Downloads temporarily removed for testing purposes



Mein lieber Wilhelm! 1

Samstag habe ich Mozio gesehen. 2 Von ihm hörte ich, daß Du wirklich in Wien nicht gewesen bist – wir glaubten, daß Du kommst – u. da hatte ich Gelegenheit, seine Gedanken zu hören. Er beteuert, daß er Tonerl bei Rotmüller doch durchsetzen wird, auch gegen den Betriebsrat, der sich gegen jede Neuaufnahme sperrt, u. zw. steht im Geschäft mit Rußland bevor, das er als Druckmittel benützen wird. Es schmerzt ihn, sagt er, daß Du, auch der Bezirkshauptmann von Baden, offenbar „verschnupft“ seid. Er ist aber sicher, daß er Tonerl anbringen wird.

Auch erzählt Mozio, daß er schon unzählige Mal in Reichraming angetragen hat, wo Du ganz nach deinem Belieben leben könntest. Freilich übersieht er gerade das, was dir solche Schmerzen u. Freuden zugleich verursacht, {2} nämlich die Versorgung der Kinder in erster Reihe. Ob Mozio diese mit Absicht oder nur unbewußt wegdenkt, vermag ich nicht zu beurteilen; ich kenne seine Leute nicht, also nicht ihre Stimmung, wie weit sie für oder gegen Tonschl’s Kinder sind. Erlaube aber die Frage:

Wäre es denn nicht möglich, daß Du deine Barschaft – je kleiner sie ist, desto besser wäre es in diesem Falle – Mozio übergibst u. ihm den Auftrag erteilst, mit von den Zinsen die Kinder zu erhalten. Du könntest dann sein in Reichraming oder in Wien; das ist dann schon eine Kleinigkeit. Und wäre es nur 50 Mill., Du solltest es Dir erlauben, jene Transaction mit Mozio durchzuführen. Gesagt, er zahlte bei den Kindern 20 Mill. jährlich, oder mehr drauf, würdest Du Dir wirklich ein Gewissen daraus machen? Millionen zählen ja nur bei uns, aber nicht bei {3} Mozio. Was wäre es denn, wenn er statt 2 Kinder eben 5 Kinder hätte – waren bei uns nicht 12? – 3

Freilich weiß ich nicht, warum du dein Geld seinerzeit von ihm weggenommen hast, – nur einmal klagte darüber Mozio, ohne den Grund u. die Höhe des Geldes anzugeben –, aber wenn Du Dir endlich Ruhe schaffen kannst, warum solltest Du es nicht tun, wenn, wie es scheint, Mozio Dir gegenüber viel teilnehmender als mir gegenüber sich erweist. Frage nicht, sondern schaffe Dir es an, wie Du es brauchst. An deiner Stelle täte ich es gewiss.

Und noch Eines: Du solltest einen Radioapparat haben! Ist in St. Bernhard noch keiner da? Wir haben einen um 700.000 K u. er tut uns vortreffliche Dienste in der Stadt. Du auf dem Lande hättest viel, viel Freude daran. {4} Auch Mozio hat in Reichramung einen Apparat.

Wann also glaubst Du nach Wien zu kommen? Gern möchte ich obige Fragen mit dir durchgehen, mir scheint die Lösung nicht so schwierig.


Viele Küsse u. Grüße von mir u. LieLiechen
Dein
[signed:] Heinrich
4. I. 1925

Oder noch einfacher: sage Mozio, er soll die Kinder materiell auf sich nehmen, du brauchst Sorgenlosigkeit. Für ihn ist es ein Trinkgeldkleinigkeit.

© Transcription William Drabkin, 2024



My dear Wilhelm, 1

I saw Mozio on Saturday. 2 I heard from him that you really were not in Vienna – we believed that you were coming – and then I had the opportunity to hear his thoughts. He emphasizes that he would successfully advocate for Tonerl with Rothmüller, even against the Business Council, which is blocking every new membership, and is indeed at the point of doing business with Russia, which it will use as a means of exerting pressure. It pains him, he says, that you, and also the district manager of Baden, are evidently “miffed.” He is sure, though, that he will get Tonerl placed.

