Ser. A, {146} a
Sulden 1911

[10.[?] 8.]


[In Jeanette's hand, heavily amended by Heinrich; final version only given here]
Wie klein auch das Zweiglein 1 vermag es dennoch die ganze Sonne zu verdecken. Ist darum aber die Sonne kleiner, das Zweiglein größer geworden? Eine Sekunde später ‒ u. die Sonne entlarvt das lügende Zweiglein. Ähnlich verstellen in geistigen Welten die Kleinsten die Sonnen der Genie[.] 2 Doch eine Sekunde später . . .

Ser. A, {149}
Auch ein diätätischer Gesichtspunkt.
Im allgemeinen meint man, es komme nur auf die Quantität dessen an, was der Magen zu sich nimmt; u. wenn im gegebenen Falle wohl mehrererlei Speisen, z.B. zwei Fleischspeisen statt blos einer genommen werden, entscheide doch nur das Gewicht in Summa, wie z.B. 16 dkg [= 160 grams], ohne Rücksicht auf die Qualität, d.h. auf die Verschiedenheit der beiden Fleischspeisen. Dieser Ansicht sei hier entgegengetreten; denn wenn auch 16 dkg einer oder zweier verschiedener Fleischspeisen dasselbe Gewicht vorstellen, so ist es dennoch den Nerven, folglich auch dem Magen ein beträchtlicher Unterschied, woraus das Gewicht amende besteht. Die Nerven empfinden nicht nur das Gewicht, sondern auch die zugrundeliegende Man[n]igfaltigkeit, so daß bei gleichbleibendem Gewicht, wegen der Man[n]igfaltigkeit allein, schon von einem üppigem Essen die Rede sein darf. Wie alle Üppigkeit aber, indem sie der Einfachheit entgegentritt, schon als Kontrast freudig an- u. erregend auf die Nerven, folglich auch auf den Magen wirkt, ist in jedermans Erfahrung wohl hinlänglich erwiesen; dasselbe gilt umgekehrt auch davon, daß die Einfachheit im Essen, wenn sie auf Üppigkeit folgt, auch wieder als nötiger Kontrast ebenso wohltätig die Gesundheit fördert. In letzter Linie ist es also, wie man sieht, nicht das Gewicht an sich, sondern sogar bei gleichbleibendem Gewicht eben nur der Kontrast, der den Begriff eines einfachen, bezw. üppigen Essens statuiert. Die diätetische Vorschrift hat also dahin zu gehen, nicht allein das Gewicht dem Magen zuzuwägen, sondern ein periodisches Abwechseln in Einfachheit u. Man[n]igfaltigkeit bei demselben Gewicht anzuraten.

Bei dieser Gelegenheit sei noch darauf aufmerksam gemacht, {150} daß auf das Wohlbefinden des Organismus vor allem die Freude den heilendsten Einfluß hat. Dem Innenkörper ist die Freude dasselbe, was die Sonne allen Creaturen; sie treibt das Blut an, fördert daher die Verdauung, worauf es am Ende in allen Fällen hinauskommt.

*

Erinnerung Goldmark’s an Brahms, mir persönlich mitgeteilt.

Zu Ehren eines großen ausländischen Künstlers, der in Wien zu Konzertzwecken weilte (der Name ist mir entfallen) fand im Hotel Metropol ein Bankett statt, zu welchem auch Brahms u. Goldmark geladen waren. Sie trafen sich beide verabredetermaßen in einem Caféhaus, um dann gemeinsam den Weg zum Hotel zu machen. Goldmark kam schon ins Caféhaus mit seinen Ordenszeichen auf der Brust. Knapp vor dem Hotel giengen beide in ein Pissoir u. beim Eintritt meinte Brahms zur größten Ueberraschung Goldmarks: „Ich muß mir ja noch den Leopoldsorden anheften.“

