Motto: Alle guten Geister zum Gruße, ich meine, die gelebt haben, denn keine werden mehr kommen.



Fl! 1

An erster Stelle muß ich Altm. Abbitte leisten für die Verdächtigung, die ich vorzeitig ausgesprochen. Auch bei mir hat er sich eingefunden, vor paar Tagen, mit einer Mitteilung, daß er mir die photographischen Platten der autographen Stimmen zur Matthp. einsandt u. daß ich nur Porto 2 MK zu schicken habe. Er hält also seine Zusage ein u. erspart mir 6 Mill. Glücklicherweise werde ich die allfälligen Ergebnisse noch in Heft 4/1924, also in dem nächsten, zu verwerten in der Lage sein, wo ich das Geheimnis der ersten Choralph. 12/8 Em. lüfte: der Aufsatz steht an der Spitze des Heftes. 2

Dr Baumg. hat die falsche Verrechnung von Gutmann an Frl Becker als „Prallerei“ bezeichnet. 3 Es ist am Platz, daß sie das Zuviel verlangte zurückfordert. Jedenfalls bitte ich dich, die beiden Belege bei dir zu behalten u. nötigenfalls zu meiner Verfügung zu stellen.

Hast du vielleicht durch Zufall gelesen, wie Korngold den H. Becker u. Hertzka offentlich verprügelt hat? 4 Er macht es sehr gut. Das ist die Art, mit diesem Pack umzugehen, das vom terror lebt u. die Abwehr der anderen für {2} terror erklärt.

Was ist das doch für eine Leidensgeschichte, die des jetzt fälligen Heftes 2/3! Schon am 5. August begann H. einen Teil des Heftes, Vortrag des Br-Hdl-Var., zurückzuhalten; unter meinem ständigen Druck läßt er ihn setzen u. mir zukommen, gegen Ende Sept; am 6. Okt. kommt das Heft umbrochen, da fehlte eine Figur u. ein Trillerzeichen (~~); nach 14 Tagen(!) kommt der zweite Umbruch, u. dem fehlt noch immer die Figur u. ~~; ich tobe über diese Unverschämtheit – endlich am 23. X kann ich das Imprimatur geben, das Heft ist aber bis heute 6. XI nicht da! Und es könnte schon Anfangs Oktober her kommen, hätte kommen müssen! Und alles das, nur um Heft 4 zu verschleppen bis ins J. 1925.

Gerade heute habe ich Dr B’s Brief an die „U. E.“ – mit H. habe ich jeden Verkehr aufgegeben – gerichtet, worin ich ihm Erklärung bezüglich der Lösung des „ TW. Vertrages“ erbitte. Dr B. ist sonst dafür, daß ich die Angelgenheit via facti austrage, d.h. einfach zu den 3 Masken oder zu Piper gehe, da H. mich zu verklagen ganz [?außerstande] ist, so belastend ist das Material wider ihn. Aber, da hapert’s ja, ich möchte den neuen Verlag nicht mit Unannehmlich- {3} keiten belasten u. muß doch befürchten, das H., nur aus Rache, etwas wider den neuen Verlag unternimmt. Und doch muß ich etwas wagen, denn sonst bringt er mich um den Jahrg. 1925 u. fügt zu den bisherigen Schäden von 4 Jahren noch den eines 5. Jahres hiezu. Wüßte ich nur, wie lange so ein Prozeß geht! Wenn es kurz gienge, würde es mir Spaß machen, aus ihm Schadenersatz usw. herauszuschlagen u. diesen Schurken an den Pranger zu stellen.

