3. Anhaltend schönes Wetter!

Die Rede des Grafen Czernin könnte sehr wohl leicht einen Wendepunkt bedeuten, er trägt zwar wieder einen Verständigungsfrieden an, bei welcher Gelegenheit er sich sogar in allerhand Utopien, wie Abrüstung, Schiedsgericht, Freiheit der Meere u. dgl. verliert, befristet aber zugleich das Einlenken der Gegner, indem er – eine Art Friedensultimatum – die Strafe der von Annexionen auf das ihr Nichtparieren setzt. — Von Winternitz Faktura eingelangt, Kohlenpreis bedeutend erhöht! — „Arbeiter Ztg.“ Leitartikel: 1 Nun, da Graf Czernin sich endlich im Sinne der Friedensfreunde u. Pazifisten geäußert, (er hat es ja heute nach errungenem Siege viel leichter, als noch vor einem oder zwei Jahren, ja noch vor wenigen Monaten ), beginnt plötzlich das selbe Blatt, das bisher an der Spitze der Friedenshetzer war stand, plötzlich zaghafte u. skeptische Nuançen in die Welt zu setzen. Der Leitartikel wimmelt von: vielleichtsoweitinsofern , die Hoffnung – bei denselben Gedankengängen, bei denen sie bis heute stets nur vollste Zuversicht geäußert hat! Die Bande fürchtet sich eben, der Schritt, zu dem sie gedrängt hat, könnte möglicherweise doch nicht zu dem Resultat führen, das sie als Lohn des Schrittes bestimmt vorausgesagt. Z. B. „. . darum vielleicht auch ihrer Wirkung auf die Gegner gewiß“; oder: „. . die, sofern in ihre Beteuerungen Zutrauen gesetzt werden kann, von der Entente als jener neue Zustand angegeben wurde . .“; oder: „. . kann die Entente, soweit sie demokratisch fühlt . .“; oder: „. . die Hoffnung, daß der Wille zum Frieden auch drüben sich festigen u. äußern wird . .“. Bübisch ist es aber insbesondere, wenn das Blatt so tut, als hätte nicht längst vorher auch schon Deutschland den Verständig- {780} ungsfrieden längst angetragen, u. von Czernin behauptet, endlich habe er den Mut gefunden es ihn endlich „deutlich“ zu erklären. – u. im übrigen. — Von Sophie (Br.): neue Adresse (15. Wohnung seit dem Auszug aus Sereth) über Hans’ neue Stellung, Ankündigung von Brot u. Zigarren, auch kondensierter Milch; Rat, an Mozio heranzutreten. — Ein kleiner Junge bringt einen Rucksack mit Kartoffeln aus Kautzen u. sagt: Herr Ernst werde morgen kommen.

© Transcription Marko Deisinger.

3 Persistently beautiful weather!

The speech of Count Czernin could very well easily mean a turning point, indeed he is again offering a "Peace through Rapprochement", at which opportunity he loses himself in all kinds of utopias, such as disarmament, a court of arbitration, freedom of the seas and such like, but all the same puts a time limit on the adversary's willingness to give in, inasmuch as he – [in] a kind of peace ultimatum – sets a penalty of annexation on the any non-obedience. — From Winternitz the invoice arrived, price of coal raised significantly! — Arbeiter Zeitung editorial: 1 Now that Count Czernin has at last expressed himself in the terms of the Friends of Peace and the pacifists , ( these days, after the victories achieved, it is much easier than it was one or two years ago, yes even a few months ago ), the same paper suddenly, that up to now was stood at the apex of the peace agitators, suddenly begins to let out timid and skeptical subtleties into the world. The editorial abounds with: "perhaps""provided that""in as much as" , "the hope" – with the same trains of thought, which, up to today, they always only expressed with fullest confidence! The gang is now frightened that the steps they urged might possibly not lead to the result they predicted as being the certain reward for those steps. E.g. ". . for this reason perhaps also certain of their effect on the enemy"; or: ". . as far as trust can be placed in their assertions, that which the Entente has declared to be the new state [of affairs]. ."; or: ". . can the Entente, as far as it can feel democratically. ."; or: ". . the hope, that the will for peace can also consolidate and express itself over there. ." It is particularly roguish when the paper acts as if Germany had not, ages ago, already offered a Peace of Rapprochement, {780} and when von Czernin maintains that he has finally found the courage to declare it finally "manifestly." – and by the way. — From Sophie (letter): new address (15th apartment since moving out from Sereth) about Hans’s new position, announcement of bread and cigars, also condensed milk; advises to approach Mozio. — A little boy brings a rucksack with potatoes from Kautzen and says: Mr. Ernst will come tomorrow.

© Translation Stephen Ferguson.