*

Jeden Wucher beschönigt die Wissenschaft der Nationaloekonomie mit dem angeblich zu recht wirkenden Gesetz des Angebots u. der Nachfrage. Zu welchen Absurditäten Auslegung u. Praxis auf diese Weise gelangen, mögen am besten kleine Stichproben aus der Praxis der sogenannten Fremdenindustrie hier beweisen: Da fordert z.B. ein Friseur in Toblach für einfaches Rasieren (ohne Kopfwaschen un dergl.) 80h; eine Wäscherin in Sulden für das Waschen eines Nachthemdes 50h. Legt man bescheidenen mündlichen Protest dagegen ein, erhält man zur Antwort, die Saison wäre sehr kurz u dadurch der höhere Preis gerechtfertigt. Ohne Zweifel gibt die Wissenschaft einer solchen Antwort recht, ich aber frage, u. wie ich glaube mit noch mehr Recht: Wie kommen ein Friseur oder eine Wä- {151} scherin dazu, 6‒8 Wochen einer Saison derart auszunützen, daß sie wohl auch schon für den Rest des Jahres Deckung finden? Ist dem aber nicht so, d.h. betreiben Beide ihr Gewerbe ständig u. fort im Verlaufe auch aller übrigen Monate, wie kommen sie nun dazu, frage ich erst recht, sich gerade auf die Saison zu berufen, die doch nicht die alleinige Zeit ihrer Berufserfüllung bildet? Da sie also im Winter auch ihren Beruf üben, wo eben Wintersaison u. im Sommer, wo eine Sommersaison ist, so liegt kein national-oekonomischer Grund vor, weshalb sie gerade im Sommer Preise fordern müßen, die sie ja im Winter nicht fordern. Uebrigens belehren die Preise in den Sommerhotels u. Restaurants, daß in einem solchen Falle nicht etwa eine organisch national-oekonomische Wirkung, sondern nur purer Wucher vorliegt, denn trotz Sommersaison halten die Hotels z.B. bei Fleischspeisen Preise ein, die von den angeblichen Gesetzen der Saison gar nicht oder nur sehr wenig berührt werden.

Aehnlich verhält es sich mit den Preisen bei vielen anderen Gegenständen (z.B. mit dem Honorar für Sänger) u. die Wissenschaft hat Unrecht das Gesetz vom Angebot u. der Nachfrage darauf anzuwenden. Jedenfalls verschanzt sich eine Kaufmannschaft in diesem Falle umso lieber hinter die ihr Vorschub leistende Wissenschaft, als sie auch ohnehin d.i. von selbst u. ohne Autorisation der Wissenschaft, dazu neigt, unerlaubten Vorteil aus ihrem Beruf zu ziehen. (Vgl. die Ansichten eines Luter, Hutten, 3 u.s.w.)

Gieb einem Bettler an der Straßenecke ein noch so reichliches Geschenk, mache aber schon nach wenigen Minuten, 2‒3 Minuten den Weg zurück u. gehe wieder an ihm vorbei ‒ er streckt noch einmal die Hand dir entgegen u. bettelt dich an, als wärst du nicht gerade kurz vorher vorüber gegangen u. hättest ihn nicht so reichlich beschenkt! Es ist eben der Typus des Bettlers, nach kürzester Frist auch {152} schon denjenigen zu vergessen, der ihm das beste Geschenk des Tages gegeben.

Mich dünkt, nicht anders hält es die Menschheit mit ihren Genies: Mögen diese immerzu schenken, das Beste schenken, ‒ es vergißt ihrer dennoch jene, als gleichsam ein großer ewiger Bettler. (Moses, Christus, Shakespeare, Mozart u.s.f.)[.] 4

„Ward“ ‒ offenbar doch für „wurde“, u. nicht von „war“ stammend; woher dann aber der Vokal a ? (Sanders? 5 )

*

© Transcription Ian Bent, 2019

Ser. A, {146} a
Sulden 1911

[August 10?]


[In Jeanette's hand, heavily amended by Heinrich; final version only given here]
How small is even a twig, 1 yet it is nevertheless capable of blocking out the whole of the sun. But does that mean the sun has become smaller and the twig larger? A second later ‒ and the sun exposes the deceitful twig. Similarly in the intellectual world the smallest [minds] block out the suns of geniuses. 2 Then a second later . . .

Ser. A, {149}
Another Dietary Point of View
In general, in considering what the stomach takes in, all that people think about is quantity. And if in a given instance actually several dishes, for instance two meat dishes, are consumed instead of merely one, the weight is determined only as a total, as for instance 16 decagrams [= 160 grams], without regard to quality, that is, to the difference between the two meat dishes. Let us here take this view to task; for if 16 decagrams represents the same weight [whether it be] of one meat dish or two different ones, then nevertheless to the nerves, hence also to the stomach, it makes an appreciable difference what the weight ultimately comprises. The nerves register not only the weight but also the underlying variety, so that, though the weight remains the same, on grounds of variety alone we can already speak of a sumptuous meal. However, it is amply attested in universal experience that all sumptuousness, while running counter to simplicity, in itself by virtue of contrast joyfully stimulates and excites the nerves. The same is also true in reverse, in that simplicity in a meal, when it follows upon sumptuousness, itself, as necessary contrast, serves equally beneficially to promote good health. In conclusion, then, it is, as can be seen, not weight in its own right but, even where the weight remains the same, only contrast alone that adjudicates the distinction between a simple and a sumptuous meal. The dietary prescript has thus to be along the lines of not solely judging the weight to the stomach, but advising a periodic alternation between simplicity and variety at the same weight.

