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OJ 10/3, [213] - Typewritten letter from Deutsch to Schenker, dated June 29, 1934
⇧ PROF. OTTO ERICH DEUTSCH Tel. R 45–6–72 WIEN II. Böcklinstraße 26 ⇧ 29. June 34 Lieber Verehrter! 1 Heute endlich kann ich auf Ihre beiden Briefe 2 antworten, und auch nur, weil der zweite so dringend scheint. Ich bin sehr beschäftigt seit meiner Heimkehr und hatte mit Hoboken neuerdings Verdruss, der einen langen Brief kostete. Sie werden alles lesen, wenn Sie wünschen, für heute sage ich nur, dass er mir Vorwürfe aus dem früheren Ankauf von Stücken machen wollte, die wir jetzt durch bessere ersetzen können. Dabei ist der Ankauf zum Teil ohne mich geschehen, und aus geringer Sachkenntnis natürlich, überdies so billig, dass beide Exemplare in diesen fünf zufälligen Beispielen jeweils kaum den wahren Wert kosteten, bevor noch das überzählige verkauft ist. Ich sende Ihnen nächstens die ganze liebliche Korrespondenz, die schon friedlich abgeschlossen schien und jetzt wohl endgiltig ist. Dass Sie ihn eines Bessern über mich belehren mögen, wage ich nicht mehr zu bitten. Meine Frau ist nach acht Tagen Spital wieder hergestellt. Es war eine Vergiftung unbekannter Herkunft mit Kolik und dann Darmverschluss, ohne dass glücklicher Weise ein operativer Eingriff nötig wurde. Saturn hat mir Jonas’ Buch 3 angekündigt. Nun das Dringende: die beiden Briefe der UE und Vertragsentwurf 4 scheinen mir gut zu sein, bis auf die notierten Punkte: 13. Juni: dass der Einband nur nach Bedarf und partienweise, besser: serienweise 5 gemacht wird, versteht sich zwar von selbst, sollte aber, weil es sich um das Geld eines Dritten handeln, besonders gesagt werden. 22. Juni: ich glaube, dass es Hoboken passen wird, die Rechnungen jeweils innerhalb eines Monats nach Vorlage zu bezahlen, wobei man auch schon den Weg zu ihm einberechnet hätte. Wenn die UE aber, wie ihre Lieferanten, das Geld so prompt erwartet, so sollte sie auch es rascher als einmal im Jahr zurückzuerstatten suchen. Also statt einmalige Abrech[n]ung womöglich halbjährige oder besser vierteljährige. Aber ich würde daraus keine Streitfrage {2} machen. Endlich zum Vertragsentwurf, in den diese drei Punkte womöglich aufgenommen werden sollten, noch dieses: Im zweiten Absatz muss, erste Zeile, gesagt werden „der ersten Auflage“ und soll diese, was nur im ersten Brief gesagt ist, in Ziffern angegeben werden: 1000 Exemplare. Ich empfehle im Titel Phantasien mit ph zu schreiben, weil das Wort neben den Theorien so besser aussieht. Trotz Duden. 6 In der zweiten Augusthälfte werde ich in Salzburg sein. Ja, ich fahre sogar Sonntag–Montag schon mit einem Autobus der Kasinogesellschaft eingeladen hin, zur Eröffnung des Spielkasinos, 7 das mich eigentlich nichts angeht. Aber wer könnte Salzburg je widerstehen, selbst unter Böller-Huldigungen! Ob ich dann im August Sie – wie gerne! – besuchen werden können, hängt von meinem finanziellen Umständen ab. Kalmus denkt bei seiner Frage übrigens nicht an eine Angabe. Er muss sich nur decken, weil seine Lieferanten nicht unbegrenzt warten. Die Zahlungen sind nach Rechnungslegung fällig und werden also jedenfalls in Teilen zu erfolgen haben, nach dem Einlauf, und in der Reihe der Arbeiten. Arch. Schmid habe ich seit seiner Rückkehr noch nicht gesprochen. Hoboken kommt also so bald nicht nach Wien, erst im Herbst wohl. Ich lese natürlich gerne wieder Ihre Korrektur mit, obzwar sich meine Hilfe leider nur auf ganz Aeusserliches beziehen kann. 8 Meinen Akademiekurs mach ich erst im September genauer mit Kobald ab. Wollen Sie ihn Hoboken avisieren? 9 Oder lassen wir das bis im Herbst? Und darf ich Sie als Anreger nennen bei Hoboken? So war es doch, nicht? Meine Frau geht mit Gitta nach Hainfeld, Peter zunächst mit Pfadfindern nach Tirol. Leben Sie wohl in Ihrer schönen Gegend! Und empfehlen Sie mich schönstens Ihrer lieben Frau! © Transcription William Drabkin, 2023 |
⇧ PROF. OTTO ERICH DEUTSCH Tel. R 45–6–72 VIENNA II Böcklinstraße 26 ⇧ June 29, 1934 Dear revered friend, 1 Today, finally, I am able to reply to your two letters, 2 and only because the second seems so urgent. I have been very busy since returning home, and recently had difficulties with Hoboken which cost me a long letter. You shall read everything, if you wish; for today I shall only say that he wanted to reproach me for earlier purchases of pieces which we are now able to replace with better copies. Some of these purchases were made without my involvement, and with an inferior understanding of the matter; moreover, they were so cheap that both copies of these five random examples hardly cost their true value, even before the extra copy of each is sold. I shall soon send you the thoroughly delightful