24. XII. 14

Frau D. erscheint um ½11h mit einer Demut ohnegleichen u. einer Zärtlichkeit, die sie geradezu verdächtig machte. Nachdem sie von meiner Erlaubnis Gebrauch gemacht hat, erkundigt sie sich darnach, ob mir das eine Störung gemacht u. bedauert es unendlich zärtlich, als ich das bestätigte. Auch fiel mir auf, daß sie nach Schluß der Stunde mich sehr leutselig darum ersuchte, ihr nicht erst eigens auf den Semmering den Dank nachzuschicken (Ausspeise-Aktion ruht inzwischen! ; ) sie wird nun auf dem Semmering im anderen Sinne fortgesetzt!) – Gleich nach Tisch kam des Rätsels Lösung: Die Buch- {821} handlung sandte blos die ersten 4 Bände der Propyläen-Ausgabe 1 ein, woraus folgt, daß die Spenderin sich das Geschenk auf nicht weniger als 10 Jahre zurechtgelegt hat, so daß sie jährlich blos etwa 32 Mark dafür auslegt. Dieser Gemeinheit wird nun ein Riegel vorgeschoben werden.

*

Weisse schenkt mit überschwenglich [sic] dankendem Brief Photographien der Intermezzi von Brahms.

*

Von Frau Wally Einladung zu einem der nächsten Mittage.