Übrigens H. Kohn! Ich stand mit ihm in Verbindung seit 1905. Sein Blüthner stand bei mir 15 Jahren. Als er vor 2 Jahren mit den Steigerungen begann, wollte ich dieses Instr. abkaufen, gegen einen größeren Betrag auf einmal u. Raten auf ein paar Jahre verteilt. Er lehnte ab, weil Bl. angeblich nur wenige Instr. hinanschickt, in Wahrheit weil er mir das Instr. immerhin billiger hatte abgeben müssen, als einem Nichtmusiker. Er verrät sich sogar, indem er sagte: Ihnen gibt Bl. das Instrum. um 20 Mill (damals) usw. Plötzlich zeigt Kohn ein große Interesse für mein Instr., es müsse restauriert werden (nach Bericht des Klavierstimmers), u. da dies 2½ Mill. {4} kostet, so müsste er die Kosten durch Steigerung hereinbringen. (Wahrheitsgemäß bezeige ich, daß ich blos 150.000 K monatlich zu zahlen hatte, was gewiß entgegenkommend war). Da ich im Sommer von dir hörte, wie Bl. sich dir gegenüber nett betragen, regte ich Kohn an, nachzudenken, ob nicht er (nach 15 Jahren) zumindest auf weitere Steigerungen verzichten könnte, u. zw. dadurch, daß ich deinen Fall erzählte (Nebenbei wollte ich ihn für die seinerzeitige Gemeinheit strafen.) Er aber verstand mich nicht, d.h. wollte mich nicht verstehen u. wandte sich an Bl. selbst wegen eines Instrumentes für mich. Diesen Bf kenne ich nicht, wohl aber die Antwort Bl.’s, die sehr treffend u. lehrreich war; er schrieb: „Sie könnten, wie so Viele, das kleine Opfer bringen“ u. stimmte damit in meinem Gedanken ein, den ich K. gegenüber freilich nicht aussprach. 5

Aber siehe! K. meinte zu dieser Stelle, Bl. hat leicht, mir das Opfer aufzubinden, ich kann ja das Ist Instr., nach entsprechender Restaurierung, noch immer um 60-70 Mill. verkaufen(!!), ja für die Miete wollte mir ein Aegypter vor 2 Jahren 1½ Mill. monatlich zahlen, das kann ich Ihnen freilich nicht berechnen, aber – Ist Ihnen 700.000 K monatlich zuviel? Das wären Zinsen von 40 Mill. jährlich, u. {5} da hätte ich erst nur die Zinsen.”(?!?) Und Bl’s Brief lag vor uns auf dem Tisch! Wir waren zu stolz, um etwas zu entgegnen u. nun, das Beste, da er dies (Ausländer-) Erhöhung – das nahezu 5-fache des früheren – an mich gebracht hat, tut er die Restaurierung, die ihm ursprünglich Vorwand gewesen, mit den Worten ab: „Stört Sie das?“ Ich sage gelassen: nein, u. so blieb blos 8 Mill. jährlich Miete übrig für das Instr., das schon 15 Jahre bei mir stand, u. entgegen Bl.’s Meinung, u. ohne Restaurierung!

Ich war entschlossen, ihm das Instr. zurückzugeben, denn bei jährlichen 8 Mill. noch den Vorwurf zu dulden, daß ich ihm um weitere 20–30 Mill bringe, war mir unerträglich. Wir laufen zu September. Er gab mir einen Konzertflügel von Ehrbar, 6 der taugt aber nichts u. ich muß weiter suchen. So eine Beschämung, wo ich doch K. einige Bl-Kaüfer, auch Steinway-Käufer vermittelt habe! Das zu Hertzka addiert, ergibt ein schönes Wiener Leid, wo mir doch in jeder Musikschule ein kleines Denkmälchen gebührt für das Geleistete.

*

Spielst du M.-Hartmann’s Passac. auswendig? Strengen dich die Vorbereitungen zum Konzert an?

Wie geht es Karli? Wir freuen uns schon, ihm in Tirol unseren Besuch abzustatten. Grüße die Kleinen herzlichst von uns.

Die Analyse von heute ist sehr erfreulich: Zustand nicht bestimmbar, also 0%!!

