[OJ 89/3, [9] is a carbon copy; the top copy is OC 14/1. The printed letterhead and holograph signature appear only in OC 14/1; the remaining differences are footnoted.]

[printed letterhead:]
A. van HOBOKEN
WIEN
IV., WIEDNER HAUPTSTRASSE 63
TEL. U 58-403
15 September 1929


Sehr geehrter Herr Dr. 1

Einliegend sende ich Ihnen die Arbeit, die ich über BrahmsOp. 117 2 an Hand 3 des Photogrammes, der Ausgabe von Simrock und der neuen Gesamt-Ausgabe gemacht habe. Nachdem Sie mir geraten hatten, die Stücke nicht erst auf Urlinie u.s.w. zu prüfen, habe ich die Arbeit als eine rein philologisch-vergleichende, also ohne jede eigene Meinung, aufgefasst. Als solche hat sie mich nicht besonders interessiert und ich wäre gerne manches [recte manchem] näher auf den Grund gegangen; ich hebe dies nun auf bis zu der Zeit, wo ich wieder bei Ihnen sein werde. Aber auch dann erscheint es mir fraglich, ob man mittelst einer Urlinien-Analyse z.B. in dem ersten Stück wird erklären können, warum der Bogen über den Diskant von Takt 4, zweite Hälfte. bis Takt 5. erste Hälfte und unter dem Bass von Takt 7, letztes Achtel, bis Takt 8, drittes Achtel, an den Parallelstellen in Takt 41-42 und Takt 44-45 unterbrochen wurde beim Taktstrich. Die hinzugefügte Noten in den Schlusstakten vom zweiten Stück werden wohl auf einer [recte eine] Korrektur Brahms’ zurückzuführen sein; ebenso das Weglassen der Fermate-Zeichen in den Takten 22 und 38 an Stellen, wo man so wie so etwas innehält. Interessant ist die Verschiebung des f’s in Takt 42. Ich würde es annehmen als sich beziehend auf dem [recte das] des’ in der linken Hand, welches demzufolge forte zu spielen wäre, während das p sich schon auf dem b” der rechten Hand bezieht. Die Version der Drucken lässt die Steigerung bis zum as” in Takt 43 gehen, welches allerdings im piano zu bringen wäre. Das ist nicht dasselbe. Die mangelhafte Bogenführung in Takt 15 vom dritten Stück führe ich nicht auf Stecher-Schwierigkeiten zurück denn in Takt 35 und 102, wie die Situation genau die Gleiche ist, ist der Bogen richtig zu Ende geführt.

Ich bin auf Ihr Urteil über diese Arbeit natürlich sehr gespannt. Kopfzerbrechen hat sie mir nicht verursacht; auch wenig Zeit gekostet. Das Schwierigste war, angesichts des herrlichen Wetters und der hiesigen Geselligkeit mich zu der Vornahme zu entschliessen. Ich habe das letzten Endes doch getan, obwohl das schöne Wetter auch heute noch andauert. Diese viele Sonne und Windstille ist etwas Seltenes hier und steht im schroffen Gegensatz zu dem kalten und windigen Sommer, den ich hier voriges Jahr erlebte. Ja, in dem Bestreben, die Sonne möglichst viel aus[zu]nutzen solange sie scheint, haben manche von uns auf die lange Dauer etwas zu viel abgekriegt; auch hatte hatte [recte ich] einige Tage Kopfschmerzen. Wir haben dann auch die windige Tage, die dazwischen kamen, zu schätzen gewusst, denn die Nordsee sah bald so aus wie die Adria.

Für unseren Bau ist das Wetter natürlich ideal[,] und geht derselbe [recte derselbe geht] dann auch mächtig voran. Noch in dieser Woche soll das Richtfest sein, welches wir noch abwarten wollen. Am Dienstag den 24en wollen wir dann von hier fort die Rückfahrt antreten. Wir wollen auch über Kiel und hoffen sehr, dort Dr. Oppel zu sehen. Ich wusste nichts von seinem Plan, Ihnen den Professor in Heidelberg zu verschaffen; ich meinte, er hätte etwas ganz anderes vorgehabt.

Dass Sie nun jede weitere Vermittlung in der Honorarfrage zwischen Vrieslander und mir ablehnen, wie Sie in Ihrem Brief vom 5. VIII 4 schreiben, finde ich sehr verständlich. Einmal werden Sie sich aber noch damit befassen müssen: in der Kuratorium-Sitzung, in welche[r] ich sie zur Sprache bringen will. Ich habe bis heute Prof. Haas noch nichts darüber mitgeteilt; ist sie anlässlich des Besuches V’s in Galtür noch erörtert worden?

