31. Juli 1926 Es will sich klären?

— Der große Enzian ist im Zimmer ganz erblüht! Der Zufall, daß ihn Lie-Liechen gepflückt hat, hat ihm das Leben erhalten. — 10–½12h im Jamtal, Lie-Liechen pflückt einen Strauß. — Mittags hört der Regen endlich auf, abends ein zartes Glühen auf dem Schnee. — Von Haslinger Fischer Büchlein über die Interpunktsausgabe. 1 — Zwei Pferdegeschichten: Unweit von unserem Hause müht sich ein Junge ein Roß zu besteigen, das wehrt wehrt sich aber sowohl gegen diese Absicht wie gegen die Richtung des Weges u. dem Buben bleibt nichts übrig, als das Roß zu führen. Geführt geht das Roß schließlich mit dem Jungen. Ein zweites Ross, offenbar von dem selben Gespann, nimmt an dieser Scene lebhaft Anteil: es will die Wiese vor dem Hause ungern verlassen, anderseits aber den Genossen nicht allein ziehen lassen – köstlich zu sehen, wie es mit dem Entschlusse ringt u. dann doch im Galopp dem andern Pferde nachlauft [sic] . — Während eines heftigen Sturmes befinden sich zwei Pferde auf der Wiese vor dem Haus; sie bergen sich vor dem Zeiniswind hinter aufgeschichteten Brettern u. zwar so, daß sie mit dem Hinterteil gegen den Wind stehn [sic] . So oft das eine Roß, das freßgierigere, den sichern Port verläßt, fühlt es sich gleich bedroht u. zieht sich an die geschützte Stelle wieder zurück. Lie-Liechen veranlaßt das Personal die armen Tiere in den Stall zu treiben. {2961}

© Transcription Marko Deisinger.

July 31, 1926: will the weather clear up?

— The large gentian is in full bloom in the bedroom. The chance, that Lie-Liechen picked it, has preserved its life. — From 10 o'clock to 11.30 in the Jamtal; Lie-Liechen picks a bouquet. — At midday it finally stops raining; in the evening, a gentle glowing on the snow. — From Haslinger, Fischer's little book on musical orthography. 1 — Two stories about horses: Not far from our house, a boy is trying to mount a horse, which is resisting his intention and also the rider's intended route; and so the boy has no choice but to lead the horse. The horse finally agrees to be led, and goes with the boy. A second horse, apparently from the same stable, takes an active interest in this scene: it does not want to leave the meadow in front of the house, on the other hand, it does not want want its partner to be led – it is delicious to see how it struggles to make up its mind, and then runs after the other horse at a gallop. — During a hefty storm, two horses appear on the meadow in front of the house; they shelter from the wind from the Zeinis behind a pile of boards and, in fact, in such a way that they stand with their backside to the wind. Whenever the one horse, which is hungrier, leaves his place of security, it feels threatened at the same time and returns again to the protected place. Lie-Liechen gets the farmhands to lead the poor animals into the stall. {2961}

© Translation William Drabkin.

31. Juli 1926 Es will sich klären?

— Der große Enzian ist im Zimmer ganz erblüht! Der Zufall, daß ihn Lie-Liechen gepflückt hat, hat ihm das Leben erhalten. — 10–½12h im Jamtal, Lie-Liechen pflückt einen Strauß. — Mittags hört der Regen endlich auf, abends ein zartes Glühen auf dem Schnee. — Von Haslinger Fischer Büchlein über die Interpunktsausgabe. 1 — Zwei Pferdegeschichten: Unweit von unserem Hause müht sich ein Junge ein Roß zu besteigen, das wehrt wehrt sich aber sowohl gegen diese Absicht wie gegen die Richtung des Weges u. dem Buben bleibt nichts übrig, als das Roß zu führen. Geführt geht das Roß schließlich mit dem Jungen. Ein zweites Ross, offenbar von dem selben Gespann, nimmt an dieser Scene lebhaft Anteil: es will die Wiese vor dem Hause ungern verlassen, anderseits aber den Genossen nicht allein ziehen lassen – köstlich zu sehen, wie es mit dem Entschlusse ringt u. dann doch im Galopp dem andern Pferde nachlauft [sic] . — Während eines heftigen Sturmes befinden sich zwei Pferde auf der Wiese vor dem Haus; sie bergen sich vor dem Zeiniswind hinter aufgeschichteten Brettern u. zwar so, daß sie mit dem Hinterteil gegen den Wind stehn [sic] . So oft das eine Roß, das freßgierigere, den sichern Port verläßt, fühlt es sich gleich bedroht u. zieht sich an die geschützte Stelle wieder zurück. Lie-Liechen veranlaßt das Personal die armen Tiere in den Stall zu treiben. {2961}

© Transcription Marko Deisinger.

July 31, 1926: will the weather clear up?

— The large gentian is in full bloom in the bedroom. The chance, that Lie-Liechen picked it, has preserved its life. — From 10 o'clock to 11.30 in the Jamtal; Lie-Liechen picks a bouquet. — At midday it finally stops raining; in the evening, a gentle glowing on the snow. — From Haslinger, Fischer's little book on musical orthography. 1 — Two stories about horses: Not far from our house, a boy is trying to mount a horse, which is resisting his intention and also the rider's intended route; and so the boy has no choice but to lead the horse. The horse finally agrees to be led, and goes with the boy. A second horse, apparently from the same stable, takes an active interest in this scene: it does not want to leave the meadow in front of the house, on the other hand, it does not want want its partner to be led – it is delicious to see how it struggles to make up its mind, and then runs after the other horse at a gallop. — During a hefty storm, two horses appear on the meadow in front of the house; they shelter from the wind from the Zeinis behind a pile of boards and, in fact, in such a way that they stand with their backside to the wind. Whenever the one horse, which is hungrier, leaves his place of security, it feels threatened at the same time and returns again to the protected place. Lie-Liechen gets the farmhands to lead the poor animals into the stall. {2961}

© Translation William Drabkin.

Footnotes

1 Jacob Fischer, Erläuterungen zur Interpunktionsausgabe (Jacob Fischers Neuausgabe klassischer Tonwerke): Auszüge aus einer noch nicht veröffentlichten musikalischen Rhythmik und Metrik (Berlin-Lichterfelde: Schlesinger, 1926).