Wie steht es mit Themming u. den Seminaren? Oppel (Kiel) meldet 20 Ab. an. Wenn ich dir ein Exempl., (außer deinem Ehrenex). schickte, könntest du veranlassen, das irgend ein nenneswertes Musikhaus es in die Auslage stellte?

Nun aber sei geschlossen.


Dir u. deiner Frau unser beiden beste Grüße
Dein
[signed:] H

6. XI. 1924

© Transcription William Drabkin, 2011

Motto: All the good spirits send greetings; I mean those that have lived, since no more shall come.



Floriz, 1

First of all, I owe Altmann an apology on account of the suspicion that I expressed too hastily. He, too, has been in touch with me, a few days ago, to tell me that he sent me the photographic plates of the autograph parts of the St. Matthew Passion and that I have to send him only 2 Marks to cover the shipping costs. He has thus kept his promise and has saved me six million [Kronen]. Fortunately I shall be in a position to make use of whatever results they bring in issue 4 for 1924, i.e. the next issue, in which I reveal the secret of the first Choral Fantasy, in E minor in 12/8 time: this will be the lead article of the issue. 2

Dr. Baumgarten regards the false accounting on Gutmann's part, with respect to Miss Becker, as "heavy-handedness." 3 It would be fitting for her to demand a rebate for having been overcharged. In any event, I ask you to keep the two documents, and to let me make use of them if it proves necessary.

Have you perhaps read, by chance, how Korngold openly gave Mr. Bekker and Hertzka a good lambasting? 4 He has done a good job of it. This is the way that one should deal with this pack, which lives by terrorizing and accuses others of terrorizing when they defend themselves.

{2} What a sorry story this has been regarding the double-issue 2/3! Back on August 5, Hertzka began to hold back a part of the issue, concerning the performance of the Brahms Handel Variations; following constant pressure from my part he had it typeset and sent to me, toward the end of September. On October 6 the issue arrives in page-proof, with one music example and one trill sign (~~) missing. After two weeks (!) the second page-proofs arrives, and the example and trill sign ~~ are still missing. I get furious about this shameless state of affairs; finally on October 23 I can give the go-ahead for publication, but the issue is still not published even now, on November 6! And it could have – should have – appeared back at the beginning of October. And all this merely to delay the publication of issue 4 until the year 1925.

This very day I have sent Dr. Baumgarten's letter to UE (I have altogether given up communicating with Hertzka directly), in which I ask him for his agreement regarding the dissolution of the Tonwille contract. Dr Baumgarten is otherwise in favor of my dragging out the matter via facti , that is, that I simply approach Drei Masken Verlag or Piper, as Hertzka is in no position whatsoever to take legal action against me: the material against him is too damaging. But – here's the problem – I do not want to burden the new publisher with any disadvantages {3} and I am indeed afraid that Hertzka will undertake something against the new publisher, purely for the sake of vengeance. And yet I must take take some risk, otherwise he will bring me into 1925 and add to the damages of the previous four years those of a fifth year. If only I knew how long such a trial would last! If it were over quickly, I would enjoy it, wringing compensation for damages from him and having the rogue pilloried.

And now Mr Kohn! I had dealings with him going back to 1905. I had a Blüthner piano of his for fifteen years. When he began to increase the rental charges two years ago, I offered to buy this instrument from him, in return for a larger initial payment and installment payments spread over a few years. He declined, ostensibly on the grounds that Blüthner sends [him] only a few instruments, but in reality because he would have at any rate had to give the instrument to me for a lower price than to a non-musician. He actually betrayed himself when he said: Blüthner would sell you the instrument for 20 Million [Kronen] (at that time), etc. Suddenly Kohn shows a great interest in my instrument: it must be restored (according to a report from the piano tuner) and, as this will cost 2½ million, {4} he must absorb these costs in a higher price. (For sake of accuracy, I show him that I have to pay him only 150,000 Kronen monthly, which would have certainly been obliging.) When I heard this summer how nicely Blüthner had treated you, I pressed Kohn to consider whether, after fifteen years, he could at least forgo further rent increases. (In addition, I wanted to punish him for his earlier meanness). He, however, did not understand me, that is, he did not want to understand me; and he turned to Blüthner themselves regarding an instrument for me. I do not know the content of his letter, but I do know Blüthner's answer, which hit the mark in a most informative way; they wrote: "You could, like so many, make this small sacrifice" and thus agreed with my thoughts, which I admittedly did not voice in front of Kohn. 5

