S. F. 20. Juli 1941.
253 Buena Vista Ave.

Lieber u. verehrter Freund!

Widerwillig füge ich mich den Geboten philiströser Sparsamkeit u. sage mir, ich darf es mir nicht gönnen mit Ihnen persönlich zu durchsprechen was mich so arg bedrängt u. schreibe Ihnen ‒ ‒ ‒ ein schwacher Ersatz!

Erstmals die Geschichte der Geschichte mit der ich Sie seinerzeit aufstöberte. Ich hatte von Jänner bis April meine “Vorlesungen” im Jewish Center. 1 An einem Abend, an welchem ich über Bach sprach u. Bach spielte, war überraschend Mrs. Schwabacher, 2 einer der Sponsors, anwesend. Sie war übergebührlich enthusiasmiert u. rannte im Hause herein wie eine angebrannte Maus, erzählend daß sie noch nie so erregend Schönes über Bach gehört hat. Gesprochen u. gespielt. Sie sagte daß die Politiker offenbar im Vordergrund u. die Fähigsten im Hintergrund leben. Alle ernstlich Lernenden gehen nach dem Osten u. wir müssen den Mann zu halten suchen u.s.w. u.s.w. 3

Sie kam zu mir u. forderte mich auf Vorschläge zu machen. Ich machte sie so ausführlich, daß sie das Gefühl bekam (wie ich sie auch darüber unterrichtete) daß Ähnliches weder in Europa, geschweige in Amerika vorher vorhanden war. Es wäre wirklich eine Attraktion für den Westen geworden. Ihr einziges Bedenken war, wie man das Geld auftreiben soll, daß eine so bedeutsame Sache erfordert. (Ich zitiere meistens ihre Worte). Nachdem ich ihr die dazu nötige Summe sagte (nach meiner ersten Besprechung mit Ihnen) fiel sie aus allen Wolken weil es für sie den Vorschlag von Künstlern u. nicht von Capitalisten bedeutete. (Siehe $60.000 die Herr [?Blorr] seinerzeit bekam!!!) Sie sagte mir darauf schlankweg im Principe zu. Nach einiger Zeit machte ich ihr den ersten Vorschlag um die Sache für Herbst in’s Rollen zu bringen. Dieser Brief blieb bis {2} heutigen Tag unbeantwortet.

Ich stelle mir nun den Vorgang folgendermaßen vor.

Sie wandte sich offenbar an ihr competent scheinende Männer. Nur so kann ich verstehen, daß ich eines Tages den telefonischen Anruf eines Mr. Pettis bekam, mit der Aufforderung mich mit ihm zu treffen (auf Veranlassung von Mrs. Sch.)

Ich kam zu ihm u. musste auf ihn ½ Stunde warten. Freundliche Begrüßung. Er kein Wort redend u. wartend. Na, ich war gezwungen zu starten, trotzdem ich nicht wusste was ich verlangen sollte. (Mr. Pettis ist der Vorstand des Forum of Composers hier.) Ich zeigte ihm das schöne curriculum vitae von mir. Er liest es durch u. findet es hervorragend. Schweigt weiter. Ich musste wieder ankurbeln u. erzählte ihm, nicht zu detailliert, einiges über meine Ideen, die ich durch einen Artikel von Prof. Elkus in meinem Sinne unterstützen konnte. Da wurde er gesprächig u. zwar folgendermaßen:

“Ich muss ihnen [sic] ganz aufrichtig sagen, daß so viel neue Ideen in Vorbereitung sind, daß es schädlich wäre eine gegen die andere ausspielen zu lassen u. daß eine Vereinigung viel besser wäre. Ich muss ihnen [sic] aufrichtig sagen, daß ich berufen bin das S. F. Konservatorium auszubauen u. nannte mir die alten Namen Goldschmidt, Fuerstner, 4 etc. etc.”

