Hamburg, 5. Februar 25.

Liebster H.! 1

Gestern kam Dein l. Brief= OJ 6/7, [17]. Ich ging abends sofort zu Herrn Temming. Leider ist er auf einer Geschäftsreise u. kommt erst Sonntag zurück. Das ist für Deine Zwecke nun zu lange. Ausserdem ist es nicht dafür absolut nötig. Ich kann Dir ganz genaue Auskunft geben. Vorher möchte ich nur Dir die Zahl 7 erklären. Seinerseit gieng ich zu Herrn Temming u. gewann ihn für meinem Universtätsspende-Plan. Ich „akkordierte“ 100 Hefte à 1 Mark. Inzwischen kam kam die Preiserhöhung. Da war für mich die peinliche Situation, daß T. leicht an[corr] meiner Unwissenheit zweifeln könnte. Ein Buch kostet aber über Nacht im allgemeinen nicht um die Hälfte mehr. Das ist ja auch eine Dich schädigende Geschäftsgebauung der U. E. (Nicht zu reden von dem 2 Mark Preis!!!).

Ich fragte Herrn T. sehr nebenbei, ob es ihm recht ist, damit ich die alte Vereinbarung halten kann, daß ich die Zahl auf 7 reduziere. Er war dafür daß ich es nach Gutdünken erledige. Ich behielt die 10 Institute bei [following three words underlined by Schenker, in coloured pencil] à 7 Hefte. Der Unterschied schien mir so gering, daß ich Dich damit weiter nicht aufhalten wollte. Nun war es doch nicht zu vermeiden.

{2} Also: Ich machte die kleine Bestellung von 7 x 4 Heften für die einzel angeführten Seminare.

Von Herrn Temming hätte ich nur erfahren können, ob die U. E. die Bestellung auch ordnungsgemäß ausgeführt hat, was durch Einsicht in bezahlte Rechnungen möglich gewesen wäre. Sollten die U. E. die Bestellung nicht ordnungsgemäß ausgeführt haben (was ich erst Montag, Du vielleicht durch den Anwalt schon früher erfahren kannst) so liegt eine ganz gewaltige Sabotage vor. Ich habe Verdacht, kenn[?] [following five words underlined by Schenker, in coloured pencil] die Einzelabonnementssituationen auch nicht gut. Darüber werde ich mich noch vergewissern. Jedenfalls kannst Du auf die Kenntnis der Tatsache, daß [following eleven words underlined by Schenker, in coloured pencil] 7 Abonnements für 10 Institute u. in 10 einzelne vollzogen wurden, pochen. Sind sie nicht ausgeführt worden, so ist es Schuld allein der U. E. Ein anständiger Betrieb muß in der Lage sein[,] Dir die [following word underlined by Schenker, in coloured pencil] 80 Abonnements zu verrechnen.

Jänner Heft der Musik habe ich nicht gelesen. Hast Du aber das jüngst erschienene Buch von Becker gelesen? Ich weiß momentan nicht den Titel. Er rubriziert darin die einzelnen Richtungen der Theorie u. zählt Dich da aber schon gar nicht zu den Hermeneuten. Er scheint für die Ewigkeit vorsichtiger als für die Tagesblätter zu schreiben.

Innigstes von uns an Euch! Und bitte schreibe wenn Du einen Wunsch nach weiterer Aufklärung hast.


Dein alter, treuer
[signed:] Floriz

© Transcription William Drabkin, 2013


Hamburg, February 5, 1925

Dearest Heinrich, 1

Your lovely letter arrived yesterday= OJ 6/7, [17]. In the evening, I went to Mr. Temming straightaway. Unfortunately he is on a business trip and is not returning until Sunday. For your purposes, that is too long to wait. Moreover, it is not absolutely necessary. I can give you very precise information. First of all, let me merely explain the number 7. When I approached Mr. Temming, and won him over to my plan for a grant to the universities, I "consented" to 100 issues [of Der Tonwille ] at 1 mark each. Later on, a price increase was introduced. I was thus faced with the painful situation that Temming might be skeptical concerning my ignorance: generally speaking, a book should not suddenly cost half again as much overnight. That is indeed a business plan of the UE that would also damage you financially. (To say nothing of a price of 2 marks!!!).

I asked Mr. Temming very casually whether it would be all right with him – in order that I keep to the original agreement – if I reduced the number [of copies given to each university] to 7. He was in favor of my doing what I thought best. I retained all 10 departments, [following three words underlined by Schenker, in coloured pencil] with 7 copies. The difference seemed to me so small that I did not wish to hold you up further. Now I see that this was, after all, unavoidable.

