Fl! 1

Gleichzeitig mit deinem l. Briefchen= OJ 14/45, [51] ist der Umbruch (das Jahrbuch ganz schon paginiert, in letzter Form aufgemacht) gekommen, den zur II Korr. zurückzubefordern alle Nerven aufgeboten werden mußten! Sonst hätte ich sofort gefragt:
Was bedeutet „Gastein“?

Was fehlt dir – außer Geld? Seit wann wird Geld in Gastein ausgeschüttet? Hast du außerdem ein besonderes Leiden? Nerven? Oder sonstwas? Allgemeine Schwäche? Das wäre ja bei dem schweren Kampfe nicht weiter verwunderlich. Wir schreiben ja erst 1. März u. schon sind auch wir hinunter, an Garnicht u. an {2} Nerven; LieLiechen hat binnen 4 Monaten nicht weniger als 4 Kg eingebüßt. Und noch sind vor uns die härtesten Monate, der Arbeit am Jb. 1926 (bis Ende VI abzuliefern!), der Arbeit für die Schüler u. für das Haus bei zunehmender Wärme! Vielleicht ist dieser Tatbestand dir irgendwie ein Trost, ein Mittel, deinen Zustand nicht allzu tragisch zu nehmen. Oder? Du mußt mir den wahren Sachverhalt schreiben. Daß ich ihn deiner Schwester nicht verrate, ist ja selbstverständlich. Wozu wäre dir das nützen?

Die Erfahrung mit Buxbaum hat mich sehr peinlich berührt. Schon sein eigener Neffe, Prof. Müller, 2 hat mir gesagt, daß seine pobelhafte Eitelkeit, die alle Kunst gefressen hat, mit sich nicht reden {3} läßt. Ich habe es in diesem Ausmaße nicht geglaubt. Nun sagst du es auch, dann mache ich ein † über ihn. Ich gehe nicht mehr in seine Abende. Nicht geringe Dienste habe ich ihm heuer mit meiner Propaganda geleistet, auch Kunden hineingeschickt,[?] nun aber – hole ihn der Eitelkeits-Teufel!

Noch warte ich ein paar Tage ab, ob Frau Friedländer dir das Bild bringt. Höre ich von dir bis spätestens 10. März nichts, so erhälst du direkt von Artaria das Bild. Das ist das Einfachste u. Bewährteste. Frau Hauser, die sich nicht einmal die Mühe nimmt, das Bild für dich zu verpacken (1/4 ¼ Stunde Zeit!), soll das Bild behalten u. damit machen, was ihr beliebt (ins Klosett geben oder zerreißen). {4} Eine läppische Unaufmerksamkeit ist das, weiter nichts.

Also, ich erwarte Nachricht von dir
1) über Gastein
2) " Friedländer bis 10. III.

Frl. B. ist von Natur aus (ich meine die musikalische) unbegabt, ob sie Disziplin in äußerlichtem Sinne durch Intellekt, (der besser ist) annimmt, weiß ich noch nicht. Vielleicht fehlt es ihr außerdem noch an Geduld, jener Gedult, die aus der musikalischer Natur kommt, Tasten u. Fingersätze liebkost usw.


Dir, Frau Wally u. den Kinderschen (wie geht es[corr] Karli??) herzlichste Grüße von uns Beiden
Dein
[signed:] H
1. III. 1926

Die Feder fliegt, sie ist im Korrektur-Schwung!!

© Transcription William Drabkin, 2013

Your lovely letter= OJ 14/45, [51] arrived at the same time as the page-proofs (the [first Meisterwerk] Yearbook is now fully paginated, arranged in its final form), for which all my nerves had to be summoned so that it could be sent back for a second round of corrections. Otherwise I would have asked you immediately:
What is the meaning of "Gastein"?

What do you lack – apart from money? And since when is money being dispensed in Gastein? Are you, in addition, suffering in any particular way? Nerves? Or something else? General weakness? That would be not be very surprising given the difficult struggle. Here we are, only on the first of March, and already we too are feeling rundown from nothing and from {2} nerves. Lie-Liechen lost no fewer than 4 kilograms in the space of four months. And the most difficult months are still ahead of us: months of work on the Yearbook for 1926 (which I must submit by the end of June), of work for my pupils, and for the house, as the weather gets hotter! Perhaps this situation may be something of a comfort for you, a way of helping you contemplating your own situation less despondently. Or not? You must write to me about the true state of affairs. It goes without saying that I will not reveal them to you sister. (What good would that do?)

