22.

Lie-Liechen erleidet nachts eine Störung im Magen; wir versuchen gleichwohl zur Alm hinaufzugehen, doch auf dem Wege erbricht Lie-Liechen zum zweitenmal, worauf wir nachhause gehen u. ich den Arzt hole; dieser erscheint in der ersten Nachmittagsstunde u. verschreibt eine Arznei. Da er es nur von dem [sic] Kräfteverhältnissen abhängig macht, ob sie ein paar Schritte gehen mag, entschließt sie sich, den Weg zur Bank zu machen. Schon dort muß sie sich zweimal an mich lehnen in einer Ohnmachtsanwandlung; ich geleite sie nachhause u. dort bricht sie tatsächlich wenige Schritte vor unserer Zimmertür auf dem Gange in Ohnmacht zusammen, was mich u. das Stubenmädchen nicht wenig erschreckt. {939} Der große Kraftverlust beim Unwohlsein, wie auch durch das Erbrechen mag die Hauptschuld daran tragen; sie wird zu Bett gebracht, wo ihr allmälig 1 besser wird. — Erste Zeitung kommt aus Wien. — An Schmidt, Nagot (Br.): es wäre mir angenehm gewesen, wenn er sich direkt mit mir in Verbindung gesetzt hätte; nun bemerke ich bloß aus der Erinnerung: die Wiederholungen erscheinen mir zu nakt [sic], d sie entbehren die Varietäten, wie sie besonders dort notwendig sind, wo es um größere Einheiten geht; außerdem fehlt jene geheime Linie, auf die ich dringend erst in II2 hinweise. — Eichendorf Erzählungen: „Das Marmorbild“ 2 u. „Schloss Durante“ 3 gelesen.

© Transcription Marko Deisinger.

22

During the night Lie-Liechen suffers a stomach upset; nevertheless we try to walk on the mountain pastures, but on the way Lie-Liechen has to vomit for a second time, whereupon we return to the hotel and I call for the doctor, who visits her in the early afternoon and writes a prescription. The doctor decides that she may go out for a short walk, if she feels up to it, and so she resolves to take the walk to our bench. There she is so near to fainting that she has to lean on me twice. I lead her back to the hotel where only a few steps from our room she faints in the corridor, startling both the maid and myself. {939} The main reason for this has to be her considerable loss of strength due to her nausea and vomiting. She is carried into bed where she gradually 1 recovers. — The first newspaper arrives from Vienna. — To Schmidt, Nagot (letter): it would have been preferable to me if he had got in touch with me directly; then I remark from memory that the repetitions seemed to me to be somewhat naked, [and that] they are lacking in variety, something that is strongly needed in regard to the larger units. Apart from that, the secret line was missing which I had urgently referred to in the II/2. — Read two Eichendorf short stories: The Marble Statue 2 and Durante Castle. 3

© Translation Stephen Ferguson.

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Lie-Liechen erleidet nachts eine Störung im Magen; wir versuchen gleichwohl zur Alm hinaufzugehen, doch auf dem Wege erbricht Lie-Liechen zum zweitenmal, worauf wir nachhause gehen u. ich den Arzt hole; dieser erscheint in der ersten Nachmittagsstunde u. verschreibt eine Arznei. Da er es nur von dem [sic] Kräfteverhältnissen abhängig macht, ob sie ein paar Schritte gehen mag, entschließt sie sich, den Weg zur Bank zu machen. Schon dort muß sie sich zweimal an mich lehnen in einer Ohnmachtsanwandlung; ich geleite sie nachhause u. dort bricht sie tatsächlich wenige Schritte vor unserer Zimmertür auf dem Gange in Ohnmacht zusammen, was mich u. das Stubenmädchen nicht wenig erschreckt. {939} Der große Kraftverlust beim Unwohlsein, wie auch durch das Erbrechen mag die Hauptschuld daran tragen; sie wird zu Bett gebracht, wo ihr allmälig 1 besser wird. — Erste Zeitung kommt aus Wien. — An Schmidt, Nagot (Br.): es wäre mir angenehm gewesen, wenn er sich direkt mit mir in Verbindung gesetzt hätte; nun bemerke ich bloß aus der Erinnerung: die Wiederholungen erscheinen mir zu nakt [sic], d sie entbehren die Varietäten, wie sie besonders dort notwendig sind, wo es um größere Einheiten geht; außerdem fehlt jene geheime Linie, auf die ich dringend erst in II2 hinweise. — Eichendorf Erzählungen: „Das Marmorbild“ 2 u. „Schloss Durante“ 3 gelesen.

© Transcription Marko Deisinger.

22

During the night Lie-Liechen suffers a stomach upset; nevertheless we try to walk on the mountain pastures, but on the way Lie-Liechen has to vomit for a second time, whereupon we return to the hotel and I call for the doctor, who visits her in the early afternoon and writes a prescription. The doctor decides that she may go out for a short walk, if she feels up to it, and so she resolves to take the walk to our bench. There she is so near to fainting that she has to lean on me twice. I lead her back to the hotel where only a few steps from our room she faints in the corridor, startling both the maid and myself. {939} The main reason for this has to be her considerable loss of strength due to her nausea and vomiting. She is carried into bed where she gradually 1 recovers. — The first newspaper arrives from Vienna. — To Schmidt, Nagot (letter): it would have been preferable to me if he had got in touch with me directly; then I remark from memory that the repetitions seemed to me to be somewhat naked, [and that] they are lacking in variety, something that is strongly needed in regard to the larger units. Apart from that, the secret line was missing which I had urgently referred to in the II/2. — Read two Eichendorf short stories: The Marble Statue 2 and Durante Castle. 3

© Translation Stephen Ferguson.

Footnotes

1 allmälig: archaic Austrian German for allmählich (gradually).

2 Das Marmorbild: short story from 1818, first published in Frauentaschenbuch für das Jahr 1819.

3 Das Schloß Dürande: short story from 1837.