Ser. A, {112}
[1]910

13/4.

Nachmittag 3h. macht mir Prof. Rettich , den ich zufällig auf der Strasse treffe, Hoffnung auf Baron Alph .’ Förderung auch des II2 .

[The following twelve aphorisms are undated. Each is marked with a heavy ink dash in the left margin. Most are heavily edited by Schenker himself in ink and in pencil.]

— „Bewußtsein“ offenbar schon an sich selbst ein ‒ Verstoß gegen die Natur, sozusagen ein ‒ Irrtum: daher führen denn auch Tiere, die eben kein Bewußtsein haben, das Leben ohne Irrtum. —

— Der Dumme braucht nicht erst noch außerdem tyrannisch zu sein, ‒ schon seine Dummheit allein ist wahrlich Tyrannei genug! —

— Soziale Abbreviationen! Kellner u. Könige werden nur beim Vornamen genannt. —

— „Schwarz auf weiß schreien“ (B. Auerbach). —

— „Die Schwindler“ nannte Bismarck die Abgeordneten (Tiedemann). 1

— Hielte die Menschheit die Dichter doch lieber blos für ihre ‒ Hofnarren! Um wie viel mehr würde sie dann ihnen, wie einst die Könige ihren Hofnarren, Glauben schenken, als da sie hier ‒ nun muß ich sagen: leider ‒ ernst nimmt! —

— „Ent“täuschung: Ent = End’? „Ent“eignen: „Ende“ des Eigentums? 2

— Juden sind gleichsam ewige Zimmerherren der übrigen Nationen. Gerade als solche aber ringen sie den letzteren Menschlichkeit in der Behandlung ab u. sind daher im weltgeschichtlichen Sinne als unfreiwillige Lehrmeister der Humanität überhaupt anzusehen! Welche Mission u. wie seltsam der Umweg! —

—Wie anders, als wieder nur Optimismus offenbart der Pessimist, wenn er seine Lehre unter den Menschen dennoch zu verbreiten sucht?


{113}

[deleted draft of "Christus ..." in Heinrich's hand: final version in Jeanette's hand appears on p. 114.]

[heavily edited; only final version given here]
— Es hat der Name eines großen Dichters schon durch sich selbst einen durchaus bestimmten Inhalt, der allezeit kontrollierbar; viel weniger günstig steht es indessen mit Kaisern u. Königen, selbst den berühmtsten[.]

[heavily edited; only final version given here]
— Wenn die Aesteten von heute an der Politik nicht theilnehmen wollen, so beruht das auf der ganz richtigen Erkenntnis, daß, so lange das Majoritätsprinzip [?giebt], es ihnen unmöglich wird, die Plebs in irgend einem Punkte je zu überzeugen. (Antwort auf Prof. Liszt’s Aufforderung in der N. fr. Presse, s. Leitartikel von [space left for date]), was aber gar nichts gegen das Majoritätsprinzip beweist, sondern nur gegen diejenigen Königen u. Ratgeber, die dieses sogar an die Plebs ausgeliefert haben. 3

[heavily edited; only final version given here]
— Auch in Hinsicht der Lösung der Lebensfragen ist die individuelle noch immer zugleich die einzig richtige. Daß sich jedermann seine eigene Lebensbasis aus eigener Kraft u.s.w. einer gegen den Andern verbessern, ist das a priorigebot der Natur, u. daß dazu Talent u. Glück erforderlich sind, erweist u. bestätigt erst recht die Tendenz der Natur, die vor Allem selbst bei dieser wichtigsten aller Fragen die Hand im Spiele haben will. Un„natürlich“ dagegen ist nur eine parteimäßige Lösung, die ja auf der Gegenseite wieder nur parteimäßige Gegnerschaft erzeugt. Daher die Misere unserer sozialen Ordnung, der politischen Organisationen, des Parlamentes u.s.w. —

[The following two short essays are written in Jeanette's hand]

{114} Christus starb als Jude (s. Evangelium), Luther als Katholik, u. was hat doch die Menschheit aus Beiden ganz anderes gemacht!? Der das alte Testament zu erfüllen kam, wurde zum Gründer gar einer neuen Religion, eben der christlichen, ernannt, u. der endlich die katholische Religion (die von Haus eben schon selbst nur ein Misverständnis gewesen), zu purifizieren sich entschloß, wurde ebenso zum Begründer wieder einer neuen Lehre, der protestantischen, erhoben!

*[In Jeanette's hand; light edits by Heinrich have been incorporated]

Der sogenannte Modernismus. Ist es schon genug des Verhängnisses, daß die Menschen ihre Beobachtungsgabe noch so wenig entwickelt haben, u. sie deshalb weder eine Tatsache begreifen, noch ihre einzelnen Elemente verstehen u. würdigen können, so gesellt sich dazu leider ein noch verhängnisvollerer Fehler als Werk der Menschen, eben die mangelnde Beobachtungsgabe durch eine desto reichere Fantasietätigkeit zu ersetzen. So machen denn diese beiden Fehler ‒ als Wirkung des ersten Fehlers muß in diesem Zusammenhange wohl auch die Fantasietätigkeit, trotz ihrem mindestens aestetischem Werte, als ein Fehler bezeichnet werden ‒ überhaupt unmöglich, je die wahre Geschichte der Menschheit herauszufinden. Wie ward sie geschrieben, u. ebensowenig wird sie je geschrieben werden können? Nun ist es interessant zu sehen, wie sich die Menschen a posteriori bestreben, jene Legenden u. Lügen, die sie selbst vor so u. soviel Jahren aufgehäuft haben, im Namen der Wahrheit endlich zu korrigieren. Welche Vergeudung an Kraft u. Entwicklungsmöglichkeiten u. wie leicht war der Umweg zu umgehen, wenn man nur zur rechten Zeit auch den rechten Blick für die Geschehnisse gehabt hätte. 4

