20. II. 15
Lie-Liechen vormittags zur Mama, wo sie Sophie trifft; das Packen wird durchgeführt. Mama scheint beruhigt zu sein; sie schenkt von den beiden silbernen Leuchtern einen der Sophie, den zweiten der Tante , die Möbel der Nichte, einen Spiegel ausgenommen, den sie dem Frl. Kl. überläßt! Mir selbst gibt sie ihr Bettzeug, das sie seinerzeit von Wilhelm erhalten u. Lie-Liechen geht, wie sie ganz richtig bemerkt, mit leeren Händen aus. Wie sehr die Mutter wegen Mangel an Bildung unfähig ist, ihre Aufmerksamkeiten stilvoll durchzuführen[,] geht schließlich auch schon daraus hervor, daß sie Jugendbilder von mir statt sie Lie-Liechen zu schenken, die darum bat, der kleinen Friede überläßt, als wären es eben Bilder von kleinen Kindern für kleine Kinder! *Breisach u. Hupka gehen freiwillig zum Heer! *Neuerlicher BriefWSLB 240 an Hertzka mit Zurückweisung seines im Antwortschreiben eingenommenen Standpunktes. Was hat – fragte ich – eine für das Werk notwendige Vorbereitung mit dem 7. Monat des Krieges u. mit diesem überhaupt zu tun, so lange es sich blo sß um Vorbereitungen für ein erst nach Frieden[s]schluß u. in Friedenszeiten zu druckendes u. zu veröffentliches [sic] Werk handelt? In diesem Sinne ersuchte ich um ein entschiedenes „Ja“ oder „Nein“! — Die Edition übersendet die mir gebührenden 5 Exemplare u. ein Exemplar der „Walpurgisnacht“ von Ochs. 1 *
© Transcription Marko Deisinger. |
February 20, 1915.
Lie-Liechen in the morning to Mama's, where she meets Sophie; the packing is carried out. Mama seems at peace; of the two silver candlesticks, she gives one to Sophie, the other to my aunt ; the furniture to her niece, apart from a mirror, which she leaves for Miss Klumak! To me she left her bedding which she had some time ago received from Wilhelm; Lie-Liechen departs empty-handed, as she rightly remarks. The extent to which my mother, from a lack of upbringing, was incapable of performing her kindnesses with style can ultimately be seen also from the fact that, instead of giving Lie-Liechen photographs from my youth (though she had asked for them), she left them for little Frieda – as if pictures of small children were actually meant for small children! *Breisach and Hupka voluntarily join the army! *A further letterWSLB 240 to Hertzka, with repudiation of the standpoint he took in his reply. What – I asked – do the necessary preparations for the work have to do with the seventh month of the war, and with the war at all, so long as it is just a matter of preparations for a work that will be published only after the conclusion of peace, and in times of peace? From this standpoint, I requested a decisive "yes" or "no"! — The publisher sends me the five copies due to me, and a copy of Ochs's Walpurgisnacht. 1 *
© Translation William Drabkin. |
20. II. 15
Lie-Liechen vormittags zur Mama, wo sie Sophie trifft; das Packen wird durchgeführt. Mama scheint beruhigt zu sein; sie schenkt von den beiden silbernen Leuchtern einen der Sophie, den zweiten der Tante , die Möbel der Nichte, einen Spiegel ausgenommen, den sie dem Frl. Kl. überläßt! Mir selbst gibt sie ihr Bettzeug, das sie seinerzeit von Wilhelm erhalten u. Lie-Liechen geht, wie sie ganz richtig bemerkt, mit leeren Händen aus. Wie sehr die Mutter wegen Mangel an Bildung unfähig ist, ihre Aufmerksamkeiten stilvoll durchzuführen[,] geht schließlich auch schon daraus hervor, daß sie Jugendbilder von mir statt sie Lie-Liechen zu schenken, die darum bat, der kleinen Friede überläßt, als wären es eben Bilder von kleinen Kindern für kleine Kinder! *Breisach u. Hupka gehen freiwillig zum Heer! *Neuerlicher BriefWSLB 240 an Hertzka mit Zurückweisung seines im Antwortschreiben eingenommenen Standpunktes. Was hat – fragte ich – eine für das Werk notwendige Vorbereitung mit dem 7. Monat des Krieges u. mit diesem überhaupt zu tun, so lange es sich blo sß um Vorbereitungen für ein erst nach Frieden[s]schluß u. in Friedenszeiten zu druckendes u. zu veröffentliches [sic] Werk handelt? In diesem Sinne ersuchte ich um ein entschiedenes „Ja“ oder „Nein“! — Die Edition übersendet die mir gebührenden 5 Exemplare u. ein Exemplar der „Walpurgisnacht“ von Ochs. 1 *
© Transcription Marko Deisinger. |
February 20, 1915.
Lie-Liechen in the morning to Mama's, where she meets Sophie; the packing is carried out. Mama seems at peace; of the two silver candlesticks, she gives one to Sophie, the other to my aunt ; the furniture to her niece, apart from a mirror, which she leaves for Miss Klumak! To me she left her bedding which she had some time ago received from Wilhelm; Lie-Liechen departs empty-handed, as she rightly remarks. The extent to which my mother, from a lack of upbringing, was incapable of performing her kindnesses with style can ultimately be seen also from the fact that, instead of giving Lie-Liechen photographs from my youth (though she had asked for them), she left them for little Frieda – as if pictures of small children were actually meant for small children! *Breisach and Hupka voluntarily join the army! *A further letterWSLB 240 to Hertzka, with repudiation of the standpoint he took in his reply. What – I asked – do the necessary preparations for the work have to do with the seventh month of the war, and with the war at all, so long as it is just a matter of preparations for a work that will be published only after the conclusion of peace, and in times of peace? From this standpoint, I requested a decisive "yes" or "no"! — The publisher sends me the five copies due to me, and a copy of Ochs's Walpurgisnacht. 1 *
© Translation William Drabkin. |
Footnotes1 Felix Mendelssohn Bartholdy, Op. 60. Die erste Walpurgisnacht (Ballade von Goethe) für Chor und Orchester. Klavierauszug nach der Orchesterpartitur bearbeitet von Josef V. von Wöss. Einführung von Siegfried Ochs (Vienna–Leipzig: Universal Edition, n. d.). |