Dr. OSWALD JONAS
W 30 Bambergerstr. 25
Berlin, den 16. III 34

Hochverehrter Herr Doktor! 1

Sie werden mein Benehmen vielleicht für etwas unverständlich gehalten haben, aber diesmal konnte ich nicht anders – ich konnte nicht schreiben, ehe nicht der letzte Rest meines Buches endgültig abgeschlossen war. Dies hatte ich mir auch vorgenommen. Nun ist gestern alles auf die Post gegangen, der noch ausständige Teil, den ich leider unter größten Schwierigkeiten aller Art hier zu Ende bringen mußte — manchmal ging es einfach nicht —, die Korrektur der bereits gedruckten Fahnen, Beispiele, etc. Es hat sich wieder das schöne Wort Nestroys bewahrheitet: „von Paris nach St. Pölten geht’s ja, aber von da an nach Wien zieht sich der Weg.“ 2

{2} Freilich die Hauptsache fehlt noch: d.i. ob Sie mit der Arbeit zufrieden sein werden. Vielleicht hätte manches besser werden können – unter etwas ruhigeren Verhältnissen – und zuzusammengefaßter. Hoffentlich ist mir wenigstens eines gelungen, was mir als das Wichtigste erscheint: daß ihre Lehre vom Ursatz nichts „Ausgedachtes“ nichts „Errechnetes“ ist, sondern daß sie gewachsen ist aus einer Ohrfähigkeit. Im Keim bereits von Anfang an da! Z.B. Harmonielehre S. 327, wo von Stufengängen „höherer Ordnung“ (!) die Rede ist. Das Buch hat vier Abschnitte und 2 Anhänge, wie Sie aus beiliegendem Inhaltsverzeichnis 3 ersehen können. Ursprünglich wollte ich einen eigenen „Form“ Abschnitt, mußte aber, da der verfügbare Raum schon ganz überschritten war, mich mit einem Kapitel begnügen. Auch konnten ja dann sowie überhaupt zumfür Abschn. IV bereits frühere Beispiele herangezogen werden.

Was mir ebenso wichtig erscheint: hoffentlich ist die Absicht gelungen, zum Studium Ihrer {3} Werke anzuregen durch Zitate, Verweise etc.

— Nun möchte ich Ihnen auch danken für Ihre wirklich liebevolle Übersendung der „Syrischen Tänze“, 4 die mir unendliche Freude gemacht haben, wie überhaupt jede Zeile und jeder Gruß hier für mich einen wahren Lichtblick bedeutet.

— Ich hoffe, daß Sie mit Ihrem Gesundheitszustand zufrieden sind und sein können. Furtw. erkundigte sich neulich eingehend (übrigens auch sonst immer) nach Ihrem Befinden und versicherte mir, wie gerne er Ihnen schreiben möchte. Daß er augenblicklich überbelastet ist, dürfte wohl wirklich stimmen, da er ja auch in der Oper nun sehr viel zu tun hat. Und für mich? Nun ja ‒ er hat neulich Prof. Stein, dem ich einen Brief geschrieben hatte, ob er mir nicht Stunden hier oder in Hambg etc. verschaffen könnte, meinethalber angerufen. Das Resultat war, daß Stein mir endlich schrieb, so leid es ihm täte, könne er mir jetzt — „keine Stelle an der Hochschule verschaffen.“ Man schlägt das Unmögliche, das {4} man garnicht im Traum verlangt hat, aus, um vom Möglichen garnicht reden zu müßen. An derlei gewöhnt man sich allmählich, aber leben kann man davon auch nicht. Die Schüler können hier immer weniger zahlen ‒ sie sind treu und anhänglich, das macht Freude, aber davon kann man nun auch nicht leben. Nun versuche ich es seit 2 Monaten in Hamburg, wie Ihnen veilleicht Violin erzählt hat, unter Strapazen und Anstrengungen ‒ vorläufig ist nicht viel mehr als die Spesen ‒ und daß ich dort auch nun irgendetwas unversucht lasse, kann man mir nicht sagen. Die Leute staunen mich wie ein Wundertier an, daß mir auch nur das in der heutigen Zeit gelungen ist. Nun wird vielleicht ein Kurs bei Frau Michaels zustandekommen ‒ es sind aber 2 Wochen seit der Besprechung und ich habe noch nichts gehört, wiewohl ich am 20. wieder hinfahren soll.