Besonders deutlich wird, was ich hier sage, an der Gestalt Christus sichtbar; was alles wurde nicht um {115} seine Person an Legenden u. Wundern aufgehäuft! Nun macht der Katholizismus Miene, selbst gegen jene Fabeln zu protestieren: die Modernisten, die diese Bewegung machen, sprechen von ihrem Recht auf freie Forschung u. doch wird, abgesehen davon, daß sich der Mangel einer führenden, starken Persönlichkeit fühlbar macht, ohne welche ja keine Bewegung je zum Siege führt, es ihnen niemals gelingen, ihre Prinzipe zu verwirklichen, da dieses mit der völligen Ausrottung jener ersten Unfähigkeit zur richtigen Beobachtung gleichbedeutend wäre, welches Erbübel indessen die Menschheit leider nie verlieren wird. Es wird immer so bleiben, daß man in einem Menschenleben nur wenig u. nur schlecht wird lesen können, daß man aber je bedeutender der Gegenstand, zumal wenn er Religionsstifter, desto erfundenere, wenn auch schmückende Zutaten als Ersatz für die Wahrheit hervorbringen wird. Am allerwenigsten wird noch die Religion in ihrem Schoße eine freie Forschung je vertragen; u. gelänge es dann übrigens, die Wahrheit festzustellen, ‒ käme man damit nicht etwa dort an, wo die jüdische Religion selbst auch im Augenblick des Eintrittes Christi sich befunden? Das ist es ja, was ich meine! Durch Misverständnisse gebiert die Menschheit eine neue Religion aus dem Schoße der jüdischen; es entsteht der Katholizismus. Nach weiteren Verfälschungen der Wahrheit aber protestiert Luther gegen den Katholizismus ‒ so entsteht der Protestantismus, der bereits, wie man sieht, die rückläufige Bewegung zum Ursprung hin einleitet. Nun protestieren die Modernisten gegen den Protestantismus! Würde nun dieses Ziel erreicht werden, so würde der Kreis völlig geschlossen u. man stünde wieder an der Pforte des Judentums u. dann wäre wieder ein zweiter Christus notwendig, der den Juden sagte, daß ihre Bibel blos ein Dichterwerk u. alle Religion in den beiden Geboten: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ u. „Liebe Gott. - - -[“] enthalten sei. Wird doch Christus den ewigen Typus eines ersten Protestanten vorstellen, wie er doch leider immer vergeblich von Zeit zu Zeit immer wieder zum Zwecke der Correktur vom Menschenirrtum erstehen [in left margin:] u. bis zur Kreutzigung wandeln wird!

{116}

1910.
[Very heavily edited by Schenker in ink and pencil; final version only given here]

Von sog. intelligenten Verbrechern. Zunächst begeht die menschliche Gesellschaft den Misbrauch, irgend einen Menschen „intelligent“ zu heißen; macht sich dieser nun eines Verbrechens schuldig, so ist es dann dieselbe Gesellschaft, welche wieder darin einen sonderbaren Widerspruch gegen dessen „Intelligenz“ erblickt. Wie man sieht, ahnt sie also nicht, daß im Grunde nur sie selbst es ist, die sich eines Fehlers schuldig macht, u. zw.: dort von „Intelligenz“ übereilig zu sprechen, wo in Wahrheit noch keine vorhanden gewesen. Wie viel prozessuale Schwierigkeiten würden entfallen, wenn man nicht erst von „Intelligenz“ an einer unzuständigen Stelle reden wollte, denn nur dadurch schafft man sich selbst einen Widerspruch auf den Hals, der, objektiv genommen, sie gar nicht besteht, da jeder Verbrecher ohneweiters auch als unintelligenter Mensch bezeichnet werden kann! —

{117}
[The following nine aphorisms are undated. Each is marked with a heavy ink dash in the left margin. Most are heavily edited by Schenker himself in ink and in pencil.]