Ich sah bereits wohin das Mißlingen verschoben werden soll u. gab ihm klare Antworten. Wenn er mich fragte: Was ist Schenker-Theorie, was ist 12 Ton-Theorie, so sagte ich ihm daß das nicht in paar Worten zu erklären ist, daß beide Theorien die Drehpunkte alles Strebens darstellen u. nichts mit aller Landläufigkeit {3} zu tun hätten. Nachdem ich die Frage Ost-West anschnitt, gestützt auf Elkus u. öffentlicher Meinung hier, da gab er mir die bekannte Trick-Parade: Ich könnte nicht über amerikanische Verhältnisse sprechen, denn in Wirklichkeit wäre das Musikleben im Osten, (New York u.s.w.) beinahe provinziell gegen das Musikleben in San Francisco!!! Ich sagte all right, warum denn Ihre neuen Ideen. Da ist ist ja alles in bester Butter. — Stillschweigen. — Jetzt kommt der Clou!!!

Irgendwie wollte er positiv werden u. fragte mich nach meinen Kompositionen. Ich sah alles genau kommen u. parierte im Vorhinein. Ich sagte ihm: “Wissen Sie ich wurde schon einmal gefragt ob ich ein moderner Komponist wäre. Ich konnte nur sagen daß ich nur zwischen guter u. schlechter Musik unterscheiden kann.” Er: “Ich stimme mit Ihnen überein. Deshalb reden auch wir nur von contemporaeren Komponisten”. Er interessierte sich für ein Streichquartett. Er fragte mich wann ich es komponierte. Diese Frage bestrafte ich mit der Antwort: “Vor 30 Jahren”. — Oh, sagte er, daß [sic] können wir doch nicht machen. Ich sagte ihm: “Wissen Sie daß um diese Zeit Schönberg bereits Pierrot Lunaire, Gurre-Lieder etc. komponierte.” Er: “Aber er komponiert doch heute ganz anders”. Ich[:] “Dieses Argument kann ich nicht verstehen. Wir hätten seinerzeit gelacht, wenn jemand das Trio von Brahms op 8. nicht gespielt hätte, weil er bereits eines op. 114 geschrieben hat. Noch heute spielen die Menschen op 8. lieber, trotzdem op. 114 bedeutender ist.”

{4} Beim Abschied sagte er mir daß er von Frau Sch. hörte, daß ich Sie bitten werden, gemeinsame Richtlinien auszuarbeiten u. daß er sich dafür sehr interessieren würde. Ich sagte ihm daß ich damit an Sie nur herantreten könnte, wenn es sich darum handeln würde den Geldgebern zu erklären wofür sie Geld zu geben hätten. Ich weiß aber ganz genau daß ich Ihnen nicht zumuten kann sich an etwas zu beteiligen, deßen dessen Gelingen von der Beurteilung eines Musikers abhängt.

Das ist nun das Ende der ganzen Sache!!!

Ich möchte nur fähig werden 80‒100 Dollar im Monat zu verdienen. Meine Frau ist am Ende ihrer Kräfte. Wenn es so weiter geht, bin ich es auch. Trotzdem kann ich mich mehr über das Wie als das Was aufragen. Daß Stidry Ihnen nicht antwortete, verletzte mich tief in Ihre Seele. 5 Wenn ich bedenke wie ich postwendend antworten würde wenn Sie mich interpellierten, wie ich es tat wenn Schenker etwas wünschte, wie er es tat u. wie Sie es tun. Die Einsamkeit des anständigen Lebens ist so furchtbar wie die Einsamkeit des anständigen Künstlers.

Ich habe für meine bescheidenen Zwecke mir enorm viel davon versprochen. Für hier nämlich!!!

Ich las im A[u]fbau, 6 daß speziell in Kammermusik ein großes Programm für nächste Saison gemacht würde. 7

Ich danke Ihnen u. Ihrer l. Frau für die frdl. Aufnahme meiner Tochter. 8


Seien Sie herzlichst begrüßt, sowie Ihre Lieben!
Ihr getreuester
[signed:] M Violin

© Transcription Ian Bent, 2020


San Francisco, July 20, 1941
253 Buena Vista Avenue

Dear and revered Friend,

Reluctantly I give in to the demands of philistine frugality and tell myself I ought not to entertain thoughts of talking over with you in person that which oppresses me, so I write to you [instead] – a feeble substitute!

