21. VIII. 15 Schön u. sonnig.

Um ½10h die Fußnote zuende gefeilt. Nun nach dem Frühstück nach Stiegeneck u. darüber hinaus. — Die neue Brille langt an. — BriefOJ 15/34, [2] von Zuckerkandl über bevorstehendes Ausrücken ins Feld. — Beteiligung an der Sammlung für die Hinterbliebenen einens So gefallenen Soldaten aus St. A. (Frau u. 5 Kinder!). Die Sammlung lag in der Hand des Oberinspektors Stächelin, . eEin Mann, der als Ingenieur vor Zeiten auch am Bau des Arlbergtunnels mitgewirkt hat, sich offenbar durch Sparsamkeit sich ein ruhiges Alter gesichertn konnte, der auch u. sonst, die Privilegien der kostenlosen Fahrten ausnützend, wie sie Bahn-Ingenieure zur Verfügung stehen, benützend, weite Reisen nach verschiedenen Gegenden u. Erdteilen gemacht hat, ein Mann, der zwar jeglicher Bildung ermangelt (wie dies bei Ingenieuren ja fast immer der Fall ist), wohl aber von Natur aus einen trockenen Humor besitzt, E eine Art, Erlebtes, das er nicht eben schlecht bBeobachtetes, bedächtig u. weitläufig zu erzählen guter Wirkung zu bringen; freilich wir er nicht müde, dieselben Erzählungen leider öfter zu wiederholen, u. zw. je nach dem Eintritt einer neuen Person in den Kreis der Gäste. Der Umstand, daß er seit undenklichen Jahren in St. A. mehrere Monate zubringt, sich auch im benachbarten St. Jakob angekauft, gewisse macht ihn in St. A. zum Einheimischen u. verleiht ihm vor den Gästen eine gewisse Würde, an der sie nicht eben völlig achtlos vorübergehen dürfen. Andererseits legt ihm diese Würde gewisse Verpflichtungen umgekehrt auch gegenüber den Gästen auf, die er nun dadurch erfüllt, daß er sie gleichsam alle als seine eigenen Gäste betrachtet. Kommt dazu eine angeborene Beflissenheit, sich allüberall bemerkbar u., soweit es hiezu erforderlich, auch nützlich zu machen, so erhält man das Bild eines alten Mannes, als eines Hans-Dampf in allen Gassen. Besonders beflissen zeigt er sich Menschen höherer Stände gegenüber u. zw. in bis zu einem Grade, den gute Beobachter gerne sonst schon mit Streberei bezeichnen. In der Folge aber Auf die Dauer freilich wirkt dieser Zug insofern freilich nur komisch, als sofern man nämlich blos auf Seiten des alten Mannes ein Uebergewicht an Ergebenheit beobachtet sieht, u. man staunt nachgerade darüber, daß er in seinem Leben jeglicher, auch der bei so ausgeprägtem Strebertum nicht schon einmal die kleinsten Ordensauszeichnung entronnen erhalten, die er doch sicher gesucht hat. – In unserem Falle hat ein zarter Wink der Baronin Radio genügt, um ihn sofort auf die Beine zu machen u. die Sammlung durchzuführen zu machen.

*

{1006}

© Transcription Marko Deisinger.

August 21, 1915. Fair and sunny weather.

At 9:30, the revisions to the footnote completed. Now, after breakfast, to Stiegeneck and beyond. — The new eyeglasses (8°) arrive. — LetterOJ 15/34, [2] from Zuckerkandl, concerning his imminent deployment in the battlefield. — Contribution to the collection for the surviving dependents of a fallen soldier from St. Anton (wife and five children!). The collection was organized by chief inspector Stächelin: a man who worked a long time ago as an engineer in the building of the Arlberg Tunnel, was evidently able to secure a peaceful retirement through thrift, and who also took advantage of the privileges of free travel that are granted to railway engineers by making long trips to various regions and continents; who lacked all education (as is almost always the case with engineers) but is in possession of a naturally dry sense of humor. Not a bad specimen, thoughtful, and keen to get things done well. Admittedly he does not tire of repeating the same stories, regrettably, too often, and indeed each time a new person arrives in the circle of hotel guests. The fact that for countless years he spends several months in St. Anton, and has bought property also in nearby St. Jakob makes him a native in St. Anton and confers upon him a certain dignity with the hotel guests, which they are not permitted to fully disregard. On the other hand, this dignity also imposes upon him, conversely, certain responsibilities to the guests, which he now fulfills by considering them almost as his own guests. If in addition he has a natural keenness, everywhere in evidence, to make himself useful whenever it is necessary, then one gets the picture of an old man, a jack-of-all-trades all over the town. He shows himself particularly solicitous towards people of higher standing, and indeed up to a certain extent that canny observers would otherwise describe as recognize as "trying hard to please." Over a long period this trait has, admittedly, only a comic effect, insofar as one sees merely an excess of submissiveness on the part of the old man; and one is gradually astonished to learn that, in spite of such pronounced determination, he has not received the smallest decoration, which he must surely have sought. – In the present case, a subtle hint from Baroness Radio suffices to get him on his feet and carry out the fundraising.

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© Translation William Drabkin.

