26. +2°.

— Von Mittelmann (Br.): gesteht ein, daß es einigermaßen taktlos war zu sagen, Friedrich Adler habe mehr Bildung, als wir alle zusammen, aber da er sich auch selbst mit eingeschlossen, so entfalle ja die Möglichkeit einer {2045} Absicht zu beleidigen; ih im übrigen sehe er darin ja objektiv noch immer keine Beleidigung! Daß dies alles erst recht eine Taktlosigkeit ist, scheint er durchaus nicht zu begreifen. Es wäre sehr einfach ihm zu erwidern, daß gerade aus seiner Argumentation sich zwingend der Schluß ergibt: Es ist unmöglich, daß einer, der sich selbst eine geringere Bildung beimißt, den eventuell höheren Bildungsstand des andern beurteilt, weshalb ihm zwar nicht das Recht abgesprochen werden kann, über seinen eigenen Bildungsgrad ein Urteil abzugeben, wohl aber verwehrt werden muß, ohne jede Veranlassung sich über Quantitätsunterschiede anderer zu äußern. Doch habe ich durchaus nicht vor, ihm eine Antwort zu geben. — Um ½12h erscheint ein Herr nNamens Figdor, der sich als Cousin des ehemaligen Schülers F. u. somit als Verwandter der Frau Deutsch vorstellt: er wolle mich wegen Unterrichts gern sofort sprechen, was ich aber ablehne; ich bitte ihn für morgen ½10h. — Brünauer das Honorar auf 50 Kronen erhöht für die letzten Monate; zum Schluß der Stunde bittet er, je 600 Kronen zahlen zu dürfen, damit sein Honorar für das ganze Jahr auf 50 Kronen per Stunde komme. — Frau Pairamall den Fleischpreis bezahlt. — Heini bringt ¼ kg Butter: 17.50 Kronen. — Von der Trafikantin Spiritus erhalten.

© Transcription Marko Deisinger.

26 +2°.

— From Mittelmann (letter): admits that it was somewhat tactless to say that Friedrich Adler is more educated than all of us combined, but since he included himself, there is no chance that an {2045} insult was intended; furthermore, seen objectively, he still does not see any insult! He appears not to grasp in the faintest how tactless this all is. It would be very simple to retort with the logical deduction from his very arguments: It is not possible for someone who attributes a lesser education to himself to judge the possibly higher level of education of someone else, hence he cannot be denied the right to pass judgment on his own level of education, but indeed must be denied the right to pass judgment on the quantitative differences among others without reason. However, I have no intention whatsoever of sending him an answer. — At 11:30 am a man named Figdor comes by, who introduces himself as a cousin of Figdor, a former student of mine, and therefore a relative of Mrs. Deutsch: he would like to speak to me immediately about lessons, which I refuse; I invite him to come tomorrow at 9:30 am. — Raise Brünauer's fee to 50 Kronen for the last months; after the lesson, he asks for permission to pay 600 Kronen for each lesson to raise his fee to 50 Kronen per lesson for the entire year. — Meat price paid to Mrs. Pairamall. — Heini brings 0.25 kilograms of butter: 17.50 Kronen. — Denatured alcohol from the tobacconist received

© Translation Scott Witmer.

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— Von Mittelmann (Br.): gesteht ein, daß es einigermaßen taktlos war zu sagen, Friedrich Adler habe mehr Bildung, als wir alle zusammen, aber da er sich auch selbst mit eingeschlossen, so entfalle ja die Möglichkeit einer {2045} Absicht zu beleidigen; ih im übrigen sehe er darin ja objektiv noch immer keine Beleidigung! Daß dies alles erst recht eine Taktlosigkeit ist, scheint er durchaus nicht zu begreifen. Es wäre sehr einfach ihm zu erwidern, daß gerade aus seiner Argumentation sich zwingend der Schluß ergibt: Es ist unmöglich, daß einer, der sich selbst eine geringere Bildung beimißt, den eventuell höheren Bildungsstand des andern beurteilt, weshalb ihm zwar nicht das Recht abgesprochen werden kann, über seinen eigenen Bildungsgrad ein Urteil abzugeben, wohl aber verwehrt werden muß, ohne jede Veranlassung sich über Quantitätsunterschiede anderer zu äußern. Doch habe ich durchaus nicht vor, ihm eine Antwort zu geben. — Um ½12h erscheint ein Herr nNamens Figdor, der sich als Cousin des ehemaligen Schülers F. u. somit als Verwandter der Frau Deutsch vorstellt: er wolle mich wegen Unterrichts gern sofort sprechen, was ich aber ablehne; ich bitte ihn für morgen ½10h. — Brünauer das Honorar auf 50 Kronen erhöht für die letzten Monate; zum Schluß der Stunde bittet er, je 600 Kronen zahlen zu dürfen, damit sein Honorar für das ganze Jahr auf 50 Kronen per Stunde komme. — Frau Pairamall den Fleischpreis bezahlt. — Heini bringt ¼ kg Butter: 17.50 Kronen. — Von der Trafikantin Spiritus erhalten.

© Transcription Marko Deisinger.

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— From Mittelmann (letter): admits that it was somewhat tactless to say that Friedrich Adler is more educated than all of us combined, but since he included himself, there is no chance that an {2045} insult was intended; furthermore, seen objectively, he still does not see any insult! He appears not to grasp in the faintest how tactless this all is. It would be very simple to retort with the logical deduction from his very arguments: It is not possible for someone who attributes a lesser education to himself to judge the possibly higher level of education of someone else, hence he cannot be denied the right to pass judgment on his own level of education, but indeed must be denied the right to pass judgment on the quantitative differences among others without reason. However, I have no intention whatsoever of sending him an answer. — At 11:30 am a man named Figdor comes by, who introduces himself as a cousin of Figdor, a former student of mine, and therefore a relative of Mrs. Deutsch: he would like to speak to me immediately about lessons, which I refuse; I invite him to come tomorrow at 9:30 am. — Raise Brünauer's fee to 50 Kronen for the last months; after the lesson, he asks for permission to pay 600 Kronen for each lesson to raise his fee to 50 Kronen per lesson for the entire year. — Meat price paid to Mrs. Pairamall. — Heini brings 0.25 kilograms of butter: 17.50 Kronen. — Denatured alcohol from the tobacconist received

© Translation Scott Witmer.