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[envelope]
{recto}

[An:] Frau Dr. Heinrich Schenker
Wien III.
Keilgasse 8.

[postmark:] || [illeg] | [illeg] | [*] AUSSIG 2 [*] ||
{verso}

[Absender:] R. Weil, Westphalenstr. 25.
Aussig aE.
C. S. R.

[postmark:] || WIEN 40 | [2]7. VI. 35. 11 | * 5a * |

Hofgastein
2.[or23?]. VI. 1935 [letter]

Aussig, 27. Mai, 1935.


Meine liebe Schwester

Es ist nicht Faulheit und auch nicht Interesselosigkeit, wenn ich einmal längere Zeit nicht schreibe; aber [?oh] finde ich wirklich tagsüber nicht die nötige Ruhe dazu und am Abend sind wir oft nicht allein, oder bin ich recht müde, denn bei uns beginnt der Tag um 6h, also muß man doch abends spätestens um 11h das Licht löschen. Auf eine regelmäßige Correspondenz kann ich mich schon deshalb nicht einlassen, weil ich leider noch hie und da mal kleine Depressionen habe und in so einer Stimmung nicht schreiben kann noch will, weil es da leicht zu Mißverständnissen kommt, wie es mir einmal mit Emma gegangen ist. Wenn ich nicht irre, hab‘ ich auch Dir mal in so einer Stimmung beschrieben und das tut mir dann nachher immerschreck- {2} liche leid; ich finde, daß durch Briefe überhaupt leicht Mißverständnisse entstehen. So schrieb ich Dir letzthin: Vielleicht komme ich doch noch einmal. 1 Hatte dabei aber keinen festen Termin im Auge, und Du hast es als feste Zusage aufgefaßt. Das tut mir wieder schrecklich leid. Denn, liebe Schwester, sogerne ich zu Dir käme, ich kann jetzt hier nicht weg. Wir haben beide ein bißchen Ausspannen recht nötig; der Arzt verlangt, daß Arnold 3–4 mal im Jahr, wenn auch nur für einige Tage, eine Pause einschiebt. Das war längst fällig. Nun hat er sich doch entschlossen, Ende dieser Woche zu fahren und über Pfingsten zu bleiben, doch wünscht er daß ich ihn begleite. Im Juli muß er wahrscheinlich wieder nach Karlsbad, 2 da fährt er aber diesmal allein und ich benütze die Zeit um das Haus von oben bis unten malen und herrichten zu lassen. {3} Das wird keine kleine, noch weniger eine angenehme Arbeit werden; doch auch solche Unannehmlichkeiten geben, wie alles, vorüber.

Wie stehen Deine Angelegenheiten? Schade daß Du unsere Einladung nicht ernst genommen hast; vielleicht hätte Dir Arnold doch irgendwie behilflich sein können. Oder ist alles schon erledigt? Ich dachte nicht, daß Du so bald Deinen Haushalt auflösen würdest doch hast Du ganz recht mit Deiner Behauptung, daß es bessere Dinge gebe, als Teppiche zu pflegen. 3 Wenn du so einen großen Nachlaß befunden hast, ich meine, an Schriften, kannst Du ja eine Dir lieb gewordene Arbeit fortsetzen und damit der Welt viel wertvolles erhalten. In diesen Dingen habe ich Dich immer bewundert. Ich hoffe daß Du körperlich ganz auf der Höhe bist und daß Du Gastein wohl zur Erholung, nicht aber zur Kur nötig hast. Gesundheit ist und bleibt unser größtes Kapital, sie hilft uns über manches leichter hinweg.

{4} Hedl war mit ihrem Mann fast 14 Tage hier, seit heute ist Hans wieder da. Erzählte ich Dir, daß er hier eine Fischconserven-Fabrik eingerichtet hat? Ich glaube, diese oder nächste Woche werden sie mit der Arbeit beginnen. Hoffentlich wird sich die Sache auch rentieren. – 4

Emma geht es G.s.D. wieder ganz gut, ich muß annehmen daß sie wieder zuhause ist. Eduard und Anne Palme 5 mit ihrem Mann waren vorigen Sonntag hier. Klara scheint es etwas besser zu gehen, seit [?etw] 14 Tagen ist sie in einer anderen Anstalt. Oskar fährt Mittwoch nach Karlsbad.

Hella schrieb mir, legt einen Brief von Victor mit einigen Photos aus dem Seebad bei; wo die Phrasen aufhören, fängt die Mauer an, mit der er sich gegen uns abschließt und die immer dicker und dicker wird. Mehr als ein Menschenalter ein [?Ozean] dazwischen, das muß sich irgendwie auswirken. – 6

Nun wünsche ich Dir einen recht angenehmen Aufenthalt, gutes Wetter für Gastein und auch sonst alles Gute und Schöne!


