Sehr geehrter Herr Direktor!

Noch 1 ist der gewisse schon angekündigte Zeitpunkt nicht da, doch erscheint eine Vor-Orientierung bereits getreten.

1) Da das Manuscript, Autograph zu op. 101 2 in Sicht ist (neulich, am [illeg]), so könnte die Serie um ein so kostbares Stück bereichert werden.

2) Ich werde um eine Beethoven-Ausgabe bestimmen. Auch Sie wollten seinerzeit eine. Nach der Erschütterung Bülow's, 3 die auf mich zurückzuführen ist ist es am praktischesten, seine Ausgabe wieder durch eine mit Fußnoten zu verdrängen, zu ersetzen. Es kämen übrigens nur mehr 27 Stück in Frage, da die 5 letzten eine Serie für sich sind. Natürlich wirklich nur Fußnoten, u. keine Abhandlungen. Fingersatz u. Revision selbstverständlich.

3) 4 Hefte der „Kleinen Bibl.“ jährlich[;] {2} Ich will hoffen, daß Sie sich darunter nichts „Kleines“ vorstellen, etwas, was da wie der „Anbruch,“ „Merker“ mitlaüft. Höchst prätensiöse Darstellung von Sinfonien, Liedern, Kammermusik, Vortrag etc. u.zw. so, daß per Jahr 1 oder 2 Sinf. fertig vorlagen, desgleichen die übrigen Arbeiten zum Abschluß kommen, die [?schlicht] auch selbstständig bandweise ausgegeben werden sollen. 4

Nun ergeht an Sie die Frage.

Wie richten Sie das Honorar ad 1, 2, 3 5 ein unter Berücksichtigung, daß außer 1 die anderen Arbeiten ein „Unternehmen“ sind so gut wie jedes kaufmännische Unternehmen auch.

Bezüglich 2 ( Beeth. Son. complet würde ich 4-5 Stück per Jahr ev. liefern können, so daß in 5-6 Jahren das Werk fertig wurde. Entfiele 2 die „Kl. Bibl.“, so würden sich die Sonaten freilich rascher machen lassen, u. ununterbrochen.

Das Honorar ist nun allein die Frage, {3} die über das Tempo entscheidet. Denn ich würde bei einigermaßen möglichen Bedingungen so u. so viel Schüler weggeben, um die Arbeit zu machen.

NB: bin ich jetzt von 10-12 Vm. u. von 4½ - 6½ Nchm. tätig, so daß Sie zu besuchen, wie Sie sehen, ein Ding der Unmöglichkeit ist.

Vergessen Sie das ehemalige Trinkgeld-Sparen, das schon so viel Menschen in hellste Empörung versetzt hat u. schlagen Sie einen gangbaren Weg vor.

Vom Werth der Kronen bin ich heute nicht nur aus eigener Erfahrung sondern auch durch hochstehende Fachleuter unterrichtet.

In Ihrer Hand hängt jetzt die Entscheidung.


Mit besten Gruß
Ihr
[signed:] H Schenker 22. NXI. 1919

{4} Auf eine Probe der „Kl. Bibl." lasse ich es selbstverständlich nicht ankommen, denn meine Leisten, steht für die Welt längst außer Zweifel, u. die erste ist es nicht dieser Art, da ich den Typos schon früher festgelegt habe: ich zeige den Eseln u. „Mumien", was in den Sinfonien, Liedern steckt, wovon sie nicht eine [illeg] gelesen, gehört haben. Buchstäblich so; Beweis wird ja eben angetreten.

© Transcription Ian Bent, 2009



Dear Director,

We 1 do not yet have a specific, already announced date, but some provisional indication seems already possible.

1) since the autograph manuscript of Op. 101 2 has now been located (recently, at [illeg]!), the series could be enriched by so priceless an item.

2) I will provide a Beethoven edition. You, too, wanted one in times gone by. After the shake-up of Bülow, 3 which is attributable to me, the most practical thing is to discard his edition, to replace it with one with footnotes. There are, after all, only twenty-seven items at issue, since the last five constitute a series in its own right. Naturally, really only footnotes, and no essays. Fingering and editing, it goes without saying.

3) Four issues of the Little Library per year. {2} It is my hope that you will not envision anything "little" by that, anything that remotely resembles the Anbruch or Der Merker . A highly substantial way of presenting symphonies, songs, chamber music, performance, etc., viz. such that one or two symphonies would be available per year, likewise the other pieces of work are coming to completion, which should be published [?simply] and also bound as separate volumes. 4

It is time to put to you the question:

How will you set up the honorarium with respect to 1, 2, 3, 5 bearing in mind that with the exception of 1 the other pieces of work are just as much an "enterprise" as is any commercial enterprise.