*

Nachmittags Besuch bei Hertzka von ¼4–5h. Zunächst fragte ich, ob die Einhaltung des Februartermines meinerseits trotz Krieg am Platze sei, was er ohneweiters bejahte [illeg]mit der Begründung, daß die Dinge ja vor sich gehen müssen u. daß nach Möglichkeit alles geschieht wie vorher. Die zufällige Nennung Vrieslanders seitens des Direktors benutze ich, um völlig interesselos seinen Standpunkt bezüglich einer 4-händigen Ausgabe von 6 Sinfonien Em. Bach’s zu erforschen. Er stimmt prinzipiell zu, wollte die Sache aber um 2–3 Monate vertagt wissen. Endlich streifte ich die Adler-Affaire u. die Frage der kl. Bibliothek. Wie mir scheint, bringt er der letzteren Sache ein eminentes Interesse entgegen, nur sucht er auf allen möglichen Wegen um die Höhe des Honorars sich herum zu drücken herumzudrücken. Wenigstens in diesem Augenblick beherrschte ich die Situation völlig überlegen, u. zw. schon aus dem Grunde, weil mir die Frage des 2. Halbbandes unendlich wichtiger erscheint. Ich hatte daher umso leichter, mich an den törichten Winkelzügen des bornierten Verlegers zu amüsieren u. suchte ihn von einer Falle in die andere zu locken. Die Basis auf der ich die Bibliothek in Angriff nehmen würde, kannte er schon von meinen Briefen her; nun begann er dagegen seine Rechnungsoperationen aufzurollen. Bei einem Preise von einer Krone per Heft kam er bald dazu – der Bart spielte bei der Rechnung eine große Rolle – daß der Reingewinn, in den sich Verleger u. Autor zu teilen haben würden, etwa 3000 Kr. betragen könnte. Mit größter Nonchalançse [sic] wendete ich ein, daß mir dann die Arbeit nicht dafür stehe u. ich lieber einen anderen Weg ein- {822} schlagen würde. Die Nonchalanse [sic] machte den Direktor nun mürber u. er suchte mich zu überzeugen, daß wir natürlich einen doppelten Gewinn hätten, wenn wir den Preis mit 2 Kronen festsetzen würden, – worauf ich all’ diese Erörterungen nur als rein theoretisch, vorläufig unverbindlich mit Absicht erklärte. Ich frug dann, nur wie zu meiner eigenen Orientierung, ob in einem Verlaggeschäft nicht auch ein Kalkül möglich sei, wornach Werke von bleibendem Werte von den Erträgnissen der übrigen Arbeiten nicht bleibenden Wertes gedeckt würden; da zappelte der Direktor: gewiß, meinte er, ist auch ein solcher Standpunkt kaufmännisch zulässig, nur empfiehlt er sich nicht gerade heute, wo der Krieg auch dem Verlaggeschäft große Wunden schlägt. Vor höchstens 20 Minuten hatte er erklärt, daß die Edition ihre Geschäfte forttreibe, obendrein nicht einmal ungünstig!! Es machte mir Spass, den unwiederruflichen [sic] letzten Wert meiner Arbeiten zu betonen, umso mehr, als ich bemerken konnte, daß der Direktor davon nur deshalb nicht überzeugt ist, weil er davon nichts versteht. – Die IX. Sinfonie hält er für ein Standard-Work [sic], was ihm offenbar eingeflüstert u. durch den Umfang des Werkes bestätigt