29. III. 15

Frau Deutsch reist wieder auf den Semmering, um endlich die Teilnahme, statt wie bisher blos den Armen u. Bedrückten, ausnahmsweise einmal auch sich selbst zuzuwenden. Sie verkörpert geradezu die „Liebe in fremder Regie“.

*

Fl. erscheint im Gasthaus, kommt auch ins Caféhaus mit u. erzählt, daß Artur Pollak sich bei ihm erkundigt habe, ob ich etwas von seiner Operation gehört hätte. Es scheint also, daß der genannte Herr dadurch empfindlich verletzt war, daß ich keine Erkundigungen eingezogen. Wieder ein Zug neronischer Ueberhebung eines Spießers, der selbst nicht genug an fremder Teilnahme absorbieren kann, u. es, wenn sie fehlt[,] als Unrecht empfindet, es aber nicht für unanständig hält, wenn er selbst sie verweigert. Daraufhin gab ich Fl. die Ermächtigung zu sagen, daß ich davon gewußt habe, sowie angebliche Unterlassung in meinem Namen damit zu motivieren, daß ich mich beleidigt fühle. Nun hoffe ich, daß es dabei sein Bewenden haben wird u. daß die so dunkle Moral der Allzumoralischen auf meinem Horizont endlich zu wetterleuchten aufhört.

*

© Transcription Marko Deisinger.

March 29, 1915.

Mrs. Deutsch is travelling again to Semmering, finally to apply her sympathy, not as previously to merely the poor and oppressed, but exceptionally once even to herself. She verily embodies the "love of being directed by others."

*

Floriz appears at the restaurant, joins me at the coffee house and says that Artur Pollak asked him whether I had heard something about his operation. It seems, then, that the gentlemen in question felt hurt by my not making enquiries. Yet a sign of the Neronic arrogance of a small-minded man, who himself cannot absorb enough sympathy from others and, when it is missing, feels it as an injustice, although he does not regard it as improper if he himself withholds it. Thereupon I gave Floriz the authority to say that I knew about it, and also the alleged omission on my part, so as to explain that I myself feel insulted. I hope now that this will be the end of the matter, and such dark morality of all-too-moral people will finally stop creating storm clouds on my horizon.

*

© Translation William Drabkin.

29. III. 15

Frau Deutsch reist wieder auf den Semmering, um endlich die Teilnahme, statt wie bisher blos den Armen u. Bedrückten, ausnahmsweise einmal auch sich selbst zuzuwenden. Sie verkörpert geradezu die „Liebe in fremder Regie“.

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Fl. erscheint im Gasthaus, kommt auch ins Caféhaus mit u. erzählt, daß Artur Pollak sich bei ihm erkundigt habe, ob ich etwas von seiner Operation gehört hätte. Es scheint also, daß der genannte Herr dadurch empfindlich verletzt war, daß ich keine Erkundigungen eingezogen. Wieder ein Zug neronischer Ueberhebung eines Spießers, der selbst nicht genug an fremder Teilnahme absorbieren kann, u. es, wenn sie fehlt[,] als Unrecht empfindet, es aber nicht für unanständig hält, wenn er selbst sie verweigert. Daraufhin gab ich Fl. die Ermächtigung zu sagen, daß ich davon gewußt habe, sowie angebliche Unterlassung in meinem Namen damit zu motivieren, daß ich mich beleidigt fühle. Nun hoffe ich, daß es dabei sein Bewenden haben wird u. daß die so dunkle Moral der Allzumoralischen auf meinem Horizont endlich zu wetterleuchten aufhört.

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© Transcription Marko Deisinger.

March 29, 1915.

Mrs. Deutsch is travelling again to Semmering, finally to apply her sympathy, not as previously to merely the poor and oppressed, but exceptionally once even to herself. She verily embodies the "love of being directed by others."

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Floriz appears at the restaurant, joins me at the coffee house and says that Artur Pollak asked him whether I had heard something about his operation. It seems, then, that the gentlemen in question felt hurt by my not making enquiries. Yet a sign of the Neronic arrogance of a small-minded man, who himself cannot absorb enough sympathy from others and, when it is missing, feels it as an injustice, although he does not regard it as improper if he himself withholds it. Thereupon I gave Floriz the authority to say that I knew about it, and also the alleged omission on my part, so as to explain that I myself feel insulted. I hope now that this will be the end of the matter, and such dark morality of all-too-moral people will finally stop creating storm clouds on my horizon.

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© Translation William Drabkin.