Von der Erhöhung Ihres Honorars habe ich Kenntniss genommen. Der Einfachkeit [sic] halber lege ich den Scheck, der eigentlich erst am Ersten Oktober fällig, schon diesem Briefe bei. Anstatt 2600.- Schilling, wie im vorigen Jahr, finden Sie also 2860 Sch. darauf.

Ich hoffe, so gegen den 5en Oktober wieder in Wien zu sein und bin bis dahin, mit den freundlichsten Grüssen ebenfalls an Ihre Gattin, 5 wobei sich meine Frau anschliesst,


Ihr ergebener
[signed:] AvHoboken

© Transcription John Rothgeb & Heribert Esser, 2014

[printed letterhead:]
A. van HOBOKEN
VIENNA IV
WIEDNER HAUPTSTRASSE 63
Tel. U 58-403
September 15, 1929


Dear Dr. [Schenker] 1

Enclosed I am sending you the work I have done on Brahms's Op. 117 2 with reference to the photogram, the edition by Simrock, and the new collected edition. After you advised me not to evaluate the pieces from the standpoint of the Urlinie etc., I approached the task as a purely philological-comparatist one, thus without any personal slant. As such, it did not particularly interest me, and I would have liked to investigate several matters more closely in a substantive way; I defer this now until such time as I will again visit you. But even then it appears questionable to me whether one will be able to explain by means of an Urlinie-analysis why, in the first piece for example, the slur over the treble from bar 4, second half, to bar 5, first half, and below the bass from bar 7, last eighth, to bar 8, third eighth, was interrupted at the barline in the parallel passage in bars 41‒42 and bars 44‒45. The added notes in the cadential bars from the second piece are doubtless to be attributed to a correction by Brahms; likewise the omission of the fermata-signs in bars 22 and 38, where one broadens somewhat anyway. Interesting, the displacement of the f's in bar 42. I would assume this to relate to the dę' in the left hand, which would accordingly be intended to be played forte, while the p relates already to the bę" of the right hand. The version of the printed editions has the intensification proceed up to aę" in bar 43, which, to be sure, would have to be presented in piano. That is not the same thing. The faulty slur-treatment in bar 15 of the third piece I do not ascribe to engraver's difficulties, for in bars 35 and 102, where the situation is exactly the same, the slur is correctly continued to the end.

I am naturally most interested in your judgment of this work. It was not mentally taxing, also took little time. The most difficult part, in view of the excellent weather and the conviviality here, was getting down to work. I finally did so, although the beautiful weather still continues today. This much sunshine and lack of wind is rather unusual here, and stands in sharp contrast to the cold and windy summer that I endured here last year. Indeed, in the effort to make the most of the sun as long as it shines, several of us in the long run took too much of it; I too had headaches several days. Then we learned also to enjoy the windy days that intervened, for the North Sea sometimes looked like the Adriatic.

For our building-project the weather is naturally ideal, and it is proceeding amain. Later this week the roofing ceremony is supposed to take place, and we still want to wait for that. Tuesday the 24th we will leave here on the return trip. We will go via Kiel, and hope very much to see Dr. Oppel there. I did not know of his plan to name you professor in Heidelberg; I thought he had something completely different in mind.

That you decline further mediation in the fee issue between Vrieslander and me, as you write in your letter of August 5, 4 I find quite understandable. But just once more you will again need to be involved in it: in the meeting of the Curatorial Board in which I will bring it up for discussion. I have thus far still told Prof. Haas nothing about it; was it discussed at the time of V.'s visit in Galtür?

I have noted the increase in your fee. For the sake of simplicity I enclose the check that is actually due only at the first of October already with this letter. Instead of 2,600 shillings, as last year, you will thus find it drawn for 2,860 shillings.

I hope, then, to be back in Vienna around the 5th of October, and remain until then, with warmest greetings, and also to your wife, 5 in which my wife joins me,


Yours sincerely,
[signed:] A. v. Hoboken

© Translation John Rothgeb & Heribert Esser, 2014

[printed letterhead:]
A. van HOBOKEN
WIEN
IV., WIEDNER HAUPTSTRASSE 63
TEL. U 58-403
15 September 1929


