2. I. 14 [recte 15]

Frl. Kahn erzählt von ungeheuerlichem Schmutz der Mama Brünauer. — Gärtner steuert seinerseits ebenfalls ein kurioses Geschichtchen von einem Weihnachtsgeschenk an seinen Sohn Hans bei, das in einem antiquarischen Exemplar der Schumann Jugendbriefe 1 (Preis 2.20!!) bestand u. von einem mehrfachen Millionär herrührte!

*

Der Reiche schämt sich nicht, dem Armen auch dasselbe zu schenken, das was ebenso leicht der Arme ihm schenken könnte. Freilich kümmert sich der Reiche um diesen Sachverhalt nicht; ihm kommt der Arme allezeit so bedürftig vor, daß er selbst mit dem Geringsten sich für beschenkt halten sollte. Doch steckt dahinter ein noch ernsterer Grund: Um zum Reichtum zu gelangen, muß der Reiche gar viele Menschen plündern u. da mag sein Instinkt ihm zuflüstern, daß er unmöglich den vielen Menschen, die er plündert, viel geben könnte; ginge doch darüber gerade der Reichtum verloren. Nichtsdestoweniger braucht sich der Arme ein Geschenk nicht gefallen zu lassen, daß er schließlich wohl auch selbst leisten könnte.

*

© Transcription Marko Deisinger.

January 2, 1915

Miss Kahn speaks of the immense greed of Brünauer's mother. — Gärtner for his part likewise contributes a strange little tale about a Christmas present he gave his son Hans, which consisted of an antiquarian copy of the letters from Schumann's youth 1 (price 2.20!!) and was previously owned by a multi-millionaire!

*

A rich person is not ashamed to give a poor person that which the poor person could just as easily give to him. Of course, the rich person isn't bothered by this; for him the poor person is always so much in need that he ought to feel grateful for the smallest gift. Yet behind this lies an even more serious reason: in order to achieve wealth, the rich person must rob quite a few people; and there his instinct may whisper to him that it would be impossible for him to give generously to the many whom he robs; for otherwise the wealth would be lost. Nonetheless a poor person does not have to be pleased by a present that he could ultimately afford himself.

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© Translation William Drabkin.

2. I. 14 [recte 15]

Frl. Kahn erzählt von ungeheuerlichem Schmutz der Mama Brünauer. — Gärtner steuert seinerseits ebenfalls ein kurioses Geschichtchen von einem Weihnachtsgeschenk an seinen Sohn Hans bei, das in einem antiquarischen Exemplar der Schumann Jugendbriefe 1 (Preis 2.20!!) bestand u. von einem mehrfachen Millionär herrührte!

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Der Reiche schämt sich nicht, dem Armen auch dasselbe zu schenken, das was ebenso leicht der Arme ihm schenken könnte. Freilich kümmert sich der Reiche um diesen Sachverhalt nicht; ihm kommt der Arme allezeit so bedürftig vor, daß er selbst mit dem Geringsten sich für beschenkt halten sollte. Doch steckt dahinter ein noch ernsterer Grund: Um zum Reichtum zu gelangen, muß der Reiche gar viele Menschen plündern u. da mag sein Instinkt ihm zuflüstern, daß er unmöglich den vielen Menschen, die er plündert, viel geben könnte; ginge doch darüber gerade der Reichtum verloren. Nichtsdestoweniger braucht sich der Arme ein Geschenk nicht gefallen zu lassen, daß er schließlich wohl auch selbst leisten könnte.

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© Transcription Marko Deisinger.

January 2, 1915

Miss Kahn speaks of the immense greed of Brünauer's mother. — Gärtner for his part likewise contributes a strange little tale about a Christmas present he gave his son Hans, which consisted of an antiquarian copy of the letters from Schumann's youth 1 (price 2.20!!) and was previously owned by a multi-millionaire!

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A rich person is not ashamed to give a poor person that which the poor person could just as easily give to him. Of course, the rich person isn't bothered by this; for him the poor person is always so much in need that he ought to feel grateful for the smallest gift. Yet behind this lies an even more serious reason: in order to achieve wealth, the rich person must rob quite a few people; and there his instinct may whisper to him that it would be impossible for him to give generously to the many whom he robs; for otherwise the wealth would be lost. Nonetheless a poor person does not have to be pleased by a present that he could ultimately afford himself.

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© Translation William Drabkin.

Footnotes

1 Presumably Jugendbriefe von Robert Schumann (Leipzig: Breitkopf & Härtel, 1885).