5.I.20.

Sehr geehrter Herr Professor!

Ich 1 wollte, ich könnte Ihnen mehr u. besser raten als es nach meinem geringen Wissen, im folgenden geschieht. 2 Ständige Einnahmen halte ich für das Bessere, also Vertrag auf Prozente, die ja auch für eine Auflage od. mehr als eine vorausgezahlt werden können, oder jedes Jahr abgerechnet. 3 Am besten sende ich Ihnen zwei Verlagsverträge, 4 die aber Ihrem Verlag nicht zu zeigen u. vertraulich zu behandeln bitte, d.h. Sie können ohne Namensnennung natürlich den Inhalt Ihrem Verlag angeben. Nur bitte ich, die Formulare mir nach Kenntnisnahme bzw. nachdem Sie sich die für Sie etwa wichtigen Punkte daraus notiert haben, bald wieder u. in Eingeschriebenem Brief, zurückzusenden. Unter uns gesagt: Die Abrechnung vom Gg. Müller Verlag mußte ich mir schon mehrere Jahre gerichtlich erzwingen, sowohl auch diesmal, d.h. er hat mir eine Anzahlung von 300 M. ohne Schwierigkeit auf meinen Wunsch geleistet, aber die Abrechnung bummelt er so gut er kann in die Länge. 5

Prozente geben die Verleger nicht so gern; sie wollen lieber einmal zahlen u. dann mit dem Autor fertig sein. Natürlich muß man damit rechnen, daß eine möglicherweise bei prozentualer Einnahme, bei Mißerfolg, entsprechend wenig oder nichts erhält, auch daß man, wenn das Schicksal einem das Leben zu früh abschneidet, selbst wenig von seinen Arbeiten einnimmt u. eigentlich blos die Wartezeit auf den Erfolg, nicht aber diesen selbst auskostet. Ich selbst bin aber stets mehr für Prozente als für einmalige Abfindung gewesen. 6

Bei meiner ersten Arbeit, der kleinen Harmonielehre, 7 der Sammlung Göschen, habe ich mich leider mit einmaliger Hono- {2} -rierung betölpeln lassen. Als ich mit Gg. Müller abschloß, sagte mir ein mir bekannter u. befreundeter Verleger (der beinahe ein Buch von mir herausgegeben hätte, falls nicht Müller es genommen hätte) 15% vom Ladenpreis seien nicht schlecht; mehr hätte er mir auch nicht geben können u. sie entsprechen etwa de m r von mir verlangten Hälfte des Reingewinns. Aber das wird wohl nur für die 1. Auflage gelten, bei der noch der Satz mit in Rechnung kommt. Vielleicht daß sie auch noch auf die nächsten 1000 verteilt werden – jedenfalls lassen Sie sich für spätere Auflagen, etwa das 3. Tausend, Erhöhung sichern, ca. 20%. Oder versuchen Sies erst mit mehr (ich weiß aber nicht wie weit man da gehen kann). 8

Meine Musik habe ich aus eigener oder meiner Freunde Tasche, abgesehen von dem von Ihnen vermittelten Stipendium, drucken lassen, wobei ich aber natürlich nicht gut fahre. Dies gibt also keine Verlage für unsere Erwägung, desgleichen nicht die Zeitschrift, “Die Freie Schulgemeinde,” die Eugen Diederichs verlegt, u. die in erster Linie für die Mitglieder des Bundes für Fr. Schulgemeinde bestimmt ist u. sich aus den Mitgliederbeiträgen halten muß; die daran gerückte schriftstellerische u. redaktionelle Arbeit leisten wir ohne Honorar. Also kann ich Ihnen eben aus meiner Erfahrung kaum etwas Nützliches mitteilen. —Für Überrechtsverkauf lassen Sie sich mindestens die Hälfte sichern des Preises. Dem Zu §3 des Gg. Müllervertrags: solches wollen die Verleger einem immer gern für unbestimmte Dauer ablocken. Ich ging nicht darauf ein u. nannte, anstatt ganz abzulehnen, 6 Jahre, da ich in dieser Zeit ohnehin kein Buch zu schreiben gedachte (eigentlich will ich überhaupt keins mehr schreiben). Auf die in Ihrem Brief angekündigten Veröffentlichungen freue ich mich sehr.


Mit herzlichem Gruß Ihr
[signed:] A. Halm

© Transcription Lee Rothfarb, 2006

5.I.20.

