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Sehr verehrter lieber Meister!‒ 1

Am liebsten möchte ich zu Ihnen laufen ‒ weil ich mich so abschinde und nie fertig werden mit Fragen und Anfechtungen ‒ Aber es geht nun einmal nicht in unsrem gesitteten Leben. ‒ ‒ Bitte sagen Sie mir aber in einem Brief über zwei Dinge ein paar Worte. das ist ‒ über Eroica. Ich habe die Eroica schon oft dirigirt ‒ und entdecke jetzt dass ich die Symphonie nie ganz kennen werde ‒ So ist dieser Mann ‒ der die Eroica einige Häuser von mir entfernt geschrieben hat. Ein merkwürdiger ‒ unerhörter! ‒

Ister Satz ‒ Drängt das Iste Thema nicht auf ein schnelles Tempo ‒ und ist das trotz dem nicht falsch ‒ weil dadurch das Thema bei C. (Ausgabe Peters)
[mus. ex. mm. 83‒86]
zu schnell wird ‒ ausserdem die ganzen Accente an Wucht verliehren ‒ Metronom [dotted half-note] = 60. muss doch falsch sein ‒ das Melos verlangt ja auch keine grosse Schnelligkeit da die Spannung leicht zu überblicken ist! ‒

II Satz ‒ ist es hier nicht genau umgekehrt ‒ bezieht sich die Tempobezeichnung Adagio assai nicht vielmehr auf die [quarter-note] ‒ nicht auf die [eighth-note] Noten ‒ sonst ist es ja gar nicht möglich das Tempo {2} durchzuführen ‒ denn die Fuge darf doch nicht zu langsam sein ‒ auch verliehrt die Stelle bei H. (beim zu langsamen Tempo) ganz den Zusammenhang. ‒ [Wie schön ist die Oboe und die hineinbringende Clarinette 7ter und 8ter Takt nach H. ‒ Es ist ein unglaublicher instrumentaler Einfall.] 2 ‒ Ist Maggiore bei Beethoven principiell ein neues Tempo ‒ oder ist nicht vielmehr der ganze Satz in einem Tempo concipiert ‒ die gehende Bewegung
[mus. ex. mm. 68‒70] u.s.w. (vor und nach Maggiore)
ist doch eigentlich die Hauptsache? ‒

Im Scherzo (dessen Tempo ich sehr schnell empfinde) nur die Frage ob das Trio wirklich langsamer sein muss. Sind diese Hörner nicht vielmehr dahinbrausend!!! oder ? ‒ Jene romantisirten Jagdhörner ‒ mit denen ich ‒ zu meinen [sic] Ärger oft diese Stelle verglichen gehört, gefalen [sic] mir so gar nicht schon wegen der Hauptaccente die immer auf den unbetonten Takt in der Periode fallen. ‒ (Es sind also schlechte Jagdhörner ‒ wenn es welche sind) ‒ Ist das falsch das Trio als im dahinrasendem [sic] Tempo zu nehmen? ‒ Ich finden [sic] den Schwung ‒ (um ein übles Wort zu gebrauchen) ‒ hinreissend ‒ wenn wenn die Frase dahin sausend auf den Accent hin zeilend 3 aufgebaut wird ‒ das ist aber nur im schellsten Tempo möglich. ‒ Sie müssen mir Ihre Gutachten sagen? ‒ Bitte, bitte! ——

{3} Ich bin nicht fertig ‒ weil ich überhaupt nie fertig werden konnte ‒ aber ich will Sie nicht mehr belästigen ‒

Seien Sie nicht böse ‒ Aber schliesslich ‒ ‒ ‒ Wir müssen manchmal.


Ich bin in grosser Verehrung
Ihr dankbarer
[signed:] Paul v. Klenau

Döblinger Hauptstr. 60
bei Marle XIX Wien
Telefon 94195.
Nachm d. 4ten Okt. 23

© Transcription Ian Bent, 2013



Highly revered, dear Master!‒ 1

I would prefer to come running to you, because I drive myself so hard and there is no end to my questions and challenges. Yet that is just not possible in our well-mannered way of life. But please write me a few words in a letter about two things, namely about the "Eroica." I have conducted the "Eroica" many many times, and now discover that I shall never know the symphony completely. That is the nature of this man, who wrote the "Eroica" a few doors from me. A remarkable, incredible man!

First movement: Does not the first theme press forward at a fast tempo? And is that, however, not incorrect, since as a result the theme at [rehearsal letter] C (Peters Edition)
[mus. ex. mm. 83‒86]
will be too fast, and in addition the force of all the accents will be diminished? The metronome marking of dotted half-note = 60 must surely be wrong: the melody does not indeed call for any great speed, since the tension can easily be conveyed!