I take this opportunity also to draw attention to the fact {150} that joy has the most curative influence on the well-being of the organism. Joy is to the body's interior what the sun is to all creatures. It stimulates the blood to circulate, accordingly promotes digestion, which is what ultimately matters in all cases.

*

Recollection by Goldmark about Brahms, communicated to me in person

A dinner, to which both Brahms and Goldmark were invited, was being held at the Hotel Metropol in honor of a great foreign artist (the name escapes me) who was staying in Vienna for purposes of concertizing. The two men met by prior arrangement in a coffee-house so as to make their way together to the hotel. Goldmark arrived at the coffee-house already with his medals pinned on his breast. Just before arriving at the hotel, the two went into a urinal, and on entering Brahms, to Goldmark's greatest astonishment, said: "I still have to pin my Leopold medal on."

*

National economic theory glosses over every case of profiteering with the law of supply and demand, which it alleges is working correctly. The absurdities to which theory and practice in this manner have run can best be evidenced here by small random examples from the practices of so-called foreign industry. For example, a barber in Toblach demands 80 Heller for a simple shave (without hair wash etc); a laundress in Sulden asks 50 Heller for washing a nightshirt. To lodge a mild verbal protest against this is to be met with the answer that the season is very short, and therefore higher prices are justified. Doubtless theory backs up such an answer. I, however, ask ‒ and with, as I believe, even more justification ‒: How is it that a barber or a laundress {151} can exploit six‒eight weeks of a season such that, on top of everything, they can gain cover for the rest of the year? Is that not the case? ‒ i.e., if the two of them ply their trade continuously throughout the remaining months, then how can they ‒ I ask all the more insistently ‒ invoke just the season alone, when that clearly does not constitute the sole time when they can practice their trade? Since, thus, they practice their profession also in the winter, where there is a winter season, and in summer, where there is a summer season, there is no national-economic reason why they must demand prices in the summer that they do not demand in the winter. Moreover, the prices in the summer hotels and restaurants teach us that in such a case it is not some organic, national-economic effect that is going on, but pure profiteering, for despite the summer season the Hotels maintain the prices of, for example, meat dishes unchanged; These are influenced not in the slightest, or at least very little, by the alleged laws of the season.

Things are much the same where the prices of many other commodities are concerned (e.g. the fees of singers), and theory is wrong to apply the law of supply and demand to them. In any case, a business community prefers all the more in this case to take shelter behind a theory that is advantageous to itself as it is also anyhow ‒ that is, on its own intiative and without the authorization of theory ‒ inclined to draw illicit advantage from its profession. (Cf. the views of a Luther, Hutten, 3 etc.)

Give a beggar on the street corner a hand-out, no matter how generous, and then turn around and make your way back after a few minutes, 2 to 3 minutes, and go past him again, he sticks out his hand at you for a second time and accosts you as if you hadn't just gone past him a few moments ago and hadn't given him such a generous hand-out! That is just the type of beggar who, even after the shortest possible time, {152} has already forgotten the very person who has given him the best hand-out of the day.

It seems to me that there is nothing else that connects humanity to its geniuses: However much the latter are always in the act of giving, and of giving the best, the former nevertheless forgets them as if it were one large, perpetual beggar. (Moses, Christ, Shakespeare, Mozart, and so forth) ). 4

"Ward" [became] ‒ clearly for "wurde" [became], and not deriving from "war" [was]; but where did the vowel "a" come from? (Sanders? 5

*

© Translation Ian Bent, 2019

Ser. A, {146} a
Sulden 1911

[10.[?] 8.]


[In Jeanette's hand, heavily amended by Heinrich; final version only given here]
Wie klein auch das Zweiglein 1 vermag es dennoch die ganze Sonne zu verdecken. Ist darum aber die Sonne kleiner, das Zweiglein größer geworden? Eine Sekunde später ‒ u. die Sonne entlarvt das lügende Zweiglein. Ähnlich verstellen in geistigen Welten die Kleinsten die Sonnen der Genie[.] 2 Doch eine Sekunde später . . .