First of all, the history of the story on which I sounded you out some time ago. From January to April, I had given my "course of lectures" in the Jewish Center. 1 One evening, I talked about and played Bach. To my surprise, Mrs. Schwabacher, 2 who is one of my sponsors, was present. She was excessively enthusiastic, and ran around the house like a scalded cat proclaiming that she had never heard anything so thrillingly wonderful about Bach – spoken and played. She said that the politicians obviously live in the foreground while the most able people live in the background. All serious scholars move to the east, and we must try to keep the man here, etc., etc. 3

She came to me and insisted I draw up proposals. I did so in such a detailed fashion that she got the feeling (at my prompting) that nothing similar had ever existed even in Europe, let alone in America. It would really have become an attraction for [musicians in] the west. Her only thought was how to raise the money that so important a cause demands. (I am mostly quoting her actual words.) After I named the sum of money that was necessary for it (following my first conversation with you) she was absolutely flabbergasted, because for her it represented a proposal from artists, not from capitalists. (See the $60,000 that Mr. [?Blorr] got a while ago.) She point-blank made me a promise in principle on that. Shortly after, I put my first proposal to her for getting the matter underway in the fall. That letter has remained unanswered up to {2} today.

I can imagine what will now happen:

She evidently consulted her competent-seeming men. This is the only way I can understand having received, one day, a telephone call from a Mr. Pettis, with an invitation to meet with him (at the instigation of Mrs. Schwabacher).

I turned up and was kept waiting half-an hour to see him. Friendly greeting. He said not a word, just waited. Ah well! I was forced to get the ball rolling, though I didn't know what to ask for. (Mr. Pettis is the chairman of the Forum of Composers here.) I showed him the handsome curriculum vitae of myself. He read it through, and found it excellent. H reverted to silence. Again, I was forced to get things going, and outlined to him, in not too much detail, something of my ideas, which I was able to back up with an article by Prof. Elkus that I had in my head. At that he became voluble, along the following lines:

"I have to tell you in all honesty that so many new ideas are in preparation that it would be detrimental to reel them off one after another, and that it would be much better to consolidate them. I have to tell you in all honesty that I am called upon to expand the San Francisco Conservatory, and had in mind old names such a Goldschmidt, Fuerstner, 4 etc. etc."

I saw immediately that things were about to get out of hand, and gave him some straight answers. When he asked me "What is Schenker-theory? What is twelve-tone theory, I told him that these could not be explained in a few words, that the two theories represent the pivotal points of all endeavors, and had nothing to do with any ideas in common circulation. {3} After I broached the subject of east-versus-west [coast], backed up by Elkus and public opinion, he adopted the usual tactic: I was in no position to speak about matters American, for in reality musical life in the east (New York, etc.) was almost provincial by comparison with that in San Francisco!!! I said all right, why then your new ideas? Everything is already fine and dandy. – Silence – Then came the crucial moment!!!

For some reason, he decided to take a positive line and asked me about my compositions. I saw exactly the way the wind was blowing, and fended him off in advance. I said to him: "You know, once before I was asked whether my compositions were modern. I could only say the sole distinction I knew was that between good and bad music." He replied: "I agree with you. So let us, too, talk only about contemporary composers." He was interested in a string quartet. He asked me when I composed it. I rebutted the question with the answer: "Thirty years ago." – Oh, said he, we certainly can't do that." I said to him: "Do you know that by that time Schoenberg had already composed Pierrot lunaire, Gurre-Lieder, etc." He replied: "Yes, but today he composes quite differently." I countered: "I don't understand this argument. We would have laughed, back then, if someone had not performed Brahms's Trio Op. 8 because he had already composed his [Clarinet Trio,] Op. 114. Nowadays people prefer to play Op. 8 albeit Op. 114 is more important."