— Irgendwelche persönliche Zeit hat Furtw. {5} für mich nun garnicht übrig. Im letzten Konzert war ich übrigens nicht, weil ich arbeiten wollte. Daß er wirklich helfen könnte, glaube ich schon — aber ich bin nicht der einzige, der zu ihm kommt.

Eine andere Affäre hat mich ein wenig mitgenommen. Das es eines Tages zwischen mir und Bertram 5 zu Konflikt kommen müßte, von dem ein Teil der Schüler bei mir Theorie lernt, war vorauszusehen. Er arbeitet schon lange gegen mich ‒ weil er sieht, daß seine Schüler etwas erfahren, von dem er eben keine Ahnung hat ‒ nur die Betreffenden sind eben sehr für mich, insbesonders ein Herr Oster, der die andern für mich zu gewinnen sucht. Nun ist sozusagen „offener Krieg“ ‒ er hat mit einer Drohung geschlossen, die Betreffenden vor eine Alternative zu stellen. Was ihm einen Brief von mir eingetrugen hat, den {6} er wohl jemand [recte niemand] zeigen wird. Jedenfalls eine unerquickliche Situation. Umso schlimmer, da ja ein Teil der Schüler sehr von B. abhängig ist. — So gelangt man immer mehr in jene Isolierung, die heute vielleicht angebracht und erwünscht ist, 6 aber die Lebenshaltung natürlich nicht erleichtert. Rundfunk ist ja für mich erledigt, Zeitschriften so gut wie ‒ auch sind sie überschwemmt mit Artikeln. Im jüd. Kulturbund 7 halte ich am 29. einen lächerlich bezahlten Vortrag über „Mendelssohn“ ‒ mit Gesang und Klavier. Nun haben Sie ein ungefähres Bild von mir. Sehr würde es mich interessieren, wie Sie die bösen Tage in Wien verbracht haben. Ob Sie irgendwie zu leiden hatten, außer den allgemeinen Schrecken. — Ist übrigens Herr van Hob. in Wien? Gehört habe ich seit Monaten nichts von ihm ‒ mein letzter Brief ist ohne Antwort geblieben. {7} Jedenfalls hat er mich irgendwie aufgegeben. Warum weiß ich nicht ‒ ich glaubte ihm genügend plausibel gemacht zu haben, daß die persönliche Kränkung, als die er mein „gebrochenes Versprechen“, dem Archiv einer Abschnitt zu widmen, unber aufgefaßt hat, unberechtigt sei. Auch habe ich deshalb ja die Änderung vorgenommen und ihm geschrieben, daß ich mich nun doch zu einem „Anhang“ entschlossen habe. Sehr leid tut mir das vor allem deshalb, weil er mich vielleicht nun für „undankbar“ hält, wozu er weiß Gott nicht die allergeringste Veranlaßung hat. 8

— Nun will ich aber schließen. Ich wünsche Ihnen allerbestes Wohlergehn, ebenso Ihrer werten Frau Gemahlin.