wurde. Im Uebrigen ist sein Denken rein kom[m]erzieller Natur u. noch auf einer so primitiven Stufe, daß es ein ernstes Auseinandersetzen gar nicht geben kann; meine Haltung diktiert ihm Gesetze der Schöpfung, die aber auf das hausierermäßige Denken keinerlei Einfluß hat [recte haben]. Possierlich war der Augenblick, da er mir vorschlug, die Honorare der Schüler noch weiter zu erhöhen, um die Honorarforderung an ihn herabsetzen zu können! Oder er machte den Vorschlag, daß ich bloß 7 statt 9 Monate unterrichte u. den Rest der Zeit für die Arbeit verwende, natürlich unter Bedingungen, die die Honorarforderung reduzieren. Kurz u. gut, ich ließ ihn nach Möglichkeit anlaufen, hier u. dort, u. schloß mit der Wendung: das wäre alles nur theoretisch. – Nun das Satyrspiel: H. fragte mich um Rat; da ich indessen wußte, daß der Gegenstand seines Rates bei ihm selbst schon eine beschlossene Sache ist , (er würde doch sonst nicht erst auf die zufällige Gelegenheit einer Begegnung mit mir gewartet haben!), so machte ich mir auch die Situation zunutze, um ihn ein wenig unter die Füße zu nehmen. Er erzählte, daß Ignatz Friedmann ihm einen Antrag bezüglich einer Neu-Edierung von Beethovens Sonaten gemacht habe. So machte ich den ersten Versuch, ihn auf den Unwert {823} bezw. Schaden einer solchen Veranstaltung aufmerksam zu machen, worauf er aus seinem kommerziellen Denken heraus mir, was ich erwartet hatte, antwortete: die Neu-Edierung geschähe nur darum, weil das Publikum ein Verlangen nach einer Neu-Ausgabe habe, daß eine solche ihm, dem Verleger, fast keinerlei Kosten verursache, aber dennoch Gelegenheit gebe, eine neue Ware mit größter Reklame anzukündigen. Destomehr hatte ich Freude, dieses kom[m]erzielle Denken mit ruchlosem Spass anzupissen; ich meinte nämlich: Sie können sich, Herr Direktor, denken, daß ich ja längst mit meinen eigenen Schülern sämtliche Sonaten durchgearbeitet u. die besten Fingersätze für sie bereits vorrätig [sic] habe; es fiele mir also leicht, ihnen an Stelle der Friedmann-Edierung meine eigene 2 vorzuschlagen. Darauf fällt er prompt u. freudig ein: Gewiß, ich zahle ihnen lieber mehr als Herrn Friedmann u. bin bereit, sofort mit ihnen das Geschäft abzuschließen! Nun, da ich ihn so weit hatte, trachtete ich mich wieder herauszuwinden (Hindenburg’sche Manier!) u. , wies auf das Mißverständnis der Honorare hin u. meinte: wenn Friedmann’s völlig unautoritative u. falsche Fingersätze mit 3 M. per Seite honoriert werden, dann müßte ich im Verhältnis u. s. f. … Nun kam auch der Direktor wieder zu sich, d. h. zum kom[m]erziellen Denken zurück. Ja, das geht nicht … u. s. w. Daraufhin erklärte ich, mir die Sache schon überlegt zu haben u. bestärkte ihn darin, daß, wenn die Sache einmal so liege, wie er sie geschildert, sie vielleicht gerade so u. nicht anders am besten liege. Ich wünschte viel Glück u. empfahl mich!