Mozio also says that he applied countless times in Reichraming, where you could live entirely according to your liking. He is naturally overlooking precisely that which causes you pain and joy at the same time, {2} namely providing foremost for the children. Whether Mozio intentionally or merely unconsciously ignores the provision, I can’t judge. I don’t know his people, i.e. their disposition, to what extent they are for or against Tonschl’s children. However, I allow the question:

Would it not be possible for you to turn over to Mozio your ready cash – the less there is, the better it would be in this case – and assign him the task of providing for the children from the interest. You could then be in Reichraming or in Vienna. That would be a minor matter. And if it were only 50 Million, you should allow yourself the implementation of every transaction with Mozio. Let’s say he were to pay the children 20 Million annually, or even more, would you really feel guilty about it? Millions count only with us, but not with {3} Mozio. What would be, then, if instead of two children he had five – with us were there not 12. 3

Naturally, I don’t know why you took your money away from him at the time. Mozio complained about it only once, without giving the reason or the amount of money. But if you can at last secure some tranquility for yourself, why shouldn’t you do it when, as it seems, Mozio shows himself to be more sympathetic toward you than toward me? Don’t ask but rather make it happen for yourself as you need it to be. In your place, I would certainly do it.

And another thing: you ought to have a radio, Doesn’t St. Bernard have one yet? We have one that cost 700,000 Kronen and it serves us superbly in the city. Out in the country, you would have a lot of joy in it. {4} Even Mozio has a set in Reichraming.

When are you thinking of coming to Vienna? I would gladly like to go over the aforementioned issues with you. To me, the solution doesn’t seem so difficult.


Many kisses and greetings from me and LieLiechen
Your
[signed:] Heinrich
January 4, 1925

Or yet easier: tell Mozio he should take on the children’s material needs. You need to be worry free. For him, it is a financial trifle.

© Translation Lee Rothfarb, 2024



Mein lieber Wilhelm! 1

Samstag habe ich Mozio gesehen. 2 Von ihm hörte ich, daß Du wirklich in Wien nicht gewesen bist – wir glaubten, daß Du kommst – u. da hatte ich Gelegenheit, seine Gedanken zu hören. Er beteuert, daß er Tonerl bei Rotmüller doch durchsetzen wird, auch gegen den Betriebsrat, der sich gegen jede Neuaufnahme sperrt, u. zw. steht im Geschäft mit Rußland bevor, das er als Druckmittel benützen wird. Es schmerzt ihn, sagt er, daß Du, auch der Bezirkshauptmann von Baden, offenbar „verschnupft“ seid. Er ist aber sicher, daß er Tonerl anbringen wird.

Auch erzählt Mozio, daß er schon unzählige Mal in Reichraming angetragen hat, wo Du ganz nach deinem Belieben leben könntest. Freilich übersieht er gerade das, was dir solche Schmerzen u. Freuden zugleich verursacht, {2} nämlich die Versorgung der Kinder in erster Reihe. Ob Mozio diese mit Absicht oder nur unbewußt wegdenkt, vermag ich nicht zu beurteilen; ich kenne seine Leute nicht, also nicht ihre Stimmung, wie weit sie für oder gegen Tonschl’s Kinder sind. Erlaube aber die Frage:

Wäre es denn nicht möglich, daß Du deine Barschaft – je kleiner sie ist, desto besser wäre es in diesem Falle – Mozio übergibst u. ihm den Auftrag erteilst, mit von den Zinsen die Kinder zu erhalten. Du könntest dann sein in Reichraming oder in Wien; das ist dann schon eine Kleinigkeit. Und wäre es nur 50 Mill., Du solltest es Dir erlauben, jene Transaction mit Mozio durchzuführen. Gesagt, er zahlte bei den Kindern 20 Mill. jährlich, oder mehr drauf, würdest Du Dir wirklich ein Gewissen daraus machen? Millionen zählen ja nur bei uns, aber nicht bei {3} Mozio. Was wäre es denn, wenn er statt 2 Kinder eben 5 Kinder hätte – waren bei uns nicht 12? – 3

Freilich weiß ich nicht, warum du dein Geld seinerzeit von ihm weggenommen hast, – nur einmal klagte darüber Mozio, ohne den Grund u. die Höhe des Geldes anzugeben –, aber wenn Du Dir endlich Ruhe schaffen kannst, warum solltest Du es nicht tun, wenn, wie es scheint, Mozio Dir gegenüber viel teilnehmender als mir gegenüber sich erweist. Frage nicht, sondern schaffe Dir es an, wie Du es brauchst. An deiner Stelle täte ich es gewiss.

Und noch Eines: Du solltest einen Radioapparat haben! Ist in St. Bernhard noch keiner da? Wir haben einen um 700.000 K u. er tut uns vortreffliche Dienste in der Stadt. Du auf dem Lande hättest viel, viel Freude daran. {4} Auch Mozio hat in Reichramung einen Apparat.

Wann also glaubst Du nach Wien zu kommen? Gern möchte ich obige Fragen mit dir durchgehen, mir scheint die Lösung nicht so schwierig.