Gottesgnadentum. 5 Sieht ein Mensch, der König ist, alle anderen Menschen wohl unter sich, so muß er ‒ kann es denn bei dem allen Menschen innewohnenden Trieb nach Kausalität d.i. nach dem Begreifen mittels der Kausalität wohl anders sein? ‒ immerhin doch einen Grund von oben annehmen, da er keinen von unten zu finden vermag. Darum leitet der König sich von Gott ab, da er von den Menschen sich abzuleiten eben nicht versteht. —

Bizets „Tagebücher“, lesenswerth. 6

— Alle, die im Orient reisen, staunen über den Schmutz in Jerusalem: als ob es mit der geistigen Verlassenschaft Christi gar reiner stünde! Nur die Strassen, die von Stadt zu Stadt, von Haus zu Haus führen, diese sollten, so wünschen es die Menschen, stets rein sein; doch nimmer stört es die Menschen, wenn die geistigen Verkehrsstrassen schmutzig bleiben! —

— In der Welt der Gedanken (z.B. in der Kunst) gilt das System der Cordelia 7 nicht. Anders als in der Welt der Gefühle heißt es, hier, den Gedanken so voll u. rund, sicherzustellen, als er selbst es eben fordert u. dazu gehören Worte, Worte, Worte, nur um jede Falte, jede Windung des Gedankens unserem Blick zu entschleiern. —

— „Gegen“gedanken, ‒ „Für“gedanken? —

— Was einst in ihrer Art die Völkerwanderung besorgte, besorgt heute das allgemeine Stimmrecht: Majorisierung! —

— Noch weniger sollte der Mensch Schuldner seiner selbst bleiben wollen, als er Schuldner eines Anderen zu sein liebt. —

— Religion ‒ in der Wiege, [in der] Ehe ‒ jung gegründet, ‒ das sind, gleichwohl ob nicht eingestanden, ja nicht einmal bewußt reelle Absichten des Staates leider auf den ‒ Durschnitt der Menschheit! —

— Wie alle Wärme, so zerdehnt gleichsam auch die Wärme der Liebe jede menschliche Seele.

[in lower margin, another hand, in pencil:] H. 136

© Transcription Ian Bent.

Ser. A, {112}
[1]910

April 13

3 o'clock in the afternoon: Prof. Rettich, whom I encounter by chance on the street, gives me hope for Baron Alphons's support also for Counterpoint II.

[The following twelve aphorisms are undated. Each is marked with a heavy ink dash in the left margin. Most are heavily edited by Schenker himself in ink and in pencil.]

— "Consciousness" clearly already in itself an offense against Nature, so to speak ‒ an error: thus animals, who have no consciousness at all, lead their lives without error. —

— The fool does not need to be tyrannical as well, ‒ his stupidity alone is itself in fact tyranny enough! —

— Social abbreviations! Waiters and kings are addressed only by their first names. —

— "To scream black on white" (B. Auerbach). —

— "The swindlers": that is what Bismarck called his members of parliament (Tiedemann). 1

— Mankind preferred to regard poets merely as its ‒ court jesters! How much more would it then put its faith in them, as once did kings in their court jesters, than it now — sadly, I must say ‒ takes [them] seriously! —

— "Dis"illusionment: "Dis" = end? "Dis"appropriation: [Dis =] "end" of ownership? 2

— Jews are so to speak eternal lodgers of the other nations. Precisely as such, however, they wrest from the latter humane treatment and are accordingly to be understood, in a world-historical sense, above all as involuntary master instructors of humanity! What a mission, and how extraordinary the circuitous way [of fulfilling it]! —

—What other than optimism itself does the pessimist display when he nevertheless seeks to disseminate his theory among people?


{113}

[deleted draft of "Christus ..." in Heinrich's hand: final version in Jeanette's hand appears on p. 114.]

[heavily edited; only final version given here]
— Merely the name alone of a great poet has a thoroughly determined content, which can be verified for all eternity; but how much less favorable is this the case, however, with kings and queens, even the most famous of them[.]

[heavily edited; only final version given here]
— If the esthetes of today do not wish to engage in politics, then that may rest on their wholly correct understanding that, so long as the principle of majority rule exists, it is impossible for them ever to persuade the common people on any point whatsoever. (Answer to Prof. Liszt's exhortation in the Neue freie Presse , cf. his lead article of [space left for date]). But this proves nothing whatsoever against the majority principle, only against those kings and advisers who have bestowed it upon the common people. 3

[heavily edited; only final version given here]
— Even in respect to the solving of life's questions, it is the individual [solution] that is on every occasion the only correct one. That everyone will improve the basis of his own life by virtue of his own strength, etc, one against the other, is an a priori commandment of Nature, and that talent and good fortune for that are necessary is more than ever demonstrated and established by the course of Nature, which above all itself will have a hand in this most important of all questions. What is un"natural," conversely, is only a partisan solution that merely creates a partisan opposition on the opposing side. This explains the wretched condition of our social order, political organizations, parliament, etc. —

[The following two short essays are written in Jeanette's hand]

{114} Christ died a Jew (see the Gospel), Luther as a Catholic, and what has mankind made of those two that is really any different!? He who came to fulfil the Old Testament was designated the founder of an entirely new religion, i.e. Christianity; and he who ultimately resolved to purify the Catholic religion (which was itself from the outset already only a misunderstanding) was likewise exalted as the founder of yet another doctrine, Protestantism.