Sehr geehrter Herr Dr. 1

Einliegend sende ich Ihnen die Arbeit, die ich über BrahmsOp. 117 2 an Hand 3 des Photogrammes, der Ausgabe von Simrock und der neuen Gesamt-Ausgabe gemacht habe. Nachdem Sie mir geraten hatten, die Stücke nicht erst auf Urlinie u.s.w. zu prüfen, habe ich die Arbeit als eine rein philologisch-vergleichende, also ohne jede eigene Meinung, aufgefasst. Als solche hat sie mich nicht besonders interessiert und ich wäre gerne manches [recte manchem] näher auf den Grund gegangen; ich hebe dies nun auf bis zu der Zeit, wo ich wieder bei Ihnen sein werde. Aber auch dann erscheint es mir fraglich, ob man mittelst einer Urlinien-Analyse z.B. in dem ersten Stück wird erklären können, warum der Bogen über den Diskant von Takt 4, zweite Hälfte. bis Takt 5. erste Hälfte und unter dem Bass von Takt 7, letztes Achtel, bis Takt 8, drittes Achtel, an den Parallelstellen in Takt 41-42 und Takt 44-45 unterbrochen wurde beim Taktstrich. Die hinzugefügte Noten in den Schlusstakten vom zweiten Stück werden wohl auf einer [recte eine] Korrektur Brahms’ zurückzuführen sein; ebenso das Weglassen der Fermate-Zeichen in den Takten 22 und 38 an Stellen, wo man so wie so etwas innehält. Interessant ist die Verschiebung des f’s in Takt 42. Ich würde es annehmen als sich beziehend auf dem [recte das] des’ in der linken Hand, welches demzufolge forte zu spielen wäre, während das p sich schon auf dem b” der rechten Hand bezieht. Die Version der Drucken lässt die Steigerung bis zum as” in Takt 43 gehen, welches allerdings im piano zu bringen wäre. Das ist nicht dasselbe. Die mangelhafte Bogenführung in Takt 15 vom dritten Stück führe ich nicht auf Stecher-Schwierigkeiten zurück denn in Takt 35 und 102, wie die Situation genau die Gleiche ist, ist der Bogen richtig zu Ende geführt.

Ich bin auf Ihr Urteil über diese Arbeit natürlich sehr gespannt. Kopfzerbrechen hat sie mir nicht verursacht; auch wenig Zeit gekostet. Das Schwierigste war, angesichts des herrlichen Wetters und der hiesigen Geselligkeit mich zu der Vornahme zu entschliessen. Ich habe das letzten Endes doch getan, obwohl das schöne Wetter auch heute noch andauert. Diese viele Sonne und Windstille ist etwas Seltenes hier und steht im schroffen Gegensatz zu dem kalten und windigen Sommer, den ich hier voriges Jahr erlebte. Ja, in dem Bestreben, die Sonne möglichst viel aus[zu]nutzen solange sie scheint, haben manche von uns auf die lange Dauer etwas zu viel abgekriegt; auch hatte hatte [recte ich] einige Tage Kopfschmerzen. Wir haben dann auch die windige Tage, die dazwischen kamen, zu schätzen gewusst, denn die Nordsee sah bald so aus wie die Adria.

Für unseren Bau ist das Wetter natürlich ideal[,] und geht derselbe [recte derselbe geht] dann auch mächtig voran. Noch in dieser Woche soll das Richtfest sein, welches wir noch abwarten wollen. Am Dienstag den 24en wollen wir dann von hier fort die Rückfahrt antreten. Wir wollen auch über Kiel und hoffen sehr, dort Dr. Oppel zu sehen. Ich wusste nichts von seinem Plan, Ihnen den Professor in Heidelberg zu verschaffen; ich meinte, er hätte etwas ganz anderes vorgehabt.

Dass Sie nun jede weitere Vermittlung in der Honorarfrage zwischen Vrieslander und mir ablehnen, wie Sie in Ihrem Brief vom 5. VIII 4 schreiben, finde ich sehr verständlich. Einmal werden Sie sich aber noch damit befassen müssen: in der Kuratorium-Sitzung, in welche[r] ich sie zur Sprache bringen will. Ich habe bis heute Prof. Haas noch nichts darüber mitgeteilt; ist sie anlässlich des Besuches V’s in Galtür noch erörtert worden?

Von der Erhöhung Ihres Honorars habe ich Kenntniss genommen. Der Einfachkeit [sic] halber lege ich den Scheck, der eigentlich erst am Ersten Oktober fällig, schon diesem Briefe bei. Anstatt 2600.- Schilling, wie im vorigen Jahr, finden Sie also 2860 Sch. darauf.

Ich hoffe, so gegen den 5en Oktober wieder in Wien zu sein und bin bis dahin, mit den freundlichsten Grüssen ebenfalls an Ihre Gattin, 5 wobei sich meine Frau anschliesst,


Ihr ergebener
[signed:] AvHoboken

© Transcription John Rothgeb & Heribert Esser, 2014

[printed letterhead:]
A. van HOBOKEN
VIENNA IV
WIEDNER HAUPTSTRASSE 63
Tel. U 58-403
September 15, 1929