Ich verbleibe mit ergebensten Grüßen
stets Ihr
[signed:] Oswald Jonas

© Transcription John Rothgeb & Heribert Esser, 2006, 2011


Dr. OSWALD JONAS
W 30, Bambergerstraße 25
Berlin, March 16, 1934

Highly regarded Dr. [Schenker], 1

You will perhaps have considered my behavior somewhat incomprehensible, but this time I could not do otherwise ‒ I could not write before the remainder of my book was completed once and for all. This is how I had planned it. Now, yesterday, everything is in the post: the part still lacking, which I unfortunately had to finish under greatest difficulties of all kinds ‒ sometimes it was simply impossible ‒, marking of the already printed proofs, examples, etc. Nestroy's apt phrase has once again held good: "from Paris to St. Pölten isn't bad, but from there on to Vienna the trek gets longer." 2

{2} Of course, the main issue still is not settled, to wit, whether you will be satisfied with the work. Perhaps much could have been better ‒ under somewhat more peaceful circumstances ‒ and more concise. I hope I have succeeded in at least one thing, which seems to me the most important: that the theory of the Ursatz is nothing "thought-out," nothing "calculated," but that it grew out of an aural capacity. There from the beginning in embryonic form! For example, Theory of Harmony , p. 327, where scale-degree progressions "of a higher order" (!) are discussed. The book has four chapters and two appendices, as you can see from the enclosed Table of Contents. 3 Originally I wanted a whole chapter on "form" alone, but, as the available space was already completely exceeded, I had to be content with a section. Then, as in general, examples from previous topics could be cited also for chapter IV.

This seemed to me equally important: one hopes to have made good on the intention to stimulate further study of your {3} works through citations, references, etc.

— Now I would like to thank you also for your very kind gift of the Syrian Dances , 4 which have given me infinite pleasure, as altogether every letter and every greeting amounts to a true ray of light for me here.

— I hope that you can be and are satisfied with your health. Furtwängler recently asked after you in detail (as always, incidentally), and affirmed how much he would like to write to you. It is probably true that he is currently overworked, since he has much to do at the Opera as well. And for me? Well, recently he called Professor Stein on my behalf, to whom I had written to inquire whether he could possibly arrange for me to give some lessons here or in Hamburg, etc. The result was that Stein finally wrote me that, as much as he regretted, he could not at this time "arrange for any position at the college." You rule out the impossible, which {4} one would not have dreamed of requesting, so as not to have to speak of the possible. One gradually gets used to such things, but they don't pay the rent. The students here are able to pay less and less ‒ they are loyal and true, that is a joy, but it too doesn't pay the rent. Now I've been working for the last two months in Hamburg, as Violin may have told you, under strain and stress ‒ to start with it's little more than expenses ‒ and nobody can accuse me of having left anything untried there. People stare at me as if at a monster, because I have accomplished just that much in the present day. Now perhaps a course for Mrs. Michaels may be arranged ‒ but it's been two weeks since the conversation and I have not yet heard anything, though I am supposed to depart again on the 20th.

Furtwängler has no private time available {5} for me. I wasn't at the last concert, incidentally, because I wanted to work. I think he really could help ‒ but I am not the only one to approach him.

Another matter has worn me down a bit. It could have been foreseen that Bertram, 5 some of whose students study theory with me, and I would sooner or later clash. He has been working against me for a long time ‒ because he sees that his students learn something of which he has no notion ‒ but those involved are very much on my side, especially a Mr. Oster who tries to recruit the others for me. Now it is, so to speak, "pitched battle" ‒ it has resulted in a threat to make the students choose. This brought him a letter from me, which {6} he will probably show somebody [recte nobody] . Certainly an unpleasant situation. All the worse, because some of the students are very dependent on Bertram. — Thus one gets ever deeper into that isolation, which today is perhaps appropriate and demanded, 6 but naturally does not make life easier. Radio is closed to me, periodicals as good as ‒ besides, they are swamped with articles. In the Jewish Cultural Union 7 I’m giving on the 29th a laughably compensated lecture on "Mendelssohn" ‒ with singing and piano. Now you have an approximate picture of me. It would interest me greatly to know how you have passed the miserable days in Vienna. Whether you have suffered in any way, beyond the general horror. — Incidentally, is Mr. van Hoboken in Vienna? I have not heard from him in months ‒ my last letter remains unanswered. {7} He has certainly given me up, somehow. Why I don't know ‒ I thought I had made it sufficiently plausible to him that his interpretation as personal pique of my "broken promise" to include a section on the Archive was unjustified. And I have for that reason made the alteration and have written him that I have after all decided on an "Appendix." I am very sorry above all that he perhaps considers me "ungrateful," for which, God knows, he has not the slightest cause. 8

— But now I will close. I wish you the all the best, and your dear wife as well.