*[In Jeanette's hand; light edits by Heinrich have been incorporated]

So-called modernism. As if it were not already enough of a disaster that human beings have still not developed their powers of observation sufficiently, and as a result have been unable either to grasp a fact or to understand and appreciate its constituent elements, then an even more diastrous human error is coupled with that, namely substituting the lack of powers of observation by an even richer capacity for imagination. So these two human errors ‒ as the effect of the first error, the capacity for imagination must, despite its at least esthetic value, in this connection also be deemed an error ‒ make it impossible ever to discover the true history of humanity. How was it written, and just as little will it ever be written? It is interesting to see how people in the end strive, after the event, to correct in the name of truth thoee legends and lies that they have piled up over countless years. What a waste of energy and possibilities for development; and how easy it was to avoid straying from the path, if only one had had the right view of events at the right time. 4

What I am saying here becomes manifest especially in the figure of Christ. What is there that hasn't been heaped around his {115} person in the form of legends and miracles! Now Catholicism looks as if it is itself about to protest against those fables. The modernists who are behind this movement speak of their right to freedom of inquiry, and they will surely never succeed ‒ apart from the evident lack of a strong personality in command, without which no movement can ever lead to victory ‒ in bringing their principles to reality, since this would be tantamount to the wholesale eradication of that initial incapacity for correct observation, a hereditary defect which, however, mankind will sadly never lose. It will ever be the case that in a single lifetime one will be able to read only so little and so badly that, the more important the issue at hand, especially if one is the founder of a religion, the more fictitious, even if colorful elaborations are produced as a substitute for the truth. At the very least, religion will always still tolerate in its bosom freedom of inquiry; and if it were then in addition to succeed in establishing the truth ‒ would one not perhaps arrive at the state in which the Jewish religion found itself at the moment Christ entered on the scene? That is precisely what I mean! Through misunderstandings, mankind gives birth to a new religion from the bosom of the Jewish one; Catholicism came into being. However, after further falsification of the truth, Luther protests against Catholicism ‒ and in this way arises Protestantism, which already, as we see, regresses toward its origin. Now the modernists are protesting against Protestantism! Were this goal to be attained, the circle would have been fully closed and one would be standing once again at the gate of Jewry, and a second Christ would thus again be needed to tell the Jews that their Bible was merely a work of poetry, and that all religions were contained within the two commandments "Love thy neighbor as thyself," and "Love the Lord thy God . . ." Thus Christ will represent the eternal model of the first protestant, as he, unfortunately always in vain, arises over and over again, each time for the purpose of correcting human error [in left margin:] and so will tread the path leading to crucifixion.

{116}

1910.
[Very heavily edited by Schenker in ink and pencil; final version only given here]

Of so-called intelligent criminals. First, if human society commits the solecism of calling any person whatsoever "intelligent"; if that person now commits a crime, it is then this selfsame society that again sees in it a remarkable inconsistency with his "intelligence." As can be seen, she [i.e. society] thus does not realize that at base it is only she herself that commits an error, more precisely: [the error of] speaking overhastily of "intelligence" where in truth nothing of the sort existed. How many procedural difficulties would go away if people were to stop talking about "intelligence" in inappropriate cases, for only by so doing does one burden oneself with an inconsistency that, viewed objectively, is [??] simply nonexistent, since every criminal can without more ado be designated an unintelligent person! —

{117}
[The following nine aphorisms are undated. Each is marked with a heavy ink dash in the left margin. Most are heavily edited by Schenker himself in ink and in pencil.]

God’s gift of grace. 5 If a king regards all other people as beneath him, then he must, ‒ can it ever be otherwise, given the instinct inherent in all men toward causality, i.e. toward understanding by means of causality? ‒ nevertheless assume an authority from above, since he is unable to find one from below. Thus the king derives his power from God, since he would in no way understand how to derive it from the people. —

Bizet's diaries are worth reading. 6

— All who travel in the east are astonished at the dirt in Jerusalem: as if it were any cleaner with the spiritual heritage of Christ! Only the streets that lead from town to town and house to house, these are the only ones that should, by the wishes of the people, remain clean at all times. But it never troubles people if the spiritual thoroughfares remain dirty! —

— In the world of ideas (e.g. in art) the system of Cordelia 7 does not apply. Unlike the world of feelings, here it is a matter of preserving the idea, in all its fullness and roundness; precisely as it itself demands, and that entails words, words, words, just to reveal every fold, every twist of the thought to our gaze. —

— "Contra"ideas, ‒ "Pro"ideas? —

— What once, in its own way, was procured by the migration of people, is today procured by universal franchise: victory by majority. —

— Man should wish to remain a debtor to himself even less than he loves to be a debtor to another. —

— Religion established at an early age – in the cradle, at marriage – these are, although not openly admitted, or at least not for a moment consciously, the real intentions of the state sadly for the ‒ mediocre of humanity! —

— Just like all warmth, so does the, so to speak, warmth of love stretch out every human soul.

[in lower margin, another hand, in pencil:] H. 136

© Translation Ian Bent.

Ser. A, {112}
[1]910

13/4.

Nachmittag 3h. macht mir Prof. Rettich , den ich zufällig auf der Strasse treffe, Hoffnung auf Baron Alph .’ Förderung auch des II2 .

[The following twelve aphorisms are undated. Each is marked with a heavy ink dash in the left margin. Most are heavily edited by Schenker himself in ink and in pencil.]

