27. III. 19 +3°.

— Gegen ½10h erscheint Herr Figdor; ich frage ihn zunächst, weshalb er erst gegen das Ende der Saison kommt? Je weniger ich von seinen Umständen weiß, desto leichter wird ihm, alles Erdenkliche zu erzählen, wovon so manches auf den ersten Blick sich als unstichhaltig erweist, so z. B. daß er ja eingerückt gewesen. Er sei Schüler Schrekers u. mit ihm auch über den Sommer in Abbazzia gewesen, habe aber den Kontrapunkt nur {2046} beginnen können; lerne bei Frau Brée Klavier spielen, möchte im übrigen im nächsten Jahr schon ins Ausland gehen . . Eben diese letzte Bemerkung hat mich stutzig gemacht u. ich begann ihn abzuschütteln; ich bat ihn, sich im September zu melden u. versprach, ihm einen Platz zu sichern, jetzt sei es unmöglich, ihn anzunehmen. Er war nicht wenig gereizt u. sprach davon, daß er ja Musiker sei (als Ingenieur wollte er aber ins Ausland gehen) u. mehrmals im großen Musikvereinssaal begleitet hat. — Lie-Liechen klagt abends über Fieber, mir aber scheinen ihre heißeren Wangen ein Reflex der gewiß sehr widrigen Arbeit[,] die Zeitungsartikel auszuschneiden, verhehle ihr es aber, um sie nicht erst recht in Hitze zu bringen.

© Transcription Marko Deisinger.

March 27, 1919 +3°.

Mr. Figdor arrives around 9:30 am; I first ask him why he has only come now, at the end of the season? The less I know about his situation, the easier it is for him to tell me whatever he would like, some of which at first proves contradictory, for example, that he had enlisted. He says he is a student of Schreker and worked with him in Abbazzia over the summer, but was only able to start learning counterpoint {2046}; is taking piano lessons from Mrs. Brée and also wants to go abroad next year . . This is the comment that made me suspicious and I began to shake him off; I asked him to contact me in September and promised him a slot, it is not possible to take him now. This upset him to a degree and he explained that he is a musician (but he wanted to work abroad as an engineer) and has been an accompanist in the large Musikverein hall several times. — In the evening, Lie-Liechen complains of fever but I attribute her warm cheeks to a reaction against the certainly most unpleasant job of clipping newspaper articles, but conceal this in order to avoid causing her to get even more heated up.

© Translation Scott Witmer.

27. III. 19 +3°.

— Gegen ½10h erscheint Herr Figdor; ich frage ihn zunächst, weshalb er erst gegen das Ende der Saison kommt? Je weniger ich von seinen Umständen weiß, desto leichter wird ihm, alles Erdenkliche zu erzählen, wovon so manches auf den ersten Blick sich als unstichhaltig erweist, so z. B. daß er ja eingerückt gewesen. Er sei Schüler Schrekers u. mit ihm auch über den Sommer in Abbazzia gewesen, habe aber den Kontrapunkt nur {2046} beginnen können; lerne bei Frau Brée Klavier spielen, möchte im übrigen im nächsten Jahr schon ins Ausland gehen . . Eben diese letzte Bemerkung hat mich stutzig gemacht u. ich begann ihn abzuschütteln; ich bat ihn, sich im September zu melden u. versprach, ihm einen Platz zu sichern, jetzt sei es unmöglich, ihn anzunehmen. Er war nicht wenig gereizt u. sprach davon, daß er ja Musiker sei (als Ingenieur wollte er aber ins Ausland gehen) u. mehrmals im großen Musikvereinssaal begleitet hat. — Lie-Liechen klagt abends über Fieber, mir aber scheinen ihre heißeren Wangen ein Reflex der gewiß sehr widrigen Arbeit[,] die Zeitungsartikel auszuschneiden, verhehle ihr es aber, um sie nicht erst recht in Hitze zu bringen.

© Transcription Marko Deisinger.

March 27, 1919 +3°.

Mr. Figdor arrives around 9:30 am; I first ask him why he has only come now, at the end of the season? The less I know about his situation, the easier it is for him to tell me whatever he would like, some of which at first proves contradictory, for example, that he had enlisted. He says he is a student of Schreker and worked with him in Abbazzia over the summer, but was only able to start learning counterpoint {2046}; is taking piano lessons from Mrs. Brée and also wants to go abroad next year . . This is the comment that made me suspicious and I began to shake him off; I asked him to contact me in September and promised him a slot, it is not possible to take him now. This upset him to a degree and he explained that he is a musician (but he wanted to work abroad as an engineer) and has been an accompanist in the large Musikverein hall several times. — In the evening, Lie-Liechen complains of fever but I attribute her warm cheeks to a reaction against the certainly most unpleasant job of clipping newspaper articles, but conceal this in order to avoid causing her to get even more heated up.

© Translation Scott Witmer.