{2} Thus, it was I who made the smaller order of 7 x 4 copies for each of the music departments named.

I would have been able to find out from Mr. Temming only whether UE also filled this order properly, something that would have been possible by inspecting the paid invoices. If UE has not filled the order properly (something that I cannot find out until Monday, you perhaps sooner from your lawyer), then a thoroughly monumental sabotage has taken place. I have my doubts about this, and also I do not know [following six words underlined by Schenker, in coloured pencil] the details of the individual suscriptions. I shall yet ascertain this. In any event, you can reckon on that fact that [following eleven words underlined by Schenker, in coloured pencil] 7 subscriptions for 10 departments, and 10 individual subscriptions were arranged. If they were not implemented, then only UE is at fault. A proper company ought to be in a position to account for the [following word underlined by Schenker, in coloured pencil] 80 subscriptions.

I have not read the January issue of Die Musik . But have you read Bekker's most recently published book? At the moment, I do not know its title. He categorizes the individual directions taken by music theory and most emphatically does not reckon you among the hermeneutists. He seemes to write more carefully for posterity than for the daily newspapers.

Most intimate greetings from us to you. And please write if you need further explanation.


Your old, faithful
[signed:] Floriz

© Translation William Drabkin, 2013


Hamburg, 5. Februar 25.

Liebster H.! 1

Gestern kam Dein l. Brief= OJ 6/7, [17]. Ich ging abends sofort zu Herrn Temming. Leider ist er auf einer Geschäftsreise u. kommt erst Sonntag zurück. Das ist für Deine Zwecke nun zu lange. Ausserdem ist es nicht dafür absolut nötig. Ich kann Dir ganz genaue Auskunft geben. Vorher möchte ich nur Dir die Zahl 7 erklären. Seinerseit gieng ich zu Herrn Temming u. gewann ihn für meinem Universtätsspende-Plan. Ich „akkordierte“ 100 Hefte à 1 Mark. Inzwischen kam kam die Preiserhöhung. Da war für mich die peinliche Situation, daß T. leicht an[corr] meiner Unwissenheit zweifeln könnte. Ein Buch kostet aber über Nacht im allgemeinen nicht um die Hälfte mehr. Das ist ja auch eine Dich schädigende Geschäftsgebauung der U. E. (Nicht zu reden von dem 2 Mark Preis!!!).

Ich fragte Herrn T. sehr nebenbei, ob es ihm recht ist, damit ich die alte Vereinbarung halten kann, daß ich die Zahl auf 7 reduziere. Er war dafür daß ich es nach Gutdünken erledige. Ich behielt die 10 Institute bei [following three words underlined by Schenker, in coloured pencil] à 7 Hefte. Der Unterschied schien mir so gering, daß ich Dich damit weiter nicht aufhalten wollte. Nun war es doch nicht zu vermeiden.

{2} Also: Ich machte die kleine Bestellung von 7 x 4 Heften für die einzel angeführten Seminare.

Von Herrn Temming hätte ich nur erfahren können, ob die U. E. die Bestellung auch ordnungsgemäß ausgeführt hat, was durch Einsicht in bezahlte Rechnungen möglich gewesen wäre. Sollten die U. E. die Bestellung nicht ordnungsgemäß ausgeführt haben (was ich erst Montag, Du vielleicht durch den Anwalt schon früher erfahren kannst) so liegt eine ganz gewaltige Sabotage vor. Ich habe Verdacht, kenn[?] [following five words underlined by Schenker, in coloured pencil] die Einzelabonnementssituationen auch nicht gut. Darüber werde ich mich noch vergewissern. Jedenfalls kannst Du auf die Kenntnis der Tatsache, daß [following eleven words underlined by Schenker, in coloured pencil] 7 Abonnements für 10 Institute u. in 10 einzelne vollzogen wurden, pochen. Sind sie nicht ausgeführt worden, so ist es Schuld allein der U. E. Ein anständiger Betrieb muß in der Lage sein[,] Dir die [following word underlined by Schenker, in coloured pencil] 80 Abonnements zu verrechnen.

Jänner Heft der Musik habe ich nicht gelesen. Hast Du aber das jüngst erschienene Buch von Becker gelesen? Ich weiß momentan nicht den Titel. Er rubriziert darin die einzelnen Richtungen der Theorie u. zählt Dich da aber schon gar nicht zu den Hermeneuten. Er scheint für die Ewigkeit vorsichtiger als für die Tagesblätter zu schreiben.