Second movement: Is the situation here not precisely the opposite? Does not the tempo marking Adagio assai relate to the quarter-note rather than to the eighth-note? Otherwise it is completely impossible to sustain the tempo throughout {2} ‒ for the fugue really ought not to be too slow, also the passage at [letter] H, if taken at too slow a tempo, loses its coherence. (How lovely the oboe is, and the entry of the clarinet in the seventh and eighth measures after H [mm. 215‒16] ‒ an incredible instrumental inspiration!) 2 Is Beethoven's marking of Maggiore in general a sign of a new tempo, or is it not rather the case that the entire movement is conceived in one tempo? Is not the flowing movement:
[mus. ex. mm. 68‒70] etc (before and after Maggiore)
surely what matters most of all?

In the Scherzo (the tempo of which I feel to be very fast), the only question is whether the Trio must really be slower. Should these French horns not rather be rushing along!!! or am I mistaken? Those romanticized hunting horns, with which ‒ to my annoyance ‒ I have often heard this passage compared, please me so little, if only on account of the main accents, which always fall on the unstressed measure of the period [mm. 166‒97]. (Hence they are bad hunting horns, if that is what they are.) Is it wrong to take the Trio as at a madcap tempo? I find the momentum (to use an ugly word) exhilarating, if the phrase hurtling along is constructed so as to drive toward the accent. But that is possible only at the fastest tempo. You must give me your expert opinion: please, please!

{3} I am not finished ‒ because I never was able to be shall never be finished. But I shall not burden you further.

Don't be angy. But in the end ‒ ‒ ‒ we sometimes don't have a choice.


I am, in great admiration,
Your grateful
[signed:] Paul v. Klenau

Döblinger Hauptstraße 60
c/o Marle Vienna XIX
Telephone 94195.
p.m. October 4, 1923

© Translation Ian Bent, 2013



Sehr verehrter lieber Meister!‒ 1

Am liebsten möchte ich zu Ihnen laufen ‒ weil ich mich so abschinde und nie fertig werden mit Fragen und Anfechtungen ‒ Aber es geht nun einmal nicht in unsrem gesitteten Leben. ‒ ‒ Bitte sagen Sie mir aber in einem Brief über zwei Dinge ein paar Worte. das ist ‒ über Eroica. Ich habe die Eroica schon oft dirigirt ‒ und entdecke jetzt dass ich die Symphonie nie ganz kennen werde ‒ So ist dieser Mann ‒ der die Eroica einige Häuser von mir entfernt geschrieben hat. Ein merkwürdiger ‒ unerhörter! ‒

Ister Satz ‒ Drängt das Iste Thema nicht auf ein schnelles Tempo ‒ und ist das trotz dem nicht falsch ‒ weil dadurch das Thema bei C. (Ausgabe Peters)
[mus. ex. mm. 83‒86]
zu schnell wird ‒ ausserdem die ganzen Accente an Wucht verliehren ‒ Metronom [dotted half-note] = 60. muss doch falsch sein ‒ das Melos verlangt ja auch keine grosse Schnelligkeit da die Spannung leicht zu überblicken ist! ‒

II Satz ‒ ist es hier nicht genau umgekehrt ‒ bezieht sich die Tempobezeichnung Adagio assai nicht vielmehr auf die [quarter-note] ‒ nicht auf die [eighth-note] Noten ‒ sonst ist es ja gar nicht möglich das Tempo {2} durchzuführen ‒ denn die Fuge darf doch nicht zu langsam sein ‒ auch verliehrt die Stelle bei H. (beim zu langsamen Tempo) ganz den Zusammenhang. ‒ [Wie schön ist die Oboe und die hineinbringende Clarinette 7ter und 8ter Takt nach H. ‒ Es ist ein unglaublicher instrumentaler Einfall.] 2 ‒ Ist Maggiore bei Beethoven principiell ein neues Tempo ‒ oder ist nicht vielmehr der ganze Satz in einem Tempo concipiert ‒ die gehende Bewegung
[mus. ex. mm. 68‒70] u.s.w. (vor und nach Maggiore)
ist doch eigentlich die Hauptsache? ‒

Im Scherzo (dessen Tempo ich sehr schnell empfinde) nur die Frage ob das Trio wirklich langsamer sein muss. Sind diese Hörner nicht vielmehr dahinbrausend!!! oder ? ‒ Jene romantisirten Jagdhörner ‒ mit denen ich ‒ zu meinen [sic] Ärger oft diese Stelle verglichen gehört, gefalen [sic] mir so gar nicht schon wegen der Hauptaccente die immer auf den unbetonten Takt in der Periode fallen. ‒ (Es sind also schlechte Jagdhörner ‒ wenn es welche sind) ‒ Ist das falsch das Trio als im dahinrasendem [sic] Tempo zu nehmen? ‒ Ich finden [sic] den Schwung ‒ (um ein übles Wort zu gebrauchen) ‒ hinreissend ‒ wenn wenn die Frase dahin sausend auf den Accent hin zeilend 3 aufgebaut wird ‒ das ist aber nur im schellsten Tempo möglich. ‒ Sie müssen mir Ihre Gutachten sagen? ‒ Bitte, bitte! ——

{3} Ich bin nicht fertig ‒ weil ich überhaupt nie fertig werden konnte ‒ aber ich will Sie nicht mehr belästigen ‒

Seien Sie nicht böse ‒ Aber schliesslich ‒ ‒ ‒ Wir müssen manchmal.