But listen to what Kohn said on the spot: ["]It is easy for Blüthner to force this sacrifice upon me. I can, after the necessary restorations have been made, still sell the instrument for 60 or 70 million Kronen(!!); two years ago an Egyptian would have payed me 1½ million a month, a sum that I of course cannot charge you. But is 700,000 Kronen a month asking too much of you? This would be the annual interest on 40 Million, and {5} I would have had only the interest."(?!?) And Blüthner's letter stood in front of us on the desk! We were too proud to make any sort of reply; and now, best of all, having mentioned to me the increased rate (for foreigners), which was nearly five times the earlier charge, he will forgo the restoration work (which had originally been the pretext [for the increase]), with the words: "Does that bother you?" I answer, with composure: "No." And so all that remained was merely 8 million Kronen yearly for the instrument that was already in my possession for fifteen years: against Blüthner's opinion, and without restoration!

I was determined to return the instrument to him, since I found it impossible to put up with the fact that, in addition to the eight million a year, I bring him a further 20 to 30 million [from other customers]. We now move on to September. He gave me a concert grand piano from Ehrbar; 6 this, however, is useless, and I must search further. Such a humiliation, given that I've acted as intermediary for Kohn in the sale of several pianos by Blüthner, also by Steinway. Add this to Hertzka and you have a pretty Viennese sorrow, where in fact in every music school a small monument might be erected in memory of what I have achieved.

*

Are you playing Müller-Hartmann's Passacaglia from memory? Are the preparations for the concert stressful?

How is little Karl? We are already looking forward to making good our visit to him in the Tyrol. Give the children our warmest greetings.

My [blood-sugar level] analysis today is very good news: indeterminable, therefore 0%!!

How are things with Temming and the university music departments? Oppel (in Kiel) reports twenty subscriptions. If I send you a copy (other than your complimentary copy), could you arrange to have it displayed in some reputable music shop?

But let me close now.


To you and your wife, best greetings from the two of us
Your
[signed:] H

November 6, 1924

© Translation William Drabkin, 2011

Motto: Alle guten Geister zum Gruße, ich meine, die gelebt haben, denn keine werden mehr kommen.



Fl! 1

An erster Stelle muß ich Altm. Abbitte leisten für die Verdächtigung, die ich vorzeitig ausgesprochen. Auch bei mir hat er sich eingefunden, vor paar Tagen, mit einer Mitteilung, daß er mir die photographischen Platten der autographen Stimmen zur Matthp. einsandt u. daß ich nur Porto 2 MK zu schicken habe. Er hält also seine Zusage ein u. erspart mir 6 Mill. Glücklicherweise werde ich die allfälligen Ergebnisse noch in Heft 4/1924, also in dem nächsten, zu verwerten in der Lage sein, wo ich das Geheimnis der ersten Choralph. 12/8 Em. lüfte: der Aufsatz steht an der Spitze des Heftes. 2

Dr Baumg. hat die falsche Verrechnung von Gutmann an Frl Becker als „Prallerei“ bezeichnet. 3 Es ist am Platz, daß sie das Zuviel verlangte zurückfordert. Jedenfalls bitte ich dich, die beiden Belege bei dir zu behalten u. nötigenfalls zu meiner Verfügung zu stellen.

