S. F. 8 April 1940.

Lieber u. verehrter Freund!

Beiliegend ist der unverschämteste Brief, 1 den ich je erhielt. Ich wollte sofort diesem Herrn eine Lection erteilen. Einer amerikanischen Lady zeigte ich diesen Brief. Sie meinte ich soll es mir nicht gefallen lassen. Aber mein fortwährendes Gedenken Ihrer lieben Güte besänftigte mich u. ich las wieder einmal in Göthe’s Götz. 2

Abreagieren will ich’s nur in der Weise, Ihnen zu schreiben was ich gerne diesem ungebildeten Flegel gesagt hätte.

1) Man hat sich an Sie, als Autorität gewendet. Sie haben mich empfohlen u. ich habe die notwendigen Unterlagen gesendet.

Diese weitschweifige Schilderung der bewerbenden Masse ist nur eine ungeschickte, langwierige Art mich von unnützen Kosten einer Reise zurück zu halten. Das war erträglich. Aber

2) mir von dem „average of European Musicians“ zu schreiben, das nicht fähig {2} sein kann die Wünsche der amerikanischen Jugend zu verstehen, ist unverschämt u. ‒ ‒ ‒ dumm. Unverschämt, weil der Herr ohne Wissen um mich, mich nicht zu dem „average“ zählen darf u. es nicht tun dürfte, da ich Grundlagen lieferte von Unsterblichen u. Sterblichen, die das Gegenteilige dieser Aussicht vorstellen.

Dumm war es, weil die Wünsche einer strebenden Kunstjugend für Dinge die sie noch nicht kennt, nicht bestehen können, u. weil Kunstwünsche nicht eine amerikanische Frage sind. Ich habe so viel Zutrauen u. Glauben an die Sehnsucht der Jugend, daß ich sicher bin, sie wählt das Beste von dem was ihr gezeigt wird.

{3} Ich, für meine Person, will diesen Dreck nicht mitmachen. Ich weiß ich werde es mit Hunger bezahlen. Aber ich habe für niemanden zu sorgen. Ich fühle mich für Ihre Autorität entsetzlich verletzt u. möchte nur betonen daß ich einen unverletzbaren Glauben an Ihre Treue zu sich selbst habe, daß ich bedingungslos jeden Grund anerkenne, der Sie zu solchen Dingen hier schweigen lässt. Und Sie haben recht.

Ich habe aber auch recht, weil ich auf Publizität verzichten werde u. froh sein werde, wenn ich nur 3 Menschen finden kann (um eine Zahl zu nennen) denen ich etwas sein kann.

Bitte schicken Sie mir gelegentlich dieses famose Dokument zurück. Ich will es also wunderliches Dokument des amerik. Kunstlebens(!!) bewahren.

{4} [written sideways:] Seien Sie Ihre liebe Familie in alter Treue u. Zuneigung begrüßt!


Ganz Ihr
[signed:] M Violin

Ich habe mein Töchterlein seit 3 Wochen hier. Sie hat bereits einen Job. 3

Meine neue Adresse: 1703 Scott Street.

© Transcription Ian Bent, 2020


San Francisco, 8 April 1940

Dear and revered Friend,

Enclosed is the most outrageous letter 1 I have ever received. I wanted to teach this man a lesson. I showed this letter to an American lady. She thought I should not put up with it. But my abiding memory of your kindness soothed me, and I read again from Goethe's Götz. 2

I will let off steam only by writing to you what I would have liked to say to this ignorant lout.

1) They turned to you as their authority. You recommended me and I have sent the necessary documents.

This verbose description of the large field of applicants is only a clumsy, tedious way of sparing me the pointless cost of a journey. That is tolerable, but

2) to write to me of the [in English:] "average of European Musicians" [in German:] that is incapable {2} of understanding the wishes of the American younger generation is impudent and – – – idiotic. Impudent because the man, with no knowledge of me, should not, and ought not, count me among the "average," for I provided evidence from the living and the dead that presented a picture of the contrary of this view.

Idiotic it was because the wishes of a striving artistic youth for things of which they have no knowledge cannot exist; and because artistic wishes are not an American question. I have so much confidence and belief in the longing of the young that I am sure they choose the best from what is shown them.

{3} For myself, I will not participate in this filth. I realize that I will pay for it with hunger. but I don't have anyone to care for. For your authority I feel terribly wounded, and should like only to stress that I have an unassailable belief in your loyalty in its own right, that I recognize unconditionally every reason why in such matters you keep silent here. And you are right.

But I am right also, because I will avoid publicity, and will be happy if I can find just three people (to put a number to it) to whom I can be of some use.

Please return this splendid document at your convenience. I will then preserve it as a wonderful testament to American artistic life(!!).

{4} [written sideways:] Please accept greetings to your dear family in time-honored allegiance and affection!


Your wholly [devoted]
[signed:] M. Violin

I have had my little daughter here for three weeks now. She already has a job. 3

My new address: 1703 Scott Street.

© Translation Ian Bent, 2020


S. F. 8 April 1940.

Lieber u. verehrter Freund!

Beiliegend ist der unverschämteste Brief, 1 den ich je erhielt. Ich wollte sofort diesem Herrn eine Lection erteilen. Einer amerikanischen Lady zeigte ich diesen Brief. Sie meinte ich soll es mir nicht gefallen lassen. Aber mein fortwährendes Gedenken Ihrer lieben Güte besänftigte mich u. ich las wieder einmal in Göthe’s Götz. 2

Abreagieren will ich’s nur in der Weise, Ihnen zu schreiben was ich gerne diesem ungebildeten Flegel gesagt hätte.

