Verehrtester u. lieber Herr Doctor! 1

Von der „ U.E. “ beauftragt, die 5 letzten Sonaten B.'s mit Erläuterungen u. s. w. (nach Art der von mir voranstalteten Ausgabe der „chrom. Fantasie“ von S. Bach) herauszugeben, möchte ich, wenn möglich, das Manuscript bzw. die Manuscripte an Ort u. Stelle einsehen, um selbst die Gesamtausgabe zu überprüfen u. eventuell andere Schlüsse zu ziehen. Vielleicht ist Ihnen das Domicil der in Frage kommenden Mspte bekannt? Speziell ist mir im Augenblick um die E dur Son. op. 109 zu tun, die dem Reigen eröffnen soll, weil sie am meisten gespielt wird. Ich wäre sehr verbunden, wenn Sie mir den Weg zu dem Mspt. weisen könnten; hoffe ich doch schliesslich auch, daß der jeweilige Eigentümer mir die Einsichtnahme {2} nicht verweigern wird. Verzeihen Sie, wenn diese Zeilen Ihnen Störung gebracht haben; möge mich aber vor Ihnen der Auftrag entschuldigen, den ich übernommen habe. (Binnen 2 Wochen erscheint von mir eine Monographie über die IX. Symph. Von B., die ich 2 Ihnen durch die „ U.E. “ sofort werde selbst zukommen lassen.) nicht eingetroffen

Indem ich Ihnen für Ihre Mühe meinen Dank im Vornhinein ausspreche u. Sie herzlichst grüße


verbleibe Ihr
ergebener
[signed:] H Schenker

13. Juni 1912
III., Reisnerstr. 38.

[written in the top margin of p. 2 in pencil:] "IX. Symphonie

© Transcription Heribert Esser, 2019



Most highly revered and dear Dr. [Frimmel], 1

As I am commissioned by Universal Edition to edit, with commentary and so forth, the last five sonatas by Beethoven (along the lines of the edition that I prepared of the Chromatic Fantasy by J.S. Bach), I would like if possible to inspect on site the manuscript or manuscripts so as to evaluate even the collected edition and possibly arrive at different conclusions. Perhaps the location of the manuscripts in question is known to you? At present I shall work on the E major Sonata Op. 109, which is to open the series, as it is the one most often performed. I would be very indebted if you could tell me where to find the manuscript; finally, I hope too that the present owner will not deny me access for the inspection. {2} Forgive me if these lines have inconvenienced you; but please let the project that I have undertaken secure for me your pardon. (Within the next two weeks a monograph of mine on the Ninth Symphony by Beethoven will appear, which I 2 shall immediately have sent to you by the Universal Edition.) not yet arrived

Thanking you in advance for your effort and greeting you most warmly,


I remain
your devoted
[signed:] H. Schenker

June 13, 1912
[Vienna] III, Reisnerstraße 38

[written in the top margin of p. 2 in pencil:] "Ninth Symphony

© Translation John Rothgeb, 2019



Verehrtester u. lieber Herr Doctor! 1

Von der „ U.E. “ beauftragt, die 5 letzten Sonaten B.'s mit Erläuterungen u. s. w. (nach Art der von mir voranstalteten Ausgabe der „chrom. Fantasie“ von S. Bach) herauszugeben, möchte ich, wenn möglich, das Manuscript bzw. die Manuscripte an Ort u. Stelle einsehen, um selbst die Gesamtausgabe zu überprüfen u. eventuell andere Schlüsse zu ziehen. Vielleicht ist Ihnen das Domicil der in Frage kommenden Mspte bekannt? Speziell ist mir im Augenblick um die E dur Son. op. 109 zu tun, die dem Reigen eröffnen soll, weil sie am meisten gespielt wird. Ich wäre sehr verbunden, wenn Sie mir den Weg zu dem Mspt. weisen könnten; hoffe ich doch schliesslich auch, daß der jeweilige Eigentümer mir die Einsichtnahme {2} nicht verweigern wird. Verzeihen Sie, wenn diese Zeilen Ihnen Störung gebracht haben; möge mich aber vor Ihnen der Auftrag entschuldigen, den ich übernommen habe. (Binnen 2 Wochen erscheint von mir eine Monographie über die IX. Symph. Von B., die ich 2 Ihnen durch die „ U.E. “ sofort werde selbst zukommen lassen.) nicht eingetroffen

Indem ich Ihnen für Ihre Mühe meinen Dank im Vornhinein ausspreche u. Sie herzlichst grüße


verbleibe Ihr
ergebener
[signed:] H Schenker

13. Juni 1912
III., Reisnerstr. 38.

[written in the top margin of p. 2 in pencil:] "IX. Symphonie

© Transcription Heribert Esser, 2019



Most highly revered and dear Dr. [Frimmel], 1

As I am commissioned by Universal Edition to edit, with commentary and so forth, the last five sonatas by Beethoven (along the lines of the edition that I prepared of the Chromatic Fantasy by J.S. Bach), I would like if possible to inspect on site the manuscript or manuscripts so as to evaluate even the collected edition and possibly arrive at different conclusions. Perhaps the location of the manuscripts in question is known to you? At present I shall work on the E major Sonata Op. 109, which is to open the series, as it is the one most often performed. I would be very indebted if you could tell me where to find the manuscript; finally, I hope too that the present owner will not deny me access for the inspection. {2} Forgive me if these lines have inconvenienced you; but please let the project that I have undertaken secure for me your pardon. (Within the next two weeks a monograph of mine on the Ninth Symphony by Beethoven will appear, which I 2 shall immediately have sent to you by the Universal Edition.) not yet arrived

Thanking you in advance for your effort and greeting you most warmly,


I remain
your devoted
[signed:] H. Schenker

June 13, 1912
[Vienna] III, Reisnerstraße 38

[written in the top margin of p. 2 in pencil:] "Ninth Symphony

© Translation John Rothgeb, 2019

Footnotes

1 This letter bears the Beethoven House, Bonn archive catalog number in a mixture of stamp and pencil: "Aus Frimmels Nachlass M32|a in the top margin of p. 2. Its writing is not recorded in Schenker's diary.

2 "die IX. [...] ich" ("the Ninth [...] I"): underlined in pencil, presumably by Frimmel.