*

© Transcription Marko Deisinger.

December 24, 1914.

Mrs. Deutsch appears at 10:30 with unequalled humility, and with a tenderness that made her downright suspicious. After she had availed herself of my permission, she asked me whether that had upset me; and she regretted with infinite tenderness when I confirmed it. I was also struck by the fact that, after the lesson had finished, she very affably requested that I not wait to send my thanks to her until she has arrived on the Semmering (an action to feed the poor will be halted in the meantime; it will be continued on the Semmering, in the other sense!) – Right after lunch the solution to the puzzle arrived: {821} the bookshop sent merely the first four volumes of the Propyläen edition, 1 from which it follows that the donor has spread out her gift over no fewer than ten years, so that she will spend merely about 32 marks annually on it. A stop will now be put to this meanness.

*

Weisse, with an exuberant letter of gratitude, presents me with photographs of [the autograph manuscripts] of the Brahms intermezzos .

*

From Vally, invitation to lunch on one of the following days.

*

In the afternoon, a visit to Hertzka from 3:15 to 5 o'clock. At first I ask whether my adherence to the February deadline is appropriate, in spite of the war, which he confirmed without further ado on the grounds that things must go ahead and that, as far as possible, everything should proceed as before. A chance mention of Vrieslander's name by the director gave me an opportunity to ascertain, with complete disinterestedness, his standpoint regarding an arrangement for piano four-hands of six symphonies by C. P. E. Bach. He agreed in principle but wished to delay the matter by two to three months. Finally I broached the Adler affair and the question of the Little Library . It appears to me that he shows the greatest interest in the latter, but is just using every possible avenue by which to knock down my honorarium. At least in this moment I commanded the situation with complete superiority, since the matter of the second half-volume appears infinitely more important. I thus had such an easier time of amusing myself about the narrow-minded publisher's silly tricks and sought to lure him from one trap into the next. The basis on which I would take up the Little Library was something he already knew from my letters; now he began to unfurl his accounting operations against it. At a price of 1 Krone per volume he quickly arrived at the result – his beard played a major role in the calculation – that the net profit, which publisher and author would have to share, could amount to about 3,000 Kronen. With the greatest nonchalance, I objected on the grounds the work would not be worth my while, and I would rather take a different path. {822} My nonchalance now made the director mellower, and he sought to convince me that we would of course double our gains if we set the price at 2 Kronen; thereupon I deliberately asserted that all these arguments were purely theoretical, and tentative for the time being. I then inquired, only for purposes of my own orientation, whether in a publishing house a calculation might not also be possible whereby works of enduring value might be covered by the remaining works, which were not of enduring value. The director flounced at this: of course, he said, such a standpoint is acceptable from a business point of view, but it is not really a good idea at this very moment, in which the war is inflicting deep wounds even on the publishing industry. Twenty minutes earlier, at the most, he had declared that UE was continuing its operations, and moreover not at all unfavorably!! It was fun for me to stress the incontrovertibly ultimate value of my works, all the more so as the director is not convinced of this only because he understands nothing about it. He regards Beethoven's Ninth Symphony as a "standard work," something that was apparently whispered to him and was confirmed by the scope of the work. In other respects his thinking is of a purely commercial nature, and still on such a primitive level that there cannot at all be a serious discussion; my behavior dictates to him laws of creation which, however, have no influence at all upon his peddler mentality. There was a comical moment, in which he suggested that I raise my pupils' lesson fees even higher, so that I could lower my demands for the honorarium! He also suggested that I teach merely for seven months, instead of nine, and devote the rest of my time to the work – naturally under conditions that would lower the amount of my honorarium. In short, I let him come make all sorts of suggestions here and there, and closed with the expression: all this is only theoretical. Now the satyr play: Hertzka asked me for advice; and since I nonetheless knew that the object of his advice is, for himself, already a closed affair (otherwise he would not have waited for the chance occasion of a meeting with me!), I also took advantage of the situation to teach him a little lesson. He told me that Ignacy Friedman made him an offer concerning a new edition of Beethoven's sonatas. And so I made the first attempt to alert him to the worthlessness of such a project, {823} or the damage that might be caused by it. Whereupon he replied to me, from his commercial way of thinking, what I expected: the new edition would happen only because the public demands a new edition, that such an edition would incur almost no costs to him (the editor), but would nonetheless provide an occasion to announce a new product with the greatest publicity. I had all the more joy of pissing on his commercial thinking with wicked amusement. I said, namely: You, Director, can imagine that for a long time I have gone through all the sonatas with my own pupils and already provided them with best fingering; it would be easy for me to recommend to them my own edition 2 in place of the Friedman edition. On hearing this he chimed in: Of course, I would rather pay you than Mr. Friedman, and am prepared to arrange the matter! Now that I had gotten so far with him, I sought to extricate myself (in the Hindenburg manner!), and referred the misunderstanding about the honoraria, saying: If Friedman's completely non-authoritative and erroneous fingering will get a fee of 3 marks per page, then I must, by comparison, etc. … . Now the director came round, that is, he returned to his commercial way of thinking: Yes, that won't do …, etc. Upon this I declared that I had already considered the matter and impressed upon him that, if the matter lies in the way he has described, it were best left in just that way and not otherwise. I wished him much luck and took my leave!

