Wien, 26. Septbr. 1921

Hochgeehrter Herr Doktor! 1

Gewiss haben Sie es veranlasst dass mir Ihre ganz prächtige Erläuterungs-Ausgabe von Op. 110 u.111 2 zugeschickt worden ist. Ihre Erörterungen machen mir viel Freude, jetzt mehr, als zur Zeit des Erscheinens in den ersten Kriegsjahren. Denn damals habe ich sie nur flüchtig {2} durchsehen können. Über dies und das möchte ich mich mit Ihnen streiten, beziehungsweise belehren lassen, aber es steckt so viel Überzeugendes in Ihren Kommentaren, dass ich sie ganz in summa sehr hoch schätze. Herzlichen Dank für Ihre freundliche Anregung zur Zusendung der zwei Bände. Ich war den Sommer über, ohne jede Erholung und Erfrischung, sehr überarbeitet und finde mich erst jetzt in {3} der kühleren Jahreszeit etwas zurecht. Sonst hätte ich Ihnen umgehend gedankt. Ab und zu finde ich einige Kleinigkeiten zu Beethoven. Vielleicht schreibe ich im Herbst wieder über den Grossen. Vorläufig bin ich noch immer gezwungen, Verdienstarbeit zu leisten, oft bis in die Nacht, wodurch die Lieblingsarbeiten zurückgedrängt werden. Ihre Erläuterungsausgaben bieten mir erwünschte Anregung zu neuen Beethovenstudien. NB. Bitte haben Sie meinen Artikel über {4} die Recitativ Sonate erhalten? 3 Wenn nicht, werde ich ihn Ihnen senden.

Nochmals schönsten Dank und die besten Glückwünsche zu neuen Arbeiten!


In alter Hochschätzung
[signed:] Dr. Th. Frimmel

III/1 Baumanng. 9

© Transcription Heribert Esser, 2019


Vienna, September 26, 1921

Very dear Dr. [Schenker], 1

It was surely at your instigation that your splendid elucidatory edition of Op. 110 and Op. 111 2 have been sent me. Your discussions please me greatly, more now than at the time of their publication in the first years of the war. For at that time I was able to {2} peruse them only hastily. I might dispute you on one point or another, or on the other hand welcome your instruction, but your commentaries are so convincing that, all in all, I admire them very much. Sincere thanks for your kind order that provided me with the two volumes. I have been severely overworked the whole summer, without any vacation and refreshment, and only now, in the {3} cooler season, feel somewhat better. Otherwise I would have thanked you immediately. Now and then I find a few details concerning Beethoven. Perhaps I shall write again in autumn about the great man. For the time being I am still obliged to perform bread-winning work, often into the night, which takes precedence over the tasks I would prefer to do. Your commentary editions afford me a desired impetus to new Beethoven studies. NB: have you received my article about {4} the sonata with the recitative? 3 If not, I will send it to you.

Again, warmest thanks, and best wishes for success with new studies!


In time-honored friendship,
[signed:] Dr. Theodor Frimmel

[Vienna] III/1, Baumanngasse 9

© Translation John Rothgeb, 2019


Wien, 26. Septbr. 1921

Hochgeehrter Herr Doktor! 1

Gewiss haben Sie es veranlasst dass mir Ihre ganz prächtige Erläuterungs-Ausgabe von Op. 110 u.111 2 zugeschickt worden ist. Ihre Erörterungen machen mir viel Freude, jetzt mehr, als zur Zeit des Erscheinens in den ersten Kriegsjahren. Denn damals habe ich sie nur flüchtig {2} durchsehen können. Über dies und das möchte ich mich mit Ihnen streiten, beziehungsweise belehren lassen, aber es steckt so viel Überzeugendes in Ihren Kommentaren, dass ich sie ganz in summa sehr hoch schätze. Herzlichen Dank für Ihre freundliche Anregung zur Zusendung der zwei Bände. Ich war den Sommer über, ohne jede Erholung und Erfrischung, sehr überarbeitet und finde mich erst jetzt in {3} der kühleren Jahreszeit etwas zurecht. Sonst hätte ich Ihnen umgehend gedankt. Ab und zu finde ich einige Kleinigkeiten zu Beethoven. Vielleicht schreibe ich im Herbst wieder über den Grossen. Vorläufig bin ich noch immer gezwungen, Verdienstarbeit zu leisten, oft bis in die Nacht, wodurch die Lieblingsarbeiten zurückgedrängt werden. Ihre Erläuterungsausgaben bieten mir erwünschte Anregung zu neuen Beethovenstudien. NB. Bitte haben Sie meinen Artikel über {4} die Recitativ Sonate erhalten? 3 Wenn nicht, werde ich ihn Ihnen senden.

Nochmals schönsten Dank und die besten Glückwünsche zu neuen Arbeiten!


In alter Hochschätzung
[signed:] Dr. Th. Frimmel

III/1 Baumanng. 9

© Transcription Heribert Esser, 2019


Vienna, September 26, 1921

Very dear Dr. [Schenker], 1

It was surely at your instigation that your splendid elucidatory edition of Op. 110 and Op. 111 2 have been sent me. Your discussions please me greatly, more now than at the time of their publication in the first years of the war. For at that time I was able to {2} peruse them only hastily. I might dispute you on one point or another, or on the other hand welcome your instruction, but your commentaries are so convincing that, all in all, I admire them very much. Sincere thanks for your kind order that provided me with the two volumes. I have been severely overworked the whole summer, without any vacation and refreshment, and only now, in the {3} cooler season, feel somewhat better. Otherwise I would have thanked you immediately. Now and then I find a few details concerning Beethoven. Perhaps I shall write again in autumn about the great man. For the time being I am still obliged to perform bread-winning work, often into the night, which takes precedence over the tasks I would prefer to do. Your commentary editions afford me a desired impetus to new Beethoven studies. NB: have you received my article about {4} the sonata with the recitative? 3 If not, I will send it to you.

Again, warmest thanks, and best wishes for success with new studies!


In time-honored friendship,
[signed:] Dr. Theodor Frimmel

[Vienna] III/1, Baumanngasse 9

© Translation John Rothgeb, 2019

Footnotes

1 Receipt of this letter is recorded in Schenker's diary at p. 2393, September 29, 1921: "Von Frimmel (Br.): Dank für Zusendung." ("From Frimmel (letter): thanks for the consignment.").

2 As confirmed by Universal Edition in a letter from Alfred Kalmus to Schenker, OC 52/284, September 5, 1921. Op. 101 appears to have been delivered already. In OC 24/20, August 1, 1921, Frimmel had requested copies of "die 2 letzten Sonaten Beethovens" ("the last two Beethoven sonatas,") which might be construed as a request for Opp. 111 and 101 of Schenker's Erläuterungs-Ausgabe .

3 Beethoven, Piano Sonata in D minor, Op. 31, No. 2.