— „Bewußtsein“ offenbar schon an sich selbst ein ‒ Verstoß gegen die Natur, sozusagen ein ‒ Irrtum: daher führen denn auch Tiere, die eben kein Bewußtsein haben, das Leben ohne Irrtum. —

— Der Dumme braucht nicht erst noch außerdem tyrannisch zu sein, ‒ schon seine Dummheit allein ist wahrlich Tyrannei genug! —

— Soziale Abbreviationen! Kellner u. Könige werden nur beim Vornamen genannt. —

— „Schwarz auf weiß schreien“ (B. Auerbach). —

— „Die Schwindler“ nannte Bismarck die Abgeordneten (Tiedemann). 1

— Hielte die Menschheit die Dichter doch lieber blos für ihre ‒ Hofnarren! Um wie viel mehr würde sie dann ihnen, wie einst die Könige ihren Hofnarren, Glauben schenken, als da sie hier ‒ nun muß ich sagen: leider ‒ ernst nimmt! —

— „Ent“täuschung: Ent = End’? „Ent“eignen: „Ende“ des Eigentums? 2

— Juden sind gleichsam ewige Zimmerherren der übrigen Nationen. Gerade als solche aber ringen sie den letzteren Menschlichkeit in der Behandlung ab u. sind daher im weltgeschichtlichen Sinne als unfreiwillige Lehrmeister der Humanität überhaupt anzusehen! Welche Mission u. wie seltsam der Umweg! —

—Wie anders, als wieder nur Optimismus offenbart der Pessimist, wenn er seine Lehre unter den Menschen dennoch zu verbreiten sucht?


{113}

[deleted draft of "Christus ..." in Heinrich's hand: final version in Jeanette's hand appears on p. 114.]

[heavily edited; only final version given here]
— Es hat der Name eines großen Dichters schon durch sich selbst einen durchaus bestimmten Inhalt, der allezeit kontrollierbar; viel weniger günstig steht es indessen mit Kaisern u. Königen, selbst den berühmtsten[.]

[heavily edited; only final version given here]
— Wenn die Aesteten von heute an der Politik nicht theilnehmen wollen, so beruht das auf der ganz richtigen Erkenntnis, daß, so lange das Majoritätsprinzip [?giebt], es ihnen unmöglich wird, die Plebs in irgend einem Punkte je zu überzeugen. (Antwort auf Prof. Liszt’s Aufforderung in der N. fr. Presse, s. Leitartikel von [space left for date]), was aber gar nichts gegen das Majoritätsprinzip beweist, sondern nur gegen diejenigen Königen u. Ratgeber, die dieses sogar an die Plebs ausgeliefert haben. 3

[heavily edited; only final version given here]
— Auch in Hinsicht der Lösung der Lebensfragen ist die individuelle noch immer zugleich die einzig richtige. Daß sich jedermann seine eigene Lebensbasis aus eigener Kraft u.s.w. einer gegen den Andern verbessern, ist das a priorigebot der Natur, u. daß dazu Talent u. Glück erforderlich sind, erweist u. bestätigt erst recht die Tendenz der Natur, die vor Allem selbst bei dieser wichtigsten aller Fragen die Hand im Spiele haben will. Un„natürlich“ dagegen ist nur eine parteimäßige Lösung, die ja auf der Gegenseite wieder nur parteimäßige Gegnerschaft erzeugt. Daher die Misere unserer sozialen Ordnung, der politischen Organisationen, des Parlamentes u.s.w. —

[The following two short essays are written in Jeanette's hand]

{114} Christus starb als Jude (s. Evangelium), Luther als Katholik, u. was hat doch die Menschheit aus Beiden ganz anderes gemacht!? Der das alte Testament zu erfüllen kam, wurde zum Gründer gar einer neuen Religion, eben der christlichen, ernannt, u. der endlich die katholische Religion (die von Haus eben schon selbst nur ein Misverständnis gewesen), zu purifizieren sich entschloß, wurde ebenso zum Begründer wieder einer neuen Lehre, der protestantischen, erhoben!

*[In Jeanette's hand; light edits by Heinrich have been incorporated]

Der sogenannte Modernismus. Ist es schon genug des Verhängnisses, daß die Menschen ihre Beobachtungsgabe noch so wenig entwickelt haben, u. sie deshalb weder eine Tatsache begreifen, noch ihre einzelnen Elemente verstehen u. würdigen können, so gesellt sich dazu leider ein noch verhängnisvollerer Fehler als Werk der Menschen, eben die mangelnde Beobachtungsgabe durch eine desto reichere Fantasietätigkeit zu ersetzen. So machen denn diese beiden Fehler ‒ als Wirkung des ersten Fehlers muß in diesem Zusammenhange wohl auch die Fantasietätigkeit, trotz ihrem mindestens aestetischem Werte, als ein Fehler bezeichnet werden ‒ überhaupt unmöglich, je die wahre Geschichte der Menschheit herauszufinden. Wie ward sie geschrieben, u. ebensowenig wird sie je geschrieben werden können? Nun ist es interessant zu sehen, wie sich die Menschen a posteriori bestreben, jene Legenden u. Lügen, die sie selbst vor so u. soviel Jahren aufgehäuft haben, im Namen der Wahrheit endlich zu korrigieren. Welche Vergeudung an Kraft u. Entwicklungsmöglichkeiten u. wie leicht war der Umweg zu umgehen, wenn man nur zur rechten Zeit auch den rechten Blick für die Geschehnisse gehabt hätte. 4