Ser. A, {149}
Auch ein diätätischer Gesichtspunkt.
Im allgemeinen meint man, es komme nur auf die Quantität dessen an, was der Magen zu sich nimmt; u. wenn im gegebenen Falle wohl mehrererlei Speisen, z.B. zwei Fleischspeisen statt blos einer genommen werden, entscheide doch nur das Gewicht in Summa, wie z.B. 16 dkg [= 160 grams], ohne Rücksicht auf die Qualität, d.h. auf die Verschiedenheit der beiden Fleischspeisen. Dieser Ansicht sei hier entgegengetreten; denn wenn auch 16 dkg einer oder zweier verschiedener Fleischspeisen dasselbe Gewicht vorstellen, so ist es dennoch den Nerven, folglich auch dem Magen ein beträchtlicher Unterschied, woraus das Gewicht amende besteht. Die Nerven empfinden nicht nur das Gewicht, sondern auch die zugrundeliegende Man[n]igfaltigkeit, so daß bei gleichbleibendem Gewicht, wegen der Man[n]igfaltigkeit allein, schon von einem üppigem Essen die Rede sein darf. Wie alle Üppigkeit aber, indem sie der Einfachheit entgegentritt, schon als Kontrast freudig an- u. erregend auf die Nerven, folglich auch auf den Magen wirkt, ist in jedermans Erfahrung wohl hinlänglich erwiesen; dasselbe gilt umgekehrt auch davon, daß die Einfachheit im Essen, wenn sie auf Üppigkeit folgt, auch wieder als nötiger Kontrast ebenso wohltätig die Gesundheit fördert. In letzter Linie ist es also, wie man sieht, nicht das Gewicht an sich, sondern sogar bei gleichbleibendem Gewicht eben nur der Kontrast, der den Begriff eines einfachen, bezw. üppigen Essens statuiert. Die diätetische Vorschrift hat also dahin zu gehen, nicht allein das Gewicht dem Magen zuzuwägen, sondern ein periodisches Abwechseln in Einfachheit u. Man[n]igfaltigkeit bei demselben Gewicht anzuraten.

Bei dieser Gelegenheit sei noch darauf aufmerksam gemacht, {150} daß auf das Wohlbefinden des Organismus vor allem die Freude den heilendsten Einfluß hat. Dem Innenkörper ist die Freude dasselbe, was die Sonne allen Creaturen; sie treibt das Blut an, fördert daher die Verdauung, worauf es am Ende in allen Fällen hinauskommt.

*

Erinnerung Goldmark’s an Brahms, mir persönlich mitgeteilt.

Zu Ehren eines großen ausländischen Künstlers, der in Wien zu Konzertzwecken weilte (der Name ist mir entfallen) fand im Hotel Metropol ein Bankett statt, zu welchem auch Brahms u. Goldmark geladen waren. Sie trafen sich beide verabredetermaßen in einem Caféhaus, um dann gemeinsam den Weg zum Hotel zu machen. Goldmark kam schon ins Caféhaus mit seinen Ordenszeichen auf der Brust. Knapp vor dem Hotel giengen beide in ein Pissoir u. beim Eintritt meinte Brahms zur größten Ueberraschung Goldmarks: „Ich muß mir ja noch den Leopoldsorden anheften.“

*

Jeden Wucher beschönigt die Wissenschaft der Nationaloekonomie mit dem angeblich zu recht wirkenden Gesetz des Angebots u. der Nachfrage. Zu welchen Absurditäten Auslegung u. Praxis auf diese Weise gelangen, mögen am besten kleine Stichproben aus der Praxis der sogenannten Fremdenindustrie hier beweisen: Da fordert z.B. ein Friseur in Toblach für einfaches Rasieren (ohne Kopfwaschen un dergl.) 80h; eine Wäscherin in Sulden für das Waschen eines Nachthemdes 50h. Legt man bescheidenen mündlichen Protest dagegen ein, erhält man zur Antwort, die Saison wäre sehr kurz u dadurch der höhere Preis gerechtfertigt. Ohne Zweifel gibt die Wissenschaft einer solchen Antwort recht, ich aber frage, u. wie ich glaube mit noch mehr Recht: Wie kommen ein Friseur oder eine Wä- {151} scherin dazu, 6‒8 Wochen einer Saison derart auszunützen, daß sie wohl auch schon für den Rest des Jahres Deckung finden? Ist dem aber nicht so, d.h. betreiben Beide ihr Gewerbe ständig u. fort im Verlaufe auch aller übrigen Monate, wie kommen sie nun dazu, frage ich erst recht, sich gerade auf die Saison zu berufen, die doch nicht die alleinige Zeit ihrer Berufserfüllung bildet? Da sie also im Winter auch ihren Beruf üben, wo eben Wintersaison u. im Sommer, wo eine Sommersaison ist, so liegt kein national-oekonomischer Grund vor, weshalb sie gerade im Sommer Preise fordern müßen, die sie ja im Winter nicht fordern. Uebrigens belehren die Preise in den Sommerhotels u. Restaurants, daß in einem solchen Falle nicht etwa eine organisch national-oekonomische Wirkung, sondern nur purer Wucher vorliegt, denn trotz Sommersaison halten die Hotels z.B. bei Fleischspeisen Preise ein, die von den angeblichen Gesetzen der Saison gar nicht oder nur sehr wenig berührt werden.