correspondence, which seems already to have been concluded peacefully and is probably now finished. That you might like to tell him something better about me is something I no longer dare to ask. After spending a week in hospital, my wife is back here. It was a poisoning of unknown origin, with colic and then obstruction of the bowels, fortunately without the need for an intrusive operation. Saturn has informed me about Jonas’s book. 3 Now for the urgent matters. The two letters from Universal Edition and the draft contract 4 seem to be good except for the points I have noted: [Letter of] June 13: That the (hard) cover should be made only if required, and in accordance with the parts – or, better, serially 5 – is self-explanatory; but because the money of a third party is involved, it should be stated specifically. [Letter of] June 22: I think that Hoboken will agree to pay for each of the invoices within a month of their receipt, for which the path to him ought already to have been prepared. But if Universal Edition, like its suppliers, expect the money so promptly, then they should also attempt to repay him more frequently than once every year. Thus instead of a single [yearly] account, one every half-year if possible, or better quarterly. But I would not make a contentious point of this. {2} Finally, to the draft contract which, in addition to the three points that should be incorporated, should also include the following: In the second paragraph, first line, “the first printing” must be written; and this should be given in numbers, as indicated only in the first of the letters: 1,000 copies. For the title, I recommend that you spell Phantasien with “ph,” because that word will look better next to Theorien. In spite of Duden. 6 I shall be in Salzburg in the second half of August. I am actually going there, by invitation, in a bus belonging to the Casino Society, for the opening of the gaming casino. 7 That does not actually interest me much; but who could ever resist Salzburg, even under volleys of cannon-fire! Whether I could then visit you in August – how I would like to do so! – depends on my financial circumstances. By the way Kalmus, in the question he poses, is not thinking of a down payment. He must only cover his costs, because his suppliers cannot wait forever. The payments are due after the invoices have been issued and will in any event have to be made in installments, as the invoices arrive and in the order in which the work is carried out. I have not spoken with architect Schmid since his return. Hoboken will not be returning to Vienna very soon, probably not until the autumn. I shall naturally be happy to read the proofs with you again, even if my help can, unfortunately, be applied only in an entirely superficial way. 8 I shall not make the specific arrangements with Kobald for my course at the Academy until September. Would you like to notify Hoboken about it? 9 Or shall we leave that until the autumn. And may I name you to Hoboken as the stimulus? That is surely how things were? My wife is going with Gitta to Hainfeld, Peter at first to the Tyrol with the Pathfinders. Enjoy life in your beautiful region! And give my best wishes to your dear wife! Best wishes from the two of us to the two of you. But with three enclosures. 10 Your most cordially devoted [signed:] ⇧ O. E. Deutsch © Translation William Drabkin, 2023 |
⇧ PROF. OTTO ERICH DEUTSCH Tel. R 45–6–72 WIEN II. Böcklinstraße 26 ⇧ 29. June 34 Lieber Verehrter! 1 Heute endlich kann ich auf Ihre beiden Briefe 2 antworten, und auch nur, weil der zweite so dringend scheint. Ich bin sehr beschäftigt seit meiner Heimkehr und hatte mit Hoboken neuerdings Verdruss, der einen langen Brief kostete. Sie werden alles lesen, wenn Sie wünschen, für heute sage ich nur, dass er mir Vorwürfe aus dem früheren Ankauf von Stücken machen wollte, die wir jetzt durch bessere ersetzen können. Dabei ist der Ankauf zum Teil ohne mich geschehen, und aus geringer Sachkenntnis natürlich, überdies so billig, dass beide Exemplare in diesen fünf zufälligen Beispielen jeweils kaum den wahren Wert kosteten, bevor noch das überzählige verkauft ist. Ich sende Ihnen nächstens die ganze liebliche Korrespondenz, die schon friedlich abgeschlossen schien und jetzt wohl endgiltig ist. Dass Sie ihn eines Bessern über mich belehren mögen, wage ich nicht mehr zu bitten. Meine Frau ist nach acht Tagen Spital wieder hergestellt. Es war eine Vergiftung unbekannter Herkunft mit Kolik und dann Darmverschluss, ohne dass glücklicher Weise ein operativer Eingriff nötig wurde. Saturn hat mir Jonas’ Buch 3 angekündigt. Nun das Dringende: die beiden Briefe der UE und Vertragsentwurf 4 scheinen mir gut zu sein, bis auf die notierten Punkte: 13. Juni: dass der Einband nur nach Bedarf und partienweise, besser: serienweise 5 gemacht wird, versteht sich zwar von selbst, sollte aber, weil es sich um das Geld eines Dritten handeln, besonders gesagt werden. 