Viele Küsse u. Grüße von mir u. LieLiechen
Dein
[signed:] Heinrich
4. I. 1925

Oder noch einfacher: sage Mozio, er soll die Kinder materiell auf sich nehmen, du brauchst Sorgenlosigkeit. Für ihn ist es ein Trinkgeldkleinigkeit.

© Transcription William Drabkin, 2024



My dear Wilhelm, 1

I saw Mozio on Saturday. 2 I heard from him that you really were not in Vienna – we believed that you were coming – and then I had the opportunity to hear his thoughts. He emphasizes that he would successfully advocate for Tonerl with Rothmüller, even against the Business Council, which is blocking every new membership, and is indeed at the point of doing business with Russia, which it will use as a means of exerting pressure. It pains him, he says, that you, and also the district manager of Baden, are evidently “miffed.” He is sure, though, that he will get Tonerl placed.

Mozio also says that he applied countless times in Reichraming, where you could live entirely according to your liking. He is naturally overlooking precisely that which causes you pain and joy at the same time, {2} namely providing foremost for the children. Whether Mozio intentionally or merely unconsciously ignores the provision, I can’t judge. I don’t know his people, i.e. their disposition, to what extent they are for or against Tonschl’s children. However, I allow the question:

Would it not be possible for you to turn over to Mozio your ready cash – the less there is, the better it would be in this case – and assign him the task of providing for the children from the interest. You could then be in Reichraming or in Vienna. That would be a minor matter. And if it were only 50 Million, you should allow yourself the implementation of every transaction with Mozio. Let’s say he were to pay the children 20 Million annually, or even more, would you really feel guilty about it? Millions count only with us, but not with {3} Mozio. What would be, then, if instead of two children he had five – with us were there not 12. 3

Naturally, I don’t know why you took your money away from him at the time. Mozio complained about it only once, without giving the reason or the amount of money. But if you can at last secure some tranquility for yourself, why shouldn’t you do it when, as it seems, Mozio shows himself to be more sympathetic toward you than toward me? Don’t ask but rather make it happen for yourself as you need it to be. In your place, I would certainly do it.

And another thing: you ought to have a radio, Doesn’t St. Bernard have one yet? We have one that cost 700,000 Kronen and it serves us superbly in the city. Out in the country, you would have a lot of joy in it. {4} Even Mozio has a set in Reichraming.

When are you thinking of coming to Vienna? I would gladly like to go over the aforementioned issues with you. To me, the solution doesn’t seem so difficult.


Many kisses and greetings from me and LieLiechen
Your
[signed:] Heinrich
January 4, 1925

Or yet easier: tell Mozio he should take on the children’s material needs. You need to be worry free. For him, it is a financial trifle.

© Translation Lee Rothfarb, 2024

Footnotes

1 Writing of this letter is recorded in Schenker’s diary for January 4, 1925: “An Wilhelm (Br.): Mozio ist überzeugt, daß er Tonerl bei Rothmüller durchsetzen wird; ich empfehle ihm Mozio in Anspruch zu nehmen, sei es für sich oder für die Kinder, u. wenn es auch 30 Millionen kostet.”) (“To Wilhelm (letter): Mozio is convinced that he will establish Tonerl at Rothmüller’s; I recommend that he make use of Mozio, whether for his own or for the children's benefit, and even if it costs 30 million.”).

2 Heinrich’s diary for January 2 records: “Bei Mozio: holen eine Million; er ist so taktlos, einen offenen Zettel durch den Diener an Frl. ? zu schicken!” (“At Mozio's: we pick up one million; he is so tactless as to send Miss ? a message on an open slip through the servant!”).

3 These two paragraphs provide confirmation that Tonschl had children, that there were two, and that Wilhelm was caring for them.

Commentary

Format
4p letter (Bogen format), holograph salutation, message, valediction, signature, and postscript
Provenance
Wilhelm Schenker (document date-1938?)—Jeanette Schenker (1938?-c.1942)--Ratz, Erwin (c.1942-c.1955)--Jonas, Oswald (c.1955-1978)--University of California, Riverside (1978--)
Rights Holder
Heirs of Heinrich Schenker; deemed to be in the public domain
License
This document is deemed to be in the public domain as of January 1, 2006. Any claim to intellectual rights should be addressed to the Schenker Correspondence Project, Faculty of Music, University of Cambridge, at schenkercorrespondence[at]mus(dot)cam(dot)ac(dot)uk

Digital version created: 2024-06-12
Last updated: 2010-03-11