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© Translation William Drabkin.

24. XII. 14

Frau D. erscheint um ½11h mit einer Demut ohnegleichen u. einer Zärtlichkeit, die sie geradezu verdächtig machte. Nachdem sie von meiner Erlaubnis Gebrauch gemacht hat, erkundigt sie sich darnach, ob mir das eine Störung gemacht u. bedauert es unendlich zärtlich, als ich das bestätigte. Auch fiel mir auf, daß sie nach Schluß der Stunde mich sehr leutselig darum ersuchte, ihr nicht erst eigens auf den Semmering den Dank nachzuschicken (Ausspeise-Aktion ruht inzwischen! ; ) sie wird nun auf dem Semmering im anderen Sinne fortgesetzt!) – Gleich nach Tisch kam des Rätsels Lösung: Die Buch- {821} handlung sandte blos die ersten 4 Bände der Propyläen-Ausgabe 1 ein, woraus folgt, daß die Spenderin sich das Geschenk auf nicht weniger als 10 Jahre zurechtgelegt hat, so daß sie jährlich blos etwa 32 Mark dafür auslegt. Dieser Gemeinheit wird nun ein Riegel vorgeschoben werden.

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Weisse schenkt mit überschwenglich [sic] dankendem Brief Photographien der Intermezzi von Brahms.

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Von Frau Wally Einladung zu einem der nächsten Mittage.