Hast du vielleicht durch Zufall gelesen, wie Korngold den H. Becker u. Hertzka offentlich verprügelt hat? 4 Er macht es sehr gut. Das ist die Art, mit diesem Pack umzugehen, das vom terror lebt u. die Abwehr der anderen für {2} terror erklärt.

Was ist das doch für eine Leidensgeschichte, die des jetzt fälligen Heftes 2/3! Schon am 5. August begann H. einen Teil des Heftes, Vortrag des Br-Hdl-Var., zurückzuhalten; unter meinem ständigen Druck läßt er ihn setzen u. mir zukommen, gegen Ende Sept; am 6. Okt. kommt das Heft umbrochen, da fehlte eine Figur u. ein Trillerzeichen (~~); nach 14 Tagen(!) kommt der zweite Umbruch, u. dem fehlt noch immer die Figur u. ~~; ich tobe über diese Unverschämtheit – endlich am 23. X kann ich das Imprimatur geben, das Heft ist aber bis heute 6. XI nicht da! Und es könnte schon Anfangs Oktober her kommen, hätte kommen müssen! Und alles das, nur um Heft 4 zu verschleppen bis ins J. 1925.

Gerade heute habe ich Dr B’s Brief an die „U. E.“ – mit H. habe ich jeden Verkehr aufgegeben – gerichtet, worin ich ihm Erklärung bezüglich der Lösung des „ TW. Vertrages“ erbitte. Dr B. ist sonst dafür, daß ich die Angelgenheit via facti austrage, d.h. einfach zu den 3 Masken oder zu Piper gehe, da H. mich zu verklagen ganz [?außerstande] ist, so belastend ist das Material wider ihn. Aber, da hapert’s ja, ich möchte den neuen Verlag nicht mit Unannehmlich- {3} keiten belasten u. muß doch befürchten, das H., nur aus Rache, etwas wider den neuen Verlag unternimmt. Und doch muß ich etwas wagen, denn sonst bringt er mich um den Jahrg. 1925 u. fügt zu den bisherigen Schäden von 4 Jahren noch den eines 5. Jahres hiezu. Wüßte ich nur, wie lange so ein Prozeß geht! Wenn es kurz gienge, würde es mir Spaß machen, aus ihm Schadenersatz usw. herauszuschlagen u. diesen Schurken an den Pranger zu stellen.

Übrigens H. Kohn! Ich stand mit ihm in Verbindung seit 1905. Sein Blüthner stand bei mir 15 Jahren. Als er vor 2 Jahren mit den Steigerungen begann, wollte ich dieses Instr. abkaufen, gegen einen größeren Betrag auf einmal u. Raten auf ein paar Jahre verteilt. Er lehnte ab, weil Bl. angeblich nur wenige Instr. hinanschickt, in Wahrheit weil er mir das Instr. immerhin billiger hatte abgeben müssen, als einem Nichtmusiker. Er verrät sich sogar, indem er sagte: Ihnen gibt Bl. das Instrum. um 20 Mill (damals) usw. Plötzlich zeigt Kohn ein große Interesse für mein Instr., es müsse restauriert werden (nach Bericht des Klavierstimmers), u. da dies 2½ Mill. {4} kostet, so müsste er die Kosten durch Steigerung hereinbringen. (Wahrheitsgemäß bezeige ich, daß ich blos 150.000 K monatlich zu zahlen hatte, was gewiß entgegenkommend war). Da ich im Sommer von dir hörte, wie Bl. sich dir gegenüber nett betragen, regte ich Kohn an, nachzudenken, ob nicht er (nach 15 Jahren) zumindest auf weitere Steigerungen verzichten könnte, u. zw. dadurch, daß ich deinen Fall erzählte (Nebenbei wollte ich ihn für die seinerzeitige Gemeinheit strafen.) Er aber verstand mich nicht, d.h. wollte mich nicht verstehen u. wandte sich an Bl. selbst wegen eines Instrumentes für mich. Diesen Bf kenne ich nicht, wohl aber die Antwort Bl.’s, die sehr treffend u. lehrreich war; er schrieb: „Sie könnten, wie so Viele, das kleine Opfer bringen“ u. stimmte damit in meinem Gedanken ein, den ich K. gegenüber freilich nicht aussprach. 5

