Lieber Herr van Hoboken! 1

Zurückgekehrt finde ich das kleine Inflatiönchen, das schon im Vorjahre sich zeigte ‒ auch haben mich im Vorjahre die alten Schüler darauf aufmerksam gemacht ‒ etwas fortgeschritten, so daß ich, um nicht später plötzlich vor Uneinbringlichem zu stehen, beschließen mußte, das Honorar mit 10% an die wirkliche Schilling-Währung anzupassen. Darf ich Sie nun bitten, sich dieser unfreiwilligen Neuordnung anzuschließen, die im Grunde die gleiche alte ist?

Nach Prof. Oppel besuchte mich H. Ettinger aus München, der mir Grüße von H. Vriesl. überbrachte. {2} Tags darauf war auch schon H. Vr. da. Ein schlechtes Wetter verjagte sie nach wenigen Tagen. Oppel hätte gern Vr. wiedergesehen, aber ich war ohne Vr’s Adresse, richtiger: Vr. hat mir aus der Schweiz seinen ev[entuellen] Besuch angekündigt, zugleich aber mitgeteilt, daß er nach München abreise; daß er aber noch in der Walh. 9 wohne, habe ich nicht annehmen können u. so konnte ich nirgendshin schreiben. Nach Ankunft Vr’s klärte sich alles auf.

Prof. Oppel (den ich in Galtür übrigens auf d. Orgel wacker improvisieren hörte) erwartet, wie ich höre, Ihren Besuch. Das ist lieb u. schön. Da mag er Ihnen selbst erzählen von meiner Ex-Professur 2 in Heidelberg, nun der zweiten Ex-Professur (Gott sei gedankt!). Auch hat Oppel mein LieLiechen mit einer Widmung sehr schöner Walzer bedacht, {3} die vor paar Tagen hier eintrafen.

Furtwängler wird mich im Winter besuchen, den Zusammenhang erläutere ich Ihnen besser mündlich.

Zum Schluß berichte ich über einem heiteren Zufall:

H. Albersh. hat nun wirklich am 2. 9 geheiratet, aber schon seit Mai hat sich bei mir ein Herr ebenfalls aus Köln, (richtiger nahe bei Köln), ein Hörer von Cube, gemeldet, den ich auch erwarte. Ist das nicht lustig?

In Bälde mache ich einen Sprung ins Archiv, wo ich nach Mehrerem zu sehen habe.

Für Sie habe ich Arbeits Pläne, hoffentlich finden sie Ihren Beifall (u. auch die Ausführung).

Wir sind noch gar nicht in Ordnung, was {4} mich der Arbeit durchaus nicht enthebt. Gerade heute früh brachte mir die Post einen Dankbrief eines Amerikaners 3 aus Brooklyn, er dankt mir für die Arbeiten u. wünscht mir Gesundheit zu den weiteren. Rührend.

Ihnen u. Ihrer verehrten Gattin beste Grüße u. Wünsche für die Rückreise! Grüßen Sie Oppel! Danke. Mein Lieliechen grüßt herzlichst mit,


Ihr
[signed:] H Schenker
10.9.29

© Transcription John Rothgeb and Heribert Esser, 2014



Dear Mr. van Hoboken! 1

Having returned home, I find that the trace of inflation that showed up already last year ‒ the oldest pupils pointed this out to me then ‒ has increased somewhat, so that in order to avoid later being caught short, I have had to adjust the lesson-fee by 10% to match the actual current value of the shilling. May I now request that you go along with this involuntary revaluation, which basically is the same as the old?

After Prof. Oppel I was visited by Mr. Ettinger from Munich, who brought me greetings from Mr. Vrieslander. {2} The very next day Mr. V. himself was here. Foul weather drove them away after only a few days. Oppel would have liked to see V., but I did not have V.'s address, or more correctly: V. notified me from Switzerland of his possible visit, but at the same time told me that he would leave for Munich; but I could not assume that he would still be living at Walhallastrasse 9, so I had nowhere to write. After V.'s arrival all became clear.

