Wiener Neudorf,17./VI. 1912

Hochgeschätzer Herr Doctor!

Ihren Fragebrief 1 beantworte ich drückenden Zeitmangels wegen in aller Kürze, indem ich daran erinnere, dass die Sucharbeit nach den Handschriften der B’schen Sonaten vor einiger Zeit durchgeführt worden ist, {2} als die Urtextausgabe von der Berliner Akademie 2 veranstaltet wurde. In dieser Ausgabe sind auch die Nachweise gedruckt. Man muss übrigens dort Alles (jedes Wort und jede Note) neuerlich überprüfen. Denn die erw[ähnte] Ausgabe macht der Akademie keine Ehre. Sie werden Besseres liefern. 3 Wollen Sie selbst auf die {3} Suche nach den Vorlagen (Autographen, korrigierten Abschriften, alten Ausgaben) ausgehen, so fangen Sie ja selbstverständlich beim alten Nottebohm an. Finde ich etwas über Besitzverschiebungen, so teile ich’s Ihnen mit, aber erst im Herbst. Jetzt stecke ich mitten in anderen Arbeiten, die mich {4} wohl auf Monate festhalten werden.


Mit hochachtungsvoller Begrüssung
ganz ergeben
[signed:] Dr. Th. v. Frimmel

© Transcription Heribert Esser, 2019


Wiener Neudorf,June 17, 1912

Highly esteemed Dr. [Schenker,]

My reply to your letter of inquiry 1 will be very brief, because I remind you that the search-effort for the manuscripts of the Beethoven sonatas was carried out a short time ago, {2} when the Urtext edition of the Berlin Academy 2 was undertaken. The references are also published in that edition. One must, incidentally, re-examine everything (each word and each note) found therein. For the edition in question is not a credit to the Academy. You will improve on it. 3 If you yourself want to start with an {3} examination of the sources (autographs, revised prints, early editions), you will certainly begin with the old Nottebohm. If I discover something regarding changes in ownership, I will let you know, but not before autumn. At present I am detained by other tasks, which will {4} probably keep me busy for months.


With respectful greetings,
[Your] wholly devoted
[signed:] Dr. Theodor von Frimmel

© Translation John Rothgeb, 2019


Wiener Neudorf,17./VI. 1912

Hochgeschätzer Herr Doctor!

Ihren Fragebrief 1 beantworte ich drückenden Zeitmangels wegen in aller Kürze, indem ich daran erinnere, dass die Sucharbeit nach den Handschriften der B’schen Sonaten vor einiger Zeit durchgeführt worden ist, {2} als die Urtextausgabe von der Berliner Akademie 2 veranstaltet wurde. In dieser Ausgabe sind auch die Nachweise gedruckt. Man muss übrigens dort Alles (jedes Wort und jede Note) neuerlich überprüfen. Denn die erw[ähnte] Ausgabe macht der Akademie keine Ehre. Sie werden Besseres liefern. 3 Wollen Sie selbst auf die {3} Suche nach den Vorlagen (Autographen, korrigierten Abschriften, alten Ausgaben) ausgehen, so fangen Sie ja selbstverständlich beim alten Nottebohm an. Finde ich etwas über Besitzverschiebungen, so teile ich’s Ihnen mit, aber erst im Herbst. Jetzt stecke ich mitten in anderen Arbeiten, die mich {4} wohl auf Monate festhalten werden.


Mit hochachtungsvoller Begrüssung
ganz ergeben
[signed:] Dr. Th. v. Frimmel

© Transcription Heribert Esser, 2019


Wiener Neudorf,June 17, 1912

Highly esteemed Dr. [Schenker,]

My reply to your letter of inquiry 1 will be very brief, because I remind you that the search-effort for the manuscripts of the Beethoven sonatas was carried out a short time ago, {2} when the Urtext edition of the Berlin Academy 2 was undertaken. The references are also published in that edition. One must, incidentally, re-examine everything (each word and each note) found therein. For the edition in question is not a credit to the Academy. You will improve on it. 3 If you yourself want to start with an {3} examination of the sources (autographs, revised prints, early editions), you will certainly begin with the old Nottebohm. If I discover something regarding changes in ownership, I will let you know, but not before autumn. At present I am detained by other tasks, which will {4} probably keep me busy for months.


With respectful greetings,
[Your] wholly devoted
[signed:] Dr. Theodor von Frimmel

© Translation John Rothgeb, 2019

Footnotes

1 See BNba Frimmel Nachl [4], June 13, 1912.

2 A check of all the relevant sources of information has not produced any sign of the edition referred to here.

3 A reference to Schenker’s Erläuterungs-Ausgaben of the Beethoven piano sonatas Opp. 101, 109, 110, and 111.