Dear Dr. [Schenker] 1

Enclosed I am sending you the work I have done on Brahms's Op. 117 2 with reference to the photogram, the edition by Simrock, and the new collected edition. After you advised me not to evaluate the pieces from the standpoint of the Urlinie etc., I approached the task as a purely philological-comparatist one, thus without any personal slant. As such, it did not particularly interest me, and I would have liked to investigate several matters more closely in a substantive way; I defer this now until such time as I will again visit you. But even then it appears questionable to me whether one will be able to explain by means of an Urlinie-analysis why, in the first piece for example, the slur over the treble from bar 4, second half, to bar 5, first half, and below the bass from bar 7, last eighth, to bar 8, third eighth, was interrupted at the barline in the parallel passage in bars 41‒42 and bars 44‒45. The added notes in the cadential bars from the second piece are doubtless to be attributed to a correction by Brahms; likewise the omission of the fermata-signs in bars 22 and 38, where one broadens somewhat anyway. Interesting, the displacement of the f's in bar 42. I would assume this to relate to the dę' in the left hand, which would accordingly be intended to be played forte, while the p relates already to the bę" of the right hand. The version of the printed editions has the intensification proceed up to aę" in bar 43, which, to be sure, would have to be presented in piano. That is not the same thing. The faulty slur-treatment in bar 15 of the third piece I do not ascribe to engraver's difficulties, for in bars 35 and 102, where the situation is exactly the same, the slur is correctly continued to the end.

I am naturally most interested in your judgment of this work. It was not mentally taxing, also took little time. The most difficult part, in view of the excellent weather and the conviviality here, was getting down to work. I finally did so, although the beautiful weather still continues today. This much sunshine and lack of wind is rather unusual here, and stands in sharp contrast to the cold and windy summer that I endured here last year. Indeed, in the effort to make the most of the sun as long as it shines, several of us in the long run took too much of it; I too had headaches several days. Then we learned also to enjoy the windy days that intervened, for the North Sea sometimes looked like the Adriatic.

For our building-project the weather is naturally ideal, and it is proceeding amain. Later this week the roofing ceremony is supposed to take place, and we still want to wait for that. Tuesday the 24th we will leave here on the return trip. We will go via Kiel, and hope very much to see Dr. Oppel there. I did not know of his plan to name you professor in Heidelberg; I thought he had something completely different in mind.

That you decline further mediation in the fee issue between Vrieslander and me, as you write in your letter of August 5, 4 I find quite understandable. But just once more you will again need to be involved in it: in the meeting of the Curatorial Board in which I will bring it up for discussion. I have thus far still told Prof. Haas nothing about it; was it discussed at the time of V.'s visit in Galtür?

I have noted the increase in your fee. For the sake of simplicity I enclose the check that is actually due only at the first of October already with this letter. Instead of 2,600 shillings, as last year, you will thus find it drawn for 2,860 shillings.

I hope, then, to be back in Vienna around the 5th of October, and remain until then, with warmest greetings, and also to your wife, 5 in which my wife joins me,


Yours sincerely,
[signed:] A. v. Hoboken

© Translation John Rothgeb & Heribert Esser, 2014

Footnotes

1 Receipt of this letter is recorded in Schenker's diary at OJ 4/2, p. 3379, September 17, 1929: "Von v. Hoboken (recomm. Br.): Chek auf den erhöhten Betrag, dazu seine Sommerarbeit an Brahms op. 117." ("From Hoboken (registered letter): check for the increased sum, together with his summer's work on Brahms's Op. 117.").

2 A 28-page typescript, and a typescript with heavy annotation by Schenker, are preserved as OC 14/2 and OC 14/3.

3 "an hand" changed to "an Hand" in Hoboken's hand in OC 14/1.

4 = OJ 89/3, [7].

5 "ebenfalls an Ihre Gattin" ("and also to your wife"): added in Hoboken's hand to OC 14/1.

Commentary

Rights Holder
IPR: Heirs of Anthony van Hoboken
Format
1p letter, carbon copy, typed message, unsigned
Provenance
Hoboken, Anthony van ([document date]-1983)--Schneider, Hans(19??-2007)--University of California, Riverside (2007--)
Rights Holder
EITHER: Heirs of Anthony van Hoboken. OR: Heirs of Henrich Schenker, deemed to be in the public domain.
License
EITHER: Permission to publish granted by the heirs of Anthony van Hoboken February 3, 2007. Any claim to intellectual rights on this document should be addressed to the Schenker Correspondence Project, Faculty of Music, University of Cambridge, at schenkercorrespondence [at] mus (dot) cam (dot) ac (dot) uk. OR: All reasonable steps have been taken to locate the heirs of Heinrich Schenker. Any claim to intellectual rights on this document should be addressed to the Schenker Correspondence Project, Faculty of Music, University of Cambridge, at schenkercorrespondence [at] mus (dot) cam (dot) ac (dot) uk.

Digital version created: 2014-10-30
Last updated: 2013-02-16