Innigstes von uns an Euch! Und bitte schreibe wenn Du einen Wunsch nach weiterer Aufklärung hast.


Dein alter, treuer
[signed:] Floriz

© Transcription William Drabkin, 2013


Hamburg, February 5, 1925

Dearest Heinrich, 1

Your lovely letter arrived yesterday= OJ 6/7, [17]. In the evening, I went to Mr. Temming straightaway. Unfortunately he is on a business trip and is not returning until Sunday. For your purposes, that is too long to wait. Moreover, it is not absolutely necessary. I can give you very precise information. First of all, let me merely explain the number 7. When I approached Mr. Temming, and won him over to my plan for a grant to the universities, I "consented" to 100 issues [of Der Tonwille ] at 1 mark each. Later on, a price increase was introduced. I was thus faced with the painful situation that Temming might be skeptical concerning my ignorance: generally speaking, a book should not suddenly cost half again as much overnight. That is indeed a business plan of the UE that would also damage you financially. (To say nothing of a price of 2 marks!!!).

I asked Mr. Temming very casually whether it would be all right with him – in order that I keep to the original agreement – if I reduced the number [of copies given to each university] to 7. He was in favor of my doing what I thought best. I retained all 10 departments, [following three words underlined by Schenker, in coloured pencil] with 7 copies. The difference seemed to me so small that I did not wish to hold you up further. Now I see that this was, after all, unavoidable.

{2} Thus, it was I who made the smaller order of 7 x 4 copies for each of the music departments named.

I would have been able to find out from Mr. Temming only whether UE also filled this order properly, something that would have been possible by inspecting the paid invoices. If UE has not filled the order properly (something that I cannot find out until Monday, you perhaps sooner from your lawyer), then a thoroughly monumental sabotage has taken place. I have my doubts about this, and also I do not know [following six words underlined by Schenker, in coloured pencil] the details of the individual suscriptions. I shall yet ascertain this. In any event, you can reckon on that fact that [following eleven words underlined by Schenker, in coloured pencil] 7 subscriptions for 10 departments, and 10 individual subscriptions were arranged. If they were not implemented, then only UE is at fault. A proper company ought to be in a position to account for the [following word underlined by Schenker, in coloured pencil] 80 subscriptions.

I have not read the January issue of Die Musik . But have you read Bekker's most recently published book? At the moment, I do not know its title. He categorizes the individual directions taken by music theory and most emphatically does not reckon you among the hermeneutists. He seemes to write more carefully for posterity than for the daily newspapers.

Most intimate greetings from us to you. And please write if you need further explanation.


Your old, faithful
[signed:] Floriz

© Translation William Drabkin, 2013

Footnotes

1 Receipt of this letter is recorded in the diary at OJ 3/7, p. 2788: "Von Fl. (Brief expreß): erklärt die Zahl 10 x 7, fügt aber hinzu, 10 weitere Abonnements dürfe ich als ebenso feststehend annehmen. Lie-Liechen meint, dass er mit Temmings Geld 10 weitere Abonnements in seiner Umgebung verschenkt habe, um diese 10 sind die Seminare verkürzt worden; er erwähnt schließlich, daß Bekker meiner in seinem neuesten Buch gedacht habe, doch verstehe ich die Wendung nicht: „. . aber schon gar nicht als Hermeneut.“" (From Floriz (express letter): explains the figure 10 x 7, but adds that I can assume that another ten subscriptions are equally sure. Lie-Liechen thinks that he has given away ten further subscriptions as a present to people around him using Temming's money, the institutes have been reduced by these ten; finally, he mentions that Bekker paid tribute to me in his latest book, however I do not understand the expression: 'but not in the least as a hermeneuticist.'")

Commentary

Format
2p letter, holograph message and signature
Rights Holder
Heirs of Moriz Violin, reproduced here by kind permission
License
Permission to publish granted by the heirs of Moriz Violin, June 25, 2006. Any claim to intellectual rights on this document should be addressed to the Schenker Correspondence Project, Faculty of Music, University of Cambridge, at schenkercorrespondence [at] mus (dot) cam (dot) ac (dot) uk
Provenance
Schenker, Heinrich (document date-1935)--Schenker, Jeanette (1935-1938)--Oster, Ernst (1938-c.1939)—New York Public Library (c.1939-)

Digital version created: 2013-07-24
Last updated: 2013-07-24