1) Man hat sich an Sie, als Autorität gewendet. Sie haben mich empfohlen u. ich habe die notwendigen Unterlagen gesendet.

Diese weitschweifige Schilderung der bewerbenden Masse ist nur eine ungeschickte, langwierige Art mich von unnützen Kosten einer Reise zurück zu halten. Das war erträglich. Aber

2) mir von dem „average of European Musicians“ zu schreiben, das nicht fähig {2} sein kann die Wünsche der amerikanischen Jugend zu verstehen, ist unverschämt u. ‒ ‒ ‒ dumm. Unverschämt, weil der Herr ohne Wissen um mich, mich nicht zu dem „average“ zählen darf u. es nicht tun dürfte, da ich Grundlagen lieferte von Unsterblichen u. Sterblichen, die das Gegenteilige dieser Aussicht vorstellen.

Dumm war es, weil die Wünsche einer strebenden Kunstjugend für Dinge die sie noch nicht kennt, nicht bestehen können, u. weil Kunstwünsche nicht eine amerikanische Frage sind. Ich habe so viel Zutrauen u. Glauben an die Sehnsucht der Jugend, daß ich sicher bin, sie wählt das Beste von dem was ihr gezeigt wird.

{3} Ich, für meine Person, will diesen Dreck nicht mitmachen. Ich weiß ich werde es mit Hunger bezahlen. Aber ich habe für niemanden zu sorgen. Ich fühle mich für Ihre Autorität entsetzlich verletzt u. möchte nur betonen daß ich einen unverletzbaren Glauben an Ihre Treue zu sich selbst habe, daß ich bedingungslos jeden Grund anerkenne, der Sie zu solchen Dingen hier schweigen lässt. Und Sie haben recht.

Ich habe aber auch recht, weil ich auf Publizität verzichten werde u. froh sein werde, wenn ich nur 3 Menschen finden kann (um eine Zahl zu nennen) denen ich etwas sein kann.

Bitte schicken Sie mir gelegentlich dieses famose Dokument zurück. Ich will es also wunderliches Dokument des amerik. Kunstlebens(!!) bewahren.

{4} [written sideways:] Seien Sie Ihre liebe Familie in alter Treue u. Zuneigung begrüßt!


Ganz Ihr
[signed:] M Violin

Ich habe mein Töchterlein seit 3 Wochen hier. Sie hat bereits einen Job. 3

Meine neue Adresse: 1703 Scott Street.

© Transcription Ian Bent, 2020


San Francisco, 8 April 1940

Dear and revered Friend,

Enclosed is the most outrageous letter 1 I have ever received. I wanted to teach this man a lesson. I showed this letter to an American lady. She thought I should not put up with it. But my abiding memory of your kindness soothed me, and I read again from Goethe's Götz. 2

I will let off steam only by writing to you what I would have liked to say to this ignorant lout.

1) They turned to you as their authority. You recommended me and I have sent the necessary documents.

This verbose description of the large field of applicants is only a clumsy, tedious way of sparing me the pointless cost of a journey. That is tolerable, but

2) to write to me of the [in English:] "average of European Musicians" [in German:] that is incapable {2} of understanding the wishes of the American younger generation is impudent and – – – idiotic. Impudent because the man, with no knowledge of me, should not, and ought not, count me among the "average," for I provided evidence from the living and the dead that presented a picture of the contrary of this view.

Idiotic it was because the wishes of a striving artistic youth for things of which they have no knowledge cannot exist; and because artistic wishes are not an American question. I have so much confidence and belief in the longing of the young that I am sure they choose the best from what is shown them.

{3} For myself, I will not participate in this filth. I realize that I will pay for it with hunger. but I don't have anyone to care for. For your authority I feel terribly wounded, and should like only to stress that I have an unassailable belief in your loyalty in its own right, that I recognize unconditionally every reason why in such matters you keep silent here. And you are right.

But I am right also, because I will avoid publicity, and will be happy if I can find just three people (to put a number to it) to whom I can be of some use.

Please return this splendid document at your convenience. I will then preserve it as a wonderful testament to American artistic life(!!).

{4} [written sideways:] Please accept greetings to your dear family in time-honored allegiance and affection!


Your wholly [devoted]
[signed:] M. Violin

I have had my little daughter here for three weeks now. She already has a job. 3

My new address: 1703 Scott Street.

© Translation Ian Bent, 2020

Footnotes

1 Letter from Robert Emmett Stuart of the St. Louis Institute of Music to Moriz Violin, = OJ 70/38, [1], April 2, 1940.

2 Goethe's historically-based drama Götz von Berlichingen (1773).

3 On February 12, 1940 (LC ASC 27/45, [19]), Violin had reported that his daughter, Genovefa (Eva), was on her way to America from the Netherlands. She apparently arrived in San Francisco in mid-March.

Commentary

Format
4p letter, Bogen format, holograph salutation, message, valediction, signature, and postscript
License
Permission to publish granted by author's son, Mr. Lawrence Schoenberg, July 16, 2013. Any claim to intellectual rights on this document should be addressed to Schenker Documents Online, at schenkercorrespondence@mus[dot]cam[dot]ac[dot]uk.
Rights Holder
Heirs of Arnold Schoenberg, permission to publish granted
Provenance
Arnold Schoenberg (document date–1951) -- family of Arnold Schoenberg (1951–19??) -- Library of Congress (19??–)

Digital version created: 2020-09-02
Last updated: 2013-07-01