21. VIII. 15 Schön u. sonnig.

Um ½10h die Fußnote zuende gefeilt. Nun nach dem Frühstück nach Stiegeneck u. darüber hinaus. — Die neue Brille langt an. — BriefOJ 15/34, [2] von Zuckerkandl über bevorstehendes Ausrücken ins Feld. — Beteiligung an der Sammlung für die Hinterbliebenen einens So gefallenen Soldaten aus St. A. (Frau u. 5 Kinder!). Die Sammlung lag in der Hand des Oberinspektors Stächelin, . eEin Mann, der als Ingenieur vor Zeiten auch am Bau des Arlbergtunnels mitgewirkt hat, sich offenbar durch Sparsamkeit sich ein ruhiges Alter gesichertn konnte, der auch u. sonst, die Privilegien der kostenlosen Fahrten ausnützend, wie sie Bahn-Ingenieure zur Verfügung stehen, benützend, weite Reisen nach verschiedenen Gegenden u. Erdteilen gemacht hat, ein Mann, der zwar jeglicher Bildung ermangelt (wie dies bei Ingenieuren ja fast immer der Fall ist), wohl aber von Natur aus einen trockenen Humor besitzt, E eine Art, Erlebtes, das er nicht eben schlecht bBeobachtetes, bedächtig u. weitläufig zu erzählen guter Wirkung zu bringen; freilich wir er nicht müde, dieselben Erzählungen leider öfter zu wiederholen, u. zw. je nach dem Eintritt einer neuen Person in den Kreis der Gäste. Der Umstand, daß er seit undenklichen Jahren in St. A. mehrere Monate zubringt, sich auch im benachbarten St. Jakob angekauft, gewisse macht ihn in St. A. zum Einheimischen u. verleiht ihm vor den Gästen eine gewisse Würde, an der sie nicht eben völlig achtlos vorübergehen dürfen. Andererseits legt ihm diese Würde gewisse Verpflichtungen umgekehrt auch gegenüber den Gästen auf, die er nun dadurch erfüllt, daß er sie gleichsam alle als seine eigenen Gäste betrachtet. Kommt dazu eine angeborene Beflissenheit, sich allüberall bemerkbar u., soweit es hiezu erforderlich, auch nützlich zu machen, so erhält man das Bild eines alten Mannes, als eines Hans-Dampf in allen Gassen. Besonders beflissen zeigt er sich Menschen höherer Stände gegenüber u. zw. in bis zu einem Grade, den gute Beobachter gerne sonst schon mit Streberei bezeichnen. In der Folge aber Auf die Dauer freilich wirkt dieser Zug insofern freilich nur komisch, als sofern man nämlich blos auf Seiten des alten Mannes ein Uebergewicht an Ergebenheit beobachtet sieht, u. man staunt nachgerade darüber, daß er in seinem Leben jeglicher, auch der bei so ausgeprägtem Strebertum nicht schon einmal die kleinsten Ordensauszeichnung entronnen erhalten, die er doch sicher gesucht hat. – In unserem Falle hat ein zarter Wink der Baronin Radio genügt, um ihn sofort auf die Beine zu machen u. die Sammlung durchzuführen zu machen.

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© Transcription Marko Deisinger.

August 21, 1915. Fair and sunny weather.

At 9:30, the revisions to the footnote completed. Now, after breakfast, to Stiegeneck and beyond. — The new eyeglasses (8°) arrive. — LetterOJ 15/34, [2] from Zuckerkandl, concerning his imminent deployment in the battlefield. — Contribution to the collection for the surviving dependents of a fallen soldier from St. Anton (wife and five children!). The collection was organized by chief inspector Stächelin: a man who worked a long time ago as an engineer in the building of the Arlberg Tunnel, was evidently able to secure a peaceful retirement through thrift, and who also took advantage of the privileges of free travel that are granted to railway engineers by making long trips to various regions and continents; who lacked all education (as is almost always the case with engineers) but is in possession of a naturally dry sense of humor. Not a bad specimen, thoughtful, and keen to get things done well. Admittedly he does not tire of repeating the same stories, regrettably, too often, and indeed each time a new person arrives in the circle of hotel guests. The fact that for countless years he spends several months in St. Anton, and has bought property also in nearby St. Jakob makes him a native in St. Anton and confers upon him a certain dignity with the hotel guests, which they are not permitted to fully disregard. On the other hand, this dignity also imposes upon him, conversely, certain responsibilities to the guests, which he now fulfills by considering them almost as his own guests. If in addition he has a natural keenness, everywhere in evidence, to make himself useful whenever it is necessary, then one gets the picture of an old man, a jack-of-all-trades all over the town. He shows himself particularly solicitous towards people of higher standing, and indeed up to a certain extent that canny observers would otherwise describe as recognize as "trying hard to please." Over a long period this trait has, admittedly, only a comic effect, insofar as one sees merely an excess of submissiveness on the part of the old man; and one is gradually astonished to learn that, in spite of such pronounced determination, he has not received the smallest decoration, which he must surely have sought. – In the present case, a subtle hint from Baroness Radio suffices to get him on his feet and carry out the fundraising.

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© Translation William Drabkin.