Aber siehe! K. meinte zu dieser Stelle, Bl. hat leicht, mir das Opfer aufzubinden, ich kann ja das Ist Instr., nach entsprechender Restaurierung, noch immer um 60-70 Mill. verkaufen(!!), ja für die Miete wollte mir ein Aegypter vor 2 Jahren 1½ Mill. monatlich zahlen, das kann ich Ihnen freilich nicht berechnen, aber – Ist Ihnen 700.000 K monatlich zuviel? Das wären Zinsen von 40 Mill. jährlich, u. {5} da hätte ich erst nur die Zinsen.”(?!?) Und Bl’s Brief lag vor uns auf dem Tisch! Wir waren zu stolz, um etwas zu entgegnen u. nun, das Beste, da er dies (Ausländer-) Erhöhung – das nahezu 5-fache des früheren – an mich gebracht hat, tut er die Restaurierung, die ihm ursprünglich Vorwand gewesen, mit den Worten ab: „Stört Sie das?“ Ich sage gelassen: nein, u. so blieb blos 8 Mill. jährlich Miete übrig für das Instr., das schon 15 Jahre bei mir stand, u. entgegen Bl.’s Meinung, u. ohne Restaurierung!

Ich war entschlossen, ihm das Instr. zurückzugeben, denn bei jährlichen 8 Mill. noch den Vorwurf zu dulden, daß ich ihm um weitere 20–30 Mill bringe, war mir unerträglich. Wir laufen zu September. Er gab mir einen Konzertflügel von Ehrbar, 6 der taugt aber nichts u. ich muß weiter suchen. So eine Beschämung, wo ich doch K. einige Bl-Kaüfer, auch Steinway-Käufer vermittelt habe! Das zu Hertzka addiert, ergibt ein schönes Wiener Leid, wo mir doch in jeder Musikschule ein kleines Denkmälchen gebührt für das Geleistete.

*

Spielst du M.-Hartmann’s Passac. auswendig? Strengen dich die Vorbereitungen zum Konzert an?

Wie geht es Karli? Wir freuen uns schon, ihm in Tirol unseren Besuch abzustatten. Grüße die Kleinen herzlichst von uns.

Die Analyse von heute ist sehr erfreulich: Zustand nicht bestimmbar, also 0%!!

Wie steht es mit Themming u. den Seminaren? Oppel (Kiel) meldet 20 Ab. an. Wenn ich dir ein Exempl., (außer deinem Ehrenex). schickte, könntest du veranlassen, das irgend ein nenneswertes Musikhaus es in die Auslage stellte?

Nun aber sei geschlossen.


Dir u. deiner Frau unser beiden beste Grüße
Dein
[signed:] H

6. XI. 1924

© Transcription William Drabkin, 2011

Motto: All the good spirits send greetings; I mean those that have lived, since no more shall come.



Floriz, 1

First of all, I owe Altmann an apology on account of the suspicion that I expressed too hastily. He, too, has been in touch with me, a few days ago, to tell me that he sent me the photographic plates of the autograph parts of the St. Matthew Passion and that I have to send him only 2 Marks to cover the shipping costs. He has thus kept his promise and has saved me six million [Kronen]. Fortunately I shall be in a position to make use of whatever results they bring in issue 4 for 1924, i.e. the next issue, in which I reveal the secret of the first Choral Fantasy, in E minor in 12/8 time: this will be the lead article of the issue. 2

Dr. Baumgarten regards the false accounting on Gutmann's part, with respect to Miss Becker, as "heavy-handedness." 3 It would be fitting for her to demand a rebate for having been overcharged. In any event, I ask you to keep the two documents, and to let me make use of them if it proves necessary.