The experience with Buxbaum touched me very painfully. Even his own nephew, Prof. Müller, 2 told me that his ludicrous vanity, which has eaten up all the artistry in him, is impossible to do anything about. {3} I did not believed that it existed to this degree. Now that you, too, say so, I am putting a big cross beside his name. I shall no longer go to his evening concerts. This year I rendered him not insignificant service by speaking on his behalf, even sending clients to him; but now, he can go to the Vanity Devil!

I shall wait a few more days, to see if Mrs. Friedländer will bring you the portrait. If I hear nothing from you by March 10 at the latest, then you will receive the portrait directly from Artaria. That is the simplest, and most reliable. Mrs. Hauser, who did not even take the trouble to pack the portrait for you (which would have taken her a quarter of an hour!), can keep the portrait and do with it what she wishes (hang it in the toilet, or tear it up). {4} A silly carelessness it is, nothing further.

So, I await news from you
1) about Gastein
2) about Friedländer, by March 10.

Miss B.[ecker] is, by nature (in the musical sense, I mean), untalened. Whether she will acquire discipline in an external sense, through her intellect (which is better) is something I do not yet know. Perhaps what she is lacking, moreover, is patience, that patience that comes from a musical nature, which caresses keys and fingerings, etc.


To you, Vally, and the children (how is little Karl?), most cordial greetings from the two of us.
Yours,
[signed:] Heinrich
March 1, 1926

The pen is flying, it is in the swing of corrections!

© Translation William Drabkin, 2013



Fl! 1

Gleichzeitig mit deinem l. Briefchen= OJ 14/45, [51] ist der Umbruch (das Jahrbuch ganz schon paginiert, in letzter Form aufgemacht) gekommen, den zur II Korr. zurückzubefordern alle Nerven aufgeboten werden mußten! Sonst hätte ich sofort gefragt:
Was bedeutet „Gastein“?

Was fehlt dir – außer Geld? Seit wann wird Geld in Gastein ausgeschüttet? Hast du außerdem ein besonderes Leiden? Nerven? Oder sonstwas? Allgemeine Schwäche? Das wäre ja bei dem schweren Kampfe nicht weiter verwunderlich. Wir schreiben ja erst 1. März u. schon sind auch wir hinunter, an Garnicht u. an {2} Nerven; LieLiechen hat binnen 4 Monaten nicht weniger als 4 Kg eingebüßt. Und noch sind vor uns die härtesten Monate, der Arbeit am Jb. 1926 (bis Ende VI abzuliefern!), der Arbeit für die Schüler u. für das Haus bei zunehmender Wärme! Vielleicht ist dieser Tatbestand dir irgendwie ein Trost, ein Mittel, deinen Zustand nicht allzu tragisch zu nehmen. Oder? Du mußt mir den wahren Sachverhalt schreiben. Daß ich ihn deiner Schwester nicht verrate, ist ja selbstverständlich. Wozu wäre dir das nützen?

Die Erfahrung mit Buxbaum hat mich sehr peinlich berührt. Schon sein eigener Neffe, Prof. Müller, 2 hat mir gesagt, daß seine pobelhafte Eitelkeit, die alle Kunst gefressen hat, mit sich nicht reden {3} läßt. Ich habe es in diesem Ausmaße nicht geglaubt. Nun sagst du es auch, dann mache ich ein † über ihn. Ich gehe nicht mehr in seine Abende. Nicht geringe Dienste habe ich ihm heuer mit meiner Propaganda geleistet, auch Kunden hineingeschickt,[?] nun aber – hole ihn der Eitelkeits-Teufel!

Noch warte ich ein paar Tage ab, ob Frau Friedländer dir das Bild bringt. Höre ich von dir bis spätestens 10. März nichts, so erhälst du direkt von Artaria das Bild. Das ist das Einfachste u. Bewährteste. Frau Hauser, die sich nicht einmal die Mühe nimmt, das Bild für dich zu verpacken (1/4 ¼ Stunde Zeit!), soll das Bild behalten u. damit machen, was ihr beliebt (ins Klosett geben oder zerreißen). {4} Eine läppische Unaufmerksamkeit ist das, weiter nichts.