Besonders deutlich wird, was ich hier sage, an der Gestalt Christus sichtbar; was alles wurde nicht um {115} seine Person an Legenden u. Wundern aufgehäuft! Nun macht der Katholizismus Miene, selbst gegen jene Fabeln zu protestieren: die Modernisten, die diese Bewegung machen, sprechen von ihrem Recht auf freie Forschung u. doch wird, abgesehen davon, daß sich der Mangel einer führenden, starken Persönlichkeit fühlbar macht, ohne welche ja keine Bewegung je zum Siege führt, es ihnen niemals gelingen, ihre Prinzipe zu verwirklichen, da dieses mit der völligen Ausrottung jener ersten Unfähigkeit zur richtigen Beobachtung gleichbedeutend wäre, welches Erbübel indessen die Menschheit leider nie verlieren wird. Es wird immer so bleiben, daß man in einem Menschenleben nur wenig u. nur schlecht wird lesen können, daß man aber je bedeutender der Gegenstand, zumal wenn er Religionsstifter, desto erfundenere, wenn auch schmückende Zutaten als Ersatz für die Wahrheit hervorbringen wird. Am allerwenigsten wird noch die Religion in ihrem Schoße eine freie Forschung je vertragen; u. gelänge es dann übrigens, die Wahrheit festzustellen, ‒ käme man damit nicht etwa dort an, wo die jüdische Religion selbst auch im Augenblick des Eintrittes Christi sich befunden? Das ist es ja, was ich meine! Durch Misverständnisse gebiert die Menschheit eine neue Religion aus dem Schoße der jüdischen; es entsteht der Katholizismus. Nach weiteren Verfälschungen der Wahrheit aber protestiert Luther gegen den Katholizismus ‒ so entsteht der Protestantismus, der bereits, wie man sieht, die rückläufige Bewegung zum Ursprung hin einleitet. Nun protestieren die Modernisten gegen den Protestantismus! Würde nun dieses Ziel erreicht werden, so würde der Kreis völlig geschlossen u. man stünde wieder an der Pforte des Judentums u. dann wäre wieder ein zweiter Christus notwendig, der den Juden sagte, daß ihre Bibel blos ein Dichterwerk u. alle Religion in den beiden Geboten: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ u. „Liebe Gott. - - -[“] enthalten sei. Wird doch Christus den ewigen Typus eines ersten Protestanten vorstellen, wie er doch leider immer vergeblich von Zeit zu Zeit immer wieder zum Zwecke der Correktur vom Menschenirrtum erstehen [in left margin:] u. bis zur Kreutzigung wandeln wird!

{116}

1910.
[Very heavily edited by Schenker in ink and pencil; final version only given here]

Von sog. intelligenten Verbrechern. Zunächst begeht die menschliche Gesellschaft den Misbrauch, irgend einen Menschen „intelligent“ zu heißen; macht sich dieser nun eines Verbrechens schuldig, so ist es dann dieselbe Gesellschaft, welche wieder darin einen sonderbaren Widerspruch gegen dessen „Intelligenz“ erblickt. Wie man sieht, ahnt sie also nicht, daß im Grunde nur sie selbst es ist, die sich eines Fehlers schuldig macht, u. zw.: dort von „Intelligenz“ übereilig zu sprechen, wo in Wahrheit noch keine vorhanden gewesen. Wie viel prozessuale Schwierigkeiten würden entfallen, wenn man nicht erst von „Intelligenz“ an einer unzuständigen Stelle reden wollte, denn nur dadurch schafft man sich selbst einen Widerspruch auf den Hals, der, objektiv genommen, sie gar nicht besteht, da jeder Verbrecher ohneweiters auch als unintelligenter Mensch bezeichnet werden kann! —

{117}
[The following nine aphorisms are undated. Each is marked with a heavy ink dash in the left margin. Most are heavily edited by Schenker himself in ink and in pencil.]

Gottesgnadentum. 5 Sieht ein Mensch, der König ist, alle anderen Menschen wohl unter sich, so muß er ‒ kann es denn bei dem allen Menschen innewohnenden Trieb nach Kausalität d.i. nach dem Begreifen mittels der Kausalität wohl anders sein? ‒ immerhin doch einen Grund von oben annehmen, da er keinen von unten zu finden vermag. Darum leitet der König sich von Gott ab, da er von den Menschen sich abzuleiten eben nicht versteht. —

Bizets „Tagebücher“, lesenswerth. 6

— Alle, die im Orient reisen, staunen über den Schmutz in Jerusalem: als ob es mit der geistigen Verlassenschaft Christi gar reiner stünde! Nur die Strassen, die von Stadt zu Stadt, von Haus zu Haus führen, diese sollten, so wünschen es die Menschen, stets rein sein; doch nimmer stört es die Menschen, wenn die geistigen Verkehrsstrassen schmutzig bleiben! —

— In der Welt der Gedanken (z.B. in der Kunst) gilt das System der Cordelia 7 nicht. Anders als in der Welt der Gefühle heißt es, hier, den Gedanken so voll u. rund, sicherzustellen, als er selbst es eben fordert u. dazu gehören Worte, Worte, Worte, nur um jede Falte, jede Windung des Gedankens unserem Blick zu entschleiern. —