As regards 2 (Beethoven, Complete Sonatas) I would probably be able to produce four or five items per year, so that the job would be finished within five or six years. Should 2 the Little Library be dropped, then the sonatas would obviously be produced more rapidly and without interruption.

The honorarium is now the only question {3} on which rate of production hangs. For, commensurate with whatever conditions might be possible, I would forego so-and-so many pupils in order to do the work.

NB: I am currently busy from 10:00 a.m. to 12:00 noon and from 4:30 to 6:30 p.m., so, as you can see, visiting you is something impossible.

Forget the penny-pinching that in previous times has driven so many people to furious indignation, and come up with a viable way forward.

I am keeping well-informed about the value of the Kroner these days not only from my own experience but also by high-ranking experts.

The decision now rests squarely in your hands.


With cordial greetings,
Yours,
[signed:] H. Schenker November 22, 1919

{4} Needless to say, I will not let it depend on a tryout of the Little Library , for my accomplishments, as without doubt the world has long known, and it is not the first of this kind, since I established the prototype much earlier: I shall show the asses and "mummies" what is inherent in symphonies and songs, of which they have [?not seen the like] through reading or listening. Literally so: indeed, proof will be given.

© Translation Ian Bent, 2009



Sehr geehrter Herr Direktor!

Noch 1 ist der gewisse schon angekündigte Zeitpunkt nicht da, doch erscheint eine Vor-Orientierung bereits getreten.

1) Da das Manuscript, Autograph zu op. 101 2 in Sicht ist (neulich, am [illeg]), so könnte die Serie um ein so kostbares Stück bereichert werden.

2) Ich werde um eine Beethoven-Ausgabe bestimmen. Auch Sie wollten seinerzeit eine. Nach der Erschütterung Bülow's, 3 die auf mich zurückzuführen ist ist es am praktischesten, seine Ausgabe wieder durch eine mit Fußnoten zu verdrängen, zu ersetzen. Es kämen übrigens nur mehr 27 Stück in Frage, da die 5 letzten eine Serie für sich sind. Natürlich wirklich nur Fußnoten, u. keine Abhandlungen. Fingersatz u. Revision selbstverständlich.

3) 4 Hefte der „Kleinen Bibl.“ jährlich[;] {2} Ich will hoffen, daß Sie sich darunter nichts „Kleines“ vorstellen, etwas, was da wie der „Anbruch,“ „Merker“ mitlaüft. Höchst prätensiöse Darstellung von Sinfonien, Liedern, Kammermusik, Vortrag etc. u.zw. so, daß per Jahr 1 oder 2 Sinf. fertig vorlagen, desgleichen die übrigen Arbeiten zum Abschluß kommen, die [?schlicht] auch selbstständig bandweise ausgegeben werden sollen. 4

Nun ergeht an Sie die Frage.

Wie richten Sie das Honorar ad 1, 2, 3 5 ein unter Berücksichtigung, daß außer 1 die anderen Arbeiten ein „Unternehmen“ sind so gut wie jedes kaufmännische Unternehmen auch.

Bezüglich 2 ( Beeth. Son. complet würde ich 4-5 Stück per Jahr ev. liefern können, so daß in 5-6 Jahren das Werk fertig wurde. Entfiele 2 die „Kl. Bibl.“, so würden sich die Sonaten freilich rascher machen lassen, u. ununterbrochen.

Das Honorar ist nun allein die Frage, {3} die über das Tempo entscheidet. Denn ich würde bei einigermaßen möglichen Bedingungen so u. so viel Schüler weggeben, um die Arbeit zu machen.

NB: bin ich jetzt von 10-12 Vm. u. von 4½ - 6½ Nchm. tätig, so daß Sie zu besuchen, wie Sie sehen, ein Ding der Unmöglichkeit ist.

Vergessen Sie das ehemalige Trinkgeld-Sparen, das schon so viel Menschen in hellste Empörung versetzt hat u. schlagen Sie einen gangbaren Weg vor.

Vom Werth der Kronen bin ich heute nicht nur aus eigener Erfahrung sondern auch durch hochstehende Fachleuter unterrichtet.

In Ihrer Hand hängt jetzt die Entscheidung.


Mit besten Gruß
Ihr
[signed:] H Schenker 22. NXI. 1919

{4} Auf eine Probe der „Kl. Bibl." lasse ich es selbstverständlich nicht ankommen, denn meine Leisten, steht für die Welt längst außer Zweifel, u. die erste ist es nicht dieser Art, da ich den Typos schon früher festgelegt habe: ich zeige den Eseln u. „Mumien", was in den Sinfonien, Liedern steckt, wovon sie nicht eine [illeg] gelesen, gehört haben. Buchstäblich so; Beweis wird ja eben angetreten.