{4} As we said goodbye, he said he'd heard from Mrs. Schwabacher that I will ask you to draw up general guidelines, and that he would be very interested in those. I told him I could approach you on that only when it was a matter of explaining to the financial backers the purpose for which they were to give the money. I know full well, however, that I can't expect you to participate in something the success of which depends on the judgement of one musician.

And that's the end of the whole business!!!

If only I were able to earn $80 to $100 a month. My wife is at the end of her powers. If it goes on like this, I shall be, too. Nonetheless, I can enumerate more about the how than the what. I was sorry, for your sake, that Stiedry didn't answer you. 5 When I think how I would reply by return when you put a question to me, just as I used to when Schenker wanted something, as he himself did, and as you yourself do. The loneliness of the principled life is as dreadful as the loneliness of the principled artist.

I was counting on this a great deal for my modest needs. For here, that is!!!

I read in the Aufbau 6 that, specially in chamber music, a big program for next season was going to be created. 7

Thank you to you and your dear wife for the kind photograph of my daughter. 8


Most cordial greetings to you and to your loved ones!
Your most faithful
[signed:] M. Violin

© Translation Ian Bent, 2020


S. F. 20. Juli 1941.
253 Buena Vista Ave.

Lieber u. verehrter Freund!

Widerwillig füge ich mich den Geboten philiströser Sparsamkeit u. sage mir, ich darf es mir nicht gönnen mit Ihnen persönlich zu durchsprechen was mich so arg bedrängt u. schreibe Ihnen ‒ ‒ ‒ ein schwacher Ersatz!

Erstmals die Geschichte der Geschichte mit der ich Sie seinerzeit aufstöberte. Ich hatte von Jänner bis April meine “Vorlesungen” im Jewish Center. 1 An einem Abend, an welchem ich über Bach sprach u. Bach spielte, war überraschend Mrs. Schwabacher, 2 einer der Sponsors, anwesend. Sie war übergebührlich enthusiasmiert u. rannte im Hause herein wie eine angebrannte Maus, erzählend daß sie noch nie so erregend Schönes über Bach gehört hat. Gesprochen u. gespielt. Sie sagte daß die Politiker offenbar im Vordergrund u. die Fähigsten im Hintergrund leben. Alle ernstlich Lernenden gehen nach dem Osten u. wir müssen den Mann zu halten suchen u.s.w. u.s.w. 3

Sie kam zu mir u. forderte mich auf Vorschläge zu machen. Ich machte sie so ausführlich, daß sie das Gefühl bekam (wie ich sie auch darüber unterrichtete) daß Ähnliches weder in Europa, geschweige in Amerika vorher vorhanden war. Es wäre wirklich eine Attraktion für den Westen geworden. Ihr einziges Bedenken war, wie man das Geld auftreiben soll, daß eine so bedeutsame Sache erfordert. (Ich zitiere meistens ihre Worte). Nachdem ich ihr die dazu nötige Summe sagte (nach meiner ersten Besprechung mit Ihnen) fiel sie aus allen Wolken weil es für sie den Vorschlag von Künstlern u. nicht von Capitalisten bedeutete. (Siehe $60.000 die Herr [?Blorr] seinerzeit bekam!!!) Sie sagte mir darauf schlankweg im Principe zu. Nach einiger Zeit machte ich ihr den ersten Vorschlag um die Sache für Herbst in’s Rollen zu bringen. Dieser Brief blieb bis {2} heutigen Tag unbeantwortet.

Ich stelle mir nun den Vorgang folgendermaßen vor.

Sie wandte sich offenbar an ihr competent scheinende Männer. Nur so kann ich verstehen, daß ich eines Tages den telefonischen Anruf eines Mr. Pettis bekam, mit der Aufforderung mich mit ihm zu treffen (auf Veranlassung von Mrs. Sch.)