Prof. Oppel (whom I heard improvise valiantly on the organ in Galtür, incidentally) is, I am told, expecting your visit. That is very nice and gracious. He may himself tell you the story of my ex-professorship 2 in Heidelberg, now the second ex-professorship (thank God!). Oppel has also honored my LieLiechen by the dedication of very beautiful waltzes, {3} which arrived here a few days ago.

Furtwängler will visit me in the winter; I can give you the details better in person.

In conclusion I will report on a very amusing coincidence:

Mr. Albersheim has now actually married, on September 2, but already back in May I heard from a gentleman also from Cologne (or more exactly from near Cologne), a Mr. von Cube, whom I am also expecting. Isn't that droll?

Soon I will drop in at the Archive, where I need to check several things.

We are still not organized, {4} but this does not absolve me from working.

Just this morning the mail brought me a letter of thanks from an American 3 from Brooklyn; he thanks me for my works and wishes me good health for the production of more of them. Touching.

Best greetings and wishes to you and your dear wife for the return trip! Greet Oppel for me! Thank you. My LieLiechen joins me in warmest greetings,


Yours sincerely,
[signed:] H. Schenker
September 10, 1929

© Translation John Rothgeb and Heribert Esser, 2014



Lieber Herr van Hoboken! 1

Zurückgekehrt finde ich das kleine Inflatiönchen, das schon im Vorjahre sich zeigte ‒ auch haben mich im Vorjahre die alten Schüler darauf aufmerksam gemacht ‒ etwas fortgeschritten, so daß ich, um nicht später plötzlich vor Uneinbringlichem zu stehen, beschließen mußte, das Honorar mit 10% an die wirkliche Schilling-Währung anzupassen. Darf ich Sie nun bitten, sich dieser unfreiwilligen Neuordnung anzuschließen, die im Grunde die gleiche alte ist?

Nach Prof. Oppel besuchte mich H. Ettinger aus München, der mir Grüße von H. Vriesl. überbrachte. {2} Tags darauf war auch schon H. Vr. da. Ein schlechtes Wetter verjagte sie nach wenigen Tagen. Oppel hätte gern Vr. wiedergesehen, aber ich war ohne Vr’s Adresse, richtiger: Vr. hat mir aus der Schweiz seinen ev[entuellen] Besuch angekündigt, zugleich aber mitgeteilt, daß er nach München abreise; daß er aber noch in der Walh. 9 wohne, habe ich nicht annehmen können u. so konnte ich nirgendshin schreiben. Nach Ankunft Vr’s klärte sich alles auf.

Prof. Oppel (den ich in Galtür übrigens auf d. Orgel wacker improvisieren hörte) erwartet, wie ich höre, Ihren Besuch. Das ist lieb u. schön. Da mag er Ihnen selbst erzählen von meiner Ex-Professur 2 in Heidelberg, nun der zweiten Ex-Professur (Gott sei gedankt!). Auch hat Oppel mein LieLiechen mit einer Widmung sehr schöner Walzer bedacht, {3} die vor paar Tagen hier eintrafen.

Furtwängler wird mich im Winter besuchen, den Zusammenhang erläutere ich Ihnen besser mündlich.

Zum Schluß berichte ich über einem heiteren Zufall:

H. Albersh. hat nun wirklich am 2. 9 geheiratet, aber schon seit Mai hat sich bei mir ein Herr ebenfalls aus Köln, (richtiger nahe bei Köln), ein Hörer von Cube, gemeldet, den ich auch erwarte. Ist das nicht lustig?

In Bälde mache ich einen Sprung ins Archiv, wo ich nach Mehrerem zu sehen habe.

Für Sie habe ich Arbeits Pläne, hoffentlich finden sie Ihren Beifall (u. auch die Ausführung).

Wir sind noch gar nicht in Ordnung, was {4} mich der Arbeit durchaus nicht enthebt. Gerade heute früh brachte mir die Post einen Dankbrief eines Amerikaners 3 aus Brooklyn, er dankt mir für die Arbeiten u. wünscht mir Gesundheit zu den weiteren. Rührend.

