30. XI. 14

Schluß-Kapitel der Winterrock-Affaire: Ich sende einen Dienstmann zum Schneider hinaus mit einem Zettel, auf dem ich den Wunsch übermittle, den Winterrock dem Ueberbringer auszuliefern, auch wenn die Reparatur noch nicht vollendet wäre. Dem Dienstmann schärfe ich bei Strafe des Verlustes des Weggeldes ein, mir unter allen Umständen den Rock mitzubringen u. auf dem Zettel spreche ich gegenüber dem Schneider denselben Wunsch aus. – Nach etwa 1½ Stunden kehrt der Dienstmann ohne Winterrock zurück u. erzählt, daß er vom Schneider beinahe hinausgeworfen worden wäre, der behauptet hat, daß er abends den Rock selbst abliefern werde. Es geht daraus hervor, daß die Reparatur am Montag früh nicht einmal noch in Angriff genommen war. Abends langt der Winterrock endlich wirklich ein. Ich habe vor, die Kosten des Dienstmannes in Abzug zu bringen, obgleich ich mir dessen bewußt bin, daß der Schneider seine Rechnung von vornherein beiläufig um das Doppelte ansetzen wird in Erwartung des Abzuges. Der Anzug aber blieb noch in seinen Händen.

*

Zuckerkandl überbringt mir die ersten Worte hochachtungsvoller Ergebenheit vom jungen Kapellmeister Dr. Paumgartner, was somit als eine erstes, freilich aber noch allzu bescheidenes Symptom persönlicher Annäherung gelten darf.

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© Transcription Marko Deisinger.

November 30, 1914.

Concluding chapter of the affair of the winter coat. I send a servant to the tailor with a note in which I express my wish that he gives my coat to the bearer of the note, even if the repairs have not been completed. I impress upon the servant that he must bring the coat with him in all circumstances, otherwise he will lose the money owed to him for doing the errand; and on the note, I express the same wish to the tailor. – After about 1½ hours the servant returns without the winter coat, explaining that he was nearly thrown out by the tailor, who insisted that he would return the coat himself that evening. From this it follows that the repair had not even been begun on Monday morning. In the evening, the winter coat finally does arrive. It is my intention to deduct the servant's costs, although I am aware that the tailor will, at the outset, make out his bill to twice the amount, in anticipation of the deduction. The suit, however, remained in his hands.

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Zuckerkandl transmits to me the first words of respectful devotion from the young conductor Dr. Paumgartner, which may be understood as an initial, though admittedly still all too modest, sign of personal rapprochement.

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© Translation William Drabkin.

30. XI. 14

Schluß-Kapitel der Winterrock-Affaire: Ich sende einen Dienstmann zum Schneider hinaus mit einem Zettel, auf dem ich den Wunsch übermittle, den Winterrock dem Ueberbringer auszuliefern, auch wenn die Reparatur noch nicht vollendet wäre. Dem Dienstmann schärfe ich bei Strafe des Verlustes des Weggeldes ein, mir unter allen Umständen den Rock mitzubringen u. auf dem Zettel spreche ich gegenüber dem Schneider denselben Wunsch aus. – Nach etwa 1½ Stunden kehrt der Dienstmann ohne Winterrock zurück u. erzählt, daß er vom Schneider beinahe hinausgeworfen worden wäre, der behauptet hat, daß er abends den Rock selbst abliefern werde. Es geht daraus hervor, daß die Reparatur am Montag früh nicht einmal noch in Angriff genommen war. Abends langt der Winterrock endlich wirklich ein. Ich habe vor, die Kosten des Dienstmannes in Abzug zu bringen, obgleich ich mir dessen bewußt bin, daß der Schneider seine Rechnung von vornherein beiläufig um das Doppelte ansetzen wird in Erwartung des Abzuges. Der Anzug aber blieb noch in seinen Händen.

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Zuckerkandl überbringt mir die ersten Worte hochachtungsvoller Ergebenheit vom jungen Kapellmeister Dr. Paumgartner, was somit als eine erstes, freilich aber noch allzu bescheidenes Symptom persönlicher Annäherung gelten darf.

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© Transcription Marko Deisinger.

November 30, 1914.

Concluding chapter of the affair of the winter coat. I send a servant to the tailor with a note in which I express my wish that he gives my coat to the bearer of the note, even if the repairs have not been completed. I impress upon the servant that he must bring the coat with him in all circumstances, otherwise he will lose the money owed to him for doing the errand; and on the note, I express the same wish to the tailor. – After about 1½ hours the servant returns without the winter coat, explaining that he was nearly thrown out by the tailor, who insisted that he would return the coat himself that evening. From this it follows that the repair had not even been begun on Monday morning. In the evening, the winter coat finally does arrive. It is my intention to deduct the servant's costs, although I am aware that the tailor will, at the outset, make out his bill to twice the amount, in anticipation of the deduction. The suit, however, remained in his hands.

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Zuckerkandl transmits to me the first words of respectful devotion from the young conductor Dr. Paumgartner, which may be understood as an initial, though admittedly still all too modest, sign of personal rapprochement.

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© Translation William Drabkin.