22. Juni: ich glaube, dass es Hoboken passen wird, die Rechnungen jeweils innerhalb eines Monats nach Vorlage zu bezahlen, wobei man auch schon den Weg zu ihm einberechnet hätte. Wenn die UE aber, wie ihre Lieferanten, das Geld so prompt erwartet, so sollte sie auch es rascher als einmal im Jahr zurückzuerstatten suchen. Also statt einmalige Abrech[n]ung womöglich halbjährige oder besser vierteljährige. Aber ich würde daraus keine Streitfrage {2} machen. Endlich zum Vertragsentwurf, in den diese drei Punkte womöglich aufgenommen werden sollten, noch dieses: Im zweiten Absatz muss, erste Zeile, gesagt werden „der ersten Auflage“ und soll diese, was nur im ersten Brief gesagt ist, in Ziffern angegeben werden: 1000 Exemplare. Ich empfehle im Titel Phantasien mit ph zu schreiben, weil das Wort neben den Theorien so besser aussieht. Trotz Duden. 6 In der zweiten Augusthälfte werde ich in Salzburg sein. Ja, ich fahre sogar Sonntag–Montag schon mit einem Autobus der Kasinogesellschaft eingeladen hin, zur Eröffnung des Spielkasinos, 7 das mich eigentlich nichts angeht. Aber wer könnte Salzburg je widerstehen, selbst unter Böller-Huldigungen! Ob ich dann im August Sie – wie gerne! – besuchen werden können, hängt von meinem finanziellen Umständen ab. Kalmus denkt bei seiner Frage übrigens nicht an eine Angabe. Er muss sich nur decken, weil seine Lieferanten nicht unbegrenzt warten. Die Zahlungen sind nach Rechnungslegung fällig und werden also jedenfalls in Teilen zu erfolgen haben, nach dem Einlauf, und in der Reihe der Arbeiten. Arch. Schmid habe ich seit seiner Rückkehr noch nicht gesprochen. Hoboken kommt also so bald nicht nach Wien, erst im Herbst wohl. Ich lese natürlich gerne wieder Ihre Korrektur mit, obzwar sich meine Hilfe leider nur auf ganz Aeusserliches beziehen kann. 8 Meinen Akademiekurs mach ich erst im September genauer mit Kobald ab. Wollen Sie ihn Hoboken avisieren? 9 Oder lassen wir das bis im Herbst? Und darf ich Sie als Anreger nennen bei Hoboken? So war es doch, nicht? Meine Frau geht mit Gitta nach Hainfeld, Peter zunächst mit Pfadfindern nach Tirol. Leben Sie wohl in Ihrer schönen Gegend! Und empfehlen Sie mich schönstens Ihrer lieben Frau! © Transcription William Drabkin, 2023 |
⇧ PROF. OTTO ERICH DEUTSCH Tel. R 45–6–72 VIENNA II Böcklinstraße 26 ⇧ June 29, 1934 Dear revered friend, 1 Today, finally, I am able to reply to your two letters, 2 and only because the second seems so urgent. I have been very busy since returning home, and recently had difficulties with Hoboken which cost me a long letter. You shall read everything, if you wish; for today I shall only say that he wanted to reproach me for earlier purchases of pieces which we are now able to replace with better copies. Some of these purchases were made without my involvement, and with an inferior understanding of the matter; moreover, they were so cheap that both copies of these five random examples hardly cost their true value, even before the extra copy of each is sold. I shall soon send you the thoroughly delightful correspondence, which seems already to have been concluded peacefully and is probably now finished. That you might like to tell him something better about me is something I no longer dare to ask. After spending a week in hospital, my wife is back here. It was a poisoning of unknown origin, with colic and then obstruction of the bowels, fortunately without the need for an intrusive operation. Saturn has informed me about Jonas’s book. 3 Now for the urgent matters. The two letters from Universal Edition and the draft contract 4 seem to be good except for the points I have noted: [Letter of] June 13: That the (hard) cover should be made only if required, and in accordance with the parts – or, better, serially 5 – is self-explanatory; but because the money of a third party is involved, it should be stated specifically. [Letter of] June 22: I think that Hoboken will agree to pay for each of the invoices within a month of their receipt, for which the path to him ought already to have been prepared. But if Universal Edition, like its suppliers, expect the money so promptly, then they should also attempt to repay him more frequently than once every year. Thus instead of a single [yearly] account, one every half-year if possible, or better quarterly. But I would not make a contentious point of this. {2} Finally, to the draft contract which, in addition to the three points that should be incorporated, should also include the following: In the second paragraph, first line, “the first printing” must be written; and this should be given in numbers, as indicated only in the first of the letters: 1,000 copies. For the title, I recommend that you spell Phantasien with “ph,” because that word will look better next to Theorien. In spite of Duden. 