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Nachmittags Besuch bei Hertzka von ¼4–5h. Zunächst fragte ich, ob die Einhaltung des Februartermines meinerseits trotz Krieg am Platze sei, was er ohneweiters bejahte [illeg]mit der Begründung, daß die Dinge ja vor sich gehen müssen u. daß nach Möglichkeit alles geschieht wie vorher. Die zufällige Nennung Vrieslanders seitens des Direktors benutze ich, um völlig interesselos seinen Standpunkt bezüglich einer 4-händigen Ausgabe von 6 Sinfonien Em. Bach’s zu erforschen. Er stimmt prinzipiell zu, wollte die Sache aber um 2–3 Monate vertagt wissen. Endlich streifte ich die Adler-Affaire u. die Frage der kl. Bibliothek. Wie mir scheint, bringt er der letzteren Sache ein eminentes Interesse entgegen, nur sucht er auf allen möglichen Wegen um die Höhe des Honorars sich herum zu drücken herumzudrücken. Wenigstens in diesem Augenblick beherrschte ich die Situation völlig überlegen, u. zw. schon aus dem Grunde, weil mir die Frage des 2. Halbbandes unendlich wichtiger erscheint. Ich hatte daher umso leichter, mich an den törichten Winkelzügen des bornierten Verlegers zu amüsieren u. suchte ihn von einer Falle in die andere zu locken. Die Basis auf der ich die Bibliothek in Angriff nehmen würde, kannte er schon von meinen Briefen her; nun begann er dagegen seine Rechnungsoperationen aufzurollen. Bei einem Preise von einer Krone per Heft kam er bald dazu – der Bart spielte bei der Rechnung eine große Rolle – daß der Reingewinn, in den sich Verleger u. Autor zu teilen haben würden, etwa 3000 Kr. betragen könnte. Mit größter Nonchalançse [sic] wendete ich ein, daß mir dann die Arbeit nicht dafür stehe u. ich lieber einen anderen Weg ein- {822} schlagen würde. Die Nonchalanse [sic] machte den Direktor nun mürber u. er suchte mich zu überzeugen, daß wir natürlich einen doppelten Gewinn hätten, wenn wir den Preis mit 2 Kronen festsetzen würden, – worauf ich all’ diese Erörterungen nur als rein theoretisch, vorläufig unverbindlich mit Absicht erklärte. Ich frug dann, nur wie zu meiner eigenen Orientierung, ob in einem Verlaggeschäft nicht auch ein Kalkül möglich sei, wornach Werke von bleibendem Werte von den Erträgnissen der übrigen Arbeiten nicht bleibenden Wertes gedeckt würden; da zappelte der Direktor: gewiß, meinte er, ist auch ein solcher Standpunkt kaufmännisch zulässig, nur empfiehlt er sich nicht gerade heute, wo der Krieg auch dem Verlaggeschäft große Wunden schlägt. Vor höchstens 20 Minuten hatte er erklärt, daß die Edition ihre Geschäfte forttreibe, obendrein nicht einmal ungünstig!! Es machte mir Spass, den unwiederruflichen [sic] letzten Wert meiner Arbeiten zu betonen, umso mehr, als ich bemerken konnte, daß der Direktor davon nur deshalb nicht überzeugt ist, weil er davon nichts versteht. – Die IX. Sinfonie hält er für ein Standard-Work [sic], was ihm offenbar eingeflüstert u. durch den Umfang des Werkes bestätigt wurde. Im Uebrigen ist sein Denken rein kom[m]erzieller Natur u. noch auf einer so primitiven Stufe, daß es ein ernstes Auseinandersetzen gar nicht geben kann; meine Haltung diktiert ihm Gesetze der Schöpfung, die aber auf das hausierermäßige Denken keinerlei Einfluß hat [recte haben]. Possierlich war der Augenblick, da er mir vorschlug, die Honorare der Schüler noch weiter zu erhöhen, um die Honorarforderung an ihn herabsetzen zu können! Oder er machte den Vorschlag, daß ich bloß 7 statt 9 Monate unterrichte u. den Rest der Zeit für die Arbeit verwende, natürlich unter Bedingungen, die die Honorarforderung reduzieren. Kurz u. gut, ich ließ ihn nach Möglichkeit anlaufen, hier u. dort, u. schloß mit der Wendung: das wäre alles nur theoretisch. – Nun das Satyrspiel: H. fragte mich um Rat; da ich indessen wußte, daß der Gegenstand seines Rates bei ihm selbst schon eine beschlossene Sache ist , (er würde doch sonst nicht erst auf die zufällige Gelegenheit einer Begegnung mit mir gewartet haben!), so machte ich mir auch die Situation zunutze, um ihn ein wenig unter die Füße zu nehmen. Er erzählte, daß Ignatz Friedmann ihm einen Antrag bezüglich einer Neu-Edierung von Beethovens Sonaten gemacht habe. So machte ich den ersten Versuch, ihn auf den Unwert {823} bezw. Schaden einer solchen Veranstaltung aufmerksam zu machen, worauf er aus seinem kommerziellen Denken heraus mir, was ich erwartet hatte, antwortete: die Neu-Edierung geschähe nur darum, weil das Publikum ein Verlangen nach einer Neu-Ausgabe habe, daß eine solche ihm, dem Verleger, fast keinerlei Kosten verursache, aber dennoch Gelegenheit gebe, eine neue Ware mit größter Reklame anzukündigen. Destomehr hatte ich Freude, dieses kom[m]erzielle Denken mit ruchlosem Spass anzupissen; ich meinte nämlich: Sie können sich, Herr Direktor, denken, daß ich ja längst mit meinen eigenen Schülern sämtliche Sonaten durchgearbeitet u. die besten Fingersätze für sie bereits vorrätig [sic] habe; es fiele mir also leicht, ihnen an Stelle der Friedmann-Edierung meine eigene 2 vorzuschlagen. Darauf fällt er prompt u. freudig ein: Gewiß, ich zahle ihnen lieber mehr als Herrn Friedmann u. bin bereit, sofort mit ihnen das Geschäft abzuschließen! Nun, da ich ihn so weit hatte, trachtete ich mich wieder herauszuwinden (Hindenburg’sche Manier!) u. , wies auf das Mißverständnis der Honorare hin u. meinte: wenn Friedmann’s völlig unautoritative u. falsche Fingersätze mit 3 M. per Seite honoriert werden, dann müßte ich im Verhältnis u. s. f. … Nun kam auch der Direktor wieder zu sich, d. h. zum kom[m]erziellen Denken zurück. Ja, das geht nicht … u. s. w. Daraufhin erklärte ich, mir die Sache schon überlegt zu haben u. bestärkte ihn darin, daß, wenn die Sache einmal so liege, wie er sie geschildert, sie vielleicht gerade so u. nicht anders am besten liege. Ich wünschte viel Glück u. empfahl mich!