© Transcription Ian Bent, 2009



Dear Director,

We 1 do not yet have a specific, already announced date, but some provisional indication seems already possible.

1) since the autograph manuscript of Op. 101 2 has now been located (recently, at [illeg]!), the series could be enriched by so priceless an item.

2) I will provide a Beethoven edition. You, too, wanted one in times gone by. After the shake-up of Bülow, 3 which is attributable to me, the most practical thing is to discard his edition, to replace it with one with footnotes. There are, after all, only twenty-seven items at issue, since the last five constitute a series in its own right. Naturally, really only footnotes, and no essays. Fingering and editing, it goes without saying.

3) Four issues of the Little Library per year. {2} It is my hope that you will not envision anything "little" by that, anything that remotely resembles the Anbruch or Der Merker . A highly substantial way of presenting symphonies, songs, chamber music, performance, etc., viz. such that one or two symphonies would be available per year, likewise the other pieces of work are coming to completion, which should be published [?simply] and also bound as separate volumes. 4

It is time to put to you the question:

How will you set up the honorarium with respect to 1, 2, 3, 5 bearing in mind that with the exception of 1 the other pieces of work are just as much an "enterprise" as is any commercial enterprise.

As regards 2 (Beethoven, Complete Sonatas) I would probably be able to produce four or five items per year, so that the job would be finished within five or six years. Should 2 the Little Library be dropped, then the sonatas would obviously be produced more rapidly and without interruption.

The honorarium is now the only question {3} on which rate of production hangs. For, commensurate with whatever conditions might be possible, I would forego so-and-so many pupils in order to do the work.

NB: I am currently busy from 10:00 a.m. to 12:00 noon and from 4:30 to 6:30 p.m., so, as you can see, visiting you is something impossible.

Forget the penny-pinching that in previous times has driven so many people to furious indignation, and come up with a viable way forward.

I am keeping well-informed about the value of the Kroner these days not only from my own experience but also by high-ranking experts.

The decision now rests squarely in your hands.


With cordial greetings,
Yours,
[signed:] H. Schenker November 22, 1919

{4} Needless to say, I will not let it depend on a tryout of the Little Library , for my accomplishments, as without doubt the world has long known, and it is not the first of this kind, since I established the prototype much earlier: I shall show the asses and "mummies" what is inherent in symphonies and songs, of which they have [?not seen the like] through reading or listening. Literally so: indeed, proof will be given.

© Translation Ian Bent, 2009

Footnotes

1 Writing of this letter, the second on November 22, is (surprisingly) not recorded in Schenker's diary (OJ 3/1, p. 2180). Nor is there recorded any communication from libraries. Schenker's pen runs dry at several points, creating passage that are illegible or questionable on the photocopy. The letter also has two file-punch holes that obscure other passages.

2 See also WSLB 305, December 21, 1919: the autograph manuscript was owned by Louis Koch in Frankfurt, and at the time of publication was in the Koch collection in Wildegg, Switzerland.

3 Bülow's complete edition, L. van Beethoven: Sonaten und andere Werke, published by Schenker's other main publisher, J. G. Cotta of Stuttgart, in five volumes. Schenker may be alluding to his own treatment of that edition in the "Secondary Literature" sections of his Die letzten fünf Sonaten von Beethoven.

4 It is unclear, partly because of illegibility, whether Schenker's distinction here lies between "plain" and "fancy" styles of production, or between collective publication of a group of works each year and individually bound single items. Cf. WSLB 236, January 18, 1915 proposals.

5 1 = Die letzten fünf Sonaten von Beethoven; 2 = the complete edition of Beethoven's piano sonatas; 3 = the Kleine Bibliothek.

Commentary

Rights Holder
Heinrs of Heinrich Schenker, in the public domain
License
This document is deemed to be in the public domain as of January 1, 2006. All reasonable steps have been taken to locate the heirs of Heinrich Schenker. Any claim to intellectual rights should be addressed to the Schenker Correspondence Project, Faculty of Music, University of Cambridge, at schenkercorrespondence [at] mus (dot) cam (dot) ac (dot) uk.
Format
4p letter, oblong format, holograph message, signature, and postscript
Provenance
Universal Edition Archive (document date-1976)—on permanent loan to the Wienbibliothek im Rathhaus (1976-)

Digital version created: 2010-05-06