7. X. 17 Sonntag! Bedeutender Temperatursturz!

— Von Frl. Freund (K.): bittet doch Dienstag ½6h kommen zu dürfen. — Weisse Abschiedsbesuch, ¾11–¾12h; meist zur politischen Situation u. , nur ein wenig aber auch über die Kunst der Parallelismen. — An Fr. Saphir (Br.): ziehe doch 20 Kronen vor, ersuche aber, mich bei einer nächsten Steigerung zu verschonen. — An Floriz (K.OJ 8/3, [49]): kündige eventuell für nächsten Sonntag bBesuch an, heute sei Marmelade in Gärung geraten, weshalb wir nicht hinauskommen konnten. — Deutscher Reichstag wieder in Opposition gegen die Regierung; die Mehrheit wünscht eine Bekämpfung der alldeutschen Partei. v. Stein u. Helfferich fertigen die Redner ziemlich derb u. mit Recht ab. Nicht die Autorität eines Hindenburg eines Ludendorff reichte also hin, um den Abgeordneten-Pöbel im Zaune zu halten; obgleich die Abgeordneten das sehen können konnten, wie schon einmal ein unvorsichtiges Wort Bethmann-Hollwegs bezüglich Belgiens Ursache all der gegenwärtigen Ungelegenheiten geworden ist, wünschen sie – eben der ewige Fluch des Rohstoffes!, daß sich auch der neue Reichskanzler wieder in Worten auf irgend ein Kriegsziel festlege, ohne zu bedenken, daß möglicherweise daraus ebensolche Ungelegenheiten erwachsen könnten. Und immer wieder sprechen sie vom Verständigungsfrieden, als wenn nicht noch viel früher als die deutsche Reichtagsmehrheit auch der deutsche Kaiser selbst den Frieden bereits angeboten hätte, u. als wenn sie des guten Willens der Engländer u. Amerikaner sicher wären u. nur in der deutschen Regierung allein das Hindernis einer Verständigung erblicken würden müssten! Lauter fluchwürdige, hochverräterische bornierte Verdrehungen u. Mißverständnisse, die nur aus der höchst verwerflichen Eitelkeit der Parteien zu erklären sind! Die Parteien wollen sich auswirken ohne zu bedenken, wie die Art, die sie belieben, dem Vaterland u. mittelbar auch ihnen selbst in {782} Zukunft bekommen wird. Zerstörungswut an sich! — Vortrefflicher Aufsatz von Traub, „Tägl. Rundschau“ (5. X. 17).

© Transcription Marko Deisinger.

October 7, 1917 Sunday! Significant drop in temperature!

— From Miss Freund (postcard): request though to be allowed to come on Tuesday at 5:30. — Weisse farewell visit, 10:45–11:45; mostly on the political situation and. , only a little yes too about the art of parallelisms. — To Mrs. Saphir (letter): [I would] nonetheless prefer 20 Kronen, but request [her] to spare me at the next increase. — To Floriz (postcardOJ 8/3, [49]): announcing a visit, potentially for next Sunday, today the marmalade starting to ferment, on account of which we could not go out. — German Reichstag again in opposition to the government; the majority wishes to combat the All German Party. Von Stein and Helfferich justifiably deal with the speakers quite crassly. The authority of a Hindenburg, of a Ludendorff, did not suffice therefore, to bridle the rabble of congressmen; even though the congressmen could see that, as once before, an incautious word of Bethmann-Hollweg's in regard to Belgium has become the cause of all of the current aggravations, they wish – the eternal curse of raw materials!, that, additionally, the new Chancellor of the Reich should once more commit himself in words to one or other goal of the war, without considering that possibly that out of this exactly the same aggravations might grow. And time and again, they speak of the "Peace through Rapprochement", as if the German Emperor himself, much earlier than the German Reichstag majority, had not already offered peace, and as if the goodwill of the English and the Americans were certain, and alone solely the German government would have to be viewed as an obstacle to a rapprochement! A lot of damnable, highly treasonous, narrow-minded misrepresentations und misunderstandings, which can only be attributed to the highly reprehensible vanity of the parties! The parties want to operate without considering how the way they choose will in future affect the fatherland and indirectly also themselves. {782} In itself a destructive frenzy! — Splendid article by Traub, Tägliche Rundschau (October 5, 1917).

© Translation Stephen Ferguson.

