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17. V. 15

Salandra bleibt! Das italienische Verbrechen wird nunmehr von Stunde zu Stunde reifer. Möge es nun, wie jedes Verbrechen, Italien die Strafe zuziehen, die es verdient. Der italienische Verrat scheint tatsächlich ohnegleichen in der Weltgeschichte dazustehen, u. bedenkt man, daß selbst territoriale Zugeständnisse Oesterreichs, also freiwillige Geschenke, eine Aenderung nicht herbeizuführen vermochten, so liegt die Vermutung nahe, daß es Frankreich gelungen ist, Italien zu einer Art Rassenkrieges, eines Krieges der lateinischen Rasse , gegenüber die germanische zu überreden. Freilich fehlt der lateinischen Rasse die Erkenntnis, daß die germanische inzwischen durch ein Jahrhundert glorreicher Entwicklung auf allen Gebieten menschlichen Denkens u. Tuns hindurchgeschritten ist, daß also selbst eine Niederlage einem so emporgewachsenen Gebilde nicht mehr jene totale Niederlage beibringen kann, wie sie von den Feinden gewünscht wird. Hat Deutschland die Epoche schlimmster Demütigung zu Beginn des 19. Jahrhunderts überstanden, so wird es den Anprall der nun wieder vermehrten Feinde heute umso leichter überwinden, als es bereits einen Vorsprung gewonnen hat, den die Gegner sicher nicht mehr einzuholen vermögen. Schade nur, daß auch angesichts einer solchen Niedrigkeit doch auch wieder nicht die letzte Formel der Lösung zur Erklärung herangerufen werden kann, nämlich daß nur italienische Unfähigkeit es ist, die Italien auch erkenntnislos machen mußte. Dem Verständnis dieser letzten psychologischen Wurzel wären, fürchte ich, auch in Deutschland nicht viele Menschen noch zu gewinnen. Von Tag zu Tag wird es mir klarer, wie notwendig es wäre, ein so schreckliches Buch zu publizieren, dem gegenüber Nietzsche, Dante oder Schopenhauer oder Christi Bergpredigt doch nur Harmlosigkeiten u. Kindereien wären.

*

Deutsche U-Boote im Mittelmeer!

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{929}

© Transcription Marko Deisinger.

May 17, 1915.

Salandra is staying on! The Italian crime is becoming more serious by the hour. May Italy now receive the punishment that it deserves for this, as for every crime. There seems in fact to be nothing in the history of the world like the Italian betrayal; and if one considers that even territorial concessions by Austria, that is, voluntary concessions, were incapable of leading to a change, then the suspicion arises that France has succeeded in persuading Italy to take part in a kind of racial war, a war of the Latin race against the Germanic. Of course, the Latin race lacks the understanding that the Germanic race has in meantime passed through a century of glorious development in every field of human thinking and endeavor, that even a defeat for a structure that has grown so lofty can never inflict a total defeat of the sort that is desired by its enemies. As Germany survived the period of deepest despondency at the beginning of the nineteenth century, then it should be all the easier to overcome the brunt of enemies that have again multiplied today: for it has just won an advantage that its opponents are surely incapable of regaining. It is just a pity that, even in view of such baseness, the ultimate formulation of the solution again cannot be invoked – namely, that it is only Italian incapability that also makes Italy lacking in insight. The recognition of this final psychological root is, I fear, something that not many people in Germany are capable of gaining. From one day to the next, it becomes clearer to me how important it would be to publish a book that is so terrifying that it would make Nietzsche, Dante, or Schopenhauer – or Christ's Sermon on the Mount – seem merely like harmless child's play by comparison.

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German submarines in the Mediterranean Sea!

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{929}

© Translation William Drabkin.

17. V. 15

Salandra bleibt! Das italienische Verbrechen wird nunmehr von Stunde zu Stunde reifer. Möge es nun, wie jedes Verbrechen, Italien die Strafe zuziehen, die es verdient. Der italienische Verrat scheint tatsächlich ohnegleichen in der Weltgeschichte dazustehen, u. bedenkt man, daß selbst territoriale Zugeständnisse Oesterreichs, also freiwillige Geschenke, eine Aenderung nicht herbeizuführen vermochten, so liegt die Vermutung nahe, daß es Frankreich gelungen ist, Italien zu einer Art Rassenkrieges, eines Krieges der lateinischen Rasse , gegenüber die germanische zu überreden. Freilich fehlt der lateinischen Rasse die Erkenntnis, daß die germanische inzwischen durch ein Jahrhundert glorreicher Entwicklung auf allen Gebieten menschlichen Denkens u. Tuns hindurchgeschritten ist, daß also selbst eine Niederlage einem so emporgewachsenen Gebilde nicht mehr jene totale Niederlage beibringen kann, wie sie von den Feinden gewünscht wird. Hat Deutschland die Epoche schlimmster Demütigung zu Beginn des 19. Jahrhunderts überstanden, so wird es den Anprall der nun wieder vermehrten Feinde heute umso leichter überwinden, als es bereits einen Vorsprung gewonnen hat, den die Gegner sicher nicht mehr einzuholen vermögen. Schade nur, daß auch angesichts einer solchen Niedrigkeit doch auch wieder nicht die letzte Formel der Lösung zur Erklärung herangerufen werden kann, nämlich daß nur italienische Unfähigkeit es ist, die Italien auch erkenntnislos machen mußte. Dem Verständnis dieser letzten psychologischen Wurzel wären, fürchte ich, auch in Deutschland nicht viele Menschen noch zu gewinnen. Von Tag zu Tag wird es mir klarer, wie notwendig es wäre, ein so schreckliches Buch zu publizieren, dem gegenüber Nietzsche, Dante oder Schopenhauer oder Christi Bergpredigt doch nur Harmlosigkeiten u. Kindereien wären.

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Deutsche U-Boote im Mittelmeer!

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© Transcription Marko Deisinger.

May 17, 1915.

Salandra is staying on! The Italian crime is becoming more serious by the hour. May Italy now receive the punishment that it deserves for this, as for every crime. There seems in fact to be nothing in the history of the world like the Italian betrayal; and if one considers that even territorial concessions by Austria, that is, voluntary concessions, were incapable of leading to a change, then the suspicion arises that France has succeeded in persuading Italy to take part in a kind of racial war, a war of the Latin race against the Germanic. Of course, the Latin race lacks the understanding that the Germanic race has in meantime passed through a century of glorious development in every field of human thinking and endeavor, that even a defeat for a structure that has grown so lofty can never inflict a total defeat of the sort that is desired by its enemies. As Germany survived the period of deepest despondency at the beginning of the nineteenth century, then it should be all the easier to overcome the brunt of enemies that have again multiplied today: for it has just won an advantage that its opponents are surely incapable of regaining. It is just a pity that, even in view of such baseness, the ultimate formulation of the solution again cannot be invoked – namely, that it is only Italian incapability that also makes Italy lacking in insight. The recognition of this final psychological root is, I fear, something that not many people in Germany are capable of gaining. From one day to the next, it becomes clearer to me how important it would be to publish a book that is so terrifying that it would make Nietzsche, Dante, or Schopenhauer – or Christ's Sermon on the Mount – seem merely like harmless child's play by comparison.

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German submarines in the Mediterranean Sea!

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© Translation William Drabkin.