Dear Professor,

I 1 wish I could advise you more and better than is the case in the following, based on my slight knowledge. 2 I consider continuous proceeds better, that is, a contract for a percentage, which could be paid in advance for one or more editions, or settled each year. 3 The best is for me to send you two publishers’ contracts, 4 which I ask you not to show to your publisher and to handle confidentially, i.e., you may of course show the content to your publisher anonymously. I ask only that you send the forms back to me soon and by registered mail after you have taken note, that is after you have noted down points that are important for you. Between us: I had to legally force the settlement with Georg Müller Press for several years, even this time, i.e., he paid me an advance of 300 Marks without difficulty at my request, but he dawdles on the settlement as long as he can. 5

Publishers do not give percentages very happily; they prefer to pay once and then be done with the author. With a percentage of the proceeds, we have to figure that, in case of failure, we get correspondingly little or nothing, and also, if fate cuts our life too short, that we reap little from our labors and merely savor the wait for the success, but not the success itself. I have been more in favor of a percentage than for a one-time settlement. 6

In the case of my first work, the little Manual of Harmony, 7 in the Göschen series, I unfortunately let myself {2} be fooled into a one-time royalty. When I settled with Georg Müller, a publisher and friend of mine (who almost published a book of mine if Müller had not taken it) told me that 15% of the store price was not bad; he would not have been able to give me more, and that would correspond approximately to the half I demanded of the net profit. But that will probably apply only to the first edition, for which the typesetting has to be taken into account. Maybe spread it over the next 1,000 – in any case for later editions, perhaps the third thousand, secure for yourself an increase, around 20%. Or try at first for more (however, I do not know how far one can go here). 8

I have paid for printing my music out of my own pocket, or that of my friends – apart from the stipend that you arranged – by which I naturally do not fare well. No publisher grants that for our consideration, nor the periodical Die Freie Schulgemeinde , which Eugen Diederichs publishes, and which is primarily intended for the members of the Federation for Free School Communities, and must sustain itself through membership dues; we do the authorial and editorial work involved without honorarium. Therefore I can hardly tell you anything useful from my experience. – For sales, secure at least half the price for yourself. Regarding §3 of the contract with Georg Müller: the publishers are always keen to coax such things out of us for undetermined duration. I did not agree to that and, instead of declining entirely, specified six years, because I did not plan to write a book in that time anyway (actually, I do not want to write another one at all). I very much look forward to the publications mentioned in your letter.


With cordial greetings, Yours,
[signed:] A Halm.

© Translation Lee Rothfarb, 2006

5.I.20.

Sehr geehrter Herr Professor!

Ich 1 wollte, ich könnte Ihnen mehr u. besser raten als es nach meinem geringen Wissen, im folgenden geschieht. 2 Ständige Einnahmen halte ich für das Bessere, also Vertrag auf Prozente, die ja auch für eine Auflage od. mehr als eine vorausgezahlt werden können, oder jedes Jahr abgerechnet. 3 Am besten sende ich Ihnen zwei Verlagsverträge, 4 die aber Ihrem Verlag nicht zu zeigen u. vertraulich zu behandeln bitte, d.h. Sie können ohne Namensnennung natürlich den Inhalt Ihrem Verlag angeben. Nur bitte ich, die Formulare mir nach Kenntnisnahme bzw. nachdem Sie sich die für Sie etwa wichtigen Punkte daraus notiert haben, bald wieder u. in Eingeschriebenem Brief, zurückzusenden. Unter uns gesagt: Die Abrechnung vom Gg. Müller Verlag mußte ich mir schon mehrere Jahre gerichtlich erzwingen, sowohl auch diesmal, d.h. er hat mir eine Anzahlung von 300 M. ohne Schwierigkeit auf meinen Wunsch geleistet, aber die Abrechnung bummelt er so gut er kann in die Länge. 5

Prozente geben die Verleger nicht so gern; sie wollen lieber einmal zahlen u. dann mit dem Autor fertig sein. Natürlich muß man damit rechnen, daß eine möglicherweise bei prozentualer Einnahme, bei Mißerfolg, entsprechend wenig oder nichts erhält, auch daß man, wenn das Schicksal einem das Leben zu früh abschneidet, selbst wenig von seinen Arbeiten einnimmt u. eigentlich blos die Wartezeit auf den Erfolg, nicht aber diesen selbst auskostet. Ich selbst bin aber stets mehr für Prozente als für einmalige Abfindung gewesen. 6

Bei meiner ersten Arbeit, der kleinen Harmonielehre, 7 der Sammlung Göschen, habe ich mich leider mit einmaliger Hono- {2} -rierung betölpeln lassen. Als ich mit Gg. Müller abschloß, sagte mir ein mir bekannter u. befreundeter Verleger (der beinahe ein Buch von mir herausgegeben hätte, falls nicht Müller es genommen hätte) 15% vom Ladenpreis seien nicht schlecht; mehr hätte er mir auch nicht geben können u. sie entsprechen etwa de m r von mir verlangten Hälfte des Reingewinns. Aber das wird wohl nur für die 1. Auflage gelten, bei der noch der Satz mit in Rechnung kommt. Vielleicht daß sie auch noch auf die nächsten 1000 verteilt werden – jedenfalls lassen Sie sich für spätere Auflagen, etwa das 3. Tausend, Erhöhung sichern, ca. 20%. Oder versuchen Sies erst mit mehr (ich weiß aber nicht wie weit man da gehen kann). 8