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© Transcription Marko Deisinger.

December 24, 1914.

Mrs. Deutsch appears at 10:30 with unequalled humility, and with a tenderness that made her downright suspicious. After she had availed herself of my permission, she asked me whether that had upset me; and she regretted with infinite tenderness when I confirmed it. I was also struck by the fact that, after the lesson had finished, she very affably requested that I not wait to send my thanks to her until she has arrived on the Semmering (an action to feed the poor will be halted in the meantime; it will be continued on the Semmering, in the other sense!) – Right after lunch the solution to the puzzle arrived: {821} the bookshop sent merely the first four volumes of the Propyläen edition, 1 from which it follows that the donor has spread out her gift over no fewer than ten years, so that she will spend merely about 32 marks annually on it. A stop will now be put to this meanness.

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Weisse, with an exuberant letter of gratitude, presents me with photographs of [the autograph manuscripts] of the Brahms intermezzos .

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From Vally, invitation to lunch on one of the following days.

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In the afternoon, a visit to Hertzka from 3:15 to 5 o'clock. At first I ask whether my adherence to the February deadline is appropriate, in spite of the war, which he confirmed without further ado on the grounds that things must go ahead and that, as far as possible, everything should proceed as before. A chance mention of Vrieslander's name by the director gave me an opportunity to ascertain, with complete disinterestedness, his standpoint regarding an arrangement for piano four-hands of six symphonies by C. P. E. Bach. He agreed in principle but wished to delay the matter by two to three months. Finally I broached the Adler affair and the question of the Little Library . It appears to me that he shows the greatest interest in the latter, but is just using every possible avenue by which to knock down my honorarium. At least in this moment I commanded the situation with complete superiority, since the matter of the second half-volume appears infinitely more important. I thus had such an easier time of amusing myself about the narrow-minded publisher's silly tricks and sought to lure him from one trap into the next. The basis on which I would take up the Little Library was something he already knew from my letters; now he began to unfurl his accounting operations against it. At a price of 1 Krone per volume he quickly arrived at the result – his beard played a major role in the calculation – that the net profit, which publisher and author would have to share, could amount to about 3,000 Kronen. With the greatest nonchalance, I objected on the grounds the work would not be worth my while, and I would rather take a different path. {822} My nonchalance now made the director mellower, and he sought to convince me that we would of course double our gains if we set the price at 2 Kronen; thereupon I deliberately asserted that all these arguments were purely theoretical, and tentative for the time being. I then inquired, only for purposes of my own orientation, whether in a publishing house a calculation might not also be possible whereby works of enduring value might be covered by the remaining works, which were not of enduring value. The director flounced at this: of course, he said, such a standpoint is acceptable from a business point of view, but it is not really a good idea at this very moment, in which the war is inflicting deep wounds even on the publishing industry. Twenty minutes earlier, at the most, he had declared that UE was continuing its operations, and moreover not at all unfavorably!! It was fun for me to stress the incontrovertibly ultimate value of my works, all the more so as the director is not convinced of this only because he understands nothing about it. He regards Beethoven's Ninth Symphony as a "standard work," something that was apparently whispered to him and was confirmed by the scope of the work. In other respects his thinking is of a purely commercial nature, and still on such a primitive level that there cannot at all be a serious discussion; my behavior dictates to him laws of creation which, however, have no influence at all upon his peddler mentality. There was a comical moment, in which he suggested that I raise my pupils' lesson fees even higher, so that I could lower my demands for the honorarium! He also suggested that I teach merely for seven months, instead of nine, and devote the rest of my time to the work – naturally under conditions that would lower the amount of my honorarium. In short, I let him come make all sorts of suggestions here and there, and closed with the expression: all this is only theoretical. Now the satyr play: Hertzka asked me for advice; and since I nonetheless knew that the object of his advice is, for himself, already a closed affair (otherwise he would not have waited for the chance occasion of a meeting with me!), I also took advantage of the situation to teach him a little lesson. He told me that Ignacy Friedman made him an offer concerning a new edition of Beethoven's sonatas. And so I made the first attempt to alert him to the worthlessness of such a project, {823} or the damage that might be caused by it. Whereupon he replied to me, from his commercial way of thinking, what I expected: the new edition would happen only because the public demands a new edition, that such an edition would incur almost no costs to him (the editor), but would nonetheless provide an occasion to announce a new product with the greatest publicity. I had all the more joy of pissing on his commercial thinking with wicked amusement. I said, namely: You, Director, can imagine that for a long time I have gone through all the sonatas with my own pupils and already provided them with best fingering; it would be easy for me to recommend to them my own edition 2 in place of the Friedman edition. On hearing this he chimed in: Of course, I would rather pay you than Mr. Friedman, and am prepared to arrange the matter! Now that I had gotten so far with him, I sought to extricate myself (in the Hindenburg manner!), and referred the misunderstanding about the honoraria, saying: If Friedman's completely non-authoritative and erroneous fingering will get a fee of 3 marks per page, then I must, by comparison, etc. … . Now the director came round, that is, he returned to his commercial way of thinking: Yes, that won't do …, etc. Upon this I declared that I had already considered the matter and impressed upon him that, if the matter lies in the way he has described, it were best left in just that way and not otherwise. I wished him much luck and took my leave!

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© Translation William Drabkin.

Footnotes

1 Propyläen edition of Goethe's collected work (Munich: G. Müller, 1909–). Schenker had asked Sofie Deutsch to make this a Christmas present (see diary entries for December 19 and 21, 1914).

2 This is the earliest mention in the diaries of a complete edition of the Beethoven piano sonatas , a project which grew out of the Erläuterungsausgabe of the last five sonatas but was not to be realized until 1923-24.