Aehnlich verhält es sich mit den Preisen bei vielen anderen Gegenständen (z.B. mit dem Honorar für Sänger) u. die Wissenschaft hat Unrecht das Gesetz vom Angebot u. der Nachfrage darauf anzuwenden. Jedenfalls verschanzt sich eine Kaufmannschaft in diesem Falle umso lieber hinter die ihr Vorschub leistende Wissenschaft, als sie auch ohnehin d.i. von selbst u. ohne Autorisation der Wissenschaft, dazu neigt, unerlaubten Vorteil aus ihrem Beruf zu ziehen. (Vgl. die Ansichten eines Luter, Hutten, 3 u.s.w.)

Gieb einem Bettler an der Straßenecke ein noch so reichliches Geschenk, mache aber schon nach wenigen Minuten, 2‒3 Minuten den Weg zurück u. gehe wieder an ihm vorbei ‒ er streckt noch einmal die Hand dir entgegen u. bettelt dich an, als wärst du nicht gerade kurz vorher vorüber gegangen u. hättest ihn nicht so reichlich beschenkt! Es ist eben der Typus des Bettlers, nach kürzester Frist auch {152} schon denjenigen zu vergessen, der ihm das beste Geschenk des Tages gegeben.

Mich dünkt, nicht anders hält es die Menschheit mit ihren Genies: Mögen diese immerzu schenken, das Beste schenken, ‒ es vergißt ihrer dennoch jene, als gleichsam ein großer ewiger Bettler. (Moses, Christus, Shakespeare, Mozart u.s.f.)[.] 4

„Ward“ ‒ offenbar doch für „wurde“, u. nicht von „war“ stammend; woher dann aber der Vokal a ? (Sanders? 5 )

*

© Transcription Ian Bent, 2019

Ser. A, {146} a
Sulden 1911

[August 10?]


[In Jeanette's hand, heavily amended by Heinrich; final version only given here]
How small is even a twig, 1 yet it is nevertheless capable of blocking out the whole of the sun. But does that mean the sun has become smaller and the twig larger? A second later ‒ and the sun exposes the deceitful twig. Similarly in the intellectual world the smallest [minds] block out the suns of geniuses. 2 Then a second later . . .

Ser. A, {149}
Another Dietary Point of View
In general, in considering what the stomach takes in, all that people think about is quantity. And if in a given instance actually several dishes, for instance two meat dishes, are consumed instead of merely one, the weight is determined only as a total, as for instance 16 decagrams [= 160 grams], without regard to quality, that is, to the difference between the two meat dishes. Let us here take this view to task; for if 16 decagrams represents the same weight [whether it be] of one meat dish or two different ones, then nevertheless to the nerves, hence also to the stomach, it makes an appreciable difference what the weight ultimately comprises. The nerves register not only the weight but also the underlying variety, so that, though the weight remains the same, on grounds of variety alone we can already speak of a sumptuous meal. However, it is amply attested in universal experience that all sumptuousness, while running counter to simplicity, in itself by virtue of contrast joyfully stimulates and excites the nerves. The same is also true in reverse, in that simplicity in a meal, when it follows upon sumptuousness, itself, as necessary contrast, serves equally beneficially to promote good health. In conclusion, then, it is, as can be seen, not weight in its own right but, even where the weight remains the same, only contrast alone that adjudicates the distinction between a simple and a sumptuous meal. The dietary prescript has thus to be along the lines of not solely judging the weight to the stomach, but advising a periodic alternation between simplicity and variety at the same weight.

I take this opportunity also to draw attention to the fact {150} that joy has the most curative influence on the well-being of the organism. Joy is to the body's interior what the sun is to all creatures. It stimulates the blood to circulate, accordingly promotes digestion, which is what ultimately matters in all cases.

