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Mittwoch Abend Baden 5/3 1930

Meine Lieben! 1

Leider war es mir wieder nicht möglich Euch heute zu besuchen. Ich hätte dies schon aus dem Grunde getan, um Euch in der leidigen Geldangelegenheit alle Aufklärungen und Beruhigung zu geben. Wie Dir bereits früher erzählt [wurde], habe ich Schritte unternommen, um eine Hypothek auf das Gut im Betrage von S. 80000.– 2 aufzunehmen. Wenn die Bodencredit-Anstalt nicht eingefallen wäre, hätte ich das Geld schon längst bekommen und selbstverständlich Dir den Rest samt 8½% Zinsen ausgezahlt. Dadurch, dass obige Bank nicht mehr existiert, und die Credit-Anstalt deren Geschäfte übernimmt, müssen die Privilegien für Hypothekargeschäfte (Emissionsrecht von Pfandbriefen) auf die Credit-Anstalt übertragen werden. Diese Formalitäten erfordern eine gewisse Zeit trotz den {2} eifrigsten Bemühungen der Bank, welche doch das Geschäft fortsetzen will. Der Direktor dieser Abteilung namens Blitz hat mir versprochen, dass das erste Geschäft, welches die neue Abteilung machen wird, die Hypothek für mich sein wird. Bitte, glaube mir doch, dass ich nicht einen Moment versäume, um meine Pflicht zu erfüllen. 3

Dies umsomehr, als ich gerade jetzt genug andere Aufregungen mitmache, weil ich im Begriffe bin eine Finanzierungsgesellschaft für Kraftwagen in‘s Leben zu rufen, 4 deren Leitung ich übernehmen soll

Gott sei Dank genieße ich das Vertrauen der Leute, die mir bis heute von den hiezu erforderlichen S. 5000000.– den Betrag von S. 300,000.– subscribiert haben. Dabei schlafe ich keine Nacht wegen der Restzahlung an Dich, weil ich fühle, dass Ihr ungeduldig seid, und lieber auf eine höhere Verzinsung meinerseits verzichtet, um nur so rasch als möglich 5 {3} das Geld wiederzusehen. Eure Angst 6 ist wirklich unberechtigt, weil ich Euch bestimmt werde bezahlen können. Anders stünde die Sache, wenn ich nichts besässe oder nicht den guten Willen hätte, meine Pflicht zu erfüllen. Der Mensch, welcher mir aber nachsagen kann, dass ich meine Pflicht nicht erfülle, hat nicht existiert und wird nicht existieren. Wenn aber nicht so dreckige Zeiten wären, hätte ich es ja nicht einmal nötig auf eine Hypothek zu warten, aber kein Mensch hat flüssiges Geld. Also ich bitte Euch nochmals keine Angst zu haben und überzeugt zu sein, das Ihr Euer Geld mit Zinseszinsen 7 und Ordnung bekommen werdet in dem Momente, in welchen ich die Formalitäten durchmachen 8 kann.


Herzliche Grüße und Küsse von
Euerem
[signed:] Moriz

© Transcription Ian Bent, 2023


Wednesday evening, Baden, March 5, 1930

My dears, 1

Unfortunately it was again not possible for me to call on you today. I would have done so in order, in the midst of wretched financial matter, to give you full explanations and reassurance. As has already been recounted to you, I have taken steps to take out a mortgage on the property in the amount of 80,000 shillings. 2 If the Boden Creditanstalt had not collapsed, I would long ago have received the money and naturally paid you the balance with 8½% interest. By virtue of the bank no longer existing, and the Creditanstalt taking over its business, the privileges for mortgage business (emissions law of mortgage bonds) were conferred. These formalities necessitate a certain time despite the {2} most assiduous efforts of the bank, which will certainly carry on the business. The director of the division, by the name of Blitz, has promised me that the first piece of business that the new division will conduct with be the mortgage for me. Please believe me that I shall not fail for one single moment to fulfil my obligation. 3

This, moreover, [comes] when I am right now participating in other commotions, because I am in the process of bringing into existence a finance house for automobiles, 4 the directorship of which I am to take on.