Mit den herzlichsten Grüßen von uns allen
von Deine
[signed:] Rosl.

© Transcription Ian Bent, 2024

[envelope]
{recto}

[To:] Mrs. Heinrich Schenker
Keilgasse 8
Vienna III

[postmark:] || [illeg] | [illeg] | [*] AUSSIG 2 [*] ||
{verso}

[From:] R. Weil, Westphalenstraße 25
Aussig on the Elbe
Czechoslovakia

[postmark:] || VIENNA 40 | [2]7. VI. 35. 11 | * 5a * |

Hofgastein
June 2[or23?], 1935 [letter]

Aussig, May 27, 1935


My dear sister

It’s not through laziness, or even lack of interest, that I’ve not written for a long time, but during the day I don’t find the necessary peace and quiet for it, and in the evening we are often not alone, or I am dead tired – for in our household the day begins at 6 a.m. and we really do need to put the light out around 11 o’clock at night. I can’t give myself over to a regular correspondence also because, unfortunately, I suffer from minor depression now and then, and in such a state of mind I neither can nor want to write, when it can easily lead to misunderstanding, as happened to me once with Emma. If I’m not mistaken, I also once wrote to you in such a state, and that then makes me infinitely {2} sad. I find misunderstandings arise all too easily through letters. I wrote to you just recently “Perhaps I may come to visit you some day! 1 By that I had no fixed deadline in mind, and you took it to be a firm commitment. That makes me terribly sorry. For, dear sister, however much I would like to come and visit you, I can’t get away from here. We are both in real need of a short respite. The doctor requires Arnold to take a break three or four times a year, if only for a few days. That remained the case for a long time. Now however he has decided at the end of this week to travel and stay away over Pentecost, and he wants me to accompany him. In July he must apparently to go again to Karlsbad, 2 but this time he will travel alone, and I will use the time to paint the house from top to bottom and put everything in order. {3} That will be no small task, still less a pleasant one; but then, even such disagreeable jobs, as with all things, it will pass.

How are your affairs going? It was such a pity you didn’t take our invitation seriously – Arnold might perhaps have been of some help to you. Or has everything by now been settled? I never imagined you would disband your household so soon, but you are certainly right in your assertion that there are better things to do than clean carpets. 3 Now that you are left with so large a legacy of personal effects – by that I mean papers – you can pursue a task that is close to your heart, and thereby preserve for posterity much that is of great value. In these matters I have always admired you. I hope that you are feeling physically on top of the world and that your need of Gastein is for refreshment rather than for the cure. Good health is now and ever our greatest capital; it helps us to cope more easily with many things.

{4} Hedl was here with her husband for almost two weeks. Today, Hans is again here. Did I tell you that he has built a canned fish factory here? I have an idea that it will start operation this week or next. Let’s hope it will be profitable. – 4

Emma, thank God, is well again; I should think that by now she is back home. Eduard and Anne Palme 5 with her husband were here the previous Sunday. Things seem to be a little better with Klara. Since [?about] two weeks ago she has been in a different establishment. Oskar goes to Karlsbad on Wednesday.

Hella wrote me enclosing a letter from Victor with some photographs from the seaside resort. Where the florid language ceases the wall begins, the wall with which he shuts us out, and which gets ever thicker and thicker. More than a generation, an [?ocean] separates us; it must work itself out. – 6

Now I wish you a really pleasant stay, good weather for Gastein, and otherwise all the very best!


With most heartfelt greetings from us all,
Your
[signed:] Rosl.

© Translation Ian Bent, 2024

[envelope]
{recto}

[An:] Frau Dr. Heinrich Schenker
Wien III.
Keilgasse 8.

[postmark:] || [illeg] | [illeg] | [*] AUSSIG 2 [*] ||
{verso}

[Absender:] R. Weil, Westphalenstr. 25.
Aussig aE.
C. S. R.

[postmark:] || WIEN 40 | [2]7. VI. 35. 11 | * 5a * |

Hofgastein
2.[or23?]. VI. 1935 [letter]

Aussig, 27. Mai, 1935.