3. Anhaltend schönes Wetter!

Die Rede des Grafen Czernin könnte sehr wohl leicht einen Wendepunkt bedeuten, er trägt zwar wieder einen Verständigungsfrieden an, bei welcher Gelegenheit er sich sogar in allerhand Utopien, wie Abrüstung, Schiedsgericht, Freiheit der Meere u. dgl. verliert, befristet aber zugleich das Einlenken der Gegner, indem er – eine Art Friedensultimatum – die Strafe der von Annexionen auf das ihr Nichtparieren setzt. — Von Winternitz Faktura eingelangt, Kohlenpreis bedeutend erhöht! — „Arbeiter Ztg.“ Leitartikel: 1 Nun, da Graf Czernin sich endlich im Sinne der Friedensfreunde u. Pazifisten geäußert, (er hat es ja heute nach errungenem Siege viel leichter, als noch vor einem oder zwei Jahren, ja noch vor wenigen Monaten ), beginnt plötzlich das selbe Blatt, das bisher an der Spitze der Friedenshetzer war stand, plötzlich zaghafte u. skeptische Nuançen in die Welt zu setzen. Der Leitartikel wimmelt von: vielleichtsoweitinsofern , die Hoffnung – bei denselben Gedankengängen, bei denen sie bis heute stets nur vollste Zuversicht geäußert hat! Die Bande fürchtet sich eben, der Schritt, zu dem sie gedrängt hat, könnte möglicherweise doch nicht zu dem Resultat führen, das sie als Lohn des Schrittes bestimmt vorausgesagt. Z. B. „. . darum vielleicht auch ihrer Wirkung auf die Gegner gewiß“; oder: „. . die, sofern in ihre Beteuerungen Zutrauen gesetzt werden kann, von der Entente als jener neue Zustand angegeben wurde . .“; oder: „. . kann die Entente, soweit sie demokratisch fühlt . .“; oder: „. . die Hoffnung, daß der Wille zum Frieden auch drüben sich festigen u. äußern wird . .“. Bübisch ist es aber insbesondere, wenn das Blatt so tut, als hätte nicht längst vorher auch schon Deutschland den Verständig- {780} ungsfrieden längst angetragen, u. von Czernin behauptet, endlich habe er den Mut gefunden es ihn endlich „deutlich“ zu erklären. – u. im übrigen. — Von Sophie (Br.): neue Adresse (15. Wohnung seit dem Auszug aus Sereth) über Hans’ neue Stellung, Ankündigung von Brot u. Zigarren, auch kondensierter Milch; Rat, an Mozio heranzutreten. — Ein kleiner Junge bringt einen Rucksack mit Kartoffeln aus Kautzen u. sagt: Herr Ernst werde morgen kommen.

© Transcription Marko Deisinger.

3 Persistently beautiful weather!

The speech of Count Czernin could very well easily mean a turning point, indeed he is again offering a "Peace through Rapprochement", at which opportunity he loses himself in all kinds of utopias, such as disarmament, a court of arbitration, freedom of the seas and such like, but all the same puts a time limit on the adversary's willingness to give in, inasmuch as he – [in] a kind of peace ultimatum – sets a penalty of annexation on the any non-obedience. — From Winternitz the invoice arrived, price of coal raised significantly! — Arbeiter Zeitung editorial: 1 Now that Count Czernin has at last expressed himself in the terms of the Friends of Peace and the pacifists , ( these days, after the victories achieved, it is much easier than it was one or two years ago, yes even a few months ago ), the same paper suddenly, that up to now was stood at the apex of the peace agitators, suddenly begins to let out timid and skeptical subtleties into the world. The editorial abounds with: "perhaps""provided that""in as much as" , "the hope" – with the same trains of thought, which, up to today, they always only expressed with fullest confidence! The gang is now frightened that the steps they urged might possibly not lead to the result they predicted as being the certain reward for those steps. E.g. ". . for this reason perhaps also certain of their effect on the enemy"; or: ". . as far as trust can be placed in their assertions, that which the Entente has declared to be the new state [of affairs]. ."; or: ". . can the Entente, as far as it can feel democratically. ."; or: ". . the hope, that the will for peace can also consolidate and express itself over there. ." It is particularly roguish when the paper acts as if Germany had not, ages ago, already offered a Peace of Rapprochement, {780} and when von Czernin maintains that he has finally found the courage to declare it finally "manifestly." – and by the way. — From Sophie (letter): new address (15th apartment since moving out from Sereth) about Hans’s new position, announcement of bread and cigars, also condensed milk; advises to approach Mozio. — A little boy brings a rucksack with potatoes from Kautzen and says: Mr. Ernst will come tomorrow.

© Translation Stephen Ferguson.

Footnotes

1 "Cernins Friedensrede," Arbeiter-Zeitung, No. 271, October 3, 1917, 29th year, p. 1.