I remain with most devoted greetings,
ever your
[signed:] Oswald Jonas

© Translation John Rothgeb & Heribert Esser, 2006, 2011


Dr. OSWALD JONAS
W 30 Bambergerstr. 25
Berlin, den 16. III 34

Hochverehrter Herr Doktor! 1

Sie werden mein Benehmen vielleicht für etwas unverständlich gehalten haben, aber diesmal konnte ich nicht anders – ich konnte nicht schreiben, ehe nicht der letzte Rest meines Buches endgültig abgeschlossen war. Dies hatte ich mir auch vorgenommen. Nun ist gestern alles auf die Post gegangen, der noch ausständige Teil, den ich leider unter größten Schwierigkeiten aller Art hier zu Ende bringen mußte — manchmal ging es einfach nicht —, die Korrektur der bereits gedruckten Fahnen, Beispiele, etc. Es hat sich wieder das schöne Wort Nestroys bewahrheitet: „von Paris nach St. Pölten geht’s ja, aber von da an nach Wien zieht sich der Weg.“ 2

{2} Freilich die Hauptsache fehlt noch: d.i. ob Sie mit der Arbeit zufrieden sein werden. Vielleicht hätte manches besser werden können – unter etwas ruhigeren Verhältnissen – und zuzusammengefaßter. Hoffentlich ist mir wenigstens eines gelungen, was mir als das Wichtigste erscheint: daß ihre Lehre vom Ursatz nichts „Ausgedachtes“ nichts „Errechnetes“ ist, sondern daß sie gewachsen ist aus einer Ohrfähigkeit. Im Keim bereits von Anfang an da! Z.B. Harmonielehre S. 327, wo von Stufengängen „höherer Ordnung“ (!) die Rede ist. Das Buch hat vier Abschnitte und 2 Anhänge, wie Sie aus beiliegendem Inhaltsverzeichnis 3 ersehen können. Ursprünglich wollte ich einen eigenen „Form“ Abschnitt, mußte aber, da der verfügbare Raum schon ganz überschritten war, mich mit einem Kapitel begnügen. Auch konnten ja dann sowie überhaupt zumfür Abschn. IV bereits frühere Beispiele herangezogen werden.

Was mir ebenso wichtig erscheint: hoffentlich ist die Absicht gelungen, zum Studium Ihrer {3} Werke anzuregen durch Zitate, Verweise etc.

— Nun möchte ich Ihnen auch danken für Ihre wirklich liebevolle Übersendung der „Syrischen Tänze“, 4 die mir unendliche Freude gemacht haben, wie überhaupt jede Zeile und jeder Gruß hier für mich einen wahren Lichtblick bedeutet.

