19. XI. 15

An Fl. zwei Karten, worin ich auf mich selbst, unter Ausschaltung Lie-Liechens, ein neues Regime stelle, wornach wir ihr Kommen auf die leichteste Achsel nehmen werden „wie es allein am Platze ist“! Ich gab zu verstehen, daß ich an die Verspätung der Karte nicht glaube, nur Bequemlichkeitssucht annehme u. lehne Sonntag ab. —

— Frau Langer, empfohlen von Victor Herz, fragt brieflich wegen Unterricht an; Antwort an sie: Nennung der Bedingungen u. eventuelle Bereitschaft sie am Dienstag anzuhören. —

— Von Fr. Kaposi Absage für Montag. —

— Die Bedienerin versucht einen Betrug an Kohle indem sie vorgibt, sie habe die letzte Ladung in den Ofen gegeben. Hierauf erkläre ich ihr, daß somit ein Kübel abhanden gekommen wäre. Sie aber, meine sorgfältigen Notizen nicht kennend, bestreitet die Richtigkeit meiner Beobachtung u. führt an, auch sie habe mit Kreidestriche die Zahl der Kübel notiert. Daraufhin begebe ich mich mit ihr in die Küche, wo sie mir ihre Kreidestriche zeigt; solcher konnten wir aber nur 12 zählen, u. als ich endlich meine eigenen Notizen in ihrer vollständigen Genauigkeit ihr vorhielt, gab sie endlich das Spiel auf, ohne eine weitere Erklärung für den 14. Kübel zu versuchen. —

*

Auf dem Weg zum „roten Hahn“ erkundigt sich Frau Deutsch nach dem Termin der neuen Arbeit u. meint, sie brauche doch nicht noch einmal zu wiederholen, was sie schon erklärt habe. Darauf erwiderte ich, daß ich ihr Wort so ernst genommen, daß ich darnach bereits Einrichtungen getroffen habe. Im Caféhaus erkundigt sie sich bei Lie-Liechen nach einem Weihnachtsgeschenk für mich; u. als Lie-Liechen erwiderte, ich brauchte wirklich nichts, höchstens Zeit, sagte Fr. D.: Zeit geben könne sie freilich nicht. Ich füge hinzu: wohl aber Zeit nehmen kann sie! —

*

© Transcription Marko Deisinger.

November 19, 1915.

Two postcards to Floriz in which I myself set out a new regime, irrespective of Lie-Liechen, according to which we will take their coming in the most casual way, "as is only appropriate"! I give him to understand that I do not believe that his card arrived late; I take this only as an obsession with laziness and decline the Sunday invitation. —

— Mrs. Langer, at the recommendation of Victor Herz, asks me in a letter about tuition; reply to her, naming my conditions and indicating my willingness to audition her on Tuesday. —

— From Mrs. Kaposy, cancellation for Monday. —

— The maid attempts to deceive me about the supply of coal by professing that she put the last load in the furnace. Thereupon I explain to her that a bucket must have gone missing. But she, not knowing of my meticulous notes, disputes the correctness of my observation and indicates that she, too, makes a note of the number of buckets with chalk marks. Thereupon I go with her into the kitchen, where she shows me her chalk marks. But we can count only twelve of these; and when I finally present her with my own notes, in their complete precision, she finally gave up the game, without seeking a further explanation for the fourteenth bucket. —

*

On the way to the Red Cock, Mrs. Deutsch asks about the deadline for my latest work and says that she certainly does not have to repeat what she has already told me. To this I replied that I had taken her word so seriously that I immediately made arrangements in that respect. In the coffee house she asks Lie-Liechen about a Christmas present for me; when Lie-Liechen replied that I don't really need anything, at most [the gift of] time, Mrs. Deutsch said that she could of course not give time. To which I add: but she can certainly take time away! —

*

© Translation William Drabkin.

19. XI. 15

An Fl. zwei Karten, worin ich auf mich selbst, unter Ausschaltung Lie-Liechens, ein neues Regime stelle, wornach wir ihr Kommen auf die leichteste Achsel nehmen werden „wie es allein am Platze ist“! Ich gab zu verstehen, daß ich an die Verspätung der Karte nicht glaube, nur Bequemlichkeitssucht annehme u. lehne Sonntag ab. —

— Frau Langer, empfohlen von Victor Herz, fragt brieflich wegen Unterricht an; Antwort an sie: Nennung der Bedingungen u. eventuelle Bereitschaft sie am Dienstag anzuhören. —

— Von Fr. Kaposi Absage für Montag. —

— Die Bedienerin versucht einen Betrug an Kohle indem sie vorgibt, sie habe die letzte Ladung in den Ofen gegeben. Hierauf erkläre ich ihr, daß somit ein Kübel abhanden gekommen wäre. Sie aber, meine sorgfältigen Notizen nicht kennend, bestreitet die Richtigkeit meiner Beobachtung u. führt an, auch sie habe mit Kreidestriche die Zahl der Kübel notiert. Daraufhin begebe ich mich mit ihr in die Küche, wo sie mir ihre Kreidestriche zeigt; solcher konnten wir aber nur 12 zählen, u. als ich endlich meine eigenen Notizen in ihrer vollständigen Genauigkeit ihr vorhielt, gab sie endlich das Spiel auf, ohne eine weitere Erklärung für den 14. Kübel zu versuchen. —

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Auf dem Weg zum „roten Hahn“ erkundigt sich Frau Deutsch nach dem Termin der neuen Arbeit u. meint, sie brauche doch nicht noch einmal zu wiederholen, was sie schon erklärt habe. Darauf erwiderte ich, daß ich ihr Wort so ernst genommen, daß ich darnach bereits Einrichtungen getroffen habe. Im Caféhaus erkundigt sie sich bei Lie-Liechen nach einem Weihnachtsgeschenk für mich; u. als Lie-Liechen erwiderte, ich brauchte wirklich nichts, höchstens Zeit, sagte Fr. D.: Zeit geben könne sie freilich nicht. Ich füge hinzu: wohl aber Zeit nehmen kann sie! —

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© Transcription Marko Deisinger.

November 19, 1915.

Two postcards to Floriz in which I myself set out a new regime, irrespective of Lie-Liechen, according to which we will take their coming in the most casual way, "as is only appropriate"! I give him to understand that I do not believe that his card arrived late; I take this only as an obsession with laziness and decline the Sunday invitation. —

— Mrs. Langer, at the recommendation of Victor Herz, asks me in a letter about tuition; reply to her, naming my conditions and indicating my willingness to audition her on Tuesday. —

— From Mrs. Kaposy, cancellation for Monday. —

— The maid attempts to deceive me about the supply of coal by professing that she put the last load in the furnace. Thereupon I explain to her that a bucket must have gone missing. But she, not knowing of my meticulous notes, disputes the correctness of my observation and indicates that she, too, makes a note of the number of buckets with chalk marks. Thereupon I go with her into the kitchen, where she shows me her chalk marks. But we can count only twelve of these; and when I finally present her with my own notes, in their complete precision, she finally gave up the game, without seeking a further explanation for the fourteenth bucket. —

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On the way to the Red Cock, Mrs. Deutsch asks about the deadline for my latest work and says that she certainly does not have to repeat what she has already told me. To this I replied that I had taken her word so seriously that I immediately made arrangements in that respect. In the coffee house she asks Lie-Liechen about a Christmas present for me; when Lie-Liechen replied that I don't really need anything, at most [the gift of] time, Mrs. Deutsch said that she could of course not give time. To which I add: but she can certainly take time away! —

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© Translation William Drabkin.