— „Gegen“gedanken, ‒ „Für“gedanken? —

— Was einst in ihrer Art die Völkerwanderung besorgte, besorgt heute das allgemeine Stimmrecht: Majorisierung! —

— Noch weniger sollte der Mensch Schuldner seiner selbst bleiben wollen, als er Schuldner eines Anderen zu sein liebt. —

— Religion ‒ in der Wiege, [in der] Ehe ‒ jung gegründet, ‒ das sind, gleichwohl ob nicht eingestanden, ja nicht einmal bewußt reelle Absichten des Staates leider auf den ‒ Durschnitt der Menschheit! —

— Wie alle Wärme, so zerdehnt gleichsam auch die Wärme der Liebe jede menschliche Seele.

[in lower margin, another hand, in pencil:] H. 136

© Transcription Ian Bent.

Ser. A, {112}
[1]910

April 13

3 o'clock in the afternoon: Prof. Rettich, whom I encounter by chance on the street, gives me hope for Baron Alphons's support also for Counterpoint II.

[The following twelve aphorisms are undated. Each is marked with a heavy ink dash in the left margin. Most are heavily edited by Schenker himself in ink and in pencil.]

— "Consciousness" clearly already in itself an offense against Nature, so to speak ‒ an error: thus animals, who have no consciousness at all, lead their lives without error. —

— The fool does not need to be tyrannical as well, ‒ his stupidity alone is itself in fact tyranny enough! —

— Social abbreviations! Waiters and kings are addressed only by their first names. —

— "To scream black on white" (B. Auerbach). —

— "The swindlers": that is what Bismarck called his members of parliament (Tiedemann). 1

— Mankind preferred to regard poets merely as its ‒ court jesters! How much more would it then put its faith in them, as once did kings in their court jesters, than it now — sadly, I must say ‒ takes [them] seriously! —

— "Dis"illusionment: "Dis" = end? "Dis"appropriation: [Dis =] "end" of ownership? 2

— Jews are so to speak eternal lodgers of the other nations. Precisely as such, however, they wrest from the latter humane treatment and are accordingly to be understood, in a world-historical sense, above all as involuntary master instructors of humanity! What a mission, and how extraordinary the circuitous way [of fulfilling it]! —

—What other than optimism itself does the pessimist display when he nevertheless seeks to disseminate his theory among people?


{113}

[deleted draft of "Christus ..." in Heinrich's hand: final version in Jeanette's hand appears on p. 114.]

[heavily edited; only final version given here]
— Merely the name alone of a great poet has a thoroughly determined content, which can be verified for all eternity; but how much less favorable is this the case, however, with kings and queens, even the most famous of them[.]

[heavily edited; only final version given here]
— If the esthetes of today do not wish to engage in politics, then that may rest on their wholly correct understanding that, so long as the principle of majority rule exists, it is impossible for them ever to persuade the common people on any point whatsoever. (Answer to Prof. Liszt's exhortation in the Neue freie Presse , cf. his lead article of [space left for date]). But this proves nothing whatsoever against the majority principle, only against those kings and advisers who have bestowed it upon the common people. 3

[heavily edited; only final version given here]
— Even in respect to the solving of life's questions, it is the individual [solution] that is on every occasion the only correct one. That everyone will improve the basis of his own life by virtue of his own strength, etc, one against the other, is an a priori commandment of Nature, and that talent and good fortune for that are necessary is more than ever demonstrated and established by the course of Nature, which above all itself will have a hand in this most important of all questions. What is un"natural," conversely, is only a partisan solution that merely creates a partisan opposition on the opposing side. This explains the wretched condition of our social order, political organizations, parliament, etc. —

[The following two short essays are written in Jeanette's hand]

{114} Christ died a Jew (see the Gospel), Luther as a Catholic, and what has mankind made of those two that is really any different!? He who came to fulfil the Old Testament was designated the founder of an entirely new religion, i.e. Christianity; and he who ultimately resolved to purify the Catholic religion (which was itself from the outset already only a misunderstanding) was likewise exalted as the founder of yet another doctrine, Protestantism.

*[In Jeanette's hand; light edits by Heinrich have been incorporated]

So-called modernism. As if it were not already enough of a disaster that human beings have still not developed their powers of observation sufficiently, and as a result have been unable either to grasp a fact or to understand and appreciate its constituent elements, then an even more diastrous human error is coupled with that, namely substituting the lack of powers of observation by an even richer capacity for imagination. So these two human errors ‒ as the effect of the first error, the capacity for imagination must, despite its at least esthetic value, in this connection also be deemed an error ‒ make it impossible ever to discover the true history of humanity. How was it written, and just as little will it ever be written? It is interesting to see how people in the end strive, after the event, to correct in the name of truth thoee legends and lies that they have piled up over countless years. What a waste of energy and possibilities for development; and how easy it was to avoid straying from the path, if only one had had the right view of events at the right time. 4