— Ich hoffe, daß Sie mit Ihrem Gesundheitszustand zufrieden sind und sein können. Furtw. erkundigte sich neulich eingehend (übrigens auch sonst immer) nach Ihrem Befinden und versicherte mir, wie gerne er Ihnen schreiben möchte. Daß er augenblicklich überbelastet ist, dürfte wohl wirklich stimmen, da er ja auch in der Oper nun sehr viel zu tun hat. Und für mich? Nun ja ‒ er hat neulich Prof. Stein, dem ich einen Brief geschrieben hatte, ob er mir nicht Stunden hier oder in Hambg etc. verschaffen könnte, meinethalber angerufen. Das Resultat war, daß Stein mir endlich schrieb, so leid es ihm täte, könne er mir jetzt — „keine Stelle an der Hochschule verschaffen.“ Man schlägt das Unmögliche, das {4} man garnicht im Traum verlangt hat, aus, um vom Möglichen garnicht reden zu müßen. An derlei gewöhnt man sich allmählich, aber leben kann man davon auch nicht. Die Schüler können hier immer weniger zahlen ‒ sie sind treu und anhänglich, das macht Freude, aber davon kann man nun auch nicht leben. Nun versuche ich es seit 2 Monaten in Hamburg, wie Ihnen veilleicht Violin erzählt hat, unter Strapazen und Anstrengungen ‒ vorläufig ist nicht viel mehr als die Spesen ‒ und daß ich dort auch nun irgendetwas unversucht lasse, kann man mir nicht sagen. Die Leute staunen mich wie ein Wundertier an, daß mir auch nur das in der heutigen Zeit gelungen ist. Nun wird vielleicht ein Kurs bei Frau Michaels zustandekommen ‒ es sind aber 2 Wochen seit der Besprechung und ich habe noch nichts gehört, wiewohl ich am 20. wieder hinfahren soll.

— Irgendwelche persönliche Zeit hat Furtw. {5} für mich nun garnicht übrig. Im letzten Konzert war ich übrigens nicht, weil ich arbeiten wollte. Daß er wirklich helfen könnte, glaube ich schon — aber ich bin nicht der einzige, der zu ihm kommt.

Eine andere Affäre hat mich ein wenig mitgenommen. Das es eines Tages zwischen mir und Bertram 5 zu Konflikt kommen müßte, von dem ein Teil der Schüler bei mir Theorie lernt, war vorauszusehen. Er arbeitet schon lange gegen mich ‒ weil er sieht, daß seine Schüler etwas erfahren, von dem er eben keine Ahnung hat ‒ nur die Betreffenden sind eben sehr für mich, insbesonders ein Herr Oster, der die andern für mich zu gewinnen sucht. Nun ist sozusagen „offener Krieg“ ‒ er hat mit einer Drohung geschlossen, die Betreffenden vor eine Alternative zu stellen. Was ihm einen Brief von mir eingetrugen hat, den {6} er wohl jemand [recte niemand] zeigen wird. Jedenfalls eine unerquickliche Situation. Umso schlimmer, da ja ein Teil der Schüler sehr von B. abhängig ist. — So gelangt man immer mehr in jene Isolierung, die heute vielleicht angebracht und erwünscht ist, 6 aber die Lebenshaltung natürlich nicht erleichtert. Rundfunk ist ja für mich erledigt, Zeitschriften so gut wie ‒ auch sind sie überschwemmt mit Artikeln. Im jüd. Kulturbund 7 halte ich am 29. einen lächerlich bezahlten Vortrag über „Mendelssohn“ ‒ mit Gesang und Klavier. Nun haben Sie ein ungefähres Bild von mir. Sehr würde es mich interessieren, wie Sie die bösen Tage in Wien verbracht haben. Ob Sie irgendwie zu leiden hatten, außer den allgemeinen Schrecken. — Ist übrigens Herr van Hob. in Wien? Gehört habe ich seit Monaten nichts von ihm ‒ mein letzter Brief ist ohne Antwort geblieben. {7} Jedenfalls hat er mich irgendwie aufgegeben. Warum weiß ich nicht ‒ ich glaubte ihm genügend plausibel gemacht zu haben, daß die persönliche Kränkung, als die er mein „gebrochenes Versprechen“, dem Archiv einer Abschnitt zu widmen, unber aufgefaßt hat, unberechtigt sei. Auch habe ich deshalb ja die Änderung vorgenommen und ihm geschrieben, daß ich mich nun doch zu einem „Anhang“ entschlossen habe. Sehr leid tut mir das vor allem deshalb, weil er mich vielleicht nun für „undankbar“ hält, wozu er weiß Gott nicht die allergeringste Veranlaßung hat. 8

— Nun will ich aber schließen. Ich wünsche Ihnen allerbestes Wohlergehn, ebenso Ihrer werten Frau Gemahlin.