Ich bin in grosser Verehrung
Ihr dankbarer
[signed:] Paul v. Klenau

Döblinger Hauptstr. 60
bei Marle XIX Wien
Telefon 94195.
Nachm d. 4ten Okt. 23

© Transcription Ian Bent, 2013



Highly revered, dear Master!‒ 1

I would prefer to come running to you, because I drive myself so hard and there is no end to my questions and challenges. Yet that is just not possible in our well-mannered way of life. But please write me a few words in a letter about two things, namely about the "Eroica." I have conducted the "Eroica" many many times, and now discover that I shall never know the symphony completely. That is the nature of this man, who wrote the "Eroica" a few doors from me. A remarkable, incredible man!

First movement: Does not the first theme press forward at a fast tempo? And is that, however, not incorrect, since as a result the theme at [rehearsal letter] C (Peters Edition)
[mus. ex. mm. 83‒86]
will be too fast, and in addition the force of all the accents will be diminished? The metronome marking of dotted half-note = 60 must surely be wrong: the melody does not indeed call for any great speed, since the tension can easily be conveyed!

Second movement: Is the situation here not precisely the opposite? Does not the tempo marking Adagio assai relate to the quarter-note rather than to the eighth-note? Otherwise it is completely impossible to sustain the tempo throughout {2} ‒ for the fugue really ought not to be too slow, also the passage at [letter] H, if taken at too slow a tempo, loses its coherence. (How lovely the oboe is, and the entry of the clarinet in the seventh and eighth measures after H [mm. 215‒16] ‒ an incredible instrumental inspiration!) 2 Is Beethoven's marking of Maggiore in general a sign of a new tempo, or is it not rather the case that the entire movement is conceived in one tempo? Is not the flowing movement:
[mus. ex. mm. 68‒70] etc (before and after Maggiore)
surely what matters most of all?

In the Scherzo (the tempo of which I feel to be very fast), the only question is whether the Trio must really be slower. Should these French horns not rather be rushing along!!! or am I mistaken? Those romanticized hunting horns, with which ‒ to my annoyance ‒ I have often heard this passage compared, please me so little, if only on account of the main accents, which always fall on the unstressed measure of the period [mm. 166‒97]. (Hence they are bad hunting horns, if that is what they are.) Is it wrong to take the Trio as at a madcap tempo? I find the momentum (to use an ugly word) exhilarating, if the phrase hurtling along is constructed so as to drive toward the accent. But that is possible only at the fastest tempo. You must give me your expert opinion: please, please!

{3} I am not finished ‒ because I never was able to be shall never be finished. But I shall not burden you further.

Don't be angy. But in the end ‒ ‒ ‒ we sometimes don't have a choice.


I am, in great admiration,
Your grateful
[signed:] Paul v. Klenau

Döblinger Hauptstraße 60
c/o Marle Vienna XIX
Telephone 94195.
p.m. October 4, 1923

© Translation Ian Bent, 2013

Footnotes

1 Receipt of this letter is recorded in Schenker's diary at OJ 3/6, p. 2579, October 6, 1923: "Von Klenau (Br.): Fragen aus der Eroica, hauptsächlich das Zeitmaß betreffend." ("From Klenau (letter): questions arising out of the "Eroica," mainly concerning the tempo."). This letter is transcribed in Federhofer, Heinrich Schenker nach Tagebüchern und Briefen ... (Hildesheim: Georg Olms,1985), pp. 163‒64, and presented in translation in Heinrich Schenker: Selected Correspondence, eds Ian Bent, David Bretherton, and William Drabkin (Woodbridge: Boydell Press, 2014), pp. 241‒42.

2 Square brackets in original. But it is unclear whether they are Klenau's own or were introduced by Heinrich or Jeanette. Our translation changes them to parentheses.

3 By crossing through the "z", Klenau seems to want to change "hin zielend" (aiming toward) to "hin eilend" (hurrying toward), without reversing the "ie" to "ei".

Commentary

Format
3p letter, recto-verso, sheet 2 headed "II," holograph salutation, message, valediction, signature, and musical notation
Provenance
Schenker, Heinrich (document date-1935)--Schenker, Jeanette (1935-c.1942)--Ratz, Erwin (c.1942-c.1955)--Jonas, Oswald (c.1955-1978)--University of California, Riverside (1978-)
Rights Holder
Heirs and representatives of Paul von Klenau; published here by kind permission
License
Permission to published granted May 9, 2013; Any claim to intellectual rights on this document should be addressed to the Schenker Correspondence Project, Faculty of Music, University of Cambridge, at schenkercorrespondence[at]mus[dot]cam[dot]ac[dot]uk

Digital version created: 2019-08-31
Last updated: 2012-09-26