Ich kam zu ihm u. musste auf ihn ½ Stunde warten. Freundliche Begrüßung. Er kein Wort redend u. wartend. Na, ich war gezwungen zu starten, trotzdem ich nicht wusste was ich verlangen sollte. (Mr. Pettis ist der Vorstand des Forum of Composers hier.) Ich zeigte ihm das schöne curriculum vitae von mir. Er liest es durch u. findet es hervorragend. Schweigt weiter. Ich musste wieder ankurbeln u. erzählte ihm, nicht zu detailliert, einiges über meine Ideen, die ich durch einen Artikel von Prof. Elkus in meinem Sinne unterstützen konnte. Da wurde er gesprächig u. zwar folgendermaßen:

“Ich muss ihnen [sic] ganz aufrichtig sagen, daß so viel neue Ideen in Vorbereitung sind, daß es schädlich wäre eine gegen die andere ausspielen zu lassen u. daß eine Vereinigung viel besser wäre. Ich muss ihnen [sic] aufrichtig sagen, daß ich berufen bin das S. F. Konservatorium auszubauen u. nannte mir die alten Namen Goldschmidt, Fuerstner, 4 etc. etc.”

Ich sah bereits wohin das Mißlingen verschoben werden soll u. gab ihm klare Antworten. Wenn er mich fragte: Was ist Schenker-Theorie, was ist 12 Ton-Theorie, so sagte ich ihm daß das nicht in paar Worten zu erklären ist, daß beide Theorien die Drehpunkte alles Strebens darstellen u. nichts mit aller Landläufigkeit {3} zu tun hätten. Nachdem ich die Frage Ost-West anschnitt, gestützt auf Elkus u. öffentlicher Meinung hier, da gab er mir die bekannte Trick-Parade: Ich könnte nicht über amerikanische Verhältnisse sprechen, denn in Wirklichkeit wäre das Musikleben im Osten, (New York u.s.w.) beinahe provinziell gegen das Musikleben in San Francisco!!! Ich sagte all right, warum denn Ihre neuen Ideen. Da ist ist ja alles in bester Butter. — Stillschweigen. — Jetzt kommt der Clou!!!

Irgendwie wollte er positiv werden u. fragte mich nach meinen Kompositionen. Ich sah alles genau kommen u. parierte im Vorhinein. Ich sagte ihm: “Wissen Sie ich wurde schon einmal gefragt ob ich ein moderner Komponist wäre. Ich konnte nur sagen daß ich nur zwischen guter u. schlechter Musik unterscheiden kann.” Er: “Ich stimme mit Ihnen überein. Deshalb reden auch wir nur von contemporaeren Komponisten”. Er interessierte sich für ein Streichquartett. Er fragte mich wann ich es komponierte. Diese Frage bestrafte ich mit der Antwort: “Vor 30 Jahren”. — Oh, sagte er, daß [sic] können wir doch nicht machen. Ich sagte ihm: “Wissen Sie daß um diese Zeit Schönberg bereits Pierrot Lunaire, Gurre-Lieder etc. komponierte.” Er: “Aber er komponiert doch heute ganz anders”. Ich[:] “Dieses Argument kann ich nicht verstehen. Wir hätten seinerzeit gelacht, wenn jemand das Trio von Brahms op 8. nicht gespielt hätte, weil er bereits eines op. 114 geschrieben hat. Noch heute spielen die Menschen op 8. lieber, trotzdem op. 114 bedeutender ist.”

{4} Beim Abschied sagte er mir daß er von Frau Sch. hörte, daß ich Sie bitten werden, gemeinsame Richtlinien auszuarbeiten u. daß er sich dafür sehr interessieren würde. Ich sagte ihm daß ich damit an Sie nur herantreten könnte, wenn es sich darum handeln würde den Geldgebern zu erklären wofür sie Geld zu geben hätten. Ich weiß aber ganz genau daß ich Ihnen nicht zumuten kann sich an etwas zu beteiligen, deßen dessen Gelingen von der Beurteilung eines Musikers abhängt.

Das ist nun das Ende der ganzen Sache!!!