Ich verbleibe mit ergebensten Grüßen
stets Ihr
[signed:] Oswald Jonas

© Transcription John Rothgeb & Heribert Esser, 2006, 2011


Dr. OSWALD JONAS
W 30, Bambergerstraße 25
Berlin, March 16, 1934

Highly regarded Dr. [Schenker], 1

You will perhaps have considered my behavior somewhat incomprehensible, but this time I could not do otherwise ‒ I could not write before the remainder of my book was completed once and for all. This is how I had planned it. Now, yesterday, everything is in the post: the part still lacking, which I unfortunately had to finish under greatest difficulties of all kinds ‒ sometimes it was simply impossible ‒, marking of the already printed proofs, examples, etc. Nestroy's apt phrase has once again held good: "from Paris to St. Pölten isn't bad, but from there on to Vienna the trek gets longer." 2

{2} Of course, the main issue still is not settled, to wit, whether you will be satisfied with the work. Perhaps much could have been better ‒ under somewhat more peaceful circumstances ‒ and more concise. I hope I have succeeded in at least one thing, which seems to me the most important: that the theory of the Ursatz is nothing "thought-out," nothing "calculated," but that it grew out of an aural capacity. There from the beginning in embryonic form! For example, Theory of Harmony , p. 327, where scale-degree progressions "of a higher order" (!) are discussed. The book has four chapters and two appendices, as you can see from the enclosed Table of Contents. 3 Originally I wanted a whole chapter on "form" alone, but, as the available space was already completely exceeded, I had to be content with a section. Then, as in general, examples from previous topics could be cited also for chapter IV.

This seemed to me equally important: one hopes to have made good on the intention to stimulate further study of your {3} works through citations, references, etc.

— Now I would like to thank you also for your very kind gift of the Syrian Dances , 4 which have given me infinite pleasure, as altogether every letter and every greeting amounts to a true ray of light for me here.

— I hope that you can be and are satisfied with your health. Furtwängler recently asked after you in detail (as always, incidentally), and affirmed how much he would like to write to you. It is probably true that he is currently overworked, since he has much to do at the Opera as well. And for me? Well, recently he called Professor Stein on my behalf, to whom I had written to inquire whether he could possibly arrange for me to give some lessons here or in Hamburg, etc. The result was that Stein finally wrote me that, as much as he regretted, he could not at this time "arrange for any position at the college." You rule out the impossible, which {4} one would not have dreamed of requesting, so as not to have to speak of the possible. One gradually gets used to such things, but they don't pay the rent. The students here are able to pay less and less ‒ they are loyal and true, that is a joy, but it too doesn't pay the rent. Now I've been working for the last two months in Hamburg, as Violin may have told you, under strain and stress ‒ to start with it's little more than expenses ‒ and nobody can accuse me of having left anything untried there. People stare at me as if at a monster, because I have accomplished just that much in the present day. Now perhaps a course for Mrs. Michaels may be arranged ‒ but it's been two weeks since the conversation and I have not yet heard anything, though I am supposed to depart again on the 20th.

Furtwängler has no private time available {5} for me. I wasn't at the last concert, incidentally, because I wanted to work. I think he really could help ‒ but I am not the only one to approach him.

