28.

In Hetzendorf. — Brief v. Steinitz, der mich in starke Aufregung versetzt, weil wieder einmal der Anwalt einen Weg geht, zu dem wir ihn nicht autorisiert haben. Er {498} bringt es eben nicht fertig, um die Kinder 1 nur scheinbar zu kämpfen, in Wahrheit aber nur eine Gelegenheit für uns zu suchen, vor dem Forum des Gerichtes den nichtswürdigen Kaufmann bloszustellen [sic]. Er weiß nur eben auf das Ziel loszugehen, eine günstige Entscheidung in der Besuchsfrage herbeizuführen u. stört durch die redlichen Mittel unsere noch redlicheren Absichten, einen niedrigen Mann zu bestrafen, um dadurch größere Erfolge zu erzielen.

Zwei Briefe an Steinitz gerichtet, von denen ich den einen per Post abschickte, den andern selbst in seinen Briefkasten warf.

Die Aufregung, in der ich diese Briefe schrieb, hielt noch lange an; erst die Correktur brachte mich zu Ruhe!

*

Ein neuer Briefwechsel von Heine ist erschienen, 2 der ganz niedrige Fälschungen seitens Verwandter u. Herausgeber enthüllt ,. dSie alle haben lieber das Bild des Dichters beschmutzten, als daß sie auf ihre eigene Jämmerlichkeit auch nur den leisesten Fleck kommen ließen. Das sind eben in der Regel dieselben die selben Verzerrungen, die die bettelnde Menschen-Bestie stets für dasem Genie gegenüber vorrätig hat; das ist die gewöhnliche Rache des Beschenkten an den dem Schenker! 3 Grotteskerweise [sic] aber will dieselbe Menschheit nach einer gewissen Zeit gegen das Genie durch Wahrheitserforschung sich gleichsam herablassend zeigen u. dieses ist gewöhnlich die Gelegenheit, bei der die Niedrigkeit einer dahingegangenen Generation ans Tageslicht kommt. Nur daß selbstverständlich die gegenwärtige Generation sich ihr Recht wieder nicht nehmen läßt, den Schmutz so stark als wie möglich aufzutragen, bis wieder die nachfolgende … u. s. f.

© Transcription Marko Deisinger.

28.

In Hetzendorf. — Letter from Steinitz, which makes me very upset since once again the lawyer is taking a path which we did not authorize him to take. {498} He simply does not manage merely to pretend to fight for the children, 1 but in reality only seeks an opportunity to expose the unworthy merchant before the court tribunal. He only knows how to come at his goal, to arrange a favorable decision on the matter of visits, and uses just means to our yet more just intentions to punish a lowly man and thus achieve greater successes.

Two letters addressed to Steinitz, one of which I sent through the post office, the other I put in his mailbox myself.

The agitated state in which I wrote these letters persisted for a long time; only the corrections calmed me down!

*

A new Heine correspondence has appeared, 2 which reveals thoroughly base falsifications on the part of his relatives and publishers. They would all rather have soiled the poet's image rather than let the smallest stain fall upon their own wretchedness. These are in principle the same contortions that the mendicant human animal always has available to use against the genius; this is the usual vengeance of the receiver upon the giver! 3 Grotesquely, however, the same humanity, after a certain amount of time has passed, shows its almost patronizing nature in researching the truth about the genius; and this is usually the occasion on which the baseness of a preceding generation comes to light. Only that it goes without saying that the present generation insists on piling up the dirt as high as possible, until the next one … and so on.

*

© Translation William Drabkin.

28.

In Hetzendorf. — Brief v. Steinitz, der mich in starke Aufregung versetzt, weil wieder einmal der Anwalt einen Weg geht, zu dem wir ihn nicht autorisiert haben. Er {498} bringt es eben nicht fertig, um die Kinder 1 nur scheinbar zu kämpfen, in Wahrheit aber nur eine Gelegenheit für uns zu suchen, vor dem Forum des Gerichtes den nichtswürdigen Kaufmann bloszustellen [sic]. Er weiß nur eben auf das Ziel loszugehen, eine günstige Entscheidung in der Besuchsfrage herbeizuführen u. stört durch die redlichen Mittel unsere noch redlicheren Absichten, einen niedrigen Mann zu bestrafen, um dadurch größere Erfolge zu erzielen.

Zwei Briefe an Steinitz gerichtet, von denen ich den einen per Post abschickte, den andern selbst in seinen Briefkasten warf.

Die Aufregung, in der ich diese Briefe schrieb, hielt noch lange an; erst die Correktur brachte mich zu Ruhe!

*

Ein neuer Briefwechsel von Heine ist erschienen, 2 der ganz niedrige Fälschungen seitens Verwandter u. Herausgeber enthüllt ,. dSie alle haben lieber das Bild des Dichters beschmutzten, als daß sie auf ihre eigene Jämmerlichkeit auch nur den leisesten Fleck kommen ließen. Das sind eben in der Regel dieselben die selben Verzerrungen, die die bettelnde Menschen-Bestie stets für dasem Genie gegenüber vorrätig hat; das ist die gewöhnliche Rache des Beschenkten an den dem Schenker! 3 Grotteskerweise [sic] aber will dieselbe Menschheit nach einer gewissen Zeit gegen das Genie durch Wahrheitserforschung sich gleichsam herablassend zeigen u. dieses ist gewöhnlich die Gelegenheit, bei der die Niedrigkeit einer dahingegangenen Generation ans Tageslicht kommt. Nur daß selbstverständlich die gegenwärtige Generation sich ihr Recht wieder nicht nehmen läßt, den Schmutz so stark als wie möglich aufzutragen, bis wieder die nachfolgende … u. s. f.

© Transcription Marko Deisinger.

28.

In Hetzendorf. — Letter from Steinitz, which makes me very upset since once again the lawyer is taking a path which we did not authorize him to take. {498} He simply does not manage merely to pretend to fight for the children, 1 but in reality only seeks an opportunity to expose the unworthy merchant before the court tribunal. He only knows how to come at his goal, to arrange a favorable decision on the matter of visits, and uses just means to our yet more just intentions to punish a lowly man and thus achieve greater successes.

Two letters addressed to Steinitz, one of which I sent through the post office, the other I put in his mailbox myself.

The agitated state in which I wrote these letters persisted for a long time; only the corrections calmed me down!

*

A new Heine correspondence has appeared, 2 which reveals thoroughly base falsifications on the part of his relatives and publishers. They would all rather have soiled the poet's image rather than let the smallest stain fall upon their own wretchedness. These are in principle the same contortions that the mendicant human animal always has available to use against the genius; this is the usual vengeance of the receiver upon the giver! 3 Grotesquely, however, the same humanity, after a certain amount of time has passed, shows its almost patronizing nature in researching the truth about the genius; and this is usually the occasion on which the baseness of a preceding generation comes to light. Only that it goes without saying that the present generation insists on piling up the dirt as high as possible, until the next one … and so on.

*

© Translation William Drabkin.

Footnotes

1 Jeanette's children, from her marriage with Emil Kornfeld.

2 Heine und Campe, Dreiundzwanzig Briefe von, an und über Heine. Der Gesellschaft der Bibliophilen anlässlich ihrer Tagung zu Hamburg im Jahre 1913, ed. Georg Müller and Friedrich Hirth (Munich–Leipzig: G. Müller; Leipzig: Roßberg, 1913).

3 des Beschenkten an dem Schenker: a play on the word/name "Schenker."