Have you perhaps read, by chance, how Korngold openly gave Mr. Bekker and Hertzka a good lambasting? 4 He has done a good job of it. This is the way that one should deal with this pack, which lives by terrorizing and accuses others of terrorizing when they defend themselves.

{2} What a sorry story this has been regarding the double-issue 2/3! Back on August 5, Hertzka began to hold back a part of the issue, concerning the performance of the Brahms Handel Variations; following constant pressure from my part he had it typeset and sent to me, toward the end of September. On October 6 the issue arrives in page-proof, with one music example and one trill sign (~~) missing. After two weeks (!) the second page-proofs arrives, and the example and trill sign ~~ are still missing. I get furious about this shameless state of affairs; finally on October 23 I can give the go-ahead for publication, but the issue is still not published even now, on November 6! And it could have – should have – appeared back at the beginning of October. And all this merely to delay the publication of issue 4 until the year 1925.

This very day I have sent Dr. Baumgarten's letter to UE (I have altogether given up communicating with Hertzka directly), in which I ask him for his agreement regarding the dissolution of the Tonwille contract. Dr Baumgarten is otherwise in favor of my dragging out the matter via facti , that is, that I simply approach Drei Masken Verlag or Piper, as Hertzka is in no position whatsoever to take legal action against me: the material against him is too damaging. But – here's the problem – I do not want to burden the new publisher with any disadvantages {3} and I am indeed afraid that Hertzka will undertake something against the new publisher, purely for the sake of vengeance. And yet I must take take some risk, otherwise he will bring me into 1925 and add to the damages of the previous four years those of a fifth year. If only I knew how long such a trial would last! If it were over quickly, I would enjoy it, wringing compensation for damages from him and having the rogue pilloried.

And now Mr Kohn! I had dealings with him going back to 1905. I had a Blüthner piano of his for fifteen years. When he began to increase the rental charges two years ago, I offered to buy this instrument from him, in return for a larger initial payment and installment payments spread over a few years. He declined, ostensibly on the grounds that Blüthner sends [him] only a few instruments, but in reality because he would have at any rate had to give the instrument to me for a lower price than to a non-musician. He actually betrayed himself when he said: Blüthner would sell you the instrument for 20 Million [Kronen] (at that time), etc. Suddenly Kohn shows a great interest in my instrument: it must be restored (according to a report from the piano tuner) and, as this will cost 2½ million, {4} he must absorb these costs in a higher price. (For sake of accuracy, I show him that I have to pay him only 150,000 Kronen monthly, which would have certainly been obliging.) When I heard this summer how nicely Blüthner had treated you, I pressed Kohn to consider whether, after fifteen years, he could at least forgo further rent increases. (In addition, I wanted to punish him for his earlier meanness). He, however, did not understand me, that is, he did not want to understand me; and he turned to Blüthner themselves regarding an instrument for me. I do not know the content of his letter, but I do know Blüthner's answer, which hit the mark in a most informative way; they wrote: "You could, like so many, make this small sacrifice" and thus agreed with my thoughts, which I admittedly did not voice in front of Kohn. 5

But listen to what Kohn said on the spot: ["]It is easy for Blüthner to force this sacrifice upon me. I can, after the necessary restorations have been made, still sell the instrument for 60 or 70 million Kronen(!!); two years ago an Egyptian would have payed me 1½ million a month, a sum that I of course cannot charge you. But is 700,000 Kronen a month asking too much of you? This would be the annual interest on 40 Million, and {5} I would have had only the interest."(?!?) And Blüthner's letter stood in front of us on the desk! We were too proud to make any sort of reply; and now, best of all, having mentioned to me the increased rate (for foreigners), which was nearly five times the earlier charge, he will forgo the restoration work (which had originally been the pretext [for the increase]), with the words: "Does that bother you?" I answer, with composure: "No." And so all that remained was merely 8 million Kronen yearly for the instrument that was already in my possession for fifteen years: against Blüthner's opinion, and without restoration!