*

Recollection by Goldmark about Brahms, communicated to me in person

A dinner, to which both Brahms and Goldmark were invited, was being held at the Hotel Metropol in honor of a great foreign artist (the name escapes me) who was staying in Vienna for purposes of concertizing. The two men met by prior arrangement in a coffee-house so as to make their way together to the hotel. Goldmark arrived at the coffee-house already with his medals pinned on his breast. Just before arriving at the hotel, the two went into a urinal, and on entering Brahms, to Goldmark's greatest astonishment, said: "I still have to pin my Leopold medal on."

*

National economic theory glosses over every case of profiteering with the law of supply and demand, which it alleges is working correctly. The absurdities to which theory and practice in this manner have run can best be evidenced here by small random examples from the practices of so-called foreign industry. For example, a barber in Toblach demands 80 Heller for a simple shave (without hair wash etc); a laundress in Sulden asks 50 Heller for washing a nightshirt. To lodge a mild verbal protest against this is to be met with the answer that the season is very short, and therefore higher prices are justified. Doubtless theory backs up such an answer. I, however, ask ‒ and with, as I believe, even more justification ‒: How is it that a barber or a laundress {151} can exploit six‒eight weeks of a season such that, on top of everything, they can gain cover for the rest of the year? Is that not the case? ‒ i.e., if the two of them ply their trade continuously throughout the remaining months, then how can they ‒ I ask all the more insistently ‒ invoke just the season alone, when that clearly does not constitute the sole time when they can practice their trade? Since, thus, they practice their profession also in the winter, where there is a winter season, and in summer, where there is a summer season, there is no national-economic reason why they must demand prices in the summer that they do not demand in the winter. Moreover, the prices in the summer hotels and restaurants teach us that in such a case it is not some organic, national-economic effect that is going on, but pure profiteering, for despite the summer season the Hotels maintain the prices of, for example, meat dishes unchanged; These are influenced not in the slightest, or at least very little, by the alleged laws of the season.

Things are much the same where the prices of many other commodities are concerned (e.g. the fees of singers), and theory is wrong to apply the law of supply and demand to them. In any case, a business community prefers all the more in this case to take shelter behind a theory that is advantageous to itself as it is also anyhow ‒ that is, on its own intiative and without the authorization of theory ‒ inclined to draw illicit advantage from its profession. (Cf. the views of a Luther, Hutten, 3 etc.)

Give a beggar on the street corner a hand-out, no matter how generous, and then turn around and make your way back after a few minutes, 2 to 3 minutes, and go past him again, he sticks out his hand at you for a second time and accosts you as if you hadn't just gone past him a few moments ago and hadn't given him such a generous hand-out! That is just the type of beggar who, even after the shortest possible time, {152} has already forgotten the very person who has given him the best hand-out of the day.

It seems to me that there is nothing else that connects humanity to its geniuses: However much the latter are always in the act of giving, and of giving the best, the former nevertheless forgets them as if it were one large, perpetual beggar. (Moses, Christ, Shakespeare, Mozart, and so forth) ). 4

"Ward" [became] ‒ clearly for "wurde" [became], and not deriving from "war" [was]; but where did the vowel "a" come from? (Sanders? 5

*

© Translation Ian Bent, 2019

Footnotes

1 fn1. By Zweig, Schenker means not just a leafless twig but a twig with a small cluster of leaves, often expressed in English (but ambiguously) as a "spray."

2 At this point, Schenker adds (in Jeanette's hand) "a Rilke [does so to] a Goethe" then he strikes it out. Cf. Schenker's entry for the end of June 1911, in which he compares Rilke with Max Reger to the disadvantage of both.

3 Ulrich von Hutten (1488‒1523), German scholar, poet, satirist, critic of the Roman Catholic Church, supporter of Martin Luther, Protestant reformer. Schenker cited his name in his diary for June 1, 1907 in criticizing Gerhard Hauptmann's play Florian Geyer for not mentioning the names of Luther, Hutten, or Sikkingen (who took part with Hutten in the Knights' Revolt of 1522‒23).

4 This is an early instance of the type of list of "geniuses" that Schenker particularly deployed in the early issues of Der Tonwille . Cf. diary entry for January 23, 1908.

5 Reference is perhaps to Daniel Sanders, Lehrbuch der deutschen Sprache für Schulen, 11th edn (Berlin-Schöneberg, Langenscheid, 1906).