What I am saying here becomes manifest especially in the figure of Christ. What is there that hasn't been heaped around his {115} person in the form of legends and miracles! Now Catholicism looks as if it is itself about to protest against those fables. The modernists who are behind this movement speak of their right to freedom of inquiry, and they will surely never succeed ‒ apart from the evident lack of a strong personality in command, without which no movement can ever lead to victory ‒ in bringing their principles to reality, since this would be tantamount to the wholesale eradication of that initial incapacity for correct observation, a hereditary defect which, however, mankind will sadly never lose. It will ever be the case that in a single lifetime one will be able to read only so little and so badly that, the more important the issue at hand, especially if one is the founder of a religion, the more fictitious, even if colorful elaborations are produced as a substitute for the truth. At the very least, religion will always still tolerate in its bosom freedom of inquiry; and if it were then in addition to succeed in establishing the truth ‒ would one not perhaps arrive at the state in which the Jewish religion found itself at the moment Christ entered on the scene? That is precisely what I mean! Through misunderstandings, mankind gives birth to a new religion from the bosom of the Jewish one; Catholicism came into being. However, after further falsification of the truth, Luther protests against Catholicism ‒ and in this way arises Protestantism, which already, as we see, regresses toward its origin. Now the modernists are protesting against Protestantism! Were this goal to be attained, the circle would have been fully closed and one would be standing once again at the gate of Jewry, and a second Christ would thus again be needed to tell the Jews that their Bible was merely a work of poetry, and that all religions were contained within the two commandments "Love thy neighbor as thyself," and "Love the Lord thy God . . ." Thus Christ will represent the eternal model of the first protestant, as he, unfortunately always in vain, arises over and over again, each time for the purpose of correcting human error [in left margin:] and so will tread the path leading to crucifixion.

{116}

1910.
[Very heavily edited by Schenker in ink and pencil; final version only given here]

Of so-called intelligent criminals. First, if human society commits the solecism of calling any person whatsoever "intelligent"; if that person now commits a crime, it is then this selfsame society that again sees in it a remarkable inconsistency with his "intelligence." As can be seen, she [i.e. society] thus does not realize that at base it is only she herself that commits an error, more precisely: [the error of] speaking overhastily of "intelligence" where in truth nothing of the sort existed. How many procedural difficulties would go away if people were to stop talking about "intelligence" in inappropriate cases, for only by so doing does one burden oneself with an inconsistency that, viewed objectively, is [??] simply nonexistent, since every criminal can without more ado be designated an unintelligent person! —

{117}
[The following nine aphorisms are undated. Each is marked with a heavy ink dash in the left margin. Most are heavily edited by Schenker himself in ink and in pencil.]

God’s gift of grace. 5 If a king regards all other people as beneath him, then he must, ‒ can it ever be otherwise, given the instinct inherent in all men toward causality, i.e. toward understanding by means of causality? ‒ nevertheless assume an authority from above, since he is unable to find one from below. Thus the king derives his power from God, since he would in no way understand how to derive it from the people. —

Bizet's diaries are worth reading. 6

— All who travel in the east are astonished at the dirt in Jerusalem: as if it were any cleaner with the spiritual heritage of Christ! Only the streets that lead from town to town and house to house, these are the only ones that should, by the wishes of the people, remain clean at all times. But it never troubles people if the spiritual thoroughfares remain dirty! —

— In the world of ideas (e.g. in art) the system of Cordelia 7 does not apply. Unlike the world of feelings, here it is a matter of preserving the idea, in all its fullness and roundness; precisely as it itself demands, and that entails words, words, words, just to reveal every fold, every twist of the thought to our gaze. —

— "Contra"ideas, ‒ "Pro"ideas? —

— What once, in its own way, was procured by the migration of people, is today procured by universal franchise: victory by majority. —

— Man should wish to remain a debtor to himself even less than he loves to be a debtor to another. —

— Religion established at an early age – in the cradle, at marriage – these are, although not openly admitted, or at least not for a moment consciously, the real intentions of the state sadly for the ‒ mediocre of humanity! —

— Just like all warmth, so does the, so to speak, warmth of love stretch out every human soul.

[in lower margin, another hand, in pencil:] H. 136

© Translation Ian Bent.

Footnotes

1 Christoph von Tiedemann was Bismarck's personal assistant. The remark may come from his Sechs Jahre Chef der Reichskanzler unter dem Fürsten Bismarck (1909).

2 The English translation given here does not really work, because the aphorism relies on the sonic identity of "Ent" and "End" in German.

3 "was aber ... haben" ("But this ... people"): added later, partly interlinearly, in darker ink.

4 Paragraph-break indicated by pencil edit by Heinrich.

5 Gottesgnadentum: "a basis for the monarchical claim to power. The term derives from the entitlement phrase Dei gratia ("by God's grace")." It arose with the Carolingian kings in France in the 9th century, and is still used as "by God's grace" in some present-day monarchies.

6 Cf. G. Bizet: Lettres; Impressions de Rome, 1857–60; La Commune, 1871, ed. L. Ganderax (Paris, 1908).

7 "system of Cordelia": i.e. remaining silent. The allusion is presumably to Cordelia, the third daughter in the King Lear story, who refuses to match the outpourings of flattering words by her two elder sisters. — "voll und rund": perhaps an allusion to the moon.