Thank God, I enjoy the trust of the people who have up to today subscribed 300,000 shillings of the 5,000,000 shillings required for this. What’s more, I don’t sleep at night on account of the payment balance to you, because I feel you are impatient and prefer to forgo a higher interest rate on my part merely in order as soon as possible 5 {3} to see your money. Your anxiety 6 is really unwarranted because I will definitely be able to pay you. Matters would be different if I possessed no means, or did not have the goodwill, to fulfil my obligation. The person who can speak ill of me, saying that I will not fulfil my obligation, has not existed and will not exist. If these were not such squalid times, I would not for a moment have needed to resort to a mortgage, but nobody has liquid money. So I implore you yet again to have no fear, and to be convinced that you will get your money with compound interest 7 and orderliness the moment I can get through the formalities. 8


Cordial greetings and kisses from
your
[signed:] Moriz

© Translation Ian Bent, 2023


Mittwoch Abend Baden 5/3 1930

Meine Lieben! 1

Leider war es mir wieder nicht möglich Euch heute zu besuchen. Ich hätte dies schon aus dem Grunde getan, um Euch in der leidigen Geldangelegenheit alle Aufklärungen und Beruhigung zu geben. Wie Dir bereits früher erzählt [wurde], habe ich Schritte unternommen, um eine Hypothek auf das Gut im Betrage von S. 80000.– 2 aufzunehmen. Wenn die Bodencredit-Anstalt nicht eingefallen wäre, hätte ich das Geld schon längst bekommen und selbstverständlich Dir den Rest samt 8½% Zinsen ausgezahlt. Dadurch, dass obige Bank nicht mehr existiert, und die Credit-Anstalt deren Geschäfte übernimmt, müssen die Privilegien für Hypothekargeschäfte (Emissionsrecht von Pfandbriefen) auf die Credit-Anstalt übertragen werden. Diese Formalitäten erfordern eine gewisse Zeit trotz den {2} eifrigsten Bemühungen der Bank, welche doch das Geschäft fortsetzen will. Der Direktor dieser Abteilung namens Blitz hat mir versprochen, dass das erste Geschäft, welches die neue Abteilung machen wird, die Hypothek für mich sein wird. Bitte, glaube mir doch, dass ich nicht einen Moment versäume, um meine Pflicht zu erfüllen. 3

Dies umsomehr, als ich gerade jetzt genug andere Aufregungen mitmache, weil ich im Begriffe bin eine Finanzierungsgesellschaft für Kraftwagen in‘s Leben zu rufen, 4 deren Leitung ich übernehmen soll

Gott sei Dank genieße ich das Vertrauen der Leute, die mir bis heute von den hiezu erforderlichen S. 5000000.– den Betrag von S. 300,000.– subscribiert haben. Dabei schlafe ich keine Nacht wegen der Restzahlung an Dich, weil ich fühle, dass Ihr ungeduldig seid, und lieber auf eine höhere Verzinsung meinerseits verzichtet, um nur so rasch als möglich 5 {3} das Geld wiederzusehen. Eure Angst 6 ist wirklich unberechtigt, weil ich Euch bestimmt werde bezahlen können. Anders stünde die Sache, wenn ich nichts besässe oder nicht den guten Willen hätte, meine Pflicht zu erfüllen. Der Mensch, welcher mir aber nachsagen kann, dass ich meine Pflicht nicht erfülle, hat nicht existiert und wird nicht existieren. Wenn aber nicht so dreckige Zeiten wären, hätte ich es ja nicht einmal nötig auf eine Hypothek zu warten, aber kein Mensch hat flüssiges Geld. Also ich bitte Euch nochmals keine Angst zu haben und überzeugt zu sein, das Ihr Euer Geld mit Zinseszinsen 7 und Ordnung bekommen werdet in dem Momente, in welchen ich die Formalitäten durchmachen 8 kann.


Herzliche Grüße und Küsse von
Euerem
[signed:] Moriz

© Transcription Ian Bent, 2023


Wednesday evening, Baden, March 5, 1930

My dears, 1

Unfortunately it was again not possible for me to call on you today. I would have done so in order, in the midst of wretched financial matter, to give you full explanations and reassurance. As has already been recounted to you, I have taken steps to take out a mortgage on the property in the amount of 80,000 shillings. 2 If the Boden Creditanstalt had not collapsed, I would long ago have received the money and naturally paid you the balance with 8½% interest. By virtue of the bank no longer existing, and the Creditanstalt taking over its business, the privileges for mortgage business (emissions law of mortgage bonds) were conferred. These formalities necessitate a certain time despite the {2} most assiduous efforts of the bank, which will certainly carry on the business. The director of the division, by the name of Blitz, has promised me that the first piece of business that the new division will conduct with be the mortgage for me. Please believe me that I shall not fail for one single moment to fulfil my obligation. 3

This, moreover, [comes] when I am right now participating in other commotions, because I am in the process of bringing into existence a finance house for automobiles, 4 the directorship of which I am to take on.