6 I shall be in Salzburg in the second half of August. I am actually going there, by invitation, in a bus belonging to the Casino Society, for the opening of the gaming casino. 7 That does not actually interest me much; but who could ever resist Salzburg, even under volleys of cannon-fire! Whether I could then visit you in August – how I would like to do so! – depends on my financial circumstances. By the way Kalmus, in the question he poses, is not thinking of a down payment. He must only cover his costs, because his suppliers cannot wait forever. The payments are due after the invoices have been issued and will in any event have to be made in installments, as the invoices arrive and in the order in which the work is carried out. I have not spoken with architect Schmid since his return. Hoboken will not be returning to Vienna very soon, probably not until the autumn. I shall naturally be happy to read the proofs with you again, even if my help can, unfortunately, be applied only in an entirely superficial way. 8 I shall not make the specific arrangements with Kobald for my course at the Academy until September. Would you like to notify Hoboken about it? 9 Or shall we leave that until the autumn. And may I name you to Hoboken as the stimulus? That is surely how things were? My wife is going with Gitta to Hainfeld, Peter at first to the Tyrol with the Pathfinders. Enjoy life in your beautiful region! And give my best wishes to your dear wife! Best wishes from the two of us to the two of you. But with three enclosures. 10 Your most cordially devoted [signed:] ⇧ O. E. Deutsch © Translation William Drabkin, 2023 |
Footnotes1 Receipt of this letter is recorded in Schenker’s diary for July 2, 1934: “Von Deutsch (Br.): Bemerkungen zum Vertrag [für Der freie Satz]; hält im September den Kurs an der Akademie: Was mir versagt wurde, ist dem hilflosen Anfänger gern gewährt, dem erst durch mich der Weg zum Archivar, zur richtigen Handhabung der Erstdrucke gewiesen worden u. schließlich sogar der Weg zu dem Kurse förmlich aufgetragen wurde!!” (“From Deutsch (letter): remarks about the contract [for Free Composition]; he is giving the course at the Academy in September: what was denied to me is gladly entrusted to the helpless beginner, who by me alone was shown the way to becoming an archivist, the correct way to deal with first editions; and, finally, was even set on the route to giving courses!!”). 2 Schenker responded to Deutsch’s postcard of June 11 (OJ 10/3, [211]) with a reassuring letter the following day: “An Deutsch (Br.): nichts von ‘böse’ – gegenseitige Schonung Ausdruck unserer gesunkenen Zustände – bitte um schriftliche Mitteilung.” (“To Deutsch (letter): not at all ‘angry’– our clemency towards one another is the expression of our sunken conditions – I ask for a reply in writing.”). —The writing of a second letter, which included the letters from Kalmus (Universal Edition) and the draft contract for Der freie Satz , is not recorded in the diary. 3 Das Wesen des musikalischen Kunstwerks: Einführung in die Lehre Heinrich Schenkers (Vienna: Saturn, 1934). 4 The contract for the publication of Der freie Satz . 5 This may refer to the publication of Der freie Satz as a two-volume set comprising text and music illustrations; a hard binding, if required, would apply to both parts of the set. 6 Duden: publisher of dictionaries and books on German style, spelling, orthography, and the like. Words like “Phantasie,” “Telephon,” and “Photographie” were, increasingly, being spelled with “f” rather than “ph.” 7 The gaming casino in Salzburg was established in 1934 and originally located in the Mirabell Palace; it was relocated to the Mönchsberg to accommodate a larger clientele. 8 Deutsch had already read the proofs for the second and third Meisterwerk yearbooks in 1927 and 1930, and advised on the layout of the Fünf Urlinien-Tafeln (1932). He was aware that Schenker’s present project, Der freie Satz , would be demanding from a musically technical point of view. 9 Schenker wrote to Hoboken on July 12, 1934, OJ 89/7, [10], including a very long paragraph about Deutsch’s course, the history of its instigation, and his own reaction (“… what I was denied, he acquires immediately. Is not that laughable?”). 10 The two letters from Universal Edition to Schenker, and a draft contract for Der freie Satz . |
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Commentary
Digital version created: 2023-09-13 |