a deadline and threatens legal action.

Imagine: 25 orders from Kiel 5 with names and addresses, and Universal Edition did not even consider them! Now he dares to cross out everything – everything – and to write twice that the subscriptions were not taken out in 1924, they did not appear until 1925. And this fool, this thief, fancies himself as a pillar of art and progress, as defender of the Jews, as a democrat, a pacifist, a cosmopolitan, etc. Thanks very much indeed!

But now: please be kind enough to send further evidence, if you can find them, in whatever form, it does not matter whether they are receipts for subscriptions or individual purchases [cued from lower margin:] whether through Gutmann or from a bookshop or music shop in Hamburg, it does not matter [end of cue], or whether they date from 1924 or 1925. I shall put these things in order here , and send them all back to you. 6

{4} Do the same once again with Miss Becker's cards; 7 these have already been mentioned in Dr. Baumgarten’s letter. 8 Thus, that was the thanks that I received from the publisher and from my pupils for Der Tonwille . In four years a payment of three million Kronen altogether(!), the destruction of Der Tonwille , running around to my solicitor after so much sabotage and trouble with Hertzka!

For the [first Meisterwerk] Yearbook, I have just completed a lengthy study of Bach's solo sonatas for violin, which concludes with a thorough demolition of Kurth's Grundlagen des linearen Kontrapunkts. (He shall have to look around for new material [to write about].)

All this in the greatest of haste, to keep you informed and to request more evidence. A more peaceful letter will come as soon as Hertzka has replied. The deadline is the 25th of this month.


Many, many greetings to you all from us two much-tormented creatures.
Yours,
[signed:] Heinrich
February 22, 1925

© Translation William Drabkin, 2013

Footnotes

1 Sending of this letter is not recorded in Schenker's diary.

2 "schriftlich" underlined by Violin.

3 As Schenker was later to point out to another of his pupils, Felix-Eberhard von Cube, the publication of works by relatively unknown composers was virtually impossible without subvention; he cites these very works – Weisse's vocal quartets – as an example. See OJ 5/7a, [26] (July 22, 1929) and OJ 5/7a, [27] (August 19, 1929).

4 Receipt of this letter, not known to survive, is recorded Schenker's diary at OJ 3/7, p. 2788, February 15, 1925: "Von Floriz (Br. expreß): Bestätigung von Gutmann, Temmings Brief=OC 52/621 beigelegt." ("From Floriz (express letter): confirmation from Gutmann, Temming's letter=OC 52/621 enclosed.")

5 These subscriptions were almost certainly taken out under the initiative of Reinhard Oppel at the University of Kiel. (Receipts for Tonwille subscriptions from Oppel and the music department at the University of Kiel survive as OC 52/642 and OC 52/641, respectively.)

6 This paragraph bracketed by Violin.

7 "Karten des Frl. Becker" underlined by Violin.

8 Paragraph-break in source.

Commentary

Format
4p letter, Bogen format, holograph message and signature
Rights Holder
Heirs of Heinrich Schenker, deemed to be in the public domain
License
All reasonable steps have been taken to locate the heirs of Heinrich Schenker. Any claim to intellectual rights on this document should be addressed to the Schenker Documents Online, at schenkercorrespondence [at] mus (dot) cam (dot) ac (dot) uk

Digital version created: 2013-06-06
Last updated: 2013-06-06