Ich möchte nur fähig werden 80‒100 Dollar im Monat zu verdienen. Meine Frau ist am Ende ihrer Kräfte. Wenn es so weiter geht, bin ich es auch. Trotzdem kann ich mich mehr über das Wie als das Was aufragen. Daß Stidry Ihnen nicht antwortete, verletzte mich tief in Ihre Seele. 5 Wenn ich bedenke wie ich postwendend antworten würde wenn Sie mich interpellierten, wie ich es tat wenn Schenker etwas wünschte, wie er es tat u. wie Sie es tun. Die Einsamkeit des anständigen Lebens ist so furchtbar wie die Einsamkeit des anständigen Künstlers.

Ich habe für meine bescheidenen Zwecke mir enorm viel davon versprochen. Für hier nämlich!!!

Ich las im A[u]fbau, 6 daß speziell in Kammermusik ein großes Programm für nächste Saison gemacht würde. 7

Ich danke Ihnen u. Ihrer l. Frau für die frdl. Aufnahme meiner Tochter. 8


Seien Sie herzlichst begrüßt, sowie Ihre Lieben!
Ihr getreuester
[signed:] M Violin

© Transcription Ian Bent, 2020


San Francisco, July 20, 1941
253 Buena Vista Avenue

Dear and revered Friend,

Reluctantly I give in to the demands of philistine frugality and tell myself I ought not to entertain thoughts of talking over with you in person that which oppresses me, so I write to you [instead] – a feeble substitute!

First of all, the history of the story on which I sounded you out some time ago. From January to April, I had given my "course of lectures" in the Jewish Center. 1 One evening, I talked about and played Bach. To my surprise, Mrs. Schwabacher, 2 who is one of my sponsors, was present. She was excessively enthusiastic, and ran around the house like a scalded cat proclaiming that she had never heard anything so thrillingly wonderful about Bach – spoken and played. She said that the politicians obviously live in the foreground while the most able people live in the background. All serious scholars move to the east, and we must try to keep the man here, etc., etc. 3

She came to me and insisted I draw up proposals. I did so in such a detailed fashion that she got the feeling (at my prompting) that nothing similar had ever existed even in Europe, let alone in America. It would really have become an attraction for [musicians in] the west. Her only thought was how to raise the money that so important a cause demands. (I am mostly quoting her actual words.) After I named the sum of money that was necessary for it (following my first conversation with you) she was absolutely flabbergasted, because for her it represented a proposal from artists, not from capitalists. (See the $60,000 that Mr. [?Blorr] got a while ago.) She point-blank made me a promise in principle on that. Shortly after, I put my first proposal to her for getting the matter underway in the fall. That letter has remained unanswered up to {2} today.

I can imagine what will now happen:

She evidently consulted her competent-seeming men. This is the only way I can understand having received, one day, a telephone call from a Mr. Pettis, with an invitation to meet with him (at the instigation of Mrs. Schwabacher).

I turned up and was kept waiting half-an hour to see him. Friendly greeting. He said not a word, just waited. Ah well! I was forced to get the ball rolling, though I didn't know what to ask for. (Mr. Pettis is the chairman of the Forum of Composers here.) I showed him the handsome curriculum vitae of myself. He read it through, and found it excellent. H reverted to silence. Again, I was forced to get things going, and outlined to him, in not too much detail, something of my ideas, which I was able to back up with an article by Prof. Elkus that I had in my head. At that he became voluble, along the following lines:

"I have to tell you in all honesty that so many new ideas are in preparation that it would be detrimental to reel them off one after another, and that it would be much better to consolidate them. I have to tell you in all honesty that I am called upon to expand the San Francisco Conservatory, and had in mind old names such a Goldschmidt, Fuerstner, 4 etc. etc."

I saw immediately that things were about to get out of hand, and gave him some straight answers. When he asked me "What is Schenker-theory? What is twelve-tone theory, I told him that these could not be explained in a few words, that the two theories represent the pivotal points of all endeavors, and had nothing to do with any ideas in common circulation. {3} After I broached the subject of east-versus-west [coast], backed up by Elkus and public opinion, he adopted the usual tactic: I was in no position to speak about matters American, for in reality musical life in the east (New York, etc.) was almost provincial by comparison with that in San Francisco!!! I said all right, why then your new ideas? Everything is already fine and dandy. – Silence – Then came the crucial moment!!!