Another matter has worn me down a bit. It could have been foreseen that Bertram, 5 some of whose students study theory with me, and I would sooner or later clash. He has been working against me for a long time ‒ because he sees that his students learn something of which he has no notion ‒ but those involved are very much on my side, especially a Mr. Oster who tries to recruit the others for me. Now it is, so to speak, "pitched battle" ‒ it has resulted in a threat to make the students choose. This brought him a letter from me, which {6} he will probably show somebody [recte nobody] . Certainly an unpleasant situation. All the worse, because some of the students are very dependent on Bertram. — Thus one gets ever deeper into that isolation, which today is perhaps appropriate and demanded, 6 but naturally does not make life easier. Radio is closed to me, periodicals as good as ‒ besides, they are swamped with articles. In the Jewish Cultural Union 7 I’m giving on the 29th a laughably compensated lecture on "Mendelssohn" ‒ with singing and piano. Now you have an approximate picture of me. It would interest me greatly to know how you have passed the miserable days in Vienna. Whether you have suffered in any way, beyond the general horror. — Incidentally, is Mr. van Hoboken in Vienna? I have not heard from him in months ‒ my last letter remains unanswered. {7} He has certainly given me up, somehow. Why I don't know ‒ I thought I had made it sufficiently plausible to him that his interpretation as personal pique of my "broken promise" to include a section on the Archive was unjustified. And I have for that reason made the alteration and have written him that I have after all decided on an "Appendix." I am very sorry above all that he perhaps considers me "ungrateful," for which, God knows, he has not the slightest cause. 8

— But now I will close. I wish you the all the best, and your dear wife as well.


I remain with most devoted greetings,
ever your
[signed:] Oswald Jonas

© Translation John Rothgeb & Heribert Esser, 2006, 2011

Footnotes

1 Receipt of this letter is recorded in Schenker's diary at OJ 4/7, p. 3898, March 17, 1934: "Von Jonas (Br.): das Inhaltsverzeichnis! – eine wirklich staunenswerte Leistung. Klagt über v. H., der sichtlich auf dem Wege ist, ihn als „Undankbaren“ über Bord zu werfen. Er, der nirgend Dankbare als Richter über Dank u. Undank! Ueber das Leben in Berlin, über Furtwängler usw. ("From Jonas (letter): the table of contents! – a truly astonishing achievement. Complains about Hoboken, who is evidently at the point of throwing him overboard as an "ungrateful." He, who has never shown any gratitude, a judge of gratitude and ingratitude! About life in Berlin, about Furtwängler, etc.").

2 St. Pölten is situated very far from Paris but only 60km. east of Vienna.

3 Erroneously filed with OJ 12/6, [10]. This typed draft Table of Contents is identical to the one published in Das Wesen des musikalischen Kunstwerks with the following exceptions: where the published Table has "Der 'Dominantseptakkord' und der 'Quintsextakkord auf der IV. Stufe'," the draft reads "Der V7 und der IV.6/5." In the section title "Die Urlinie," the draft first read "Urlinie und Diminution," with "Die" subsequently added and the last two words deleted by hand; "Sprachrhythmus und Musikrhythmus" is a handwritten emendation of the original "Versbau und Takt"; in "Textgestaltung" the first syllable is a correction by hand of an illegible original; and the published "Die Herausgebertätigkeit Schenkers und das Wiener Photogrammarchiv" appears in the draft as "Die Herausgebertätigkeit Schenkers und die Grundlagen des Wiener Archivs für Photogramme," with the initial "Die" and "Schenkers" both inserted by hand.

4 See OJ 12/6, [27] and OJ 5/18, 33.

5 Georg Bertram, a pianist "very well known here [in Berlin]" (cf. OJ 12/6, [19]).

6 By the Nazis.

7 The Jewish Cultural Union was an organization forced on the Jews by the Nazis in which Jewish artists were allowed to appear in concerts, theatrical performances, and the like only before audiences consisting exclusively of Jews.

8 Schenker enters an emdash and continues without paragraph-break.

Commentary

Format
7-p letter, Bogen format, printed letterhead, holograph salutation, message, valediction and signature + 4 typescript pages (filed with OJ 12/6, [11])
Rights Holder
Heirs of Oswald Jonas, published by kind permission
License
Permission to publish granted by the heirs of Oswald Jonas October 20, 1913

Digital version created: 2015-11-12