20. III. 16 +3°, sehr schöner Tag.

— Von Sophie Karte aus Olmütz, die verspätet einlangt. —

— Mit dem Schwager zu Direktor H..kl, der seine Verwendung zusagt. —

Mittelmann im Caféhaus; erzählt seine Erlebnisse während der Untersuchungshaft. Sonderbaren u. widerspruchsvollen Eindruck macht seine zähe sarkastische Manier, die er, nach seigener Schilderung, gegenüber dem Profossen in Anwendung brachte. Nur Eein Bruchteil dieser Energie auf einen integrirenden Lebenszweck angewendet hätte den Mann sicherlich in ein anderes glücklicheres Geleise gebracht. Nun hat er beschlossen, sich eine kleine Wohnung zu nehmen; u. schon damit, fürchte ich, wird er, wie mit all seinen früheren Vorsätzen Schiffbruch leiden. Außerdem besteht die Gefahr, daß Karpath nicht mehr so unmittelbar das Bedürfnis fühlen wird, ihm zu einer Wohnung zu verhelfen. Denn so lange die Schande Herrn K. öffentlich belastete, war er freilich entschlossen, etwas in dieser Sache zu tun; nun aber wird wohl alles beim Alten bleiben.

*

Genie – Irrsinn – diese Lösung des Problems gefällt wohl sehr dem Nichtgenie; doch ist es fraglich, ob gefällt nicht ihm aber umgekehrt die Lösung: Nichtgenie – Betrug? gefällt.

*

© Transcription Marko Deisinger.

March 20, 1916, +3°, very fine weather.

— From Sophie postcard from Olmütz, which arrives late. —

— With my brother-in-law to Director Hofmokl, who agrees to offer assistance. —

Mittelmann in the coffee house; he recounts his experiences while imprisoned on remand. A strange impression, full of contradiction, is made by his tough, sarcastic manner which he, by his own account, used against the provost. Even just a small portion of this energy, if applied to an integral purpose in life, would have surely brought the man onto another, more fortunate track. Now he has decided to take a small apartment; and even here I fear that, in spite of all his previous resolutions, he will suffer shipwreck. In addition there is the danger that Karpath will no longer feel such an acute need to assist him in finding a place to live. For as long as the disgrace burdened Mr. Karpath overtly, he was of course determined to do something about this matter; now, however, everything will probably remain as they were before.

*

Genius = madness – this solution to the problem is something that the non-genius probably enjoys; but is he pleased, conversely, by the solution: non-genius = deception?

*

© Translation William Drabkin.

20. III. 16 +3°, sehr schöner Tag.

— Von Sophie Karte aus Olmütz, die verspätet einlangt. —

— Mit dem Schwager zu Direktor H..kl, der seine Verwendung zusagt. —

Mittelmann im Caféhaus; erzählt seine Erlebnisse während der Untersuchungshaft. Sonderbaren u. widerspruchsvollen Eindruck macht seine zähe sarkastische Manier, die er, nach seigener Schilderung, gegenüber dem Profossen in Anwendung brachte. Nur Eein Bruchteil dieser Energie auf einen integrirenden Lebenszweck angewendet hätte den Mann sicherlich in ein anderes glücklicheres Geleise gebracht. Nun hat er beschlossen, sich eine kleine Wohnung zu nehmen; u. schon damit, fürchte ich, wird er, wie mit all seinen früheren Vorsätzen Schiffbruch leiden. Außerdem besteht die Gefahr, daß Karpath nicht mehr so unmittelbar das Bedürfnis fühlen wird, ihm zu einer Wohnung zu verhelfen. Denn so lange die Schande Herrn K. öffentlich belastete, war er freilich entschlossen, etwas in dieser Sache zu tun; nun aber wird wohl alles beim Alten bleiben.

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Genie – Irrsinn – diese Lösung des Problems gefällt wohl sehr dem Nichtgenie; doch ist es fraglich, ob gefällt nicht ihm aber umgekehrt die Lösung: Nichtgenie – Betrug? gefällt.

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© Transcription Marko Deisinger.

March 20, 1916, +3°, very fine weather.

— From Sophie postcard from Olmütz, which arrives late. —

— With my brother-in-law to Director Hofmokl, who agrees to offer assistance. —

Mittelmann in the coffee house; he recounts his experiences while imprisoned on remand. A strange impression, full of contradiction, is made by his tough, sarcastic manner which he, by his own account, used against the provost. Even just a small portion of this energy, if applied to an integral purpose in life, would have surely brought the man onto another, more fortunate track. Now he has decided to take a small apartment; and even here I fear that, in spite of all his previous resolutions, he will suffer shipwreck. In addition there is the danger that Karpath will no longer feel such an acute need to assist him in finding a place to live. For as long as the disgrace burdened Mr. Karpath overtly, he was of course determined to do something about this matter; now, however, everything will probably remain as they were before.

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Genius = madness – this solution to the problem is something that the non-genius probably enjoys; but is he pleased, conversely, by the solution: non-genius = deception?

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© Translation William Drabkin.