7. X. 17 Sonntag! Bedeutender Temperatursturz!

— Von Frl. Freund (K.): bittet doch Dienstag ½6h kommen zu dürfen. — Weisse Abschiedsbesuch, ¾11–¾12h; meist zur politischen Situation u. , nur ein wenig aber auch über die Kunst der Parallelismen. — An Fr. Saphir (Br.): ziehe doch 20 Kronen vor, ersuche aber, mich bei einer nächsten Steigerung zu verschonen. — An Floriz (K.OJ 8/3, [49]): kündige eventuell für nächsten Sonntag bBesuch an, heute sei Marmelade in Gärung geraten, weshalb wir nicht hinauskommen konnten. — Deutscher Reichstag wieder in Opposition gegen die Regierung; die Mehrheit wünscht eine Bekämpfung der alldeutschen Partei. v. Stein u. Helfferich fertigen die Redner ziemlich derb u. mit Recht ab. Nicht die Autorität eines Hindenburg eines Ludendorff reichte also hin, um den Abgeordneten-Pöbel im Zaune zu halten; obgleich die Abgeordneten das sehen können konnten, wie schon einmal ein unvorsichtiges Wort Bethmann-Hollwegs bezüglich Belgiens Ursache all der gegenwärtigen Ungelegenheiten geworden ist, wünschen sie – eben der ewige Fluch des Rohstoffes!, daß sich auch der neue Reichskanzler wieder in Worten auf irgend ein Kriegsziel festlege, ohne zu bedenken, daß möglicherweise daraus ebensolche Ungelegenheiten erwachsen könnten. Und immer wieder sprechen sie vom Verständigungsfrieden, als wenn nicht noch viel früher als die deutsche Reichtagsmehrheit auch der deutsche Kaiser selbst den Frieden bereits angeboten hätte, u. als wenn sie des guten Willens der Engländer u. Amerikaner sicher wären u. nur in der deutschen Regierung allein das Hindernis einer Verständigung erblicken würden müssten! Lauter fluchwürdige, hochverräterische bornierte Verdrehungen u. Mißverständnisse, die nur aus der höchst verwerflichen Eitelkeit der Parteien zu erklären sind! Die Parteien wollen sich auswirken ohne zu bedenken, wie die Art, die sie belieben, dem Vaterland u. mittelbar auch ihnen selbst in {782} Zukunft bekommen wird. Zerstörungswut an sich! — Vortrefflicher Aufsatz von Traub, „Tägl. Rundschau“ (5. X. 17).

© Transcription Marko Deisinger.

October 7, 1917 Sunday! Significant drop in temperature!

— From Miss Freund (postcard): request though to be allowed to come on Tuesday at 5:30. — Weisse farewell visit, 10:45–11:45; mostly on the political situation and. , only a little yes too about the art of parallelisms. — To Mrs. Saphir (letter): [I would] nonetheless prefer 20 Kronen, but request [her] to spare me at the next increase. — To Floriz (postcardOJ 8/3, [49]): announcing a visit, potentially for next Sunday, today the marmalade starting to ferment, on account of which we could not go out. — German Reichstag again in opposition to the government; the majority wishes to combat the All German Party. Von Stein and Helfferich justifiably deal with the speakers quite crassly. The authority of a Hindenburg, of a Ludendorff, did not suffice therefore, to bridle the rabble of congressmen; even though the congressmen could see that, as once before, an incautious word of Bethmann-Hollweg's in regard to Belgium has become the cause of all of the current aggravations, they wish – the eternal curse of raw materials!, that, additionally, the new Chancellor of the Reich should once more commit himself in words to one or other goal of the war, without considering that possibly that out of this exactly the same aggravations might grow. And time and again, they speak of the "Peace through Rapprochement", as if the German Emperor himself, much earlier than the German Reichstag majority, had not already offered peace, and as if the goodwill of the English and the Americans were certain, and alone solely the German government would have to be viewed as an obstacle to a rapprochement! A lot of damnable, highly treasonous, narrow-minded misrepresentations und misunderstandings, which can only be attributed to the highly reprehensible vanity of the parties! The parties want to operate without considering how the way they choose will in future affect the fatherland and indirectly also themselves. {782} In itself a destructive frenzy! — Splendid article by Traub, Tägliche Rundschau (October 5, 1917).

© Translation Stephen Ferguson.