Ihnen u. Ihrer verehrten Gattin beste Grüße u. Wünsche für die Rückreise! Grüßen Sie Oppel! Danke. Mein Lieliechen grüßt herzlichst mit,


Ihr
[signed:] H Schenker
10.9.29

© Transcription John Rothgeb and Heribert Esser, 2014



Dear Mr. van Hoboken! 1

Having returned home, I find that the trace of inflation that showed up already last year ‒ the oldest pupils pointed this out to me then ‒ has increased somewhat, so that in order to avoid later being caught short, I have had to adjust the lesson-fee by 10% to match the actual current value of the shilling. May I now request that you go along with this involuntary revaluation, which basically is the same as the old?

After Prof. Oppel I was visited by Mr. Ettinger from Munich, who brought me greetings from Mr. Vrieslander. {2} The very next day Mr. V. himself was here. Foul weather drove them away after only a few days. Oppel would have liked to see V., but I did not have V.'s address, or more correctly: V. notified me from Switzerland of his possible visit, but at the same time told me that he would leave for Munich; but I could not assume that he would still be living at Walhallastrasse 9, so I had nowhere to write. After V.'s arrival all became clear.

Prof. Oppel (whom I heard improvise valiantly on the organ in Galtür, incidentally) is, I am told, expecting your visit. That is very nice and gracious. He may himself tell you the story of my ex-professorship 2 in Heidelberg, now the second ex-professorship (thank God!). Oppel has also honored my LieLiechen by the dedication of very beautiful waltzes, {3} which arrived here a few days ago.

Furtwängler will visit me in the winter; I can give you the details better in person.

In conclusion I will report on a very amusing coincidence:

Mr. Albersheim has now actually married, on September 2, but already back in May I heard from a gentleman also from Cologne (or more exactly from near Cologne), a Mr. von Cube, whom I am also expecting. Isn't that droll?

Soon I will drop in at the Archive, where I need to check several things.

We are still not organized, {4} but this does not absolve me from working.

Just this morning the mail brought me a letter of thanks from an American 3 from Brooklyn; he thanks me for my works and wishes me good health for the production of more of them. Touching.

Best greetings and wishes to you and your dear wife for the return trip! Greet Oppel for me! Thank you. My LieLiechen joins me in warmest greetings,


Yours sincerely,
[signed:] H. Schenker
September 10, 1929

© Translation John Rothgeb and Heribert Esser, 2014

Footnotes

1 Writing of this letter is recorded in Schenker's diary at OJ 4/2, p. 3377, September 10, 1929: "An v. Hoboken (Br.): erbitte die Erhöhung um 10%; erwähne des Voß [sic], um vorzubeugen, daß v. H. mißtrauisch werde." ("To Hoboken (letter): I request a raising [of the lesson fee] by 10%; I make mention of Voss [sic], to avoid Hoboken becoming suspicious.)

2 "Near professorship," or even "narrowly escaped professorship" would better express Schenker’s frame of mind, as is made clear in OJ 89/3, [10].

3 Arthur Waldeck.

Commentary

Format
4p letter, Bogen format, holograph message and signature
Provenance
Hoboken, Anthony van ([document date]-1983)--Schneider, Hans(19??-2007)--University of California, Riverside (2007--)
Rights Holder
EITHER: Heirs of Anthony van Hoboken. OR: Heirs of Henrich Schenker, deemed to be in the public domain.
License
EITHER: Permission to publish granted by the heirs of Anthony van Hoboken February 3, 2007. Any claim to intellectual rights on this document should be addressed to the Schenker Correspondence Project, Faculty of Music, University of Cambridge, at schenkercorrespondence [at] mus (dot) cam (dot) ac (dot) uk. OR: All reasonable steps have been taken to locate the heirs of Heinrich Schenker. Any claim to intellectual rights on this document should be addressed to the Schenker Correspondence Project, Faculty of Music, University of Cambridge, at schenkercorrespondence [at] mus (dot) cam (dot) ac (dot) uk.

Digital version created: 2014-10-30
Last updated: 2012-11-19