Meine liebe Schwester

Es ist nicht Faulheit und auch nicht Interesselosigkeit, wenn ich einmal längere Zeit nicht schreibe; aber [?oh] finde ich wirklich tagsüber nicht die nötige Ruhe dazu und am Abend sind wir oft nicht allein, oder bin ich recht müde, denn bei uns beginnt der Tag um 6h, also muß man doch abends spätestens um 11h das Licht löschen. Auf eine regelmäßige Correspondenz kann ich mich schon deshalb nicht einlassen, weil ich leider noch hie und da mal kleine Depressionen habe und in so einer Stimmung nicht schreiben kann noch will, weil es da leicht zu Mißverständnissen kommt, wie es mir einmal mit Emma gegangen ist. Wenn ich nicht irre, hab‘ ich auch Dir mal in so einer Stimmung beschrieben und das tut mir dann nachher immerschreck- {2} liche leid; ich finde, daß durch Briefe überhaupt leicht Mißverständnisse entstehen. So schrieb ich Dir letzthin: Vielleicht komme ich doch noch einmal. 1 Hatte dabei aber keinen festen Termin im Auge, und Du hast es als feste Zusage aufgefaßt. Das tut mir wieder schrecklich leid. Denn, liebe Schwester, sogerne ich zu Dir käme, ich kann jetzt hier nicht weg. Wir haben beide ein bißchen Ausspannen recht nötig; der Arzt verlangt, daß Arnold 3–4 mal im Jahr, wenn auch nur für einige Tage, eine Pause einschiebt. Das war längst fällig. Nun hat er sich doch entschlossen, Ende dieser Woche zu fahren und über Pfingsten zu bleiben, doch wünscht er daß ich ihn begleite. Im Juli muß er wahrscheinlich wieder nach Karlsbad, 2 da fährt er aber diesmal allein und ich benütze die Zeit um das Haus von oben bis unten malen und herrichten zu lassen. {3} Das wird keine kleine, noch weniger eine angenehme Arbeit werden; doch auch solche Unannehmlichkeiten geben, wie alles, vorüber.

Wie stehen Deine Angelegenheiten? Schade daß Du unsere Einladung nicht ernst genommen hast; vielleicht hätte Dir Arnold doch irgendwie behilflich sein können. Oder ist alles schon erledigt? Ich dachte nicht, daß Du so bald Deinen Haushalt auflösen würdest doch hast Du ganz recht mit Deiner Behauptung, daß es bessere Dinge gebe, als Teppiche zu pflegen. 3 Wenn du so einen großen Nachlaß befunden hast, ich meine, an Schriften, kannst Du ja eine Dir lieb gewordene Arbeit fortsetzen und damit der Welt viel wertvolles erhalten. In diesen Dingen habe ich Dich immer bewundert. Ich hoffe daß Du körperlich ganz auf der Höhe bist und daß Du Gastein wohl zur Erholung, nicht aber zur Kur nötig hast. Gesundheit ist und bleibt unser größtes Kapital, sie hilft uns über manches leichter hinweg.

{4} Hedl war mit ihrem Mann fast 14 Tage hier, seit heute ist Hans wieder da. Erzählte ich Dir, daß er hier eine Fischconserven-Fabrik eingerichtet hat? Ich glaube, diese oder nächste Woche werden sie mit der Arbeit beginnen. Hoffentlich wird sich die Sache auch rentieren. – 4

Emma geht es G.s.D. wieder ganz gut, ich muß annehmen daß sie wieder zuhause ist. Eduard und Anne Palme 5 mit ihrem Mann waren vorigen Sonntag hier. Klara scheint es etwas besser zu gehen, seit [?etw] 14 Tagen ist sie in einer anderen Anstalt. Oskar fährt Mittwoch nach Karlsbad.

Hella schrieb mir, legt einen Brief von Victor mit einigen Photos aus dem Seebad bei; wo die Phrasen aufhören, fängt die Mauer an, mit der er sich gegen uns abschließt und die immer dicker und dicker wird. Mehr als ein Menschenalter ein [?Ozean] dazwischen, das muß sich irgendwie auswirken. – 6

Nun wünsche ich Dir einen recht angenehmen Aufenthalt, gutes Wetter für Gastein und auch sonst alles Gute und Schöne!


Mit den herzlichsten Grüßen von uns allen
von Deine
[signed:] Rosl.

