17. Okt. 13

Brahms Quartett fortgesetzt. 1

*

Mittelmann über Einladung im Caféhaus. Seine Unsauberkeit gibt Anlaß, von den Menschen das Traurigste zu denken. zu folgendem Gedankengang: Nur weil er unsauber, erlauben sich die Menschen ihm gegenüber schmutzig zu sein; würde er reinlich gekleidet erscheinen, so würde dadurch den Menschen das ihr vermeintliches Recht auf Schmutz entwunden werden, d. h., sie würden nicht den Mut aufbringen, ihm so wenig in die Hand zu drücken, als sie aus angeborenem Schmutz es wagen, blos weil er in dürftigster Kleidung auftritt. Die Reinlichkeit würde [illeg]ihnen möglich machen, ihm statt mehr einfach – nichts zu geben, was freilich als Schmutz genommen sicher ein stärkerer Schmutz ist, als den sie ohnehin betätigen. Wie man’s nimmt u. wendet: Die Wohltat Wohltätigkeit der Menschen steht auf dünnen Beinen u. Schmutz wird es, gleichviel ob wie immer der arme Teufel sich stellen mag, ob er im Äußern reinlich oder unsauber auftritt!

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© Transcription Marko Deisinger.

October 17, 1913.

Work on Brahms's Quartet continued. 1

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Mittelmann at the coffee house, by invitation. His uncleanliness provokes the following line of thought: only because he is unclean, people allow themselves to be greedy in respect of him; if he were to appear neatly dressed, then the people's presumed right to greed would be wrested from them – that is, they would not dare to press so little into his hands as they dare to from their innate greed, merely because he appears in the most threadbare clothing. His cleanliness would make it possible to give not more but simply nothing at all, which, taken of course as greed, is surely a greater greed than what they practice anyway. As one takes it and expresses it: the benevolence of humans stands on thin legs, and greed it will be, in whatever form the poor devil may present himself, whether he outwardly appears neat or untidy!

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© Translation William Drabkin.

17. Okt. 13

Brahms Quartett fortgesetzt. 1

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Mittelmann über Einladung im Caféhaus. Seine Unsauberkeit gibt Anlaß, von den Menschen das Traurigste zu denken. zu folgendem Gedankengang: Nur weil er unsauber, erlauben sich die Menschen ihm gegenüber schmutzig zu sein; würde er reinlich gekleidet erscheinen, so würde dadurch den Menschen das ihr vermeintliches Recht auf Schmutz entwunden werden, d. h., sie würden nicht den Mut aufbringen, ihm so wenig in die Hand zu drücken, als sie aus angeborenem Schmutz es wagen, blos weil er in dürftigster Kleidung auftritt. Die Reinlichkeit würde [illeg]ihnen möglich machen, ihm statt mehr einfach – nichts zu geben, was freilich als Schmutz genommen sicher ein stärkerer Schmutz ist, als den sie ohnehin betätigen. Wie man’s nimmt u. wendet: Die Wohltat Wohltätigkeit der Menschen steht auf dünnen Beinen u. Schmutz wird es, gleichviel ob wie immer der arme Teufel sich stellen mag, ob er im Äußern reinlich oder unsauber auftritt!

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© Transcription Marko Deisinger.

October 17, 1913.

Work on Brahms's Quartet continued. 1

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Mittelmann at the coffee house, by invitation. His uncleanliness provokes the following line of thought: only because he is unclean, people allow themselves to be greedy in respect of him; if he were to appear neatly dressed, then the people's presumed right to greed would be wrested from them – that is, they would not dare to press so little into his hands as they dare to from their innate greed, merely because he appears in the most threadbare clothing. His cleanliness would make it possible to give not more but simply nothing at all, which, taken of course as greed, is surely a greater greed than what they practice anyway. As one takes it and expresses it: the benevolence of humans stands on thin legs, and greed it will be, in whatever form the poor devil may present himself, whether he outwardly appears neat or untidy!

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© Translation William Drabkin.

Footnotes

1 See diary entry for October 11.