I was determined to return the instrument to him, since I found it impossible to put up with the fact that, in addition to the eight million a year, I bring him a further 20 to 30 million [from other customers]. We now move on to September. He gave me a concert grand piano from Ehrbar; 6 this, however, is useless, and I must search further. Such a humiliation, given that I've acted as intermediary for Kohn in the sale of several pianos by Blüthner, also by Steinway. Add this to Hertzka and you have a pretty Viennese sorrow, where in fact in every music school a small monument might be erected in memory of what I have achieved.

*

Are you playing Müller-Hartmann's Passacaglia from memory? Are the preparations for the concert stressful?

How is little Karl? We are already looking forward to making good our visit to him in the Tyrol. Give the children our warmest greetings.

My [blood-sugar level] analysis today is very good news: indeterminable, therefore 0%!!

How are things with Temming and the university music departments? Oppel (in Kiel) reports twenty subscriptions. If I send you a copy (other than your complimentary copy), could you arrange to have it displayed in some reputable music shop?

But let me close now.


To you and your wife, best greetings from the two of us
Your
[signed:] H

November 6, 1924

© Translation William Drabkin, 2011

Footnotes

1 Writing of this letter is recorded in Schenker's diary at OJ 3/7, p. 2751, November 6, 1924: "An Fl. (Br.): Abbitte an Altmann, der sowohl ihm wie mir Wort gehalten hat. Erzähle die Leidensgeschichte des Doppelheftes." ("To Floriz (letter): apology to Altmann, who kept his word with him as well as with me. I tell him the tale of suffering regarding the double issue.").

2 The essay on the open chorus of the St Matthew Passion in Tonwille 10 does not include any specifically text-critical remarks.

3 This remark refers to the overcharging of Violin's pupil Agnes Becker for a copy of Der Tonwille. See Violin's letter of October 22, 1924 (OJ 14/45, [36]).

4 Schenker is referring to a recent essay or review by Julius Korngold, a conservative critic whose music journalism Schenker regularly saved in a file of clippings. (Most of the Korngold clippings are in OC File C.) The piece by Korngold in closest chronological proximity to the present letter is his review of "The New Music and Theater Festival" in Vienna, published in the Neue Freie Presse on October 21, 1924; unusually, it is located not in File C but among the correspondence with UE: OC 52/582-583. In it, Korngold expresses his distaste for the spread of twelve-tone music among a new generation of composers; and while he mentions by name neither Hertzka nor Schenker's long-standing adversary in the world of journalism, Paul Bekker, he does acknowledge that his outspoken criticism of "contemporary atonal music" has "upset the circles of the party" and occasioned an "open letter" addressed to him in "a music journal published by UE," i.e. the Musikblätter des Anbruch. Bekker´s "Brief an Julius Korngold" did appear in the Anbruch, vi/9 (October 1924) 379-80.

5 No paragraph-break in source.

6 "Ehrbar" – the name is not written clearly in Schenker's letter – was the name of a prominent piano manufacturing firm in Vienna, founded by Friedrich Konrad Ehrbar in 1855. An important rival to Bösendorfer in the Austrian capital, it continued to make instruments until the 1980s.

Commentary

Format
6p letter, oblong format, holograph message and signature
Rights Holder
Heirs of Heinrich Schenker, deemed to be in the public domain
License
All reasonable steps have been taken to locate the heirs of Heinrich Schenker. Any claim to intellectual rights on this document should be addressed to the Schenker Documents Online, at schenkercorrespondence [at] mus (dot) cam (dot) ac (dot) uk

Digital version created: 2011-10-04
Last updated: 2011-10-04