For some reason, he decided to take a positive line and asked me about my compositions. I saw exactly the way the wind was blowing, and fended him off in advance. I said to him: "You know, once before I was asked whether my compositions were modern. I could only say the sole distinction I knew was that between good and bad music." He replied: "I agree with you. So let us, too, talk only about contemporary composers." He was interested in a string quartet. He asked me when I composed it. I rebutted the question with the answer: "Thirty years ago." – Oh, said he, we certainly can't do that." I said to him: "Do you know that by that time Schoenberg had already composed Pierrot lunaire, Gurre-Lieder, etc." He replied: "Yes, but today he composes quite differently." I countered: "I don't understand this argument. We would have laughed, back then, if someone had not performed Brahms's Trio Op. 8 because he had already composed his [Clarinet Trio,] Op. 114. Nowadays people prefer to play Op. 8 albeit Op. 114 is more important."

{4} As we said goodbye, he said he'd heard from Mrs. Schwabacher that I will ask you to draw up general guidelines, and that he would be very interested in those. I told him I could approach you on that only when it was a matter of explaining to the financial backers the purpose for which they were to give the money. I know full well, however, that I can't expect you to participate in something the success of which depends on the judgement of one musician.

And that's the end of the whole business!!!

If only I were able to earn $80 to $100 a month. My wife is at the end of her powers. If it goes on like this, I shall be, too. Nonetheless, I can enumerate more about the how than the what. I was sorry, for your sake, that Stiedry didn't answer you. 5 When I think how I would reply by return when you put a question to me, just as I used to when Schenker wanted something, as he himself did, and as you yourself do. The loneliness of the principled life is as dreadful as the loneliness of the principled artist.

I was counting on this a great deal for my modest needs. For here, that is!!!

I read in the Aufbau 6 that, specially in chamber music, a big program for next season was going to be created. 7

Thank you to you and your dear wife for the kind photograph of my daughter. 8


Most cordial greetings to you and to your loved ones!
Your most faithful
[signed:] M. Violin

© Translation Ian Bent, 2020

Footnotes

1 In LC ASC 27/45, [23], December 19, 1940, Violin reported that he was to teach a "music workshop" at the Jewish Center in San Francisco from January 15, 1941 onward (see also LC ASC 27/45, [24], January 16, 1941).

2 Nothing is known of Mrs. Schwabacher, or Mr. Blorr mentioned later, or of Mr. Pettis, her consultant.

3 Violin begins a new line at this point, but without a clear paragraph-break.

4 Presumably Carl Fuerstner (1912–94), born Strasbourg, studied in Germany; in 1940–41 resident pianist and assistant conductor at the San Francisco Opera. He left California for the Eastman School in 1945, and later Brigham Young University.

5 Violin had asked Schoenberg in LC ASC 27/45, [26], March 29, 1941, to contact Fritz Stiedry and ask whether Violin might not through the New Friends of Music play a "rare Mozart piano concerto" or play piano in an evening of trios or quintets in New York. In LC ASC 27/45, [28], May 21, 1941, he pressed Schoenberg one final time, and presumably got a negative response.

6 Aufbau: Nachrichtenblatt: a newpaper produced by and for the Jewish refugee community in the USA, founded in 1934, published by the German-Jewish Club Inc., New York.

7 No paragraph-break at this point in the original.

8 By this time, Genovefa (Eva) Violin was working in Los Angeles, and this tells us that she was in contact with the Schoenbergs.

Commentary

Format
4p letter, holograph salutation, message, valediction, and signature
License
Permission to publish granted by author's son, Mr. Lawrence Schoenberg, July 16, 2013. Any claim to intellectual rights on this document should be addressed to Schenker Documents Online, at schenkercorrespondence@mus[dot]cam[dot]ac[dot]uk.
Rights Holder
Heirs of Arnold Schoenberg, permission to publish granted
Provenance
Arnold Schoenberg (document date–1951) -- family of Arnold Schoenberg (1951–19??) -- Library of Congress (19??–)

Digital version created: 2020-09-09
Last updated: 2013-07-01