Also, ich erwarte Nachricht von dir
1) über Gastein
2) " Friedländer bis 10. III.

Frl. B. ist von Natur aus (ich meine die musikalische) unbegabt, ob sie Disziplin in äußerlichtem Sinne durch Intellekt, (der besser ist) annimmt, weiß ich noch nicht. Vielleicht fehlt es ihr außerdem noch an Geduld, jener Gedult, die aus der musikalischer Natur kommt, Tasten u. Fingersätze liebkost usw.


Dir, Frau Wally u. den Kinderschen (wie geht es[corr] Karli??) herzlichste Grüße von uns Beiden
Dein
[signed:] H
1. III. 1926

Die Feder fliegt, sie ist im Korrektur-Schwung!!

© Transcription William Drabkin, 2013

Your lovely letter= OJ 14/45, [51] arrived at the same time as the page-proofs (the [first Meisterwerk] Yearbook is now fully paginated, arranged in its final form), for which all my nerves had to be summoned so that it could be sent back for a second round of corrections. Otherwise I would have asked you immediately:
What is the meaning of "Gastein"?

What do you lack – apart from money? And since when is money being dispensed in Gastein? Are you, in addition, suffering in any particular way? Nerves? Or something else? General weakness? That would be not be very surprising given the difficult struggle. Here we are, only on the first of March, and already we too are feeling rundown from nothing and from {2} nerves. Lie-Liechen lost no fewer than 4 kilograms in the space of four months. And the most difficult months are still ahead of us: months of work on the Yearbook for 1926 (which I must submit by the end of June), of work for my pupils, and for the house, as the weather gets hotter! Perhaps this situation may be something of a comfort for you, a way of helping you contemplating your own situation less despondently. Or not? You must write to me about the true state of affairs. It goes without saying that I will not reveal them to you sister. (What good would that do?)

The experience with Buxbaum touched me very painfully. Even his own nephew, Prof. Müller, 2 told me that his ludicrous vanity, which has eaten up all the artistry in him, is impossible to do anything about. {3} I did not believed that it existed to this degree. Now that you, too, say so, I am putting a big cross beside his name. I shall no longer go to his evening concerts. This year I rendered him not insignificant service by speaking on his behalf, even sending clients to him; but now, he can go to the Vanity Devil!

I shall wait a few more days, to see if Mrs. Friedländer will bring you the portrait. If I hear nothing from you by March 10 at the latest, then you will receive the portrait directly from Artaria. That is the simplest, and most reliable. Mrs. Hauser, who did not even take the trouble to pack the portrait for you (which would have taken her a quarter of an hour!), can keep the portrait and do with it what she wishes (hang it in the toilet, or tear it up). {4} A silly carelessness it is, nothing further.

So, I await news from you
1) about Gastein
2) about Friedländer, by March 10.

Miss B.[ecker] is, by nature (in the musical sense, I mean), untalened. Whether she will acquire discipline in an external sense, through her intellect (which is better) is something I do not yet know. Perhaps what she is lacking, moreover, is patience, that patience that comes from a musical nature, which caresses keys and fingerings, etc.


To you, Vally, and the children (how is little Karl?), most cordial greetings from the two of us.
Yours,
[signed:] Heinrich
March 1, 1926

The pen is flying, it is in the swing of corrections!

© Translation William Drabkin, 2013

Footnotes

1 Writing of this letter is not recorded in Schenker's diary.

2 Possibly Professor Paul Müller?

Commentary

Format
4p letter, Bogen format, holograph message and signature
Rights Holder
Heirs of Heinrich Schenker, deemed to be in the public domain
License
All reasonable steps have been taken to locate the heirs of Heinrich Schenker. Any claim to intellectual rights on this document should be addressed to the Schenker Documents Online, at schenkercorrespondence [at] mus (dot) cam (dot) ac (dot) uk

Digital version created: 2013-06-12
Last updated: 2013-06-12