© Transcription Ian Bent, 2024

[envelope]
{recto}

[To:] Mrs. Heinrich Schenker
Keilgasse 8
Vienna III

[postmark:] || [illeg] | [illeg] | [*] AUSSIG 2 [*] ||
{verso}

[From:] R. Weil, Westphalenstraße 25
Aussig on the Elbe
Czechoslovakia

[postmark:] || VIENNA 40 | [2]7. VI. 35. 11 | * 5a * |

Hofgastein
June 2[or23?], 1935 [letter]

Aussig, May 27, 1935


My dear sister

It’s not through laziness, or even lack of interest, that I’ve not written for a long time, but during the day I don’t find the necessary peace and quiet for it, and in the evening we are often not alone, or I am dead tired – for in our household the day begins at 6 a.m. and we really do need to put the light out around 11 o’clock at night. I can’t give myself over to a regular correspondence also because, unfortunately, I suffer from minor depression now and then, and in such a state of mind I neither can nor want to write, when it can easily lead to misunderstanding, as happened to me once with Emma. If I’m not mistaken, I also once wrote to you in such a state, and that then makes me infinitely {2} sad. I find misunderstandings arise all too easily through letters. I wrote to you just recently “Perhaps I may come to visit you some day! 1 By that I had no fixed deadline in mind, and you took it to be a firm commitment. That makes me terribly sorry. For, dear sister, however much I would like to come and visit you, I can’t get away from here. We are both in real need of a short respite. The doctor requires Arnold to take a break three or four times a year, if only for a few days. That remained the case for a long time. Now however he has decided at the end of this week to travel and stay away over Pentecost, and he wants me to accompany him. In July he must apparently to go again to Karlsbad, 2 but this time he will travel alone, and I will use the time to paint the house from top to bottom and put everything in order. {3} That will be no small task, still less a pleasant one; but then, even such disagreeable jobs, as with all things, it will pass.

How are your affairs going? It was such a pity you didn’t take our invitation seriously – Arnold might perhaps have been of some help to you. Or has everything by now been settled? I never imagined you would disband your household so soon, but you are certainly right in your assertion that there are better things to do than clean carpets. 3 Now that you are left with so large a legacy of personal effects – by that I mean papers – you can pursue a task that is close to your heart, and thereby preserve for posterity much that is of great value. In these matters I have always admired you. I hope that you are feeling physically on top of the world and that your need of Gastein is for refreshment rather than for the cure. Good health is now and ever our greatest capital; it helps us to cope more easily with many things.

{4} Hedl was here with her husband for almost two weeks. Today, Hans is again here. Did I tell you that he has built a canned fish factory here? I have an idea that it will start operation this week or next. Let’s hope it will be profitable. – 4

Emma, thank God, is well again; I should think that by now she is back home. Eduard and Anne Palme 5 with her husband were here the previous Sunday. Things seem to be a little better with Klara. Since [?about] two weeks ago she has been in a different establishment. Oskar goes to Karlsbad on Wednesday.

Hella wrote me enclosing a letter from Victor with some photographs from the seaside resort. Where the florid language ceases the wall begins, the wall with which he shuts us out, and which gets ever thicker and thicker. More than a generation, an [?ocean] separates us; it must work itself out. – 6

Now I wish you a really pleasant stay, good weather for Gastein, and otherwise all the very best!


With most heartfelt greetings from us all,
Your
[signed:] Rosl.

© Translation Ian Bent, 2024

Footnotes

1 Cf. OJ 14/10, [20], April 19, 1935.

2 Karlsbad (Karlovy Vary): i.e. to take the cure in its hot springs, as Arnold regularly did.

3 The last known communication to Jeanette addressed to the Keilgasse was OJ 10/18, 11], notecard dated June 19, 1935 (what would have been Heinrich’s 68th birthday).

4 This paragraph-break is editorial: Rosa inserts an en-dash at this point and writes continuously.

5 Anne Palme: daughter of Emma and Eduard (1904-88). Her husband was Elias Franz Palme (1898–1958).

6 This paragraph-break is editorial: Rosa inserts an en-dash at this point and writes continuously

Commentary

Format
4p letter and envelope:- letter: holograph (Rosa) salutation, message, valediction, and signature; envelope: holograph recipient address and postmark, holograph (Jeanette Schenker) annotation, recto; holograph (Rosa) sender address and postmark, verso.
Provenance
Schenker, Heinrich (document date-1935)--Schenker, Jeanette (1934-c.1942)--Ratz, Erwin (c.1942-c.1945)--Jonas, Oswald (c.1945-1978)--University of California, Riverside (1978--)
Rights Holder
Heirs of Arnold and Rosa Weil; deemed to be in the public domain
License
Attempts to identify the heirs of Arnold and Rosa Weil have proved unsuccessful. This document is deemed to be in the public domain. Any claim to intellectual rights should be addressed to Schenker Documents Online, Faculty of Music, University of Cambridge, at schenkercorrespondence[at]mus(dot)cam(dot)ac(dot)uk.

Digital version created: 2024-07-30
Last updated: 2010-03-11