Meine Musik habe ich aus eigener oder meiner Freunde Tasche, abgesehen von dem von Ihnen vermittelten Stipendium, drucken lassen, wobei ich aber natürlich nicht gut fahre. Dies gibt also keine Verlage für unsere Erwägung, desgleichen nicht die Zeitschrift, “Die Freie Schulgemeinde,” die Eugen Diederichs verlegt, u. die in erster Linie für die Mitglieder des Bundes für Fr. Schulgemeinde bestimmt ist u. sich aus den Mitgliederbeiträgen halten muß; die daran gerückte schriftstellerische u. redaktionelle Arbeit leisten wir ohne Honorar. Also kann ich Ihnen eben aus meiner Erfahrung kaum etwas Nützliches mitteilen. —Für Überrechtsverkauf lassen Sie sich mindestens die Hälfte sichern des Preises. Dem Zu §3 des Gg. Müllervertrags: solches wollen die Verleger einem immer gern für unbestimmte Dauer ablocken. Ich ging nicht darauf ein u. nannte, anstatt ganz abzulehnen, 6 Jahre, da ich in dieser Zeit ohnehin kein Buch zu schreiben gedachte (eigentlich will ich überhaupt keins mehr schreiben). Auf die in Ihrem Brief angekündigten Veröffentlichungen freue ich mich sehr.


Mit herzlichem Gruß Ihr
[signed:] A. Halm

© Transcription Lee Rothfarb, 2006

5.I.20.

Dear Professor,

I 1 wish I could advise you more and better than is the case in the following, based on my slight knowledge. 2 I consider continuous proceeds better, that is, a contract for a percentage, which could be paid in advance for one or more editions, or settled each year. 3 The best is for me to send you two publishers’ contracts, 4 which I ask you not to show to your publisher and to handle confidentially, i.e., you may of course show the content to your publisher anonymously. I ask only that you send the forms back to me soon and by registered mail after you have taken note, that is after you have noted down points that are important for you. Between us: I had to legally force the settlement with Georg Müller Press for several years, even this time, i.e., he paid me an advance of 300 Marks without difficulty at my request, but he dawdles on the settlement as long as he can. 5

Publishers do not give percentages very happily; they prefer to pay once and then be done with the author. With a percentage of the proceeds, we have to figure that, in case of failure, we get correspondingly little or nothing, and also, if fate cuts our life too short, that we reap little from our labors and merely savor the wait for the success, but not the success itself. I have been more in favor of a percentage than for a one-time settlement. 6

In the case of my first work, the little Manual of Harmony, 7 in the Göschen series, I unfortunately let myself {2} be fooled into a one-time royalty. When I settled with Georg Müller, a publisher and friend of mine (who almost published a book of mine if Müller had not taken it) told me that 15% of the store price was not bad; he would not have been able to give me more, and that would correspond approximately to the half I demanded of the net profit. But that will probably apply only to the first edition, for which the typesetting has to be taken into account. Maybe spread it over the next 1,000 – in any case for later editions, perhaps the third thousand, secure for yourself an increase, around 20%. Or try at first for more (however, I do not know how far one can go here). 8

I have paid for printing my music out of my own pocket, or that of my friends – apart from the stipend that you arranged – by which I naturally do not fare well. No publisher grants that for our consideration, nor the periodical Die Freie Schulgemeinde , which Eugen Diederichs publishes, and which is primarily intended for the members of the Federation for Free School Communities, and must sustain itself through membership dues; we do the authorial and editorial work involved without honorarium. Therefore I can hardly tell you anything useful from my experience. – For sales, secure at least half the price for yourself. Regarding §3 of the contract with Georg Müller: the publishers are always keen to coax such things out of us for undetermined duration. I did not agree to that and, instead of declining entirely, specified six years, because I did not plan to write a book in that time anyway (actually, I do not want to write another one at all). I very much look forward to the publications mentioned in your letter.


With cordial greetings, Yours,
[signed:] A Halm.

© Translation Lee Rothfarb, 2006

Footnotes

1 Receipt of this letter is recorded in Schenker's diary at OJ 3/1, p. 2206, January 12, 1920: "Von Halm (eingeschr. Br.): Original-Vertrag von Georg Müller usw.; voll Herzlichkeiten u. Anteilnahme; empfiehlt von einmaliger Abfertigung abzusehen u. unter allen Umständen auf perzentuelle Beteiligung zu dringen." ("From Halm (registered letter): original contract from Georg Müller, etc.; full of friendly words and compassion; recommends against a one-time payment and suggests I should definitely urge for a percentage of sales.").

2 Schenker's letter is not known to survive, but its writing is recorded in Schenker's diary at OJ 3/1, p. 2198, December 28, 1919: "An Halm (Br.): frage an, ob er nicht aus seiner Erfahrung heraus mir mit Rat in Sachen der „Kleinen Bibliothek“ beistehen könnte." ("To Halm (letter): inquire whether he couldn't support me with advice on the issues of the Little Library based on his experience. ").

3 This is the arrangement Schenker has with J. G. Cotta Verlag, but not generally with UE.

4 These do not survive with this letter, so presumably Schenker returned them to Halm as requested.

5 Halms inserts an emdash at this point and runs on without paragraph break.

6 Halms inserts an emdash at this point and runs on without paragraph break.

7 Halm, Harmonielehre (Leipzig: G.J. Göschen’sche Verlagshandlung, 1900).

8 No paragraph break in original at this point.