Thank God, I enjoy the trust of the people who have up to today subscribed 300,000 shillings of the 5,000,000 shillings required for this. What’s more, I don’t sleep at night on account of the payment balance to you, because I feel you are impatient and prefer to forgo a higher interest rate on my part merely in order as soon as possible 5 {3} to see your money. Your anxiety 6 is really unwarranted because I will definitely be able to pay you. Matters would be different if I possessed no means, or did not have the goodwill, to fulfil my obligation. The person who can speak ill of me, saying that I will not fulfil my obligation, has not existed and will not exist. If these were not such squalid times, I would not for a moment have needed to resort to a mortgage, but nobody has liquid money. So I implore you yet again to have no fear, and to be convinced that you will get your money with compound interest 7 and orderliness the moment I can get through the formalities. 8


Cordial greetings and kisses from
your
[signed:] Moriz

© Translation Ian Bent, 2023

Footnotes

1 Receipt of this letter and Heinrich’s response are recorded in his diary for March 7, 1930: “Von Mozio (Br.): Blitz werde . . usw. –, er spricht nichts von Zinsen, auch nichts davon, was zu geschehen hat, wenn Blitz nicht eingreift. — An Mozio (Br. expreß Judenplatz 6): gleich die Zinsen schicken u. meine Fragen beantworten, das Gut hinhauen, wenn es anders nicht geht.” (“From Mozio (letter): Blitz will … etc.; he does not say anything about the interest; nor anything about what will happen if Blitz does not intercede. — To Mozio (express letter Judenplatz 6): Send the interest and answer my questions immediately; deal with the property if there is no alternative.”). — The diary for March 9 – the deadline for payment of the balance of the costs on the third Meisterwerk yearbook being due on March 15 – records: “An Mozio Telegramm: bis Dienstag Zinsen erlegen.” (“To Mozio, telegraph: Pay the interest by Tuesday.”), and for March 14 records: “Ich hole die ersten Zinsen: 397.40 S.” (“I collect the first interest payment, 397.40 shillings.”), for which payment is confirmed by the Creditanstalt the next day. — Moriz had canceled earlier in the day on March 5 for a visit arranged a week previously, see OJ 14/5, [30], February 27, 1930.

2 “Gut ... 80.000” (“property ... 80,000”): underlined in crayon by Heinrich, who also writes in the top right corner “Zinsen” (“interest”).

3 The two paragraph-breaks in this letter are editorially introduced.

4 “Finanzierungsgesellschaft … rufen” (“bringing … automobiles”): underlined in crayon by Heinrich.

5 “ich fühle … möglich” (“I feel ... possible”): underlined in crayon and double-sidelined in the left margin by Heinrich. In addition, Heinrich has written: “*)? Schülernot,– abgebrochen, andere [?Lage]” (*)? Need of pupils – broken off, [?another situation]”) to the right of the passage, beneath the valediction and signature on p. 3.

6 “Angst” (“anxiety”): underlined in crayon by Heinrich; and above “ist” (“is”) Heinrich has written “?*)”.

7 “Ihr ... Zinseszinsen” (“you ... interest”): underlined in crayon by Heinrich.

8 “die Formalitäten durchmachen” (“get … formalities”): underlined in crayon by Heinrich.

Commentary

Format
3p letter (Bogen format), holograph salutation, message, valediction, and signature, heavy annotation by Heinrich Schenker
Provenance
Schenker, Heinrich (document date-1935)--Schenker, Jeanette (1935-c.1942)--Ratz, Erwin (c.1942-c.1945)--Jonas, Oswald (c.1945-1978)--University of California, Riverside (1978--)
Rights Holder
Heirs of Julia Schenker or Moriz Schenker, respectively, deemed to be in the public domain
License
This document is deemed to be in the public domain. Any claim to intellectual rights on this document should be addressed to the Schenker Correspondence Project, Faculty of Music, University of Cambridge, at schenkercorrespondence [at] mus (dot) cam (dot) ac (dot) uk.

Digital version created: 2024-02-16
Last updated: 2010-03-21